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Gestrafft und verfeinert präsentiert sich der der neue BMW X4.
Gestrafft und verfeinert präsentiert sich der der neue BMW X4.(Foto: Fabian Kirchbauer)
Sonntag, 01. Juli 2018

Erste Fahrt im SUV-Coupé: BMW X4 - gestrafft und reduziert noch besser

Von Holger Preiss, Spartanburg

Lange belächelt, in den letzten Jahren kopiert, will der neuen BMW X4 jetzt mit gestrafftem Kleid, neuen Motoren und vielen Beigaben der Konkurrenz wieder davonfahren. Nach einer ersten Testfahrt darf gemutmaßt werden, dass die Chancen dafür nicht schlecht stehen.

Auch das Heck wurde feiner gezeichnet mit schmalen LED-Heckleuchten und einer wunderbar fließenden Dachlinie.
Auch das Heck wurde feiner gezeichnet mit schmalen LED-Heckleuchten und einer wunderbar fließenden Dachlinie.(Foto: Fabian Kirchbauer)

Als BMW im Jahr 2008 mit dem X6 aufwartete, wurden die Bayern belächelt. Wer braucht schon ein SUV-Coupé? Hochbeinig, mit dicken Backen fuhr der Kraxler damals in ein Segment, das es bis dato nicht gab. Als man in Bayern merkte, dass die Idee nicht schlecht war, brach man das Ganze sechs Jahre später noch eine Stufe runter und ging mit dem X4 an den Start. Bis heute wurden weltweit über 200.000 Einheiten verkauft und Mercedes hat mit dem GLE- und GLC-Coupé nachgelegt, um sich ebenfalls ein Stück vom frischgebackenen SUV-Coupé-Kuchen abzuschneiden.

Doch bevor der Anteil der Konkurrenz hier zu groß wird, schickt BMW sein Sport Activity Coupé in die nächste Generation. Unter der Leitung von Designchef Adrian van Hooydonk haben die Kreativen "eine dynamische Silhouette geschaffen und die Formsprache reduziert". Das heißt nichts anderes, als dass Kanten geglättet und eine Reihe von Falzen aus dem Blech gebügelt wurden. Bei diesen Maßnahmen kam den Designern entgegen, dass die Außenlänge im Vergleich zum Vorgängermodell um 8,1 Zentimeter auf 4,75 Meter gewachsen ist. Der Radstand wurde um 5,4 Zentimeter auf 2,86 Meter gestreckt und in der Breite legte der X4 um 3,7 Zentimeter zu. Er misst hier jetzt 1,92 Meter. Das dynamische Bild wird, wie könnt es anders sein, durch kurze Überhänge verstärkt.

Der BMW X4 erweist sich auf dem Handlingkurs als folgsam und willig.
Der BMW X4 erweist sich auf dem Handlingkurs als folgsam und willig.(Foto: Fabian Kirchbauer)

Die offroad-orientierte Sportlichkeit betont BMW modellabhängig durch einen angedeuteten Unterfahrschutz an Front und Heck sowie durch kraftvolle Seitenschweller und die aerodynamisch optimierte Formgebung für die Front- und Heckschürze. Wer es ganz individuell mag, der kann sich seinen X4 auch in "Sonnenstein Metallic" lackieren lassen und auf 21 Zoll große Leichtmetallräder stellen. Fahrtechnisch dürfte das keine Pluspunkte bringen, denn in Serie fährt das SUV-Coupé bereits auf 18-Zöllern vor, die für die Umsetzung der Performance eines solchen Sportlers durchaus eine gute Wahl sind.

