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Messerundgang Auto Shanghai China zwischen E-Auto und SUV

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SUV stehen auch auf der Automesse in Shanghai hoch im Kurs. Das Trumm hier ist allerdings eine Ausnahme.

(Foto: Fabian Hoberg)

Die größte Automesse in China findet dieses Jahr in Shanghai statt. Doch statt der Präsentation von PS-Giganten werden im Reich der Mitte andere Schwerpunkte gesetzt. Hier setzt man auf SUV und Elektromobilität.

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In Shanghai auf der Automesse wird die Elektromobilität groß geschrieben.

(Foto: Fabian Hoberg)

Fast zeitgleich zur New York Autoshow öffnet am anderen Ende der Welt die Auto Shanghai (noch bis 25. April) ihre Tore. Größer könnte der Gegensatz zwischen beiden Shows kaum sein. Statt starker V8-Motoren unter dunklem Blech sitzen in China unter den meist weiß lackierten Motorhauben sparsame Vierzylinder oder Elektroantrieb. Nur die Karosserieform ist in beiden Ländern ähnlich beliebt: SUV. Kein Wunder, nach Einschätzung von Experten der Autoindustrie oder dem Center of Automotive Management (CAM) wird bis 2025 jedes zweite Auto in China ein SUV sein. Davon fahren dann rund 30 Prozent mit Elektroantrieb.

China ist für viele Hersteller der größte Einzelmarkt. Der Volkswagenkonzern mit den Marken VW, Porsche, Audi, Skoda und seit Kurzem Jetta (wie das frühere Automodell) verkauft rund 40 Prozent seiner Autos in China. Vergangenes Jahr waren es 4,21 Millionen Fahrzeuge. Damit kommt VW auf 18,1 Prozent Marktanteil und ist Marktführer. Vergangenes Jahr wurden in China insgesamt 23,3 Millionen Autos verkauft. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wurden in Deutschland rund 3,4 Millionen Autos neu zugelassen.

SUV und Elektro sind der Trend

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Auch Volkswagen will das Publikum in China mit der Symbiose aus SUV und E-Mobilität in den Bann schlagen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Volkswagen will bis Ende 2020 seine Anzahl an SUVs verdoppeln und zwölf Modelle auf den Markt bringen. Auch die neue Marke Jetta soll in Kooperation mit FAW das SUV VS5 herstellen. "Bisher haben wir einen SUV-Anteil von rund 20 Prozent, im Gesamtmarkt sind es aber 50 Prozent. Da haben wir noch Potenzial und wollen bis 2025 auch hin", sagt Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess. Auf der Messe in Shanghai zeigt VW gleich vier neue Fahrzeuge, darunter einen verlängerten T-Cross, das große SUV-Coupé Teramont X, die SUV-Van-Studie SMV und den ID. Roomzz. Letzterer ist ein Elektro-SUV in der Größe eines VW Touareg, das bis zu 450 Kilometer rein elektrisch fährt, in Serie sieben Sitzplätze bietet und schon in zwei Jahren in China auf den Markt kommen soll. Später wahrscheinlich auch in Deutschland.

Auch der zweite große Trend ist auf nahezu jedem Messestand sichtbar: Elektromobilität. Laut der CAM-Studie hat sich dieses Quartal die Zulassung von elektrischen Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt. Fast 300.000 Fahrzeuge mit Stecker wurden schon verkauft - in Deutschland waren es 23.300.

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Nio ist einer der chinesischen Vorreiter bei den Elektroautos.

(Foto: Fabian Hoberg)

Fast jeder Hersteller hat eine Version entweder als Hybrid, Plug-in-Hybrid oder gleich als Elektrofahrzeug auf dem Stand. Volkswagen allein will bis 2025 pro Jahr mehr als 1,6 Millionen Elektrofahrzeuge verkaufen. Jeder dritte VW hätte dann einen E-Antrieb unterm Blech. Gebaut werden sollen die Fahrzeuge größtenteils in China, ebenso wie die Batterien. Kein Wunder, dass nach Angaben von Herbert Diess rund die Hälfte der 20.000 Entwickler für Autos für den chinesischen Markt arbeiten.

Der elektrisierte Audi Q2L e-tron mit 136 PS setzt auf einen längeren Radstand für mehr Beinfreiheit im Fond. BMW zeigt mit dem X1 xDrive25LE als Plug-in-Hybrid und bis zu 110 Kilometern Reichweite ein ähnliches Fahrzeug. Die fast seriennahe Studie Mercedes GLB kündigt den siebensitzigen GLB an, ein langes kompaktes SUV auf Basis der A- und B-Klasse. Renault baut mit eGT New Energy erstmals ein kleines SUV mit Elektromotor, den City K-ZE. Die in China schon etablierte Marke Nio zeigt neben den beiden SUVs ES6 und ES8 ein neues Concept Car. Xpeng Motors überrascht mit dem G3 und einem integrierten und ausfahrbaren Lidar-Sensor auf dem Dach. Ein autonomes Auto für Level 3.

Die unbekannten Stromer

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Ebenfalls ein SUV mit E-Antrieb stellt Airways in Shanghai vor.

(Foto: Fabian Hoberg)

Die in Deutschland unbekannte neue Marke Bordrin zeigt das Luxus-SUV IV 7 in kühlem Volvo-Design und die Kompaktlimousine IV 6. Selbstverständlich mit Elektroanschluss. Dagegen wirken etablierte Marken wie Qoros mit dem eigenwillig gezeichneten GV 500 3 Sedan und dem Brennstoffzellen-Auto Qoros FCV eher blass. Weltmeister mit dem EX5 oder Dorcen G60E bieten ebenfalls elektrische SUVs an, zum Teil mit Reichweiten von über 450 Kilometer.

Mit dem Aiwaves U5 Ion soll im Herbst ein elektrisch angetriebenes SUV mit 190 PS für rund 25.000 Euro auf den Markt kommen, ein Jahr später auch nach Deutschland. Venucia stellt mit dem D60 EV eine elektrisierte Mittelklasse für rund 22.000 Euro und 340 Kilometer Reichweite vor. Die Firma ist ein Zusammenschluss von Nissan und Dongfeng. Dagegen wirkt der Lync & Co O2 schon konventionell. Unter dem Blechkleid des Crossover der Volvo-Schwestermarke Geely steckt ein Volvo CX40.

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Bordrin ist ein E-Auto-Start-up, das 2018 an den Markt ging.

(Foto: Fabian Hoberg)

Dreiste Plagiate werden in China weniger, der Copyshop China leert sich. Die Limousine Hongqi H7 ähnelt einem Maybach 57, der Haval F7 dem Citroen DS 7, der F7X dem BMW X6 und der Ora R1 dem Smart Forfour.

Doch es geht auch traditionell: Die amerikanische Marke Buick zeigt auf der chinesischen Automesse die neuen Modelle Encore und Encore GX, die europäischen Hersteller ihre Flotte mit konventionellen Antrieben. Und noch etwas überrascht: Erstaunlich viele Camper und Wohnmobile größerer und kleinerer Marken stellen auf der Autoshow in Shanghai ihre Fahrzeuge aus. Auch wenn es die meisten Chinesen in die Städte treibt, wollen sie am Wochenende lieber wieder raus. Natürlich mit dem Auto. Und mit Verbrennu

Quelle: n-tv.de

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