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Respekt vor der Vergangenheit Defender feiert Weltpremiere auf der IAA

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Mit dem alten Defender hat Land Rover optisch gebrochen.

(Foto: Holger Preiss)

Lange ging es hin und her mit dem Thema Defender bei Land Rover. Kommt er, kommt er nicht in einer Neuauflage? Seit einigen Monaten ist es Gewissheit: Es kommt ein neuer Defender. Auf der IAA in Frankfurt feiert er seine Weltpremiere.

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Eine Wucht soll der neue Defender im Gelände sein.

(Foto: Holger Preiss)

Der Land Rover Defender ist eine Legende. 70 Jahre zuckelte er über die Straßen und war im Gelände unschlagbar. Er kletterte höher als andere, überwand größere Steine und pflügte durch Furten, in denen andere Autos untergegangen wären. In den Augen vieler Fans gab und gibt es keinen besseren Geländewagen. Doch mit der Zeit wurden die Sicherheitsvorschriften höher, die Abgasnormen schärfer und der Defender wurde zu einem Dinosaurier, dem die Zeit den Garaus machte. Es wollte auch so scheinen, als würden ihn die Briten vollends von der Liste streichen. Doch jetzt kehrt der Defender zurück. Mit einem furiosen Auftritt auf der IAA feiert er seine Weltpremiere.

Superlative für den neuen Defender

Bei der Präsentation des Neuen kann man sich der vielen Superlative nicht erwehren, mit denen er hier umschmeichelt wird. Da ist die Rede vom "fähigsten und belastbarsten 4x4 der Welt", der das "Abenteuer im 21. Jahrhundert neu definieren wird". Bei den Aussagen wird also nicht gekleckert, sondern geklotzt. Natürlich haben die Ingenieure dem neuen Kletterkönig auch einiges mit an die Hand gegeben. Der Defender bekommt, wie gehabt, einen permanenten Allradantrieb mit einem zweistufigen Verteilergetriebe. Zudem gibt es ein Mittendifferenzial und optional ein aktives Hinterachse-Sperrdifferenzial.

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Die kantige Form haben die Designer auch dem neuen Land Rover Defender mitgegeben.

(Foto: Holger Preiss)

Dank der neuen Karosseriearchitektur hat der Defender eine maximale Bodenfreiheit von 29 Zentimetern, einen Böschungswinkel vorn von 38 und hinten von 40 Grad sowie einen Rampenwinkel von 28 Grad. Hinzu kommt eine Wattiefe von 90 Zentimetern. In der Übersetzung heißt das: Der Defender kann sehr steile Berge hinauf und hinunter fahren und Wasserfurten mit einer Tiefe von fast einem Meter durchqueren. Das ist in allen Punkten - jedenfalls auf dem Papier - mehr, als die G-Klasse von Mercedes kann.

Respekt für die Vergangenheit

Wie die Stuttgarter standen auch die Briten vor einer Designentscheidung beim Defender. Man wollte ob des ikonischen Status so viel wie möglich vom alten Modell in die Neuauflage übertragen. Während man bei Mercedes ganz stringent darauf geachtet hat, der neuen G-Klasse alles, was die Ikone ausmachte, mit auf den Weg zu geben, hat man bei Land Rover davon abgelassen. "Der neue Defender erweist der Vergangenheit Respekt, lässt sich aber nicht von ihr fesseln", so Designchef Gerry McGovern. "Er ist ein neuer Defender für ein neues Zeitalter", ergänzt er.

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Eine plane Ladefläche scheint es beim Defender nach dem Umlegen der Rückbank nicht zu geben.

(Foto: Holger Preiss)

Einige markante Details des alten Defender hat der neue dann aber doch mitbekommen. Dazu gehören die Fenster im Dach ebenso wie die seitlich angeschlagene Hecktür und das dort angebrachte Reserverad. Auch im Innenraum spricht man die puristische Sprache der Legende. In dem konnten nämlich drei Personen in der ersten Reihe reisen. Um das in der Neuauflage zu gewährleisten, hat man den Schalthebel ans Armaturenbrett geheftet. Optional ist jetzt ein Klappsitz bestellbar, der dem dritten Reisenden einen Sitzplatz beschert.

