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Sparsam wie ein Selbstzünder? Mazda3 Skyactiv-X - der Diesel unter den Benzinern

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Der Mazda3 ist ein Purist was Kniffe und Falze im Blech betrifft. Mit seinem neuen Benziner, dem Skyactiv-X, will er das auch in punkto Verbrauch sein.

(Foto: Holger Preiss)

Die Idee eines doppelten Brennverfahrens hatten schon einige Autohersteller. Doch erst Mazda hat mit seinem Skyactiv-X-Motor ein Benzintriebwerk im Portfolio, das wie ein Diesel arbeitet. Aber wird er damit auch so sparsam? n-tv.de hat die Probe aufs Exempel gemacht.

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Ein schöner Rücken kann auch entzücken, trifft beim Mazda3 voll zu.

(Foto: Holger Preiss)

Das Konzept der Skyactiv-Motoren ist bei Mazda kein neues. Dennoch erfahren die Triebwerke mit jeder Fahrzeuggeneration eine weitere Entwicklungsstufe. "Sie werden einfach ein Stück besser gemacht", wie es der Chef der Motorenentwicklung Heiko Strietzel formuliert. "Bei unserem neuen Skyactiv-X-Motor haben wird versucht, das Beste aus zwei Welten zusammenzubringen. Zum einen nutzen wir das breite Drehzahlband eines Benziners, zum anderen die Kompressionszündung des Diesels", so Strietzel. Und tatsächlich ist der Skyactiv-X der erste Benzinmotor, der mit einem extrem mageren Kraftstoff-Luft-Gemisch arbeitet.

Kompressions- statt Fremdzündung

Das könnte zwar mit der für Benziner bekannten konventionellen Fremdzündung per Zündkerze entflammt werden, würde aber nicht vollständig verbrennen. Das gelingt erst durch das Verfahren der Kompressionszündung. Die kann aber nur durch eine mehrstufige Einspritzung zweier unterschiedlicher Kraftstoff-Luft-Gemische mit einem Verdichtungsverhältnis von 16,3:1 in den Brennraum erzeugt werden: ein mageres mit deutlich höherem Luftanteil und ein entsprechend fetteres Gemisch. Mazda nennt das Verfahren übrigens Spark Controlled Compression Ignition (SPCCI) und verspricht als absoluten Vorteil den Verbrauch eines Diesels beim Einsatz eines Benziners.

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Zu erkennen ist der Skyaktiv-X unter der Haube des Mazda3 nur am Schriftzug auf der Abdeckung.

(Foto: Holger Preiss)

Doch bevor wir uns bezüglich der technischen Innovation in Details verlieren, schauen wir auf die Daten: Wie alle Skyactiv-Motoren schöpft auch das X seine Kraft aus einem 2,0 Liter Vierzylinder. Das maximale Drehmoment beträgt 224 Newtonmeter und liegt ab 3000 Kurbelwellenumdrehungen an und 180 Pferde galoppieren wenn die Nadel des Drehzahlmessers bei 6000 angekommen ist. Für die Kraftverteilung zeichnet der Fahrer über einen sechsstufigen Handschalter selbst verantwortlich oder gibt die an eine ebenfalls über sechs Gänge schaltende Wandlerautomatik ab.

Das wiederum stellt sich für den Piloten eines Mazda3 mit Skyactiv-X wie folgt dar: Motor starten, Gang rein und ab die Lutzi. Wer jetzt aber denkt, die zuvor beschriebene Symbiose aus zwei Motor-Welten, das früh anliegende maximale Drehmoment und die 180 PS, würden den Mazda3 zum Sportwagen machen, der irrt. "Das ist auch gar nicht unser Ziel gewesen", erklärt Strietzel. "Für uns stand die Effizienz, ein geringer Stickoxid-Ausstoß und das typsiche Jimba Ittai (intuitiv und natürlich) Fahrerlebnis im Vordergrund." Und dazu gehört der Race-Start nicht. Wer im Sport-Modus fährt, muss wissen, dass hier lediglich die Gaspedalkennlinie und die Drehzahlen angepasst werden. In 8,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht und am Ende wird der Mazda3 Skyactiv-X mit dem Automatikgetriebe 214 km/h schnell. Beim Handschalter beschleunigt sich der knapp 1,4 Tonnen schwere Japaner 0,2 Sekunden schneller auf Landstraßentempo und kann auch in der Endgeschwindigkeit zwei km/h mehr vorweisen.

Verbrauch wie ein Diesel?

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Wer auf sportliche Ausreißer mit dem Mazda3 Skyactiv-X verzichtet, der dürfte über den dieselähnlichen Verbrauch überrascht sein.

(Foto: David Smith)

Im Realbetrieb spielt das aber keine Geige und der Interessent sollte sein Augenmerk eher auf persönliche Vorlieben und zu bewältigende Wege legen. Das Automatikgetriebe bewährte sich auf der ersten Ausfahrt rund um die bulgarische Hauptstadt Sofia vor allem wenn es in den leidigen Stop-and-Go ging. Zumal hier auch die elektronischen Helferlein wie adaptiver Spur- und Abstandsassistent ihr ganzes Können ausspielen. Mit dem Handschalter ist diese Art der Unterstützung bekanntermaßen eingeschränkt. Auf den kurvigen Bergpassagen zeigten sich Motor und Getriebe ebenfalls von ihrer besten Seite. Allerdings ist auch hier vor allzu großen Erwartungen bei einem spontanen Leistungsabruf zu warnen. Wer das Gaspedal ungestüm ins Bodenblech stemmt, muss abseits einer Turboaufladung mit einem kurzen Moment des Sortierens der Gänge rechnen. Wer es knackiger will, der nutzt die Schaltwippen am Lenkrad und sorgt selbst für die Gangwahl per Fingerspitze.

