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200 Meilen mit dem Bolt EV Konzept Ein einsamer Elektroblitz in Detroit

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Der Bolt EV Konzept ist das, was sich Chevrolet unter der mobilen Zukunft vorstellt.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem Chevrolet Volt und dem Bolt EV Concept erinnert GM in Detroit daran, dass es in der Stunde der Not so etwas wie ein grünes Gewissen in der Autoindustrie gab. Während der eine zum Neustart ansetzt, ist der andere die Zukunft, die sich Elektromobilisten wünschen.

In Detroit brennt die Luft. Vor kraftstrotzenden Sportlern, bulligen SUV und fetten Pickups ist die noch vor fünf Jahren geschwungene grüne Fahne auf Halbmast gesetzt. Alternative Antriebe spielen auch in diesem Jahr in Detroit keine wirkliche Rolle. Die US-Wirtschaft boomt, die Zinsen sind im Keller und wer will, kann sich problemlos einen Neuwagen anschaffen. Experten prognostizieren sogar, dass vor allem die Nachfrage nach Premiummarken weiter steigen wird. Vor allem moderne Crossover-Modelle wie der Mercedes GLE, Audis Neuauflage des Q7 oder Pickups wie der Ford Raptor sollen hier profitieren.

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Der Volt startet aufgefrischt und mit neuer Technik einen zweiten Versuch.

(Foto: Holger Preiss)

Hinzu kommt, dass in den USA Benzin infolge des Ölpreis-Absturzes günstig ist wie lange nicht. Bereits im letzten Jahr kletterte die Nachfrage nach Pickups und SUV im Land der unbegrenzten Möglichkeiten um zehn Prozent. Die Verkäufe schnellten um sieben Prozent in die Höhe.

Zweiter Anlauf für den Chevrolet Volt

Bei so viel veritablen Verbrenner-Volumen wundert es wirklich, wenn überhaupt noch ein Hersteller etwas fürs grüne Gewissen tut. Denn selbst wenn in Kalifornien und Florida Fahrzeuge dieser Couleur verkauft werden, reicht das auch in den USA nicht aus, um gewinnbringend zu wirtschaften. Hinzu kommt, dass auch General Motors als drittgrößter Autobauer der Welt sehr wohl weiß, wie schnell die Sonne sich verdunkeln kann. Der Schreck von 2009, als die Ölpreise in gigantische Höhen schossen, die Immobilienblase platzte und Autos das Letzte war, was die Menschen sich kaufen wollten, ist noch nicht vergessen.

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Die versprochene Ähnlichkeit mit der Corvette ist nicht zu sehen.

(Foto: Holger Preiss)

Auch jetzt gehen Experten davon aus, dass sich die Lage wieder ändern kann. Das Öl, was die Wirtschaft der USA im Augenblick beflügelt, wird durch Fracking gewonnen. Ein Verfahren, was nicht nur umstritten, sondern auch teuer ist. Von der anderen Seite drücken die arabischen Länder mit gleichbleibenden Fördermengen den Preis. Etliche Fracking-Unternehmen in den Staaten sind inzwischen hoch verschuldet. Wenn sie nicht mehr fördern können, wird das Preisdiktat wieder aus den Emiraten kommen. Dann dürfte die Aufbruchstimmung auf dem Automarkt erneut dem Katzenjammer weichen.

Das grüne Gewissen gemahnt

Ob es diese Vorzeichen und die Erfahrungswerte sind, die GM dazu bewogen haben, den Chevrolet Volt als einzigen grünen Wagen auf der Messe zu präsentieren, ist nicht bekannt. Wichtig ist, dass der mit Opel-Technik vollgestopfte US-Amerikaner auf der NAIAS ein Leuchtturm und eine Ermahnung an das grüne Gewissen ist. Wesentlich sportlicher als sein Vorgänger nimmt er im Design jetzt eine "subtile Verbindung" zur Corvette auf, versprach die Designer vor der Premiere. Doch bei genauem Hinsehen hat sich am Äußeren wenig verändert. Vielleicht ist die Außenhaut ein wenig futuristischer geworden. Innen setzt man jetzt auf Einfachheit der Bediensysteme und anders als früher finden jetzt fünf Passagiere Platz, wobei sich die Abmessungen an sich nicht geändert haben.

Vor allem aber am Hauptkritikpunkt haben die Ingenieure gefeilt. Dank eines von 17,1 kWh auf 18,4 kWh vergrößerten Akkus legt die Limousine laut Hersteller nun rund 80 Kilometer rein elektrisch zurück. Zuvor musste bereits nach gut 60 Kilometern der bordeigene Verbrennungsmotor für Stromnachschub sorgen. Den besorgt in der neuen Generation auch kein 1,4-Liter-Benziner mehr, sondern ein 1,5-Liter-Triebwerk mit 105 PS, das vor allem laufruhiger sein soll. Auch die Verlagerung des Ladekabel-Staufaches aus dem Kofferraumboden in ein Seitenfach geht auf Anregungen von Nutzern zurück.

Die Zukunft gehört dem Bolt

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Der Bolt könnte mit 200 Meilen Reichweite als Elektroauto seine Kunden finden.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem neuen Volt will GM wieder Lust auf den Range Extender machen. Die Aufmerksamkeit ist ihnen in den USA jedenfalls gewiss. Auf der Autoseite der Zeitung US-Today war der stromernde Verbrenner am ersten Pressetag in Detroit jedenfalls der Aufmacher. Dabei ist das nur die Realität. Echte Zukunftsmusik spielt Chevrolet mit der Studie des Bolt. Einem reinen Elektroauto, das bereits 2016 zur Marktreife kommen soll, bis zu 200 Meilen rein elektrisch zurücklegt und bereits ab 30.000 Dollar zu haben sein wird. "Der Bolt EV-Konzept ist ein bahnbrechendes Elektrofahrzeug", so die GM-Chefin Mary Barra. "Chevrolet glaubt, dass die Elektrifizierung eine Säule der zukünftigen Mobilität ist. Und insofern muss sie auch für ein breites Kundensegment erschwinglich sein", so Barra weiter.

Diese Vision ist nicht nur für die USA. Auch global soll der Bolt, wenn er denn produziert wird, verkauft werden. Allerdings dürfte Barra hier eher China im Blick haben, denn aus Europa hatte sich die Marke erst im letzten Jahr verabschiedet.

Um der im Augenblick liebsten Fahrzeugform zu folgen, haben die Designer um Ed Welburn dem Bolt ein typisches Crossover-Autfit verpasst. Der Verzicht auf Überhänge vergrößert den Innenraum. Leichte Materialien wie Aluminium, Magnesium, Kohlefaser und sogar ein spezielles Stoffgewebe machen den Bolt zu einem echten Leichtgewicht, verspricht Chevrolet, wobei man sich mit genauen Zahlen zurückhält. Zwei LED-Monitore sorgen, ähnlich wie im BMW i3, für den Informationsfluss. Natürlich sollen auch die Smartphonedaten problemlos auf den 10-Zoll-Monitor in der Mittelkonsole übertragbar sein. Alles in allem könnte das Konzept, im Zusammenspiel mit der Reichweite, elektrisches Fahren deutlich attraktiver machen.

Quelle: n-tv.de

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