Defender kommt in zwei Längen

Wenn der Defender in den kommenden Monaten auf den Markt kommt, geht er zunächst als 110 an den Start. Das heißt, es gibt ihn mit 5 + 2 oder mit 6 Sitzen. In beiden Fällen beträgt das Ladevolumen 1075 Liter. Wer Reihe zwei umklappt, hat am Ende 2380 Liter Kofferraumvolumen. Der in Kürze erscheinende Defender 90 wird, so Land Rover, mit bis zu 6 Sitzplätzen erhältlich sein. Dabei soll seine Länge die eines Fließheck-Familienautos der Kompaktklasse nicht übersteigen.

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Im Innenraum zeigt sich der neue Defender modern und digital.

(Foto: Holger Preiss)

Die Treibsätze zur Befeuerung des 5,02 Meter langen und 1,97 Meter hohen Defender 110, die später auch den 90er antreiben werden, sind bekannt. Es ist genau die gleiche Range, die auch alle anderen Modelle der Marke antreibt. In den D-Modellen arbeitet ein Vierzylinder-Diesel mit 200 und 240 PS. Wer einem Benziner den Vorzug gibt, hat die Wahl zwischen einem Vierzylinder mit 300 PS oder einem Sechszylinder mit 400 PS. Alle Motoren erfüllen die Euro-6d-Temp-Anforderungen. Die Kraftverteilung erfolgt in jedem Fall über eine Achtgang-Automatik. Die Verbräuche gibt Land Rover nach WLTP bei den Dieseln im Drittelmix mit 7,7 Litern und bei den Benzinern mit 9,6 bis 10,2 Litern an. Wie bei dem alten Defender sind auch beim 110 keine sportlichen Höchstleistungen auf dem Asphalt zu erwarten. Der Vmax. liegt je nach Antriebsaggregat zwischen 175 bis 191 km/h.

Der Preis ist der Hammer

Wirklich erstaunlich ist der Preis, mit dem Land Rover den neuen Defender unters Volk bringen will. Der 90 steigt bereits ab 49.700 Euro ein, der größere 110 startet bei 55.600 Euro. Mit diesen Preisen liegt der Defender weit unter dem, was Mercedes für eine G-Klasse aufruft. Allerdings weiß man, dass die Optionsliste bei den Briten lang ist. Und das, was an elektronischen Goodies auf der Messe beworben wird, muss wohl zu großen Teilen extra bezahlt werden. Als erster Land Rover hat der Defender zum Beispiel das neue Infotainment-System Pivi Pro an Bord. Zudem hat Land Rover seinem neuen Kraxler eine "Software over the air"-Funktion verpasst. Insgesamt 14 Einzelmodule können so ihre Upgrades aus der Luft beziehen, egal wo sie gerade sind.

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Es wird den Defender in zwei Längen geben, zu unterscheiden an den Zahlen 90 und 110.

(Foto: Holger Preiss)

Zur Liste möglicher Optionen zählt beim Defender auch eine seidenmatte Schutzfolie, die den Lack vor Schäden bewahren soll. Sie schützt vor Parkplatz-Kratzern ebenso wie vor Schrammen durch Büsche und Bäume. Die seidenmatte Folierung wird bereits im Werk aufgebracht und ist mit unterschiedlichen Lackfarben kombinierbar. Zu den weiteren Ausstattungsoptionen gehört eine fernbedienbare Elektrowinde, ein Dachzelt oder ein ausfahrbares Sonnensegel. Und weil so ein Offroader nicht anders kann, als Sachen mit ins Gelände zu schleppen, bietet Land Rover auch Anhängevorrichtungen und Dachträgersysteme. So gesehen muss man schon ein ziemlicher Purist sein, um beim Kauf eines Land Rover Defender am Ende nur den Listenpreis zu zahlen.

Wer sich nicht gedulden kann, der kann seinen Defender jetzt schon bestellen, die Markteinführung beginnt in Deutschland im Frühjahr2020.

Quelle: n-tv.de

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