Doch kommen wir zur großen Frage: Verbraucht der Skyactiv-X als Benziner wirklich nur so viel wie ein Diesel? Ja und nein. Solange man gefühlvoll fährt, die Rekuperation für die 24-Volt-Batterie nutzt, auf das sie den Verbrenner beim Beschleunigen unterstützt, wird man über 100 Kilometer mit gut 5,8 Litern auskommen. Frönt man allerdings der sportlichen Fahrweise, hält die Drehzahlen hoch und den Fuß permanent am Gas können es locker 7,0 Liter und mehr werden. Grund ist, dass der Motor bei Volllast, wie jeder andere Benziner mit einem normalen Kraftstoff-Luft-Gemisch und der daraus resultierenden Fremdzündung unterwegs ist. Hier bremst der Fahrer die Vorteile seines Triebwerks ganz klar selber aus.

"Mazda3 ist kein Sportwagen"

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Technologisch hat Mazda mit dem Skyactive-S-Motor momentan ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt.

(Foto: Holger Preiss)

Nicht ausgebremst werden die Insassen des Mazda3 beim Fahrkomfort. Wie beim Design setzen die Japaner hier auf einen gewissen Purismus. Insofern ist das Fahrwerk ohne Schnörkel für alle Belange abgestimmt. Das gleiche gilt für die Lenkung. Wer denkt, er könne über die zwei Fahrmodi mehr bewegen als die bereits angesprochenen Punkte, der kann, muss aber nicht enttäuscht sein. Denn insgesamt ist die Lenkung recht direkt und lässt auch fetzige Kurvenschlenker zu. Allerdings gelten auch hier die Worte von Motor-Chef Strietzel: "Der Mazda3 ist kein Sportwagen". Etwas wilder geht es schon beim Interieur zu. Hier verfängt sich der Blick im zweistufigen Dashboard und an dem interessant geformten Zentraldisplay mit maximal 8,8 Zoll.

Auf dem kann der Fahrer übrigens auch ablesen, ob das SPCCI optimal arbeitet oder die graphische Darstellung des Energieflusses verfolgen. Zudem ist es möglich, mit seiner ökologischen Fahrweise virtuelle Bäumchen zu pflanzen. Den CO2-Ausstoß gibt Mazda mit 142 g/km an. Was dem Japaner die Effizienzklasse A+ beschert. Natürlich kann über den Monitor noch Anderes eingesehen und über den bekannten Drückdrehsteller bewegt werden. Dazu gehören das serienmäßige Navi mit neuem 3D-Beschleunigungssensor, der die Routenführung auch bei schlechtem GPS-Empfang gewährleistet ebenso, wie das optionale Audiosystem von Bose mit acht Lautsprechern.

Es gibt nur eine Größenordnung

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Mit dem roten Leder gewinnt der Mazda3 zusätzlich an Farbe.

(Foto: David Smith)

Apropos Lautsprecher. Mazda hat für die Nummer 3 auch einen neuen Kabinenkomfort entwickelt. Der sorgt dafür, dass im Zusammenspiel mit dem Audiosystem die Summe aus Motor-, Abroll- und Windgeräuschen zu einer ganz "natürlichen Soundqualität" wird. Was auch immer das bedeutet, für die Insassen heißt es, dass das Geräuschniveau niedrig ist und auf der Testfahrt auch keine Sekunde zu laut wurde. Es sei denn, der Motor wird durch einen scharfen Tritt auf das Gaspedal doch mal an seine Drehzahlgrenze gebracht. Dann kann es schon etwas rau werden. Eine übertriebene Sportlichkeit hat Mazda der Entäußerung des Aggregats dann aber nicht mit auf den Weg gegeben. "Das ist nicht unsere Philosophie", erklärt Strietzel. "Wie bei der Fahrwerksabstimmung gibt es für uns nur eine Größenordnung und die muss alle Bereiche von Komfort bis Sport abdecken."

Bleibt zu klären, was der Kunde Ende September zahlt, wenn der Mazda3 Skyactiv-X zu den Händlern fährt. Die Preise starten ab 26.790 Euro. Das sind exakt 3500 Euro mehr, als für den 60 PS schwächeren Mazda3 mit Skyactiv-G-Motor zu berappen sind. Wer Fan von Coupé-Limousinen ist, der kann für weitere 500 Euro die Kombination aus Fastback und Sparmotor bestellen. Letztlich darf man aber insgesamt gespannt sein, wie die Kunden auf den Sparbenziner aus Japan reagieren. In Deutschland hatten seinerzeit Mercedes und Volkswagen versucht, das doppelte Brennverfahren in die Spur zu bringen. Nach einiger Erprobung ließ man dann aber wieder davon ab. Insofern hat der Skyactive-X ein Alleinstellungsmerkmal, wie einst der Wankelmotor von Mazda.

Quelle: n-tv.de

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