90 Jahre MaybachDas Beste ist nicht genug
Nur knapp zehn Jahre währt das Comeback der Luxusmarke Maybach. Zum Abschied und zum 90. Geburtstag wagen wir einen Blick zurück.
Von Beginn an sollte die Marke Maybach für Automobile mit einer technischen Finesse und Exklusivität stehen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Das Fahrzeug, mit dem das Unternehmen Maybach-Motorenbau 1921 auf der Berliner Automobilausstellung überraschte, war der Typ W 3. Als erstes deutsches Serienauto verfügte er über Vierradbremsen mit Bremsausgleich. Vor allem aber wurde er beworben als "Maybach-Wagen ohne Schaltung". Möglich machte dies die Drehmomentstärke des 5,7-Liter-Sechszylinders in Kombination mit einem angeblockten Umlaufrädergetriebe mit sogenannter Wechselkupplung.
Tatsächlich wurde das Maybach-Markenzeichen des doppelten M (für Maybach-Motorenbau) schnell zum Synonym für Perfektion und Präzision, vor allem aber auch für selbstbewusste Preise. Legendär waren die exklusiven Repräsentationsfahrzeuge, die in direkter Konkurrenz zur Stuttgarter Staatslimousine "Großer Mercedes Typ 770" standen: die bis zu 5,50 Meter langen Maybach 12/DS 7/DS 8 Zeppelin mit dem ersten serienmäßigen V-Zwölfzylindermotor für Pkw. Mitten in der Weltwirtschaftskrise lancierte Karl Maybach in den Jahren 1929 bis 1931 diese Motorenfamilie mit damals beeindruckenden Kennwerten von 6,9 bis 7,9 Liter Hubraum und bis zu 147 kW/200 PS Leistung.
Geschmeidigkeit, die begeistert
Die Geräuscharmut und Geschmeidigkeit der potenten Zwölfzylinder begeisterte die Kritiker der Fachpresse damals ebenso wie die Kunden. Bemerkenswert war der relativ beachtliche Verkaufserfolg der Zeppelin-Typen DS 7 (DS steht für Doppel-Sechs) und DS 8: Insgesamt wurden 183 Einheiten verkauft, während Daimler-Benz nur 119 "Große Mercedes" absetzte.
Wie bei fast allen anderen Luxusmarken aus diesem sogenannten "Goldenen Zeitalter des Automobils" war jeder Maybach ein individuell komponiertes Kunstwerk, bei dem nur die Phantasie und die Finanzkraft der Käufer die Grenzen des Machbaren setzten. Kostspieligster Maybach wurde eine Limousine mit Gold- und Rubinornamenten, für die 1928 nicht weniger als 186.000 Reichsmark berechnet wurden – dies entsprach in etwa dem Kaufpreis von fünf Supersportwagen des neuen Typs Mercedes-Benz SSK oder 125 Einheiten des legendären Kleinwagens BMW Dixie. Insgesamt entstanden bis zur kriegsbedingten Produktionseinstellung im Jahr 1942 kaum mehr als 1.800 Maybach-Fahrzeuge. Und dennoch: Trotz aller technischen Finesse, für die dem Unternehmer und Konstrukteur Karl Maybach das Beste nie genug war, errang die Marke nicht den unvergänglichen Mythos mancher Wettbewerber.
Vielleicht lag es einfach daran, dass sich in jenen Jahren zwischen den Weltkriegen zu viele Luxus-Marken um die Gunst der Reichen und Schönen und vor allem der Mächtigen bemühten. Allein in Deutschland kämpften Maybach, Mercedes und Horch um Käufer aus dem Club der Millionäre, hinzu kamen über 20 Prestigemarken aus anderen Ländern. Für die Automobilmarke Maybach endete die nur 20 Jahre währende Geschichte mit dem Auslaufen des Typs SW 42 mit innovativer Einzelradaufhängung und 103-kW/140-PS-Motor mitten im Zweiten Weltkrieg.
Wiederbelebung scheitert
Jahrzehnte später und wenige Wochen bevor Ferdinand Piech für die Volkswagen-Markenwelt Bentley und vorübergehend auch Rolls-Royce übernehmen konnte, wollte Mercedes-Benz im Jahr 1997 die Automobilgeschichte von Maybach wieder zum Leben erwecken. Dazu debütierte auf der Tokio Motor Show die Mercedes-Benz-Studie Maybach. Fünf Jahre danach wurde Maybach mit den Repräsentationslimousinen 57 und 62 als eigenständige Marke revitalisiert.
Bis zu 1.000 Einheiten pro Jahr wollte Jürgen E. Schrempp, der Chef der damaligen DaimlerChrysler AG, vom exorbitant teuren Konzernflaggschiff, das auf der profanen Mercedes-Benz S-Klasse basierte, weltweit verkaufen. Ein Traum, der sich nie realisierte. Bekanntheit und Strahlkraft der Marke Maybach hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten verflüchtigt und konnten auch nicht zurückgewonnen werden durch spektakuläre Fahrzeugpremieren etwa auf dem legendären Oceanliner Queen Elizabeth II oder extraschnelle Coupé-Studien, wie den exzentrischen Exelero. Zuletzt wurden in der eigens errichteten Manufaktur jährlich nur noch etwa 200 Einheiten der mindestens 405.000 Euro teuren Limousinen gebaut. Wenn 2013 das letzte Exemplar mit der Typenziffer 57 oder 62 aus den Hallen der Maybach-Manufaktur rollt, steht eine neue Generation der Mercedes-Benz S-Klasse in Pullman-Ausführung in den Startlöchern, um die Thronfolge zu übernehmen und die automobile Extraklasse nicht gänzlich den Marken Bentley und Rolls-Royce zu überlassen. So wie vor 60 Jahren, als der Mercedes-Benz 300 "Adenauer" die Maybach-Limousinen beerbte.