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Vor- und Nachteile Camper sharen statt mieten?

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Camper-Van auf Teneriffa im Abendlicht.

(Foto: Yescapa/dpa-tmn)

Mit einem Camper durch Europa oder gar Australien? Diesen Reisetraum haben viele, das passende Gefährt die wenigsten. Abhilfe verspricht das sogenannte Camper-Sharing. Doch was verbirgt sich hinter solchen Angeboten und wie funktioniert es?

Wendy blickt mit kreisrunden Frontscheinwerfern in den Sonnenuntergang, ihr zartes Pastellblau schimmert im Abendlicht. Der Innenraum ist mit Holz verkleidet, eine Matratze füllt den hinteren Teil des Busses, im Kofferraum hängt ein Traumfänger. Spüle, Kühlschrank und ein kleiner Gasherd machen den VW-Bulli zu einem romantischen Zuhause auf Zeit, in dem man schlafen, kochen und die Seele baumeln lassen kann.

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Yescapa ist eine Seite, die Camper-Sharing anbietet.

(Foto: Yescapa)

Der Clou ist: Dafür muss einem Wendy nicht einmal selbst gehören. Denn der Besitzer bietet seinen über 40 Jahre alten T2 auf Yescapa zur Miete an, auf einer Webseite, die Camper von Privatbesitzern zum Teilen im Portfolio hat. Vom ausgebauten Campingbus über Alkoven und Kastenwagen bis hin zum modernen, vollintegrierten Wohnmobil bieten dort Privatleute in sechs Ländern ihre Fahrzeuge an. Mieten kann sie ab einem bestimmten Mindestalter jeder.

Der französische Anbieter Yescapa ist nicht das einzige Unternehmen mit der Idee. In Deutschland bringen Paul Camper, Campanda oder Share a Camper Urlauber und Fahrzeug zusammen. Camper-Sharing heißt das Konzept. Es erweitert den Mietwagenmarkt um Teilmöglichkeiten von privat für privat, ähnlich wie einst Airbnb bei Übernachtungen.

10 Euro weniger pro Tag

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10 Euro zahlt man beim Camper-Sharing in der Regel pro Tag weniger.

(Foto: Yescapa)

Daniel Schneider kennt beide Seiten. Der Student aus München hat im Sommer 2018 eine Woche mit Wendy auf Teneriffa verbracht. Ein Jahr später war er mit dem Camper einer Mietwagenfirma in Schottland unterwegs. "Es gibt kaum Unterschiede, der Camper auf Teneriffa war aber natürlich toll geschmückt, da war deutlich mehr Liebe reingesteckt", erinnert sich der 23-Jährige.

Als Faustregel könne man sagen, dass die private Miete eines Reisemobils über ein Sharing-Portal etwa 10 Euro pro Tag günstiger ist als die klassische Vermietung bei einem gewerblichen Anbieter wie dem ADAC, McRent oder DRM, sagt Daniel Rätz, Sprecher beim Caravaning Industrie Verband (CIVD).

Die Nachfrage scheint da zu sein: Bei Yescapa gab es bereits im März 2019 so viele Vermietungen wie zuvor im Rekordmonat des letzten Jahres. Share a Camper hatte 2018 dank des warmen Wetters schon in der Vorsaison eine hohe Anzahl an Anfragen zu verzeichnen. "Viele Mieter buchen ein Wohnmobil bereits mehrere Monate im Voraus", sagt Pressesprecher Sascha Pantalon. Gerade in der Hochsaison von Juni bis August haben kurzfristige Anfragen nicht unbedingt Erfolg.

Camper-Sharing hat zwei Vorteile

Mieter kommen in den Genuss von Fahrzeugen abseits des Mainstreams, die individuell ausgestattet sind, und das vergleichsweise günstig. Der Besitzer hat wiederum einen Nebenverdienst für die Zeit, in der das Fahrzeug ungenutzt herumstehen würde und Versicherungskosten frisst. Im Idealfall kann man sich so das eigene Wohnmobil gegenfinanzieren. "Es gibt Vermieter, die ihre Fahrzeuge bis zu 100 Tage im Jahr vermieten und damit rund 5000 Euro verdienen", sagt Pantalon.

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Das Konzept des Camper-Sharings geht auf.

(Foto: Yescapa)

Dass das Konzept so begehrt ist, liegt auch am wachsenden Interesse an der Reiseform: Caravaning ist im Trend. "Die Neuzulassungen von Reisemobilen und Caravans wachsen bereits seit Jahren, 2018 wurde ein neuer Rekord erreicht", erklärt CIVD-Sprecher Rätz. 3,2 Millionen Deutsche verreisen jährlich auf diese Weise - Spitze in Europa.

Die Miete eines Freizeitfahrzeuges, egal ob von einem gewerblichen oder privaten Anbieter, spricht laut CIVD vor allem Jüngere und Neueinsteiger an, die die Urlaubsform so unkompliziert und unverbindlich für sich entdecken können. Auf Instagram sieht das mit den richtigen Filtern gut aus. Hashtag #Vanlife.

Ein entscheidender Nachteil

Der Nachteil des Sharing-Modells liegt darin, dass Kunden keinen verlässlichen Service mit standardisierten Fahrzeugen bekommen wie bei klassischen Mietwagenfirmen – auch wenn die Plattformen nach eigenen Angaben bemüht sind, Kunden und Vermietern jederzeit mit Rat und Hilfe zur Seite zu stehen. Dazu zählt auch eine Versicherung im Schadensfall oder Pannenhilfe, falls der in die Jahre gekommene Bulli plötzlich mitten in der Pampa liegenbleibt.

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Es sind in der Regel nicht die neuesten Modelle die beim Camper-Sharing angeboten werden.

(Foto: Yescapa)

Die meisten Fahrzeuge sind über Versicherungspartner der Portale für Teil-, Vollkasko- und Haftpflichtschäden versichert, auch Pannenhilfe ist inklusive. Wenn Vermieter das nicht wollen, müssen sie eine Selbstfahrervermietversicherung abschließen. "Für das Inserieren bei Share a Camper muss das Fahrzeug Vollkasko versichert sein und ein EU-Pannenschutzbrief bestehen", sagt Pantalon.

Im Zweifel hilft aber auch der Vermieter. Als Daniel Schneider eines Morgens den Motor seiner Wendy nicht mehr starten konnte, hatte der Besitzer das Problem per Ferndiagnose schnell erkannt und den entsprechenden Lösungsvorschlag parat.

Trotzdem sollte man sich bei Privatfahrzeugen eher darauf einstellen, dass manches nicht funktioniert wie geplant. "Wenn die Standheizung dann nach drei Stunden ausgeht, ist das sonst blöd", sagt Schneider.

Quelle: n-tv.de, Julia Ruhnau, dpa

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