XDrive30d ist der größere Spaßbringer

Antriebsseitig soll der sportliche Vortrieb durch drei Benziner und vier Diesel gesichert werden. Für die erste Ausfahrt stellte BMW den xDrive30i und den erstmals angebotenen XDriveM40d zur Verfügung, zwei Triebwerke aus der neuesten Motorengeneration der Bayern. Während der Benziner seine Kraft von 252 PS aus einem Vierzylinder-Aggregat mit einem Hubraum von 1998 Kubikzentimetern schöpft und ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter generiert, bringt es der Reihensechszylinder-Diesel mit 3,0 Litern Hubraum auf 326 PS und reicht bereits ab 1750 Kurbelwellenumdrehungen 680 Newtonmeter an alle vier Räder weiter. In beiden Fällen sorgt serienmäßig eine 8-Gang-Automatik sehr geschmeidig und schnell für die Kraftverteilung. Natürlich darf der Profi die Schaltpunkte mit den Paddles auch selber setzen. Landstraßentempo erreicht der Sechsender in 4,9 Sekunden; 6,3 Sekunden benötigt der Benziner. In der Endgeschwindigkeit nehmen sich beide kaum etwas. Der 30i ist mit 240 km/h etwas langsamer als der M40d mit Tempo 250.

Die hecklastige Auslegung des X4 30d lässt ihn auf dem richtigen Untergrund auch fein in die Drift gehen.
Die hecklastige Auslegung des X4 30d lässt ihn auf dem richtigen Untergrund auch fein in die Drift gehen.(Foto: Fabian Kirchbauer)

Angesichts der Werte fällt es nicht schwer, sich vorszustellen, dass der Diesel der größere Spaßbringer ist. Gerade wegen seines opulenten Drehmoments drängt er sich im wahrsten Sinne des Wortes in den Vordergrund. Alles an dem (natürlich die Euro-E6d-temp-Norm erfüllenden) Selbstzünders wirkt bulliger. Klar liegt hier dem Aggregat geschuldet mehr Gewicht auf der Vorderachse, aber das gleichen Drehmoment und Fahrwerk souverän aus. Zudem hat BMW die Allradsteuerung so ausgelegt, dass sie markentypisch hecklastig bleibt. Hinzu kommt eine Spurverbreiterung an der Hinterachse. In Summe wird hier die Kurvenhatz zur echten Spaßveranstaltung, zumal auch die Lenkung BMW-typisch sehr spitz ausgelegt wurde und der X4 absolut präzise den vorgegebenen Bewegungen seines Herren und Meisters folgt. Das geht natürlich besonders gut, wenn der Fahrmodischalter auf Sport + gestellt wurde. Eine Stufe darunter liegt Sport, für das sanfte Überlaufen von Bodenwellen und die gepflegte Reise gibt es "Comfort" und wer das Sparschwein füttern möchte, stellt das Eco-Programm ein.

Deutlich am X3 vorbeigezogen

Hier schiebt sich der X4 auch deutlich vor seinen Kollegen X3, mit dem er nicht nur die Plattform teilt. Auch im Innenraum gibt es einige Gleichteile. Das tut dem angenehmen Ambiente und der im Vergleich zum Vorgänger wertigeren Anmutung aber keinen Abbruch. Die Bedienelemente sind klar strukturiert und fügen sich in ein mutiges Umfeld ein, das von scharfen Schwüngen, Intarsien und fast schon exzentrischen Lüftungsdüsen geprägt wird. Aus dem X3 bekannt ist auch das neu gestaltete Lenkrad mit leicht zur Lenkradmitte geneigten Tastenfeldern, die wunderbare Druckpunkte haben. Wer vergessen hat, dass er in einem X sitzt, der findet entsprechende X-Prägungen auf den Galvanikflächen der vorderen und hinteren Türen, die ihn beim Ein- und Aussteigen daran erinnern.

Neue Sportsitze im X4 geben noch besseren Seitenhalt.
Neue Sportsitze im X4 geben noch besseren Seitenhalt.(Foto: Fabian Kirchbauer)

Neu gestaltet sind auch die Sportsitze. Die haben jetzt noch mal erhöhte Seitenwangen, die bei den oben beschriebenen Kurvenfahrten ausgezeichnete Dienste leisten. Für die gesteigerte Rundkurs-Atmosphäre gibt es zudem Knie-Pads an den Flanken der Mittelkonsole. Ein Kritikpunkt soll dennoch angesprochen werden: Zwar wurden im X4 mehrheitlich hochwertige Materialien verarbeitet, aber dennoch wies der Übergang am Türgriff von Fahrer und Beifahrer unschöne und recht scharfe Kanten auf. Ein Umstand, der der Vorserie geschuldet sein kann und hoffentlich bei den Serienmodellen nicht mehr zu finden ist.

