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Echte Preishits gibt es bei den heimischen Händlern nur selten. Sparfüchse wenden ihren Blick daher oft ins benachbarte Ausland.
Echte Preishits gibt es bei den heimischen Händlern nur selten. Sparfüchse wenden ihren Blick daher oft ins benachbarte Ausland.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Mittwoch, 12. Januar 2011

Reimport von Neuwagen: Kräftig sparen beim Autokauf

von Markus Mechnich

Es hört sich einfach zu verlockend an: 40 Prozent und mehr Ersparnis beim Kauf eines Neuwagens im EU-Ausland. Wer kann da schon widerstehen? Doch der Kauf von reimportierten Autos ist nicht ohne Tücken.

Ein Audi A4 mit einem Zwei-Liter-Diesel (143 PS) für 26.340 Euro, das hört sich vielversprechend an. Der Listenpreis liegt in Deutschland bei 31.600 Euro, die Ersparnis bei rund 5000 Euro. Da horchen Interessenten natürlich auf, denn solche Rabatte geben die wenigsten Autohändler. Und es soll sich um einen lupenreinen Neuwagen handeln, aber er kommt aus Skandinavien.

Der Reimport von Neuwagen ist über die Jahre ein großes Geschäft geworden. Speziell im Internet finden sich zahlreiche Händler, die sich darauf spezialisiert haben, neue Autos aus dem benachbarten EU-Ausland wieder nach Deutschland zu importieren und hier an den Mann oder die Frau zu bringen. Die heimischen Händler sehen diesem Handel mit ebenso großem Groll zu wie die Hersteller, die in den vergangenen Jahren mit allen möglichen Maßnahmen versucht haben, den Reimport von Neuwagen zu unterbinden.

Erhebliches Sparpotenzial

Wie kommen diese teils riesigen Preisunterschiede zustande? Der Grund sind die unterschiedlichen Steuersätze in den einzelnen EU-Staaten. In Dänemark und Schweden, die zu den beliebtesten Importländern gehören, liegen die Mehrwertsteuersätze bei 25 Prozent. Da jeder EU-Bürger einerseits das verbriefte Recht hat, ein Produkt auch im EU-Ausland zu erwerben, und es andererseits, im Falle von Automobilen, dort versteuern muss, wo es angemeldet wird, ergibt sich hier schon eine potenzielle Ersparnis von sechs Prozent.

Ein Riesengeschäft: Mehr als die Hälfte der in Deutschland gebauten Autos gehen in den Export. Nicht wenige kommen auf Umwegen wieder zurück.
Ein Riesengeschäft: Mehr als die Hälfte der in Deutschland gebauten Autos gehen in den Export. Nicht wenige kommen auf Umwegen wieder zurück.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hinzu kommen teils erhebliche Luxussteuern, die EU-Nachbarn auf Neuwagen erheben. In Dänemark sind es 180 Prozent, in Schweden werden die Autohändler selbst mit einer eigenen Abgabe belastet. So mussten die Hersteller ihre Preise dem entsprechenden Steuerniveau des Landes anpassen, damit die Kunden sich die Fahrzeuge noch leisten können. Käufer aus Deutschland müssen diese Steuern nicht bezahlen, daher ergibt sich ein gehöriges Sparpotenzial. Zudem haben die Autoproduzenten ihre Preise auch dem Einkommensniveau der einzelnen Staaten angepasst. So sind Neuwagen in Großbritannien besonders teuer, während sich ein Blick nach Portugal, Griechenland oder Italien lohnen kann.

Ausstattung macht den Unterschied

So erfreulich diese Aussichten auch sind, das Ganze ist nicht ohne Tücken. Denn die Autobauer haben ihre Ausstattungen den Ansprüchen und auch dem Preisniveau der Nachbarn angepasst. Das bedeutet, dass ein Neuwagen unter Umständen schlechter oder zumindest anders ausgestattet ist. In vielen EU-Ländern ist zum Beispiel das Anti-Schleudersystem ESP keine Standardausstattung, weil die Autokäufer keinen Wert darauf legen. Wer die empfehlenswerte Ausstattung dennoch an Bord haben möchte, muss sie als Extra bestellen. Wenn das denn möglich ist.

