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Offen für mehr E-Klasse Cabrio - Fahrspaß mit Nutzwert

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Wer offen fährt, hat mehr vom Fahren. Jedenfalls ist das im neuen E-Klasse Cabrio so.

(Foto: Dirk Weyhenmeyer)

Das Mercedes E-Klasse Cabrio hat Tradition. Doch war es seinerzeit nur ein großes Cabrio, ist es in der neuesten Generation ein Sonnenanbeter mit Nutzwert. Hört sich langweilig an? Ist es aber nicht, wie ein erster Test beweist.

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Das E-Klasse Cabrio bietet Platz für vier Personen.

(Foto: Dieter Rebmann)

Es gab eine Zeit, da war der Jubel der fahrenden Frischluftfanatiker nicht zu stoppen, wenn ein neues Cabrio auf den Markt kam. So auch 1991, als das Mercedes-Benz-300-CE-24-Cabriolet - oder wie es intern heißt, der A 124 - den Weg auf die IAA und anschließend zu den Händlern fand. Mit dem Ausrollen der Cabrio-Welle am Ende der 1990er-Jahre gab es noch eine Sonderedition des E-Klasse Cabrios mit dem bezeichnenden Namen "Final Edition". Immerhin verkaufte Daimler davon noch 1390 Exemplare des seinerzeit mit Preisen von 80.000 bis 115.000 D-Mark sündhaft teuren Sonnenanbeters.

Doch während andere Hersteller sich über die Jahre von ihren Cabrios peu à peu verabschiedeten, bewahrte Daimler für seine Kundschaft in allen Segmenten die Lust am offenen Fahren und hat jetzt mit dem neuen E-Klasse Cabrio wieder einen echten Viersitzer im Programm, der nicht nur Spaß, sondern auch ein gehöriges Maß an Alltagstauglichkeit verspricht.

Gewachsen und schön

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Bei geschlossenem Dach lehnt sich die Silhouette des E-Klasse Cabrios stark am Coupé an.

(Foto: Dieter Rebmann)

Um 12 Zentimeter in der Länge gewachsen, 7,4 Zentimeter breiter und mit einem um 11 Zentimeter größeren Radstand bietet das neue E-Klasse Cabrio deutlich mehr Raum, was natürlich vor allem den Passagieren im Fond entgegenkommt. Wer über 1,90 Meter misst, möchte allerdings trotz des gewachsenen Raumangebots nicht über längere Strecken in der zweiten Reihe sitzen. Auch die Möglichkeit, die Fondsitzlehnen im Verhältnis von 50:50 umlegen zu können, trägt im Zusammenspiel mit dem Kofferraumvolumen, das bei geschlossenem Dach 385 Liter und bei geöffnetem Dach 310 Liter beträgt, zu einer gesteigerten Alltagstauglichkeit bei.

Apropos geschlossenes Dach. Natürlich liegt das Hauptvergnügen eines Cabrios auf dem Fahren ohne Verdeck. Dennoch ist es Designern und Ingenieuren gelungen, die ausgesprochen gelungene Dachlinie des Coupés in das Cabrio zu übertragen und so ein ebenso sportliches Gesamtbild zu schaffen. Insofern fiel die Wahl für den ersten Ausritt nicht auf die sparsamen Dieseltriebwerke, die sich hinter den Bezeichnungen E 220 d und E 350 d verbergen, sondern auf die potenten Benziner in Form des E 400 mit seinem 3,0 Liter V6 und 333 PS und den etwas kleineren 2,0-Liter-Vierzylinder mit immer noch ordentlichen 245 Pferden unter der Haube.

Alles auf V6?

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Wirklich kurvengierig ist das E-Klasse Cabrio nicht.

(Foto: Dieter Rebmann)

Für den sportlichen Fahrer scheint alles für den V6 zu sprechen. Und natürlich schiebt der das zwei Tonnen schwere Spaßgerät mit 480 Newtonmeter über alle vier Räder souverän an. Lediglich 5,5 Sekunden dauert es, bis das Cabrio im Sportmodus Landstraßentempo erreicht hat. Wer so startet und sich durch die Fahrstufen Comfort, Eco und Sport bis Sport Plus schaltet, wird merken, dass es nur wenigen Herstellern gelingt, die Abstufung so deutlich voneinander abzusetzen wie den Stuttgartern. Dem einen oder anderen könnte der V6 beim sportlichen Ausritt vielleicht einen Tick zu ruppig sein, obgleich die serienmäßig verbaute Neungangautomatik ohne zu zögern die Schaltstufen im Getriebe durchstellt, egal ob es rauf oder runter geht.

