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Als Taxi gegen den Stern Lexus ES - Luxusliner erstmals in Deutschland

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Lexus rechnet sich für seinen ES gute Chancen auf dem deutschen Markt aus.

(Foto: Harald Dawo)

Wird Toyotas Edel-Tochter Lexus demnächst den deutschen Taxi-Markt aufmischen? Die Limousine ES, ein fast fünf Meter langer Viertürer, schickt sich an, den Platzhirschen mit dem Stern bei der Personenbeförderung Konkurrenz zu machen.

Trotz großer Ambitionen ist eines nicht zu übersehen: Obwohl Lexus dieses Jahr hierzulande das 30. Jubiläum seiner Marktpräsenz feiern kann, fremdelt die deutsche Premium-Kundschaft weiterhin mit den japanischen Erzeugnissen. Nach einem guten Jahr 2017 mit rund 3000 Neuzulassungen ging die Zahl 2018 trotz größeren Modellumfangs erneut zurück. Geschäftsführer Heiko Twellmann lässt sich seinen Optimismus dennoch nicht nehmen. "Wir peilen 4000 Anmeldungen an", sagt er im Hinblick auf den neuen ES und das ebenfalls runderneuerte Coupé RC, die beide nächste Woche bei den Händlern stehen.

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Fast fünf Meter Länge und 454 Liter Gepäckvolumen geben im Lexus ES Raum zum Reisen.

(Foto: Harald Dawo)

Andernorts in Europa ist man nicht so zurückhaltend gegenüber der Marke, die nicht zufällig nach "Luxus" klingt. Im Vereinigten Königreich, wo das Gesamtvolumen des Marktes deutlich kleiner ist als in Deutschland, erzielt Lexus beständig einen Verkaufsanteil von mehr als einem Prozent und auch die Spanier seien sehr aufgeschlossen gegenüber dieser japanischen Komposition aus extravagantem Design und hohem Komfort, sagt Twellmann. Weltweit wurden zuletzt rund 150.000 Fahrzeuge vom Typ ES abgesetzt.

Das Modell RC ist ein klassisches Coupé, das allerdings mit 4,70 Metern Länge und einem Radstand von 2,73 Metern recht eindrucksvoll wirkt. Mit einem Sitzreihenabstand von 833 Millimetern nimmt es für sich an Anspruch, durchaus auch mal vier Personen respektabel befördern zu können. Setzt man das Leergewicht des Zweitürers allerdings in Bezug zur Leistung des 2,5 Liter großen Vierzylindermotors (181 PS), wird schnell klar, dass es hier trotz Dynamik versprechender Optik nicht um die absolute sportliche Performance gehen kann. Vielmehr soll entspannte Fortbewegung in angenehmem Ambiente im Mittelpunkt stehen, die beim RC ab 48.400 Euro zu haben ist.

Elektroanteil im Mittelpunkt

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Die modernisierte Version des Lexus RC zielt auf Kundschaft, denen Komfort vor Kraft geht.

(Foto: Harald Dawo)

Die beiden neuen Autos tragen ein "h" an ihrer Typenbezeichnung, denn sie benutzen Verbrennungsmotoren mit elektrischer Unterstützung. Allerdings sind die Hybride nicht darauf ausgelegt, an der Steckdose geladen zu werden und auch die Leistungsbatterie hat nicht die Kapazität, über eine längere Strecke elektrischen Antrieb zu gewährleisten. Anstatt sich in den Wettbewerb um die größte emissionsfreie Reichweite eines Plug-In-Konzepts zu stürzen, machen die Lexus-Verantwortlichen eine andere Rechnung auf.

Die Fahrzeuge, so ihre internen Berechnungen, fahren je nach Anforderungsprofil zwischen 40 und 60 Prozent der jeweiligen Strecke elektrisch, egal, ob 20 oder 120 Kilometer am Stück zurückgelegt werden. Da der Verbrenner die Batterie permanent lädt, steht bei jedem Lupfen des Gaspedals elektrische Energie zur Fortbewegung zur Verfügung. Fahrer oder Fahrerin können die die Abschaltung des Vierzylinders unterwegs live beobachten, denn bei elektrischer Fahrt glimmt eine Kontrolllampe mit der Aufschrift "EV" im Hauptdisplay auf. Wie üblich wird bei Bergabfahrt oder beim Bremsen Energie zurück gewonnen, die dann die Nickel-Metallhybrid-Batterie speist. Lexus verzichtet bewusst auf die moderneren Lithium-Ionen-Akkus, die bei gleichem Volumen zwar mehr Strom speichern können, in der Regel aber auch Zusatzaggregate für das Thermo-Management erfordern.

