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Sportlich oder sparsam BMW 545e - Plug-in-Hybrid der Oberklasse

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Die minimale Tarnung auf der Motorhaube mag es verschleiern wollen, aber das Fahrzeug auf dem Bild ist der neue BMW 545e.

(Foto: Uwe Fischer)

Wer das eine will, muss das andere mögen. Oder sollte man im Falle des BMW 545e lieber sagen: Wer das eine mag, bekommt noch was dazu? Denn tatsächlich ist der Plug-in-Hybrid mit Reihensechszylinder und E-Motor auf Wunsch in zwei Welten zu Hause.

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Mit einer Nennleistung von 394 PS kann der BMW 545e recht flott unterwegs sein.

(Foto: Uwe Fischer)

Eigentlich hat BMW in der 5er-Reihe mit dem 530e bereits einen Plug-in-Hybrid. Der rekrutiert seine Kraft aus einem 184 PS starken Vierzylinder und einem E-Motor mit 109 PS. Im Datenblatt steht als unter Systemleistung 292 PS und ein maximales Drehmoment von 420 Newtonmetern. Nun möchte man meinen, dass das die Kundschaft, die auf der Suche nach einem nachhaltigen und gleichsam sportlichen Bayern ist, zufriedenstellt. Aber weit gefehlt: BMW stellt über den 530e jetzt einen 545e xDrive.

Natürlich ist auch das ein Plug-in-Hybrid, aber unter dessen Haube geht kein Vierender zu Werke, sondern ein Reihensechszylinder, der allein schon 286 PS zur Verfügung stellt. An seiner Seite der schon erwähnte E-Motor, der wie im 530e weitere 109 PS liefert. Jetzt stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es denn diese Leistungssteigerung noch braucht. Denn am Ende entsteht hier eine Systemleistung von bis zu 394 PS. Unsinnig, wenn man ökologisch fahren will, tönt es jetzt aus den Reihen der Vernunftmenschen. Absolut! Aber mit Blick auf Fahrdynamik und Fahrspaß ist es schon sehr reizvoll.

Überflieger mit zwei Herzen

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Wer mit der Energie des BMW 545e bedacht umgeht, kann bis zu 60 Kilometer rein elektrisch fahren.

(Foto: Uwe Fischer)

Denn wenn alle Schalter auf Attacke, also im Sportmodus sind, dann fliegt der 545e mit der Kraft der zwei Herzen in 4,7 Sekunden auf Tempo 100. Dabei werden in Summe 600 Newtonmeter maximales Drehmoment auf beide Achsen geschaufelt und der Sechszylinder feiert sich mit sonorem Brummen selbst, während die Achtgang-Automatik blitzschnell und fast unmerklich die Kraft verteilt. Wenn man so bis an die Endgeschwindigkeit von 250 km/h eilt, beschleicht den Fahrer das Gefühl, dass der 5er nur mit dem Sechszylinder auch ganz gut unterwegs wäre. Nun, früher vielleicht. Aber heute geht es ja um mehr. Es geht um die Erfüllung der CO2-Vorgaben der EU und natürlich um den Schutz der Umwelt.

Insofern ist es dann wieder ganz gut, wenn sich der Fahrer darauf besinnt und die Elektroenergie nicht nur für den Boost beim Sprint nutzt, sondern versucht, sein Gefährt so weit wie möglich emissionsfrei voranzutreiben. Und das geht mit dem 545e ein ordentliches Stück. Um mal genauer zu werden, waren es bei einer ersten Ausfahrt exakt 58,8 Kilometer und der Spritverbrauch wurde im Durchschnitt mit 4,6 Litern angegeben. Wie sehr aber gerade bei Plug-in-Hybriden die Fahrweise den Verbrauch bestimmt, ist daran zu erkennen, dass ein Kollege die gleiche Distanz mit einem Endergebnis von 62 elektrisch zurückgelegten Kilometern und einem Durchschnittsverbrauch von 3,8 Litern abschloss.

Es geht auch ganz sparsam

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Hilfreich bei der Distanzverlängerung ist die Anzeige im digitalen Zentraldisplay des BMW 545e.

(Foto: Uwe Fischer)

Wer nämlich die durch die Technik zur Verfügung gestellten Sparmaßnahmen für seine Fahrt richtig nutzt, wie zum Beispiel die topografische Überwachung der Strecke, wer den automatischen Hybrid-Modus, also den Wechsel von Batteriebetrieb und Motor, von der Technik steuern lässt und wer mit leichtem Gasfuß, ohne zu schleichen, unterwegs ist, der kann auch über 60 Kilometer rein elektrisch fahren. Zugegeben, die Technik ist nicht neu und wird ziemlich genau so auch im BMW 745e oder im X5 xDrive45e genutzt. Ob eines größeren Akkus kann der 45e sogar noch ein paar elektrische Kilometer draufpacken.

Was er am Ende nicht kann, ist mit der Fahrdynamik des 545e mithalten. Der ist und bleibt nämlich ganz und gar eine BMW-Limousine. Und die lässt sich mit straffem Fahrwerk und präzis spitzer Lenkung wunderbar zielgenau ums Eck scheuchen. Klar kann der Fahrer seine Insassen dank der Luftfederung auch ganz sanft über Asphaltblasen und Kopfsteinpflaster schweben lassen. Wer es aber sportlich will, der bekommt es auch genau so. Aber noch mal zurück zum Schweben: Dieses Gefühl wird natürlich einmal mehr verstärkt, wenn man in dem ohnehin sehr gut gedämmten 5er rein elektrisch unterwegs ist. Jetzt bekommt das Ganze nämlich eine Art Flüsterkulisse. Ja, auch dieser Umstand kann fast so aufregend sein wie das Jagen um die Kurven. Jedenfalls dann, wenn man die elektrische Reichweite auf ein Maximum zu verlängern sucht.

