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Plugin-Hybrid und neuer Diesel Land Rovers Zukunft elektrisiert?

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Der Range Rover Sport erfreut als P400e nicht nur mit elektrischem Vortrieb.

(Foto: Holger Preiss)

Die Autoindustrie ist dieser Tage gebeutelt. Die Diesel werden in Grund und Boden geredet und der Brexit ist auch kein Beitrag zur Freude. Vor allem nicht für Jaguar Land Rover. Doch die Briten haben eine Strategie und neue Antriebe im Portfolio, die es richten sollen. Egal, was kommt.

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Eine Alternative für die Zukunft sind bei Jaguar-Land-Rover die Plugin-Hybrid-Modelle.

(Foto: Holger Preiss)

Es gibt Autohersteller, die sind von der Dieselkrise mehr und andere, die sind von ihr weniger betroffen. Bei Jaguar-Land Rover hat man das Gefühl, dass es den Hersteller mit ganzer Macht trifft. Denn die Briten unter indischer Führung haben auch noch mit den Wirren des Brexit zu kämpfen. Natürlich kann auch Jaguar-Land Rover nicht in der Glaskugel lesen und so bereitet man sich auf alle Eventualitäten vor. Was für die Briten angesichts der rückläufigen Absatzzahlen immens wichtig ist, ist, dass die Kunden eine Kaufsicherheit bekommen. Ergo gilt das verbriefte Versprechen, dass die Fahrzeuge auch weiterhin zu den Preisen verkauft werden, die momentan aufgerufen werden.

Sparen und investieren

Doch die finanziellen Untiefen, die sich angesichts der politischen und der wirtschaftlichen Lage, angesichts des schwindenden Interesses an Dieselfahrzeugen auftun, muss noch anders gepuffert werden. Bereits Anfang des Monats kündigten die Briten ein Programm unter dem Namen "charge and Accelerate" ("Aufladen und Beschleunigen") an. Was dahinter steckt, ist hart: 4500 Mitarbeiter werden nach einer Organisationsanalyse entlassen. Das Ganze startet - und das überrascht angesichts der in Großbritannien gezahlten Gehälter nicht - mit einem freiwilligen Abfindungsprogramm im eigenen Haus.

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Auch für die Plugin-Hybride verspricht Land Rover volle Geländetauglichkeit.

(Foto: Holger Preiss)

Aus dem Munde des Jaguar-Land-Rover-Chefs Ralf Speth hört sich das so an: "Wir ergreifen konsequente Maßnahmen, um auch angesichts zahlreicher geopolitischer und regulatorischer Disruptionen sowie technologischer Herausforderungen für die Automobilindustrie weiterhin langfristig Wachstum zu realisieren." Bisher wurden im Rahmen des Programms "Charge and Accelerate" Optimierungspotenziale mit einem monetären Umfang von 1 Milliarde Pfund ermittelt, von denen mehr als 500 Millionen Pfund bereits 2018 eingespart wurden. Bereits im vergangenen Jahr hatten 1500 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Elektrifizierung auf ganzer Linie

Natürlich geht es bei den Sparmaßnahmen auch um Investitionen in die Zukunft. Dazu gehört der Bau eines Motorenwerks in Wolverhampton, das die nächste Generation von elektrischen Antrieben produziert, ebenso wie die Batteriefertigung in Hams Hall, North Warwickshire. Bereits im vergangenen Jahr eröffneten die Briten ihre neueste Produktionsstätte in der Slowakei und investierten in Technologiezentren in Irland, Ungarn und Manchester. Zudem wurden die Pläne für Investitionen in das Werk in Solihull in Großbritannien bestätigt, wo die nächste Generation des Range Rover und Range Rover Sport vom Band laufen soll.

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Ein 2.0 Liter 4-Zylinder-Turbobenziner paart sich im P400e mit einem 105 PS starken Elektromotor.

(Foto: Holger Preiss)

Womit sich der Kreis dann auch schließt. Bereits mit den Investitionen für den vollelektrischen Jaguar I-Pace, den Range Rover und Range Rover Sport mit Plugin-Hybrid-Derivaten (PHEV) und den neuen Range Rover Evoque erweitert, der ebenfalls über Hybridtechnologie verfügen wird, hat der Konzern in eine ungewisse Zukunft investiert. Allerdings wird der Evoque als Mild-Hybrid fahren. Also als MHEV, wo der Elektromotor den Verbrenner lediglich unterstützt, den Wagen aber nicht aus eigener Kraft bewegen kann. Vor allem die Kunden, die nicht überwiegend Langstrecke fahren, sollen die Hybride als sparsame Alternative zu Benzinern und Dieseln für sich entdecken.

Plugin-Hybride im Portfolio

Mit dem Range Rover P400e und dem Range Rover Sport P400e haben die Briten seit 2018 zwei Plugin-Hybride im Portfolio, die durchaus ihre Vorzüge haben, wenn man sie denn richtig einsetzt. Denn unter der Haube der beiden SUV sorgt primär ein 2.0-Liter-4-Zylinder-Turbobenziner aus der Ingenium-Reihe für den Vortrieb. Das macht er ausgesprochen souverän. Im Range Rover Sport einmal mehr als im Range Rover. Woran das liegt, werden wir noch besprechen, am üppigen Gewicht der 2,4 Tonnen jedenfalls nicht. Das ist bei beiden Fahrzeugen nämlich identisch. Im Solobetrieb stellt der Verbrenner 300 PS zur Verfügung. Im Zusammenspiel mit dem E-Motor, der 105 PS bereithält, entsteht eine Systemleistung von 404 PS und ein maximales Drehmoment von 640 Newtonmeter. Das reicht locker aus, um in 6,7 respektive 6,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h zu beschleunigen und die beiden Kanten bis auf Tempo 220 zu treiben.

