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Konsequenter Stromstoß mit iX Baut BMW in Zukunft nur noch E-Autos?

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Mit dem iX will BMW ab November 2021 konsequent das vollelektrische Zeitalter der Marke einläuten.

(Foto: BMW)

Dass sich die Abkehr vom Verbrenner nicht mehr aufhalten lässt, ist ein offenes Geheimnis. In den letzten Tagen hat sich auch BMW mit viel Verve konsequent diesem Trend angeschlossen. Und so ist der iX nicht nur der Vorbote einer neuen Mobilität, sondern auch einer neuen Zeitrechnung.

Die Elektromobilität ist nicht mehr aufzuhalten. Nicht nur, dass die Politik sie zum Wohle des Klimas verordnet, mit BMW dreht sich jetzt ein weiterer Autobauer einmal mehr in Richtung Elektrifizierung. Über drei Tage haben die Bayern unter dem Motto #NEXTGen 2020 nicht nur ihre Vision von einer emissionsfreien Mobilität präsentiert, sondern auch ganz konkret gezeigt, was den Premiumkunden in Kürze auf zwei und vier Rädern elektrifizieren soll.

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Der BMW iX steht auf einer neuen Elektroplattform und hat in etwa die Größe eines X6.

(Foto: BMW)

Interessant ist dabei, dass man dafür in München anscheinend nur in wenigen Wochen eine Kehrtwende um 180 Grad gemacht hat. Hieß es bei der Präsentation des iX3, also des ersten rein elektrisch betriebenen SUV der Marke, noch, man würde ausschließlich auf eine Plattform setzen, die alle Antriebsarten zulässt, steht jetzt mit der Serienversion des iNext unter dem Kürzel iX ein E-SUV in den Startlöchern, das auf einer Grundlage aufbaut, die ausschließlich den Betrieb mit einem Akkumulator zulässt. "Unsere zukünftige Architektur ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wird auf vorwiegend elektrische Antriebe fokussiert sein", so BMW-Vertriebsvorstand Pieter Nota gegenüber ntv.de. "Wir wollen uns aber auch mit der zukünftigen Architektur eine Flexibilität bei den Antriebsvarianten erhalten", räumt Nota ein und ergänzt: "Für Details ist es jetzt aber noch zu früh."

"Ab 2025 wird die Nachfrage steigen"

Mit Blick auf die Serienvariante des iNext, den iX, verdichtet sich aber die Annahme, dass BMW perspektivisch nur noch Elektroautos herstellen wird. "Wir rechnen tatsächlich damit, dass ab 2025 die Nachfrage nach vollelektrischen Fahrzeugen weiter deutlich ansteigen wird. Auf diese Größenordnung richten wir uns schon jetzt strategisch und technologisch aus", so Nota. Und dabei sind die eigenen Vorgaben in München ambitioniert: "In zehn Jahren wollen wir mehr als sieben Millionen elektrifizierte Fahrzeuge der BMW Group auf der Straße haben - davon zwei Drittel vollelektrisch", erklärt Nota.

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Mit bis zu 500 PS und über 600 Kilometern rein elektrischer Reichweite soll der BMW iX Maßstäbe setzen.

(Foto: BMW)

Und vielleicht ist ja der iX genau das Auto, auf das die BMW-Gemeinde gewartet hat, um den konsequenten Sprung in die Elektromobilität zu schaffen. Das Herzstück des stromernden SUV bildet die fünfte Generation der sogenannten eDrive-Technologie, die die beiden Elektro­motoren, die Leistungselektronik, die Lade­technologie und den Hochvoltspeicher um­fasst. Der Antrieb wurde von den Bayern selbst entwickelt und ohne den Einsatz Seltener Erden gefertigt. Nach letzten Tests geht BMW davon aus, dass die Höchstleistung bei mehr als 500 PS liegt und der Sprint von 0 auf 100 km/h in weniger als 5 Sekunden vonstattengeht.