Mehr Platz als im Vorgänger

Aufmerksam wurde der Autor darauf, als er mit den Fingern den zusätzlichen Lichtquellen der Ambiente-Beleuchtung folgte, die sich jetzt im Bereich der Mittelkonsole und der Instrumententafel, im Fußraum und eben in den Türverkleidungen befinden. Sechs Farben sind hier einstellbar, was deutlich weniger ist, als die Konkurrenz aus Stuttgart zu bieten hat. Dafür pranzt der X4 mit großen Ablagen, geräumigen Türtaschen und Staufächern. Und noch etwas sorgt optional für Wohlbefinden im X4: Erstmals wird für das SUV-Coupé ein "Ambiente Air Paket" angeboten, das durch Ionisierung die Luft reinigt und zudem auch noch den Innenraum in acht Duftvarianten verzaubern kann.

In der zweiten Reihe des BMW X4 gibt es jetzt mehr Platz für die Passagiere.
In der zweiten Reihe des BMW X4 gibt es jetzt mehr Platz für die Passagiere.(Foto: Fabian Kirchbauer)

Und weil das Wohlfühl-Maß gerade seinen Höhepunkt erreicht, setzen wir uns noch mal in die zweite Reihe. Die verfügt jetzt über drei vollwertige Sitzplätze und offeriert ihren Gästen im Vergleich zum Vorgänger fast drei Zentimeter mehr Beinfreiheit. Für die Familienreise stehen im Gepäckabteil 525 Liter Stauraum zur Verfügung und wer die Rückbank flach macht, kann größeres Transportgut auf 1430 Liter verteilen. Optional gibt es auch eine sogenannte Cargo-Funktion. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, die Neigung der Rückbanklehnen individuell zu variieren. Außerdem offeriert BMW ein Ablagenpaket, das unter anderem zusätzliche Klappfächer, USB-, 12-Volt-Anschlüsse sowie Multifunktionshaken und Befestigungsschienen im Gepäckraum umfasst.

Extras mit Erweiterung

Erweitert hat BMW im X4 auch die Bedienfunktionen und die Fahrassistenzsysteme. Neben der Sprach-gibt es jetzt auch eine Gestensteuerung. Allerdings darf man hier nicht zu viel erwarten, handelt es sich doch nur um den kreisenden Finger, der die Lautstärke der Sound-Anlage regelt und der kühne Schwung der Hand über den Kopf, um das Schiebedach zu öffnen oder zu schließen. Beeindruckender ist da schon der neue hochauflösende Bildschirm, den es optional in 10,25 Zoll mit Touch-Bedienung gibt. Fast schon ein Muss ist das Head-Up-Display, dessen Projektionsfläche um 70 Prozent vergrößert wurde und in vollfarbig mit einer Auflösung von 400 x 800 Pixeln direkt ins Sichtfeld des Fahrers strahlt.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass BMW in die Serienausstattung für alle X4-Modelle Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion sowie die Auffahr- und Personenwarnung mit City-Bremsfunktion gepackt hat. Erweitert wurde der Driving Assistant Plus, der die Lenk- und Spurführung bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h übernimmt. Zudem gibt es den Spurhalteassistent mit aktivem Seitenkollisionsschutz sowie die Querverkehrs- und die Kreuzungswarnung. Bei der ersten Ausfahrt arbeitete das System im Übrigen fehlerfrei.

Alles in allem ist der neue X4 die konsequente Fortsetzung dessen, was die Bayern vor vier Jahren angefangen haben. Preislich sortieren sich die X4-Modelle zwischen 49.700 Euro für das Einstiegsmodell den xDrive20i mit 187 PS und 70.900 Euro für das Topmodell M40d mit 326 PS ein. Preise, die natürlich angesichts der langen Optionsliste noch deutlich nach oben bewegt werden können.

Quelle: n-tv.de