Verfügbarkeit und lange Lieferfristen machen den Reimport nicht selten unattraktiv.
Verfügbarkeit und lange Lieferfristen machen den Reimport nicht selten unattraktiv.(Foto: picture-alliance/ dpa)

In seltenen Fällen gibt es auch technische Probleme. So sind die Abgasnormen nicht in allen EU-Ländern gleich. In Deutschland werden keine Neuwagen mehr zugelassen, die nicht mindestens die Abgasnorm EU4 erfüllen. Dessen sollten sich Interessenten bewusst sein, sonst steht ihnen vor der Anmeldung hierzulande eine teure Nachrüstung ins Haus, die die Ersparnis schnell wieder auffressen kann. Bei Dieseln sind auch Partikelfilter wichtig, sonst gibt es in Deutschland hohe Steuern und eine rote Plakette, die viele deutsche Innenstädte versperrt.

Langes Warten auf den Neuen

Ein weiterer Nachteil sind die langen Wartezeiten. Die seriösen Händler geben die Wartezeit auf einen Neuwagen normalerweise zwischen 12 und 24 Wochen an. Das gilt dann aber für gezielte Bestellungen. Wer kompromissbereit ist und auf ein vorhandenes Fahrzeug zurückgreift, kann auch schneller an den neuen fahrbaren Untersatz kommen. Aber bei einer Direktbestellung beim ausländischen Händler werden einige Wochen ins Land ziehen, bevor das Auto dort angelangt ist.

Der Käfer war eines der ersten Autos, das massenhaft in den Export ging. Damit begann das Geschäft des Reimports.
Der Käfer war eines der ersten Autos, das massenhaft in den Export ging. Damit begann das Geschäft des Reimports.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wer sich ein reimportiertes Auto über einen Internet-Händler beschafft, sollte zunächst recht vorsichtig vorgehen. Es gibt leider immer noch viele schwarze Schafe, die nicht seriös arbeiten. Die meisten Importeure, die sich auf das Geschäft spezialisiert haben, sind jedoch vertrauenswürdig. Am sichersten ist es aber, sich selbst zu einem Autohändler im EU-Ausland zu begeben. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit dazu. Außerdem wird der wahrscheinlich keinen Transfer nach Deutschland übernehmen. Daher müssen für die Rückfahrt Überführungskennzeichen besorgt werden.

Gewährleistung steht

An der Gewährleistung für die Fahrzeuge ändert sich übrigens nichts. Die muss ein Autobauer, zumindest im EU-Ausland, genauso übernehmen wie in Deutschland. Schwieriger wird es, wenn es zum Streit kommt. Der Gerichtsstand des Händlers liegt in der Regel naturgemäß im Ausland. Dort sein Recht durchzusetzen, ist aufwändiger als hierzulande und in der Regel auch teurer.

Kein Wunder also, dass die Autohersteller zähneknirschend auf das Geschäft mit den reimportierten Neufahrzeugen blicken. In der Vergangenheit haben sie bereits alles versucht, um den Import von Neuwagen aus dem Ausland zu unterbinden. Denn der Handel geht natürlich auf Kosten der Gewinnspanne der Konzerne. Teilweise haben sie sich dabei empfindliche Strafen von der EU eingehandelt, die den freien Handel innerhalb Europas kompromisslos durchsetzt. Zur Freude vieler Käufer, die eine Menge Geld sparen können beim Kauf ihres Traumwagens.

Den Anfang bei den Reimport-Fahrzeugen machte übrigens der Käfer. Er war eines der ersten Autos, die massenhaft exportiert wurden. Und daher war der Kleine aus Wolfsburg auch das erste Reimportauto, bei dem Kunden richtig sparen konnten.

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Quelle: n-tv.de