Auto

Keine Mogelpackung BMW X1 - wie fährt er als Plug-in-Hybrid?

DSC_0105.JPG

Der BMW X1 gehört zu den meistverkauften Fahrzeugen der Bayern. Jetzt gibt es in auch als Plug-in-Hybrid.

(Foto: Holger Preiss)

Den Plug-in-Hybriden wird gerne unterstellt, dass sie eine "Mogelpackung" sind. Mitnichten ist das so. Der Einzige, der hier mogeln kann, ist der Fahrer selbst. Das gilt auch für den BMW X1 xDrive 25e, der die Tugenden eines Stromers mit den Vorzügen eines Verbrenners vereinen möchte. Aber gelingt ihm das?

DSC_0007.JPG

Wer den Schriftzug am Heck vernachlässigt, wird auf den ersten Blick nicht erkennen, dass es sich beim BMW X1 xDrive 25e, um einen Teilzeitstromer handelt.

(Foto: Holger Preiss)

BMW sieht sich nicht ganz ohne Grund als Pionier der Elektromobilität in Deutschland. Schließlich waren die Bayern die Ersten, die mit dem i3 ein vollwertiges E-Auto am Start hatten. Dass der eigenwillige Stadtflitzer am Ende die Erwartungen nicht so erfüllt hat, wie man sich das vorstellte, hat unterschiedliche Ursachen und soll an dieser Stelle gar nicht Gegenstand der Diskussion sein. Fakt ist: Die Märkte weltweit sind nicht homogen und verlangen momentan nur dort in größeren Mengen nach E-Autos, wo die Politik einen entsprechenden finanziellen Background geschaffen hat.

Auch mit Blick auf eine mangelnde Ladeinfrastruktur verwundert es nicht, dass die Hersteller momentan eher auf den Plug-in-Hybrid setzen als auf ein rein elektrisch fahrendes Auto. Ja, diese Autos stoßen noch CO2 aus, ja, sie nutzen fossile Brennstoffe, aber bei richtiger Nutzung geschieht beides in äußerst geringem Maße. Hinzu kommt, dass sie unsere gelernte Mobilität nicht einschränken. Wer lange Strecken fahren will, der kann das mit dem Verbrenner, die kurze Distanz wird mit Akku und Elektromotor emissionsfrei zurückgelegt.

Dreiender mit Elektro-Schub

DSC_0047.JPG

Der Innenraum unterscheidet sich beim X1 25e nicht von dem der reinen Verbrenner. Nur die Tastenleiste in der Mittelkonsole bietet drei zusätzliche Fahrprogramme.

(Foto: Holger Preiss)

Eine Mogelpackung wird so ein Plug-in-Hybrid erst, wenn er pausenlos über die Langstrecke mit dem Verbrenner gebracht wird. Wer so unterwegs ist, der sollte sich der Umwelt zuliebe für einen Diesel entscheiden. Weniger CO2, weniger Verbrauch und langlebiger als ein Benziner. Doch zurück zum Plug-in-Hybrid. Den bietet BMW jetzt sozusagen flächendeckend über alle Segmente an. Genutzt werden dafür die Fahrzeuge, die es auch mit allen anderen Antriebsarten gibt und perspektivisch auch als reine E-Autos geben wird. So zum Beispiel der X1 und der X2.

Beide ruhen auf der selben Plattform und können so leicht auch als Plug-in-Modelle angeboten werden. Bei einem Besuch in München nutzte ntv.de die Gelegenheit, den X1 xDrive25e Probe zu fahren. Für den Vortrieb sorgt, wie im X2 xDrive25e, ein 1,5 Liter großer Dreizylinder-Benzinmotor und ein extra für die beiden Modelle entwickelter Elektromotor, der aus dem sogenannten "eDrive-Technologiebaukasten" von BMW stammt. Die Kombination erwies sich bereits auf den ersten Kilometern als ausgesprochen stimmig. Der Dreizylinder ist kein Unbekannter und gehört nach Meinung des Autors in dieser Klasse zu den besten Treibsätzen auf dem Markt.

DSC_0029.JPG

Die Systemleistung des BMW X1 xDrive 25e beträgt 220 PS. Damit geht der Bayer in 6,9 Sekunden auf Landstraßentempo.

(Foto: Holger Preiss)

Dank seiner 125 PS und einem maximalen Drehmoment von 220 Newtonmetern schiebt er mit seinem typischen Dreiender-Knurren sauber über die Vorderräder an. Da er aber nie so wirklich allein ist und der Elektromotor mit seinen 95 PS die 165 Newtonmeter Drehmoment über ein einstufiges Getriebe zeitgleich an die Hinterachse wirft, ergibt sich eine Systemleistung für den X1 25e von 220 PS und ein maximales Drehmoment von 385 Newtonmeter. Das heißt, dass das knapp 1,8 Tonnen schwere SUV dank "Elektro-Boost", der übrigens auch beim Überholen genutzt wird, in lockeren 6,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt ist. In der Spitze pegelt sich die Tachonadel dann bei 193 km/h ein.

Wozu sechs Fahrmodi?