Wer mit seinem E-Klasse Cabrio die schnelle Kurve sucht, wird allerdings merken, dass Länge und Gewicht den Drang des Wagens in die Kehre verhindern. Das heißt nicht, dass es schwerfällig oder unangenehm ums Eck geht. Gar nicht! Sauber zieht das Cabrio seine Linie, entspannt den Fahrer aber nicht dabei, sondern fordert seine Aufmerksamkeit. Diese Feststellung beschränkt sich nicht nur auf den V6, auch der kräftige E 300 giert nicht nach der Kurve sondern möchte geführt werden. Beim Vierzylinder vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, denn die Kraft der maximal anliegenden 370 Newtonmeter werden komplett an die Hinterachse weitergereicht.

Offener Fahrspaß mit Eyecatcher

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Die neuen Luftauslassdüsen im E-Klasse Coupé und Cabrio sind eine Augenweide.

(Foto: Dieter Rebmann)

Echten Fahrspaß und Entspannung bieten beide Fahrzeuge natürlich beim offenen Cruisen. Hier dürfte auch der Verbrauch des deutlich durstigeren E 400 4Matic zurückgehen. Wer den Kollegen nämlich flott über die Piste scheucht, muss mit knapp 12 Litern auf 100 Kilometer rechnen. Der E 300 gibt sich mit 200 Kilo weniger Kampfgewicht und Vierzylinder deutlich genügsamer. Beim sportlichen Ausritt wurden lediglich 8,3 Liter Benzin konsumiert. Ein Wert, der sich bei verhaltener Fahrweise bis auf knapp über sechs Liter drücken lässt. Und da schon erwähnt wurde, dass beide Cabrios eher zum lockeren Langlauf als zu gehetzten Sprinteinlagen einladen, spielen auch die 1,1 Sekunden keine Geige, die der E 300 länger braucht als der E 400, bis er Tempo 100 erreicht hat.

Prinzipiell ist das E-Klasse Cabrio wie sein Coupé-Bruder auch im Innenraum auf sportlichen Luxus ausgelegt. Es sind die Details, die die Akzente setzen. Da wären zum Beispiel die Zierelemente aus eloxiertem und poliertem Aluminium an A-Säule und Frontscheibe, der Bordkantenzierstab sowie ein breiter Rahmen für den Verdeckkastendeckel. Auf Wunsch spannt sich ein Hochauflösendes 31,2 Zentimeter langes Display fast über zwei Drittel des Dashboards. Einen richtig starken Akzent bilden wie schon beim Coupé die Lüftungsdüsen, deren Form von Turbinentriebwerken inspiriert wurde. Ein echter Eyecatcher.

Ruhe unterm Dach

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Erstmals lässt sich die Rückbank in einem E-Klasse Cabrio umlegen.

(Foto: Dieter Rebmann)

Wie erstmals mit der neuen E-Klasse eingeführt, stehen dem Fahrer verschiedene Wege zur Verfügung, um Kombi-Instrument und Multimediasystem zu bedienen. Die wohl eleganteste ist die über die Touch Control Button am Lenkrad. Die erlauben es, Menüs einfach per Daumenwischbewegung zu verändern. Betrachtet wird das alles aus wunderbar geformten Sportsitzen in Integraloptik, bei denen sich nicht nur die Seitenwangen elektrisch ins Kreuz schmiegen lassen, sondern sich auch auf Wunsch unterhalb der Kopfstütze ein sanfter Luftschal um den Hals von Fahrer und Beifahrer legt. Der sogenannte Airscarf macht es bekanntermaßen angenehmer, auch bei widrigen Temperaturen offen zu fahren.

Wenn die Witterungsbedingungen dann so unwirtlich geworden sind, dass auch das Nackengebläse, die Sitzheizung und eine Pudelmütze keine ausreichende Wärme schaffen, kann das dreilagige Stoffverdeck bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h übergestülpt werden. Jetzt funktioniert  das Cabrio nicht nur wie ein viersitziges Coupé, es verhält sich auch geräuschtechnisch so. Die Dämmung, die das sogenannte Akustikverdeck bietet, ist enorm und muss sich hinter einem Hardtop nicht verstecken.

Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, sich ein E-Klasse Cabrio zuzulegen, der muss mindestens 54.228 Euro bereithalten. Dafür gibt es motorseitig den Vierzylinder mit 184 PS und auf dem Heckdeckel steht E 200. Wer mit dem oben genannten E 300 oder gar E 400 liebäugelt, der benötigt 60.214 Euro oder 70.281 Euro. Je nach Ausstattung darf hier aber gerne noch der eine oder andere Euro aufgeschlagen werden. Gerade wenn Zutaten wie die adaptiven Helfer um den Spurhalteassistenten, Lenkassistent, Abstandsradar oder den Parkassistenten geordert werden. Auch die Konnektivität mit Real Time Traffic, WLAN-Hotspot und Concierge muss extra bezahlt werden. Aber es hat auch keiner gesagt, dass alltagstauglicher Luxus billig wäre.

Quelle: n-tv.de

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