Vier Stunden Ladezeit

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Da der 545e nur einphasig laden kann, dauert die Befüllung des Akkus bis zu vier Stunden.

(Foto: Uwe Fischer)

Nun gut, genug mit der E-Schwärmerei, die braucht nämlich am Ende eine Ladestation. Am besten an jedem Halt. Denn eine Komplett-Befüllung des 12,0 kWh leistenden Hochvoltspeichers dauert gut vier Stunden. Grund ist, dass auch hier wie bei allen Plug-in-Hybriden von BMW nur einphasig geladen werden kann. Wer aber auf der Arbeit nachlädt, den 545e in der Nacht zu Hause an die Dose hängt oder auch nur beim Einkauf eine Ladestation nutzt, der sollte die täglichen Kurzstreckenfahrten in Gänze elektrisch bewältigen können.

Klar, und auch das soll nicht verschwiegen werden: Wer nicht regelmäßig lädt, der fährt nur mit dem Reihensechszylinder. Tut er das, dann verbraucht er natürlich richtig Sprit, denn der Akku wiegt und den schleppt man halt immer mit. Aber das ist unterdessen eine Milchmädchenrechnung und niemand, der sich heute noch einen Plug-in-Hybrid kauft, wird das ausschließlich mit dem Gedanken machen, dass er die Umweltprämie kassieren kann. Die übrigens auch bei einem BMW 545e nicht ausgeschlossen ist, denn mit einem geschätzten Einstiegspreis von mindestens 70.000 Euro ist die Förderfähigkeit tatsächlich noch nicht überschritten. Geschätzt ist der Preis, weil der 545e erst im November auf den Markt kommt und die Münchner die Preise noch nicht final benennen.

Echt kleiner Kofferraum für eine 5er

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Durch den Akku schrumpft der Kofferraum des BMW 545e auf 410 Liter.

(Foto: Uwe Fischer)

Doch was gibt es nicht für das Geld? Nun, den gleichen Kofferraum wie bei den anderen 5er-Modellen. In der Limousine schrumpft die Ladekapazität von 530 auf 410 Liter. Wer jetzt sagt, ist mir egal, ich nehme den 545e ohnehin als Touring, also als Kombi, der muss an dieser Stelle stark sein. Es wird ihn in dieser Form nicht geben. Wer hier umweltbewusst und zu Teilen rein elektrisch unterwegs sein möchte, der muss sich für den 530e entscheiden. Den gibt es auch als Touring mit - nun ja auch nicht wirklich üppigen - 430 Litern Stauraum, der aber immerhin durch das Umlegen der Rückbank auf 1560 Liter erweitert werden kann.

Was es bei der neuen 5er-Reihe aber bei allen Limousinen gibt, ist ein Luftwiderstandsbestwert von 0,23 Cw. Mit eingepreist ist auch die neue, etwas größere Niere und die serienmäßigen LED-Scheinwerfer mit automatischer Leuchtweitenregulierung. Das einstige Corona-Licht ist jetzt zu einem U-förmigen Tagfahrlicht geschrumpft. Als Option gibt es dann neue Voll-LED-Scheinwerfer mit einem adaptiven Kurvenlicht und einem Fernlicht, das andere Verkehrsteilnehmer ausblendet. BMW nennt das Selective Beam. Wer es am Ende richtig strahlen lassen will, der kann sich jetzt beim 5er auch für das Laserlicht entscheiden. Dessen Reichweite beträgt 650 Meter; er leuchtet damit fast doppelt so weit wie herkömmliche Scheinwerfer.

Neuer "Sensatec"-Bezug

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Der Innenraum des BMW 545e unterscheidet sich nicht von den Klassenbrüdern mit anderen Antriebsarten.

(Foto: Uwe Fischer)

Bringen wir noch etwas Dunkel ins Licht des Innenraums. Hier gilt wie immer: elegante Sportlichkeit ist Trumpf. Mit dem iDrive hält BMW an seinem bewährtem Bediensystem fest. Dazu gehört in Serie ein freistehendes Control Display, das jetzt 10,25 Zoll groß ist. Dort werden zum Beispiel auch sämtliche Fahrwerte des Plug-in-Hybrids vermerkt und der Fahrer mit unterschiedlichen Farben (Weiß und Blau) auf seine Fahrzustände aufmerksam gemacht.

Eine letzte Sache soll noch erwähnt werden. Neben den normalen Bezügen für die Polster im Wageninneren, also Stoff, Alcantara und Leder, gibt es jetzt ein Material mit dem Namen "Sensatec". Das Synthetik-Material sieht tatsächlich aus wie Leder und fühlt sich auch so an, ist aber pflegeleichter, verspricht BMW. Doch wie man sich am Ende auch entscheidet, der 4,96 Meter lange Bayer bleibt eine Erscheinung im Straßenbild, die auch entsprechend bezahlt werden muss.

Quelle: ntv.de