Meistverkauftes Auto kommt neuSanfte Evolution: SUV Toyota RAV4 bleibt weitgehend auf Kurs
Von Patrick Broich, Málaga
Der Toyota RAV4 gehört immer wieder zu den meistverkauften Autos der Welt, auch 2025. Jetzt kommt Toyota mit einer Neuauflage um die Ecke. ntv.de durfte bereits die ersten Runden drehen und herausfinden, warum das SUV so beliebt ist. Und vermutlich bleibt.
Die wahren Champions machen meist nicht viel Aufhebens von sich: Diese Weisheit ist keineswegs bloß Klischee, sondern lässt sich auch in der Automobilwelt real beobachten. Der Toyota RAV4 ist das beste Beispiel. Wenn er am Straßenrand parkt, sieht sich kein Mensch nach ihm um. Vielleicht ist das aber auch genau seine Stärke: Der Japaner macht kein großes Theater, sondern funktioniert einfach. Punkt. Exakt diese Botschaft transportiert er schon allein über sein Design. So wirkt der Allrounder weitgehend funktional, ist aber dennoch ein Kind seiner Zeit mit durchaus modernen Anklängen und sogar einem Hauch von Ästhetik.
Besticht er doch mit einer leicht futuristisch gestalteten Front; zackig gezeichnete LED-Scheinwerfer passen gut zum etwas plateauartigen Abschluss des großen, in die Karosse integrierten Stoßfängers mit irgendwie stylish gehaltenen Lufteinlässen. Das Heck dagegen wirkt deutlich konventioneller. Doch sei es drum, den RAV4 kauft eine Mehrheit vermutlich eher nicht wegen seines Designs.
Doch warum eigentlich dann? Um das Geheimnis seines Erfolgs zu verstehen, muss man die Sache ganzheitlich betrachten. Dazu gehören immer Produkt, Infrastruktur und letztlich ein bisschen Psychologie. Toyota, der konservative Konzern, der alles tausendmal validiert, bevor er es auf die Kunden loslässt, hat den unerschütterlichen Ruf, zuverlässige Autos zu bauen. Das beruhigt. Und letztlich möchten viele Menschen wohl lieber funktionale statt aufregende Vehikel, das gelingt hier ebenfalls ganz gut.
Toyota RAV4 bietet viel Raum innen bei kompakten Außenabmessungen
So wurde der neu entwickelte RAV4 (TNGA-K-Plattform) auf Raum optimiert, was sich nicht zuletzt auch im leicht gesteigerten Kofferraumvolumen manifestiert. Demnach lässt sich Gepäck im Äquivalent von über 1700 Litern einladen, beim Plug-in-Hybrid sind es rund 100 Liter weniger. Der vergrößerte Stromspeicher will eben untergebracht werden.
Ein Radstandkönig (2,69 Meter) ist der 4,60 Meter lange Japaner indes nicht, allerdings dank klugen Packagings auch kein Platz-Knauserer in der zweiten Reihe. Doch selbst darum geht es eigentlich nicht. Die Stärke des RAV4, und dieses Gefühl stellt sich sogar schon nach wenigen Metern ein, liegt in der Unaufgeregtheit seiner Fortbewegung. Und das, obwohl der bis zu 2,1 Tonnen schwere Toyota inzwischen auch nicht mehr mit Leistung geizt. Oder vielleicht genau deshalb.
Zwei Motor-Grundvarianten stehen zur Wahl, und dann darf sich die Kundschaft noch zwischen Allrad- und Vorderradantrieb entscheiden. Aber unter 184 PS Systemleistung geht nichts, außerdem dient ein mit 2,5 Litern Hubraum schön großvolumiger Vierzylinder als primäre Antriebsquelle, das war jedoch auch schon beim Vorgänger so. Man muss jetzt nicht zwingend bis ins letzte Detail verstehen, auf welchem Quadratzentimeter der neuen K-Plattform die Techniker ein Fitzelchen Struktur geändert haben oder nicht. Entscheidend ist, dass der Rohbau an Steifigkeit gewonnen hat. Das sorgt unterbewusst für ein patentes Fahrgefühl. Und dass Toyota den Passagierraum besser von der Außenwelt entkoppelt hat.
Neues SUV fährt geschmeidig und leise
In der Tat fühlt sich der frische Toyota betont komfortabel an durch leise Geräusche. Klar, sein Vierzylinder dringt akustisch durchaus in den Innenraum, wenn man ihn fordert, aber das ist ja auch völlig in Ordnung bei hoher Drehzahl. Ein wenig zur sanften Fortbewegung gehört allerdings auch Toyotas sogenanntes leistungsverzweigtes System, bei dem die Übersetzung aus dem gemeinsamen Hantieren von E-Maschine und Verbrenner hervorgeht, die am Planetengetriebe hängen. Der Generatorwiderstand dient sozusagen als Bremse für die Planetenräder. Klingt kompliziert, sorgt aber im Ergebnis für geschmeidiges Fahren frei von jeglicher Ruckelei. Doch welche Variante nehmen?
