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Naked mit den zwei Gesichtern Ducati Streetfighter V2 - die nackte Freude

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Es sind die zwei Gesichter, die die Ducati Streetfighter V2 so faszinierend machen.

(Foto: Alessio Barbanti)

Wer glaubt, dass Ducati für seine Streetfighter V2 nur einen Supersportler entkleidet hat, der irrt. Die Italiener haben mit ihrem neuen Hyper Naked Bike einigen Aufwand betrieben, damit es die Fahrer gleichermaßen auf der Straße und Rennstrecke freudvoll bewegen können.

Ducati hätte es sich bei der neuen Streetfighter V2 einfach machen und das als Basis hergenommene Supersportmodell Panigale V2 einfach der Verkleidung entledigen können. Schon wäre der Streetfighter fertig gewesen. Doch einerseits widerspricht das dem Hang der Italiener zur selbst auferlegten Perfektion, andererseits verlangen unverkleidete Motorräder dieser Leistungsliga besondere Maßnahmen, um die Kraft kontrolliert auf den Asphalt zu bringen.

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Der 955 Kubikzentimeter große 90-Grad-V-Motor der Streetfighter V2 liefert eine Spitzenleistung von 153 PS.

(Foto: Matteo Cavadani)

Hier hat Ducati mit der 208 PS starken V4 Streetfighter bekanntlich Maßstäbe gesetzt. An diesem Vorzeigemodell soll sich auch die neue Streetfighter V2 orientieren. Dabei greift sie das aggressive Styling der großen Schwester auf, angefangen beim markanten LED-Scheinwerfer mit typisch V-förmigem Tagfahrlicht über das markant auf der linken Seite dargebotene gelbe Federbein bis zur luftigen Heckpartie mit der doppelten Durchlüftung unter dem Sitz. Nur Insider erkennen die kleinen Designretuschen wie die tiefen Schalldämpfer und den schmalen Tank. Am auffälligsten ist noch das Fehlen der Aerodynamikflüger, der sogenannten Winglets.

Die inneren Werte zählen

Doch viel wichtiger sind die inneren Werte. So liefert der 955 Kubikzentimeter große 90-Grad-V-Motor mit den typischen desmodromisch zwangsgesteuerten vier Ventilen 153 PS Spitzenleistung und ein maximales Drehmoment von 101 Newtonmeter. Zur Anpassung an persönliche Vorlieben oder die Witterung lässt sich sein Charakter über drei Kennfelder verfeinern, die in ebenfalls drei Fahrprogrammen zusammen mit verschiedenen Einstellungen des ABS, der Traktions- und Wheeliekontrolle sowie der Motorschleppmomentregelung hinterlegt sind. In Sport und Road traben alle Pferdchen unterschiedlich vehement an, bei Wet (nass) bleiben 110 PS übrig. Alle anderen Parameter sind über das Menü im farbigen TFT-Display individuell justierbar. Was fehlt, wäre eine Schnelltaste zum Wechsel der Fahrmodi.

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Alle Fahreinstellungen sind über das TFT-Display der Ducati Streetfighter V2 zu justieren.

(Foto: Alessio Barbanti)

Fahrwerkseitig bleibt die Grundkonstruktion der Panigale V2 erhalten, mit einem Hauptrahmen, der den Motor mittragend integriert und gleichzeitig als Airbox fungiert. Voll einstellbare Federelemente vorn wie hinten gehören in dieser Klasse zum guten Ton. Gemäß dem Einsatzzweck als Naked Bike sorgt ein neuer Gitterrohr-Hilfsrahmen samt deutlich längerer Schwinge für eine geänderte Fahrwerksgeometrie, über die mehr Last auf das Vorderrad gebracht wird.

