Erster seiner ArtFahrt mit dem Suzuki e Vitara - sachliches SUV für Straße und Geröll
Von Patrick Broich, Nörten-Hardenberg
Der Suzuki e Vitara präsentiert sich als erschwingliches und praktisches Stadt-SUV mit elektrischem Antrieb. ntv.de hat den sachlichen Stromer bereits gefahren. Vorweg: Er ist empfehlenswert, wenn man mit einer bestimmten Schwäche umgehen kann.
Suzuki e Vitara im Anflug bei minus 7 Grad Celsius auf der Landstraße in der Leineregion im tiefen Winter. Ist das nicht Praxiserprobung auf Goldstandard-Level für batterieelektrische Fahrzeuge? Denn unter solch frostigen Bedingungen kommt die Spezies Auto ihrer Belastungsgrenze nah, der sowieso schon träge Traktionsakku bei diesen Temperaturen muss auch noch die Heizung mit versorgen. Die Reichweite kann dann gar nicht mehr anders, als in den in den Keller zu rauschen.
Da steht er nun, der e Vitara - Suzukis erster Stromer. Und das SUV von 4,28 Metern Länge kommt dem Autor ziemlich bekannt vor. Klar, der Grund liegt auf der Hand: Er ist baugleich mit dem kürzlich besprochenen Toyota Urban Cruiser. Dennoch ist es auch für Suzuki sinnvoll, das erschwingliche Modell anzubieten - schließlich liegt der Gedanke nahe, dass Kunden von Nischenmarken loyal sind. Andererseits ist Suzuki mit über 350 Verkaufsstandorten gar nicht so schlecht aufgestellt, um seine Produkte gut über das Land verteilen zu können.
Und erschwinglich ist ein gutes Stichwort - beim Listenpreis hat sich Suzuki um einen möglichst moderaten Einstieg bemüht. So steht der e Vitara bereits ab 29.990 Euro bereit. Auch Toyota hat temporär angeglichen und den Urban Cruiser zum gleichen Kurs angeboten - jedenfalls die nächsten drei Monate lang. Danach soll aber wieder der ursprüngliche Einstiegstarif von 31.990 Euro gelten. Man wird sehen. Allerdings hegt man bei Suzuki keinerlei Zweifel daran, dass das Basismodell mit bloß 49 kWh hierzulande ohnehin nur 16 Prozent am Verkauf ausmachen wird.
Bei Kälte sinkt die Reichweite
Daher hat man auch keine Basis zum Fahrevent mitgebracht und gleich auf die teureren Varianten mit 61 kWh (ab 36.490 Euro) gesetzt. Vielleicht gar keine schlechte Idee angesichts der klirrenden Kälte. Und der Blick auf die Reichweitenanzeige beantwortet denn auch die Frage, die kritischen Lesern jetzt womöglich im Kopf herumschwirrt: Wie weit kommt man real? Etwas über 300 Kilometer bei Fahrt auf der Landstraße sind selbst im Extremfall drin, darf man mit Fug und Recht sagen. Fährt man Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn, dürfte der Wert indes schnell unter die 300-Kilometer-Marke sinken. Der bei milderen Temperaturen ermittelte WLTP-Wert liegt immerhin bei 428 Kilometern. Die Rede ist dabei von der effizienteren Variante mit Frontantrieb und 174 PS.
Mit solchen temperaturabhängigen Diskrepanzen müssen Elektroautofahrer umzugehen wissen. Wie gut das funktioniert, hängt letztlich vom individuellen Einsatzzweck des Fahrzeugs ab und ob man zu Hause laden kann oder nicht. Für schnelles Zapfen an der öffentlichen DC-Station verspricht Suzuki 45 Minuten (Ladehub von 10 auf 80 Prozent) - das ist immerhin schonungslos ehrlich, zeigt aber auch, wo die Kompetenz dieser Einheit nicht liegt. Eine Akkuheizung haben die Techniker eingebaut, um das Ladegeschehen temperaturunabhängig gleich zu halten. Bringt aber wenig, wenn die Ladeleistung generell auf niedrigem Niveau rangiert.