Für den Antrieb sorgt übrigens ein Akku mit mehr als 100 kWh, was eine Reichweite von mehr als 600 Kilometern verspricht. Dank einer Ladeleistung von bis zu 200 kW soll die Batterie des iX in nur 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent Gesamtkapazität aufgeladen sein. Bei einem Zwischenstopp an einer Schnell­ladestation können nach Angaben von BMW binnen zehn Minuten weitere 120 Kilometer abgespult werden. Das sind beeindruckende Werte, wobei die Frage bleibt, ob die Ladeinfrastruktur mit der Entwicklung Schritt halten kann. Momentan hängt sie jedenfalls gnadenlos hinterher. Aber auch hier hat BMW klare Vorstellungen: "Den Ausbau der Ladeinfrastruktur sollten sowohl Politik als auch Energieversorger vorantreiben. Die BMW Group geht hier selbst in Vorleistung: Bis 2021 bauen wir über 4000 Ladepunkte an BMW-Standorten in Deutschland auf - die Hälfte davon machen wir auch öffentlich zugänglich", so Nota.

Verbot des Verbrenners wäre falsches Signal

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Der Innenraum des BMW iX wurde völlig neu gestaltet und erinnert nur noch in Details an die Verbrenner-Kollegen.

(Foto: BMW)

Dass auch das nicht reichen wird, um die momentan über alle Autohersteller schwappende E-Auto-Welle am Laufen zu halten, dürfte klar sein. Hier muss nachjustiert werden. Insofern hält Nota auch nichts von der momentan in einigen europäischen Ländern und auch in Deutschland zu Teilen angedachten Idee der Politik, zu einem bestimmten Zeitpunkt den Verbrenner zu verbieten. "Generell geht es natürlich darum, Emissionen wirksam zu verringern und nicht um das Verbot von spezifischen Technologien", so der BMW-Vertriebschef. "Man sollte aber wohl bedenken, welche Folgen eine solche Entscheidung hätte beziehungsweise inwieweit ein grundsätzliches Verbot die Mobilitätsstruktur eines Landes verändern würde und welche Auswirkungen das auf die Mobilität der Menschen hat. Wir sind überzeugt, dass die Entwicklung über Jahrzehnte in großer Parallelität stattfinden wird. Es wird kein 'entweder - oder' bei den Antrieben geben. Die Elektromobilität wird sehr stark zulegen. Bis sie aber die gesamte Masse erreicht, werden wir noch lange alle Antriebsformen nebeneinander sehen."

Insofern ist es auch nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der technischen Entwicklungen, die der iX bietet, in Zukunft in anderen BMW-Fahrzeugen mit unterschiedlichen Antriebsarten wiederzufinden sind. Zum Beispiel das von BMW als "Shy Tech" bezeichnete Prinzip, das nichts anderes bedeutet, als dass die Lautsprecher unsichtbar sind, sehr filigrane Luftausströmer für gutes Klima im Fahrzeug sorgen, ganze Oberflächen beheizbar sind und der Projektor für das Head-up-Display unsichtbar in die Instrumententafel eingebettet ist. Eher ein Alleinstellungsmerkmal des iX dürften für den Moment das hexagonale Lenkrad, der Kippsteller für die Gangwahl und das gebogene Display mit einer Bildschirmdiagonalen von 14,9 Zoll sein, das den Bildschirm des Fahrers nahtlos mit dem Zentraldisplay verbindet.

Innovation hört nicht mit dem Akku auf

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Das nachhaltige und edle Ambiente im BMW iX dürfte für einen entsprechenden Einstiegspreis sorgen.

(Foto: BMW)

Auch der Umstand, dass der iX als erster BMW mit dem 5G-Mobilfunkstandard ausgestattet ist, dürfte für einen kurzen Augenblick ein Alleinstellungsmerkmal sein. Betrachtet man aber die 5G-Netzabdeckung in Deutschland, ist wiederum klar, dass die damit verbundenen Fähigkeiten eines iX nur zu Teilen zum Tragen kommen. Dabei ist die Technologie die Grundlage, um Daten und Sensorik-Informationen in Echtzeit in die BMW-Cloud zu übertragen. Zudem kann es die Bereiche Entertainment, Infotainment, automatisiertes Fahren und Verkehrssicherheit deutlich verbessern. Doch auch hier wird es wie bei der Ladeinfrastruktur noch dauern, bis die gesamte Leistungsfähigkeit der im iX mitgelieferten Features ausgereizt werden kann.

