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Die Autos der anderenHierzulande kaum bekannte Bestseller

11.02.2026, 16:45 Uhr
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Global gewinnt nicht das modernste Konzept, sondern das anpassungsfähigste: Der Toyota RAV4 ist global die Nummer eins. (Foto: Toyota)

Andere Länder, andere Bestseller: Während bei uns der VW Golf nach wie vor das Maß der Dinge ist, haben die fünf weltweit größten Kfz-Märkte ganz eigene Vorlieben und deshalb auch ganz eigene Verkaufsschlager. Ein Blick nach China, Indien, Südkorea, Japan, in die USA - und die Welt.

Von wegen Weltauto. Die Zeiten, in denen die PS-Bosse dem ganzen Globus einen gemeinsamen Geschmack aufzwingen wollten, sind vorbei. Denn auch im letzten Vorstandsgremium sollte man mittlerweile begriffen haben, dass die automobile Welt überall anders tickt: Märkte formen Modelle, nicht umgekehrt.

Der Blick auf die Bestseller des vergangenen Jahres auf den größten Auslandsmärkten ist daher weit mehr als ein Zahlenspiel, sondern ein Spiegel kultureller Prioritäten. In den USA regiert der Pick-up-Kult - Nutzwert, Repräsentation und Flottenkäufe treiben Stückzahlen nach oben. In China entscheiden Preis, Reichweite und urbane Mobilität über Erfolg; Kleinst-EV und erschwingliche Smart-Cars füllen dort die Parkhäuser. Japan bleibt dem Bonsai auch beim Fahren treu: Kei-Cars und extrem praxisorientierte Konzepte dominieren wegen Steuer- und Parkvorteilen. Indien wächst mit kompakten, preisbewussten Modellen, die sich in dichten Städten und auf holprigen Landstraßen bewähren. Und Südkorea wiederum zeigt die Stärke heimischer Hersteller mit einem Mix aus SUV und einer eigenen Oberklasse.

Aber trotzdem gibt es natürlich ein Auto, das es offenbar allen recht macht oder zumindest den größten gemeinsamen Nenner des globalen Geschmacks bedient. Anders als ganz früher mal der Käfer kommt das allerdings längst nicht mehr aus Deutschland.

China: Geely Geome Xingyuan

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Mit etwa einer halben Million Zulassungen stand der Geely Geome Xingyuan an der Spitze der Verkaufsstatistik in China. (Foto: Geely)

Zwar werden auch nirgends so viele Oberklasse-Autos verkauft wie in China und lange Zeit war die Volksrepublik deshalb das gelobte Land für die deutschen Premium-Hersteller. Doch dass Maos Erben den mit 30 Millionen Neuzulassungen im letzten Jahr mit weitem Abstand größten Markt befeuern, liegt eher an billigen Klein- und Kleinstwagen. Ihr Bestseller ist deshalb weder die Mercedes S-Klasse noch der heimische Star Xiaomi YU7. Sondern mit etwa einer halben Million Zulassungen steht der Geome Xingyuan an der Spitze der Statistik - ein elektrischer Kleinwagen für umgerechnet nicht einmal 10.000 Euro.

Der Erfolg ist typisch chinesisch: klein außen, digital innen, elektrisch angetrieben und preislich aggressiv positioniert. Der Xingyuan trifft den Nerv urbaner Käufer, die kurze Wege fahren, wenig Platz haben und maximale Vernetzung erwarten. Anders als westliche Kompaktwagen verkauft er nicht Motorleistung, sondern Bildschirmfläche, App-Integration und Reichweite für den Alltag.

Sein Vorsprung entsteht weniger durch Prestige als durch System: lokale Produktion, staatlich geförderte Elektromobilität und ein Markt, der Innovation schneller adaptiert als irgendwo sonst. In China gewinnt, wer Alltag und Technik zusammenbringt - nicht, wer Emotion verkauft.

USA: Ford F-Series

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Der "amerikanische VW Golf": Seit Langem führt der Ford F-150 die Zulassungsstatistik in den USA an. (Foto: Ford USA)

Die USA sind zwar mit 15,6 Millionen Neuzulassungen nur noch die Nummer 2 auf der Welt. Aber dafür haben sie dort eine Nummer 1, dessen Status so unantastbar ist wie die Rocky Mountains. Denn seit Generationen schon führt der Ford F-150 die Zulassungsstatistik an und ist in der Volksseele so tief verankert wie bei uns der Golf. Allein im letzten Jahr hat Ford davon über 800.000 Exemplare verkauft und mal wieder den Chevrolet Silverado weit hinter sich gelassen. Von gewöhnlichen SUV oder gar klassischen Pkw ganz zu schweigen.

Warum? Weil Pick-ups in den USA alles können: arbeiten, reisen, repräsentieren. Die F-Series gibt es deshalb als nacktes Baustellenfahrzeug ebenso wie als luxuriösen Lifestyle-Truck mit Ledersitzen und Großbildschirm. Flottenkunden, Farmer, Handwerker und Privatkäufer greifen gleichermaßen zu. Dazu kommt ein emotionaler Faktor: Der F-150 ist für viele Amerikaner weniger Modell als Institution. Er ist Teil des Selbstbildes - kraftvoll, praktisch, groß. Dass er in Europa kaum verkäuflich wäre, ist kein Nachteil, sondern genau sein Erfolgsrezept.