Mit viel Gefühl

Für den Landstraßeneinsatz ist der hohe und breite Aluminiumlenker perfekt, denn er verzahnt den Fahrer bei weitgehend aufrechter Haltung innig mit dem Motorrad. Das relativ dicke Polster ist mit 84,5 Zentimetern ziemlich hoch, aber schmal genug, dass auch kleinere Fahrer, guten Bodenkontakt haben. Die Rasten liegen so tief, dass während der Fahrt keine Spannung im Kniewinkel auftritt. Mehr Spritzigkeit soll dem Desmo-V eine gekappte Sekundärübersetzung bringen, für den Straßenbetrieb haben die Ingenieure das Ansprechverhalten des Ride-by-Wire-Systems sanfter ausgelegt.

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Sehr agil lässt sich die Ducati Streetfighter V2 auf den kleinen Landstraßen bewegen.

(Foto: Alessio Barbanti)

Sehr agil und mit viel Gefühl fürs Vorderrad prescht die Ducati über die kleinen Sträßchen, lässt sich exakt dirigieren und bietet bereits im vergleichsweise zahmen Road-Modus ausreichend Druck für flotte Fahrdynamik. Spontan und nachdrücklich, aber nicht aggressiv reagiert der Motor auf Gasgriffbefehle und macht selbst im aggressiven Sport-Modus einen sauber kontrollierbaren Eindruck, was nicht zuletzt seiner besonderen Charakteristik geschuldet ist. Zum einen kommt der Motor nur recht verhalten aus dem unteren Drehzahlbereich, zum anderen fehlt ihm auch in der Drehzahlmitte der V2-Punch. Erst ab circa 6500 Kurbelwellenumdrehungen lebt die Streetfighter richtig auf und bläst mit vollen Backen zur Attacke. Bis gut 9000 U/min hält dieser Gipfellauf an und endet erst kurz vor dem Begrenzer. Laufkultur und Lastwechsel sind über das gesamte Drehzahlband fast mustergültig.

Das zweite Gesicht

Stabilitätsprobleme sind der Ducati auch bei schnell aufeinanderfolgenden Schräglagenwechseln fremd. Dafür sorgen die mannigfach einstellbaren Federelemente mit gutem Ansprechverhalten und straffer Dämpfung. Standardmäßig abgestimmt setzen sie noch einen manierlichen Fahrkomfort obendrauf. Gut harmonieren die neuen Pirelli Diablo Rosso IV-Reifen in 120/70 ZR17 vorne und 180/60 ZR17 hinten, die der Streetfighter V2 nach kurzer Aufwärmphase eine gute Neutralität und Handlichkeit bescheren, ohne die messerscharfe Präzision eines Supersportreifens zu erreichen. Das ist aber auch gar nicht gefragt beim beschwingten Auf und Ab durchs Hinterland.

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Mit fast 17.000 Euro reiht sich die Ducati Streetfighter V2 schon in die Riege der großen Superbikes ein.

(Foto: Alessio Barbanti)

Eher auf der Rennstrecke von Monteblanco, auf der die Streetfighter V2 ihr zweites Gesicht zeigen darf. Mit einem erheblichen Geräuschaufkommen rast die Streetfighter über die Strecke, die deutlich gestraffte Fahrwerksabstimmung bringt eine hohe Geradeauslauf-, Kurven- und Bremsstabilität und belegt damit die große Bandbreite des hochwertigen Fahrwerks. Beim heftigen Runterbremsen von rund 240 auf 65 km/h - bestens unterstützt von dem sehr leichtgängigen serienmäßigen Schaltautomaten (Blipper) - überzeugt die nur leicht modifizierte Bremsanlage der Panigale V2 mit einem unglaublich transparenten Bremsgefühl bei höchster Effizienz. Für beste Sicherheit sorgt die Schräglagenfähigkeit aller Assistenzsysteme.

Mit fast 17.000 Euro ist die "kleine" Streetfighter dann aber auch eher bei den Großen angesiedelt. Dafür bietet sie jedoch feine Detailarbeit, modernste Ausstattung und vor allem einen breiten Einsatzbereich neben und auf der Rennstrecke.

Quelle: ntv.de, Thilo Kozik, sp-x

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