Der Suzuki e Vitara ist quirlig im Naturell
Ist dagegen vom Fahrgeschehen die Rede, kann dieser Vitara die Vorteile des elektrischen Antriebs perfekt ausspielen. So setzt sich der 1,8-Tonner (das ist verhältnismäßig leicht) nicht nur ansatzlos in Bewegung, sondern bleibt naturgemäß akustisch gedämpft dabei. Kein rustikaler Sound beim Durchbeschleunigen, bloß Abrollgeräusche und Wind dringen in den Passagierraum. Aber hier verhält sich der Kleinwagen recht erwachsen.
Und auch bei Raumangebot und Sitzkomfort verströmt er mehr Mittelklasse- als Stadtfloh-Vibes, was die Multifunktionalität unterstreicht. Eine Mischung aus halbwegs komfortablem Fahrwerk plus betont leichtgängiger Servolenkung erzeugt einen Kompromiss irgendwo zwischen Citytauglichkeit und Wohlfühlfaktor auf Autobahn- sowie Überlandstrecken.
Etwas nachschärfen sollte Suzuki bei der Bedienung auf dem ausladenden Touchscreen im mittleren Bereich der Armaturen. Eine verwirrende Menüstruktur hält beim Abhandeln der Funktionalitäten auf. Insbesondere beim Steuern der Assistenz macht sich Umständlichkeit breit. Denn rund zehn Mal touchen, bis alle unnötigen und tendenziell kontraproduktiven "Helferlein" (Tempopiepser oder Spurhaltekontrolle) ausgeschaltet sind, ist deutlich zu viel. Hier sollte ein Shortcut her.
Positiv dagegen sind klassische Features zu werten, die fast schon ausgestorben sind. Dazu gehört zweifelsohne eine verschiebbare Rücksitzbank. So gibt es kontextabhängig mehr Beinfreiheit im Fond, falls nicht so viel Gepäckraum benötigt wird - oder eben mehr Volumen ganz hinten. Das beträgt bestenfalls 1052 Liter, was ehrlich gesagt etwas mau ist.
Ein bisschen Gadget für die Gen Z gibt Suzuki auch noch mit auf den Weg. Das Vorwärmen der Batterie lässt sich nämlich per Smartphone-App bewerkstelligen. Und zu den ganz und gar mechanischen Skills gehört die propere Steigfähigkeit der im Vergleich zum 61-kWh-Grundmodell 3000 Euro teureren Allrad-Ausgabe. Sie schafft etwa 27 Grad, was rund 50 Prozent entspricht, also mehr als Wand denn als Steigung durchgeht. Virtuelle Quersperren, die per Bremseingriff arbeiten, sorgen außerdem für ein Mindestmaß an Geländefähigkeit auf losem Untergrund. Das primäre Tool dafür allerdings kommt in Form einer 65 PS starken Elektromaschine an der Hinterachse - macht dann kumuliert 184 PS. Damit stürmt der Stromer binnen 7,4 Sekunden auf 100 km/h - das ist schon ansehnlich und mehr Dynamik, als viele Außenstehende erwarten würden.
Der lautlose Suzuki Vitara ist ab sofort bestellbar und sogar bereits als Grundmodell ordentlich ausgestattet mit Gimmicks wie Einparkhilfe, Navi, Rückfahrkamera und sogar adaptivem Tempomaten. Vielleicht noch ein Wort zum Klischee, dass Autos mit reinem Elektroantrieb teuer seien: Den Vitara mit Benzinmotor trennen 2490 Euro von der elektrischen Version. Dann gibt es allerdings nur ein manuelles Schaltgetriebe. Dafür jedoch auch Praxistauglichkeit beim Energienachfassen. Man kann eben (noch) nicht alles haben. Von Preisparität zu sprechen, wäre jedoch nicht gelogen.