Aber wir schweifen ab, lassen uns schon wieder viel zu sehr vom Rausch der Geschwindigkeit packen. Dabei geht es doch hier um einen Plug-in-Hybrid, der auch rein elektrisch fahren kann. Und zwar laut Datenblatt und Rollenprüfstand 54 Kilometer. Im Realbetrieb sind es eher 45 Kilometer. Da aber auch ohne wüsten Pedaltritt die Komponenten zusammenarbeiten, steht nach gut 80 Kilometern ein Verbrauch von 2,8 Litern Benzin im Display. Ein Wert, der sich bei verhaltener Fahrweise sicher noch minimieren lässt. Fakt ist aber, dass hinter dem Verbrauch ein intelligentes Hybridsystem steckt, das etliche Komponenten von Topografie (wenn das Navi für die Fahrt bemüht wird) über Verkehrszeichenerkennung bis hin zur Rekuperation beim Bremsen und Rollen einberechnet. Ja, wenn der Akku leer ist, ist er leer und nur noch der Verbrenner läuft. Aber bis dahin rollt der BMW lautlos und emissionsfrei durch die Ortschaften, legt eine Schippe drauf, um auf der Landstraße flott zu überholen, und zeigt sich eben sehr genügsam.

collageX1 25e.jpg

Die Rückbank im BMW X1 25e ist wegen der Batterie zwei Zentimeter höher als in den anderen Modellen der Baureihe.

(Foto: Holger Preiss)

Neben dem eben geschilderten Zusammenspiel der Antriebssysteme, der in der Fahreinstellung "Auto eDrive" hinterlegt ist, gibt es zwei weitere Optionen: "Max eDrive" und "Save Battery". Beide Namen sind eigentlich selbsterklärend. Dennoch zwei Worte dazu: Wer "Max eDrive" nutzt, fährt rein elektrisch und stellt den Verbrenner für den Vortrieb kalt. Die Energierückgewinnung läuft beim Bremsen und Rollen auf Hochtouren und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 135 km/h beschränkt. Das sollte dann auch die Einstellung sein, mit der der umweltbewusste Fahrer seine täglichen Wege zur Arbeit bewältigt. Gut natürlich, wenn am Arbeitsort und zu Hause eine Ladestation steht, damit der Akkumulator in der Standzeit auch wieder befüllt werden kann.

Nur einphasiges Laden möglich

Das Laden des Hochvoltspeichers erfolgt übrigens nur einphasig. Heißt, es dauert etwa fünf Stunden an der Haushaltssteckdose, bis der Akku wieder voll ist. An der Wallbox ist es knapp eine Stunde weniger. Beim Laden fällt aber noch etwas anderes auf. Die Ladeklappe ist bei allen Plug-in-Hybrid-Modellen von BMW am linken Kotflügel. Sollte man also eine Ladestation am Straßenrand sehen und gezwungenermaßen in Fahrtrichtung daneben parken, muss das Ladekabel um das Auto rumgeführt werden, was wenig charmant ist. Egal, kommen wir zum "Save Battery"-Modus. Er ermöglicht es, den Ladezustand der Batterie während der Fahrt zu halten und gegebenenfalls durch die Rekuperation zu erhöhen. Macht sich ganz gut, wenn man am Ende der Fahrt in eine nur für E-Autos zugelassene Stadtzone einfahren will. Die sind übrigens für deutsche Städte im BMW-Navi hinterlegt.

DSC_0034.JPG

Der Ladeanschluss des BMW X1 25e ist auf dem linken vorderen Kotflügel nicht in jeder Situation gut zu bedienen.

(Foto: Holger Preiss)

Nicht zu vergessen ist, dass es wie bei den Verbrennern von BMW üblich auch die hier vorgesehenen Fahrmodi gibt: Comfort, Sport und Eco Pro. Jetzt stellt sich für den aufmerksamen Leser vielleicht die Frage, ob man die Programme miteinander koppeln kann. Zum Beispiel Eco Pro und Safe Battery. Klar, kann man machen. Erstgenanntes reduziert die Komfort-Verbraucher, wie zum Beispiel die Klimaanlage, und sorgt für eine Reduzierung des Verbrauchs. Ob das sich exponentiell niederschlägt, kann hier nicht gesagt werden, ist aber eher unwahrscheinlich. Ansonsten sind die Fahrprogramme natürlich wie gehabt auf die Federung, Lenkung und Gaskennlinie abgestimmt. Das heißt, wer im Sport-Modus fährt, spart weder Sprit noch Batterie, sondern ist im besten Sinne des BMW-Claims mit "Freude am Fahren" unterwegs.

Apropos: Der X1 xDrive 25e fährt sich natürlich in Summe nicht anders als die anderen X1-Modelle. Er lenkt präzise, federt sauber aus und hat wie gesagt auf Wunsch genügend Punch, um ordentlich voranzustürmen. Für den Alltagsgebrauch muss der Nutzer ebenfalls keine nennenswerten Einschränkungen in Kauf nehmen.

DSC_0079.JPG

Im doppelten Ladeboden des 450 Liter fassenden Stauraum des BMW X1 xDrive 25e verschwinden die Ladekabel.

(Foto: Holger Preiss)

Ja, die Sitzbank in der zweiten Reihe ist, bedingt durch die Batterie, zwei Zentimeter höher, was dementsprechend bei hochgewachsenen Menschen die Kopffreiheit einschränkt. Der Stauraum hinter der Heckklappe beträgt 450 Liter, wer die Lehne der Rückbank flach macht, hat 1470 Liter Stauraum zur Verfügung. Die Ladekabel finden ihren Platz im doppelten Ladeboden und schwirren so nicht um Kofferraum umher. Und wer dem Teilzeitstromer was anhängen will, der darf das bis 750 Kilogramm.

Bleibt am Ende noch der Blick in die Preisliste. Der Einstieg erfolgt bei 44.499 Euro. Damit liegt der Preis unter dem eines xDrive25i mit 231 Benzin-PS. Der kostet nämlich 44.742 Euro und ist im Sinne der Elektroauto-Prämie der Bundesregierung nicht förderfähig. Die liegt bei Plug-in-Hybriden immerhin bei maximal 6750 Euro. Die braucht es dann aber auch, denn es gibt in der BMW-Optionsliste viele Begehrlichkeiten, die man sich mit diesem Geld mit Blick auf die Ausstattung seines Autos dann vielleicht auch noch leisten kann.

Quelle: ntv.de