Allrad-Plug-in-Hybrid, wenn Budget weniger eine Rolle spielt, steht natürlich für die höchste Leistung. Er ist mit 53.990 Euro zwar 2800 Euro günstiger geworden als der Vorgänger, aber immer noch kostspielig. Dafür zieht der 309-PS-Kandidat unter voller Last richtig durch, erreicht 100 Sachen binnen 5,8 Sekunden und wird damit sozusagen zum Sportwagen des kleinen Mannes. Um das Leistungspotenzial zu heben, muss allerdings nicht nur der Drive-Mode passen, sondern auch der EV-Mode richtig eingestellt sein, um den Elektropart richtig zu gewichten. Steigt man in den 272 PS starken Fronttriebler um, merkt man vor allem, dass das Elektroaggregat an der Hinterachse (54 PS) fehlt - nicht unbedingt wegen der reduzierten Leistung, sondern wegen der mangelnden Traktion.
Vier Antriebsvarianten möglich
Die Varianten mit Vorderradantrieb bekommen den gleichen Ottomotor (143 PS), allerdings kombiniert mit 136 statt 206 PS - also einhergehend mit deutlich weniger elektrischer Leistung. Reicht aber für den Hausgebrauch locker aus, zumal die Systemleistung immer noch 184 respektive 194 PS beträgt. Außerdem wiegen die HEV mit 1,7 Tonnen deutlich weniger, um immer souveränes Fortkommen zu garantieren. Um die acht Sekunden bis 100 km/h untermauern diesen Eindruck.
Oder doch lieber Plug-in-Hybrid? In diesem Fall gibt es noch mal einen deutlichen Unterschied zum Vorgänger - er liegt in Akku und Ladegeschehen. Statt 18 können künftig 23 kWh gespeichert werden. Außerdem lassen sich per CCS-Stecker mit Gleichstrom 50 kW ziehen, um binnen 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden zu können. Damit kann man in der City bestenfalls 160 Kilometer zurücklegen. Die WLTP-gemittelte Reichweite bei voller Batterie beziffert Toyota mit 122 bis 133 Kilometern. Beim Fronttriebler sollen es bis zu 137 Kilometer sein - damit kann man schon arbeiten.
Wer hingegen auf den Stecker verzichtet, bekommt den RAV4 bereits ab 43.990 Euro. Hier muss man selbst einmal rechnen, was individuell infrage kommt. Wer in der Stadt wohnt ohne Lademöglichkeit, hat vielleicht andere Voraussetzungen als auf dem Land mit Photovoltaik und kostenlosem Strom.
Arbeiten lässt sich auch mit dem neuen Infotainment. Es profitiert ebenso wie tieferreichende Fahrzeugschichten (Assistenz und Vernetzung) von der neuen "Arene"-Software; jedenfalls wird das Auffinden bestimmter Funktionalitäten nicht mehr zur aufwendigen Suchaktion auf dem großen Touchscreen. Und selbst das Beherrschen der Assistenz ist jetzt ein Kinderspiel, wenngleich man hier noch eine Nummer weiter entzerren hätte können - insbesondere hinsichtlich des Abschaltens der nervigen Piepfraktion.
Bleibt am Ende die Frage: GR Sport oder nicht GR Sport? Neben der etwas heißeren Optik kommen die drahtigeren Versionen auch mit einem modifizierten Fahrwerk und tafferer Lenkung daher. Ganz ehrlich? Zum beschaulichen RAV4 passt das moderate Fahrwerk trotz erklecklicher Leistung ganz gut. Es bügelt Schlechtwegestrecken nämlich ordentlich glatt, und das erwartet man ja auch von dem Family-Tourer mit den bequemen Sesseln.
Neugierig geworden? In Deutschland hatte der RAV4 zuletzt deutlich weniger Sichtbarkeit gegenüber Traditionsmodellen wie Corolla und Yaris. Vielleicht ändert sich das ja künftig. Global dürfte der RAV4 jedenfalls weiter erfolgreich sein, schließlich wurde ganz nach Toyota-Manier nur behutsam verändert und leicht angepasst. Warum sollte man auch etwas Beliebtes und Gutes auch radikal verändern? Mit diesem Prinzip ist Toyota immerhin erfolgreich geworden.