Doch kommen wir noch zu einem kuriosen wie auch verblüffenden Umstand des iX. Der stromernde BMW hat nämlich eine sehr enge Verbindung zu einem der erfolgreichsten Computerspiele der letzten Jahre: zu "Fortnite". Beide nutzen bei ihrer Entwicklung die "Unreal Engine" von Epic Games. Die Idee für diese Beziehung war, dass sich BMW bei der Konzeption des iX gezwungen sah, ganz neu zu denken. Die bisher eingesetzten Ingenieurtools reichten für die komplexen Anforderungen dieses Fahrzeugs nicht mehr aus. Zudem hatten es sich die Münchner zum Ziel gesetzt, Funktion und Nutzungserlebnis des iX für die Kunden auf ein neues, bislang nicht erreichtes Niveau zu heben. So wurden zum einen die ersten Entwürfe des komplexen Innenraums mithilfe einer 3D-Brille in einer Virtual­-Reality­-Umgebung überprüft, zum anderen nutze man mithilfe des Rapid Prototyping, also der schnellen Herstellung von Musterbauteilen, eine Mixed Reality. So konnte neben einem visuellen Eindruck auch ein haptisches Gefühl erzeugt werden.

Das Gesamtangebot muss überzeugen

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In der zweiten Reihe des iX dürften Passagiere ausreichend Platz finden.

(Foto: BMW)

In Summe hat BMW ab November 2021 mit dem iX also theoretisch die Möglichkeit, knapp 58 Millionen Kraftfahrzeugbesitzer in Deutschland von dem rein elektrisch betriebenen SUV, von der E-Mobilität und den nicht nur im Fahrzeug steckenden Innovationen zu überzeugen. Aber auch hier ist Vertriebschef Nota Realist: "Das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen passieren wird. Natürlich wollen wir unsere Kunden mit unserem gesamten Angebot an elektrifizierten Fahrzeugen überzeugen, sowohl den Hybriden als auch unseren vollelektrischen Modellen. Unser Ziel ist es, dass wir bis 2023 insgesamt 25 elektrifizierte Modelle auf dem Markt haben, die Hälfte davon vollelektrisch."

Und so zahlt der iX wie der iX3 oder auch die seriennahe Studie des Elektro-Scooter CE 04 in diese Rechnung ein. Denn auch Letztgenannten hat BMW im Zuge der #NextGen 2020 präsentiert. Mit dem Stadtflitzer will die Motorradsparte der Bayern ebenfalls darauf aufmerksam machen, dass ihnen die mit der Nachhaltigkeitsstrategie verbundene E-Mobilität des Konzerns ein Herzensanliegen ist. Allerdings sieht man die Elektrifizierung der Zweiräder hier eher im urbanen Raum als auf den sonst für Motorradfahrer attraktiven Strecken. Mit dem BMW C hatte man 2013 vorgelegt, jetzt kommt mit dem CE 04 der Nachfolger, den Alexander Buckan, Leiter Fahrzeugdesign bei BMW Motorrad, wie folgt einsortiert: "Ein Scooter ist kein Fun-Bike, mit dem man bei schönem Wetter in die Berge fährt, sondern ein praktisches Alltagsfahrzeug für die Fahrt von zu Hause ins Büro oder dem Treffen am Abend mit Freunden - einfach ein Bewegungsmittel für jeden Tag in der Stadt."

Einer für die Stadt

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Der CE4 ist die Antwort von BMW Motorrad auf Fragen der Elektromobilität.

(Foto: BMW)

Insofern steht beim CE 04 dann wohl auch nicht die Reichweite im Vordergrund, zu der sich BMW noch nicht geäußert hat. Sie ist hier ohnehin weniger bedeutsam, denn nach Aussagen der Münchner legt die "urbane Zielgruppe" in der Stadt pro Tag Strecken zurück, die "nicht länger als 12 Kilometer" sind. Weil also mutmaßlich ein großer Akku kein Problem war, konnte man sich beim CE 04 ganz auf ein sehr stylisches und futuristisches Design konzentrieren. Dazu gehört die schwebende Sitzbank ebenso wie die Technik, die als Teil des Designs genutzt wird. Ebenso zum Design der Zukunft gehören minimalistische Frontleuchten in U-Form und Rückleuchten, die in die hinteren Seitenpaneele integriert sind. Inwieweit die selbstleuchtende Motorradbekleidung in der Zukunft eine Chance hat, in die Produktion zu kommen, bleibt abzuwarten.

Fakt ist aber, dass BMW konsequent in Richtung Elektrifizierung geht. Wie schnell sich das bei den Kunden durchsetzt, bleibt abzuwarten. Aufzuhalten ist die Entwicklung aber nicht mehr. In der Zukunft wird im Zeichen des Propellers also deutlich mehr gestromert.

Quelle: ntv.de

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