Indien: Maruti Suzuki Dzire

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Mit über 200.000 Einheiten ist der Suzuki Dzire knapp vor SUV-Konkurrenten wie Hyundai Creta oder Tata Nexon in Delhi und Mumbai die Nummer eins. (Foto: Maruti Suzuki)

Indien ist so etwas wie der schlafende Riese im automobilen Kosmos, der Boom-Markt, auf dem jeder auf den Boom wartet. Zwar gibt es dort kein explosives Wachstum wie lange Zeit in China, aber dafür ein kontinuierliches, und mittlerweile steht der Subkontinent mit über fünf Millionen Neuzulassungen solide auf Platz drei der Weltrangliste. Und trotzdem kennt kaum jemand die Autos, mit denen dieses Wachstum gelungen ist. Ja, dass Maruti Suzuki den Markt dominiert, das hat sich herumgesprochen. Dass die Koreaner dort gut im Geschäft sind und dass es auch für den VW-Konzern dort gut läuft, seit Skoda den Hut aufhat, ist ebenfalls bekannt. Aber wer kennt schon den Suzuki Dzire? Dabei ist die kleine Limousine, deren Namen phonetisch an das ungestillte Verlangen der aufsteigenden Mittelschicht appelliert, mit über 200.000 Einheiten knapp vor SUV-Konkurrenten wie Hyundai Creta oder Tata Nexon der Bestseller in Delhi und Mumbai.

Als klassisches Stufenheck auf Kleinwagenbasis kommt er aus einer Gattung, die in Europa fast ausgestorben ist. In Indien dagegen steht die Limousine für Aufstieg: mehr Platz, mehr Status, aber immer noch erschwinglich. Robustheit, einfache Technik und ein riesiges Servicenetz machen ihn zur sicheren Wahl für Erstkäufer.

Sein Vorsprung ist nicht spektakulär, aber konstant. Während SUV modisch sind, bleibt der Dzire rational. Er ist leicht zu warten, sparsam und überall reparierbar. In einem Markt, in dem Zuverlässigkeit wichtiger ist als Image, gewinnt nicht das aufregendste Auto, sondern das vernünftigste.

Japan: Honda N-BOX

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Der Honda N-BOX steht mit rund 200.000 Verkäufen im Jahr 2025 an der Spitze der 4,4 Millionen Neuzulassungen in Japan. (Foto: Honda)

Japans Nummer eins ist auch 2025 kein SUV und kein Stromer, sondern ein Kei-Car: Der Honda N-BOX steht mit rund 200.000 Verkäufen an der Spitze jener 4,4 Millionen Neuzulassungen, die das Land der aufgehenden Sonne weltweit zur Nummer 4 machen.

Kein Wunder. Denn als sogenanntes Kei-Car wird der boxige Bonsai nicht nur staatlich stark gefördert. Er passt vielmehr auch perfekt in das urbane Leben von Tokyo, Osaka oder Sapporo - kurz, hoch, unglaublich clever verpackt. Innen bietet er Raum wie ein Mini-Van, außen passt er in jede Parklücke. Steuerliche Vorteile, niedrige Versicherungskosten und erstaunliche Alltagstauglichkeit machen ihn zum Liebling von Senioren, jungen Familien und Lieferdiensten.

Sein Vorsprung beruht auf Kontinuität: Honda pflegt das Modell seit Jahren, verbessert Details, statt das Konzept zu ändern. In Japan gewinnt nicht, wer am lautesten auftritt, sondern wer zuverlässig den Alltag löst. Der N-BOX ist weniger Auto als Haushaltsgerät auf Rädern - und genau deshalb so erfolgreich.

Südkorea: Kia Sorento

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Der Kia Sorento ist ein Kompromisskönig. (Foto: Kia)

Bestseller war in Südkorea mit etwas mehr als 100.000 Verkäufen auch 2025 wieder der Kia Sorento. Das SUV ist koreanischer Mainstream: mittleres Format, moderne Technik, fairer Preis. Er ist groß genug für Familien und modern genug für Technikfans. Sein Vorsprung auf Modelle wie Hyundai Avante oder Carnival ist dabei nicht riesig, aber stabil. Im weltweiten Ranking taucht der Sorento dagegen nur am Rand der Top 50 auf; er ist also ein nationaler, kein globaler Champion.

Sein Erfolg zeigt aber beispielhaft, wie stark nationale Marken in Südkorea verankert sind. Importfahrzeuge spielen nur eine Nebenrolle - Hyundai und Kia teilen sich den Markt fast komplett unter sich auf. Der Sorento ist dabei der Kompromisskönig: weder extrem luxuriös noch billig, sondern genau dazwischen – und damit für die patriotischen Käufer wie gemacht.

Die Welt: Toyota RAV4

Ja, jeder Winkel der Welt hat seinen eigenen Geschmack. Aber kein Auto trifft all diese Nuancen rund um den Globus offenbar so gut wie der Toyota RAV4. Denn immerhin trägt eine Million der weltweit etwa 90 Millionen Neuwagen aus dem letzten Jahr seinen Namen. Damit hat er nicht nur den Corolla in die Schranken gewiesen, sondern vor allem Tesla mit dem Model Y auf Platz zwei gehalten - und so dem Gewöhnlichen vielleicht ein letztes Mal zum Sieg verholfen.

Während Tesla stark von einzelnen Märkten und der dortigen Stimmungslage abhängt, punktet Toyota mit Breite. Der RAV4 ist kein Traumauto, sondern ein Universalwerkzeug für Familien, Pendler und Flotten. Global gewinnt nicht das modernste Konzept, sondern das anpassungsfähigste. Der RAV4 ist genau das: ein SUV ohne starke Identität - und gerade deshalb der Weltmeister.

Quelle: ntv.de, Benjamin Bessinger, sp-x

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