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Die Steckdose für den 13 kWh leistenden Lithium-Ionen-Akku befindet sich hinter dem Kühlergrill.

(Foto: Holger Preiss)

Den Kraftstoffverbrauch gibt Land Rover im Schnitt mit 3,3 Litern an. Das ist natürlich ein errechneter Wert, der im alltäglichen Fahrbetrieb nicht zu halten ist. Tatsächlich kann der Elektromotor das SUV ganz alleine 48 Kilometer bewegen. Das ist für viele ungefähr eine tägliche Fahrt von zu Hause bis zur Arbeit. Ist jetzt eine Ladestation verfügbar, kann über das bordeigene 7-KW-Ladegerät (was nicht viel ist) über die Steckdose hinter dem Land-Rover-Logo an der rechten Seite des Kühlergrills die 13 kWh leistende Lithium-Ionen-Batterie wieder befüllt werden. Mit Multifunktionskabel und 32 Ampere ist das in knapp drei Stunden erledigt, an der Haushaltssteckdose dauert es einen guten Arbeitstag.

Mehr Spaß im Sport

Wer im Fahrbetrieb das Wechselspiel der Systeme nutzt, der kommt in dieser Zeit tatsächlich mit knapp 7 Litern Super über die Runden. Muss der 4-Zylinder die Arbeit allein übernehmen sind es mindestens 9 Liter, die sich bei zügiger Fahrt - und hier ist nicht Anschlag gemeint - auch um 10 Liter bewegen können. Natürlich wird während der Fahrt bei entsprechender Fahrweise ordentlich rekuperiert, also Roll- und Bremsenergie in den Akku zurückgeführt. Wer die gesamte elektrische Kraft lieber in der Stadt nutzt, der kann auf den Save-Mode auf der Landstraße oder Autobahn nutzen und dort nur den Verbrenner arbeiten lassen. In der City wechselt er und rollt tonlos durch den urbanen Dschungel.

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3,3 Liter verspricht Land Rover als Verbrauch für den Verbrenner im P400e.

(Foto: Holger Preiss)

Fahrtechnisch macht der Range Rover Sport als Hybrid allerdings deutlich mehr Spaß. Im Gegensatz zum Range Rover liegt er einfach etwas dichter am Asphalt und damit satter auf der Straße. Was wiederum zur Folge hat, dass er mit den Massen anders umgehen kann. Während der Dicke bei zügiger Kurvenfahrt schon ganz schön über die Hinterachse in Bewegung kommt, zieht der Sport sehr souverän um jede Kehre, sei sie auch noch so eng. Allerdings verliert der Range Rover Sport durch die doppelte Antriebstechnik 82 Liter Kofferraum, beim Range Rover P400e sind es lediglich 46 Liter. Also auch hier muss sich der Kunde genau überlegen, was er will, denn die Preise sind nicht ohne. Für den Range Rover P400e rufen die Briten ohne Extras glatt 120.000 Euro auf, für den Sport werden lediglich 88.000 Euro fällig.

Schmackhaft sollen diese üppigen Preise der Dienstwagenkundschaft damit gemacht werden, dass der Gesetzgeber Fahrern, die das Fahrzeug auch privat nutzen, seit dem 1. Januar 2019 einen geldwerten Vorteil in Aussicht stellt. Lediglich 0,5 Prozent statt der bis dato üblichen 1,0 Prozent des Bruttopreises müssen nämlich versteuert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die rein elektrische Reichweite mindestens 40 Kilometer beträgt. Natürlich gilt dieses Angebot für alle Plugin-Hybrid-Fahrzeuge, nicht nur für die von Jaguar Land Rover.

Neuer V6-Turbodiesel mit 275 PS

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Für die Zukunft gibt es auch für den Range Rover den V6-Turbodiesel mit 275 PS.

(Foto: Holger Preiss)

Nun soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass die Briten für Vielfahrer auch einen neuen Euro 6d-Temp-Diesel für alle Modelle am Start haben. Na ja, neu ist er eigentlich nicht, vielmehr handelt es sich um den bewährten 3.0 Liter SDV6 Turbodiesel. Allerdings leistet der hier 275 PS und nicht wie bisher 249 PS oder 300 PS respektive 306 PS. Und tatsächlich ist diese Leistungsstufe eine echte Alternative. Im Velar kurz getestet, muss der Fahrer keine wesentlichen Abstriche bei den Fahrleistungen befürchten.

Zwei Turbolader sorgen für einen fast unterbrechungsfreien Vortrieb, lediglich beim Umschaltvorgang zwischen 2500 und 2800 Kurbelwellenumdrehungen kann bei leichtem Gasfuß ein minimales Ruckeln festgestellt werden. Ansonsten erfreut der Diesel in allen Belangen, vor allem aber beim Anschaffungspreis eines Range Rover Velar D275. Der liegt bei 63.490 Euro und damit fast exakt 3000 Euro unter dem des D300. Den Verbrauch gibt Land Rover mit 6,6 Liter im Drittelmix an. Das wird nicht zu halten sein, aber für Langstreckenfahrer ist der 275 PS starke V6-Turbodiesel eine echte Alternative.

Quelle: n-tv.de

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