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Im Lexus ES paart sich hochwertige Innenausstattung mit zur Schau gestellter Technik-Kompetenz.

(Foto: Harald Dawo)

Gegenüber der vorigen, der 6. ES-Generation ist die Batterie dennoch kleiner geraten, so dass sie jetzt unter die Rücksitzbank passt und keine Kompromisse bei der Kofferraumgröße mehr erfordert. Sein Volumen wird mit 454 Litern angegeben. Was die Verwendung als Taxi besonders attraktiv machen soll, ist der Abstand der hinteren Sitzreihe von der vorderen: Die beiden Lehnen haben mit 1022 Millimetern den größten in dieser Fahrzeugklasse anzutreffenden Abstand voneinander. Noch ein anderes Faktum spricht für die Verwendung im Taxi-typischen Kurzstreckenverkehr, wo in schnellem Wechsel elektrische Energie verbraucht und wieder gewonnen werden kann: Die Höchstgeschwindigkeit der staatlichen Karosse beträgt 180 km/h. Von 221 Newtonmetern Drehmoment erwartet man ebenfalls kein überbordendes Temperament.

Im tempo-verliebten Deutschland mag dies das Interesse der Kundschaft für Business-Limousinen einbremsen, denn Tacho-Daten weit jenseits der 200 gelten immer noch als prestigeträchtig. Aus der globalen Perspektive, die für Lexus maßgebend ist, schwindet jedoch die Relevanz des Rasens. In den meisten Märkten, wo sich der ES behaupten muss, gelten teils strenge Geschwindigkeits-Beschränkungen. Eine auf Schnelligkeit fixierte, aber sehr überschaubare Kundschaft und die von ihr abgenommenen Stückzahlen rechtfertigten den größeren Aufwand für die technische Beherrschung höherer Tempi nicht, heißt es von Seiten des Herstellers.

Aufwändiges Dämm-Konzept

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Mit enormer Beifreiheit empfiehlt sich der Lexus ES auch als Taxi.

(Foto: Lexus)

In maßvoller Geschwindigkeit lässt sich der Lexus ES gleichfalls genießen. Das liegt an der Gelassenheit, die einen unmittelbar nach Einstieg überkommt, aber auch an der geringen Geräuschentwicklung, die während der Fahrt wahrnehmbar ist. Ein aufwändiges Dämm-Konzept hält Antriebsgeräusche weitgehend draußen, lediglich das CVT-Getriebe verschafft sich in der für diese Übersetzungen typischen Manier bei kräftigem Gas geben gelegentlich Gehör. Sehr viel häufiger ist es der Fall, dass ein grober Asphalt zu stärkeren Abrollgeräuschen führt, die dann den Sound der Ausfahrt bestimmen. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und die Lenkung ausreichend direkt, um ein aktives Fahrgefühl zu generieren. Das gilt in gleichem Maße für den etwas schwereren Lexus RC, der dafür fünf Pferdestärken Systemleistung mehr aufbietet.

Die Cockpitgestaltung ist darauf angelegt, hohe technische Kompetenz zu vermitteln. Dafür spricht die große Zahl der sichtbaren Tasten, Kippschalter, Drehknöpfe und Druckhebel. Mehr als 50 Funktionen werden so gesteuert. Den Zugriff aufs Navigations- und Entertainment-Menü erhält man über das Touchpad nebst Cursor-Steuerung, von dem sich Lexus trotz oft wiederholter Kritik nicht verabschieden mochte. Die Innenarchitektur des ES erinnert an die des Coupés LC, insbesondere durch die oberhalb des Lenkrades angebrachten Drehschalter.

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So könnte ein Lexus ES als Taxi aussehen.

(Foto: Lexus)

Der Hersteller geht davon aus, dass in Deutschland ein knappes Drittel die 54.300 Euro teure Executive Line wählen werden, die ab Werk zum Beispiel LED-Scheinwerfer und Regensensor, Leichtmetallräder und Scheinwerfer-Reinigungsanlage, wählbare Fahrmodi, Klimaautomatik, adaptiven Tempomat, Spurhalte-Assistent, Querverkehrswarner, Totwinkel-Assistent und Verkehrszeichen-Erkennung mitbringt. Die Taxi-Variante für 39.990 Euro netto entspricht der Basisversion inklusive Navigationssystem. Lexus hofft, 15 Prozent des deutschen Volumens im Droschken-Gewerbe unterbringen zu können.

Quelle: n-tv.de

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