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Wiedersehen nach 30 Jahren Mercedes 300 TE-24 trifft E 53 AMG T-Modell

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Ein Generationentreffen: Mercedes 300 TE-24 und E 53 AMG T-Modell (links).

(Foto: Patrick Broich)

Seit einiger Zeit bietet Mercedes wieder Reihensechszylinder an, aber nur noch als Performance-Variante unter AMG-Label - gerne auch als T-Modell. Den ersten Kombi mit sportlichem Anstrich ließ Mercedes 1989 auf die Straße.

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Der vergleichende Blick von hinten zeigt, dass sich im Laufe der Zeit einiges verändert hat.

(Foto: SP-X/Patrick Broich)

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht, was das Thema Sechszylinder bei Mercedes angeht. Die gute zuerst: Man bekommt tatsächlich wieder Reihensechszylinder. Das hätte wohl niemand gedacht, als die Stuttgarter im Jahr 1998 alle Sechsender auf V umgestellt haben. Nun die schlechte Nachricht: Unter AMG-Liga geht nichts mehr. Ein entsprechend gut gefülltes Portemonnaie ist also Voraussetzung, um in den Genuss dieses Triebwerks zu kommen. Kein Wunder, der Leistungsmaßstab hängt hoch - 435 PS sind gesetzt und die Maschine führt ordentlich Hightech mit sich.

So basiert das Aggregat auf einem 48 Volt-Bordnetz, bietet einen Kurbelwellen-Starter, der mit 22 PS in der Lage ist zu boosten, um den Verbrenner zu unterstützen. Der wiederum ist zusätzlich mit einem elektrischen Verdichter plus zwei Abgasturboladern versehen. In unserem Fall steckt das Powertriebwerk im T-Modell der E-Klasse, was einen schönen historischen Vergleich erlaubt. Kostenpunkt des Mercedes-AMG E 53 4Matic+ T-Modell: 83.883 Euro.

Fahrleistungslevel hat sich verschoben

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Ein Blick ins Cockpit des 30 Jahr alten Mercedes 300 TE-24.

(Foto: SP-X/Patrick Broich)

Bereits vor 30 Jahren startete Mercedes mit dem ersten drahtigen T-Modell. Zwar führte die Nobelmarke schon Ende der Siebziger Sechszylinder-Kombis im Modellprogramm, doch der 1989 nachgeschobene Dreiliter-Vierventiler M104 sollte sportliche Akzente setzen und war leistungsmäßig auch deutlich über dem damaligen Sechszylinder-Volumenmodell, dem schlichten "Dreihunderter" angesiedelt. Mit immerhin 40 Pferdchen plus, was satte 220 PS bedeutet stand er Ende der Achtziger gut im Futter. Das gilt für den aktuellen E 53 natürlich ebenso. Nur das Fahrleistungslevel hat sich generell verschoben: Zwar muss der 300 TE-24 nur rund 1,6 Tonnen Leergewicht bewegen mit seinem Dreiliter-Motor, während es beim AMG schon 2 Tonnen sind - aber am Ende fallen auf jedes Kilowatt nur etwas mehr als sechs Kilogramm, beim S124 muss jedes Kilowatt fast zehn Kilogramm schleppen.

Das will ausprobiert werden. Also hineinsetzen in den auch für heutige Verhältnisse noch immer geräumigen Kombi, klassischer Schlüsseldreh – und los. Der Dreiliter verfällt in einen seidigen Lauf, wenngleich die zeitgenössischen Nutzer gerade dem Vierventiler immer eine gewisse Rauheit vorgeworfen haben. Im Vergleich zu den heutigen Direkteinspritzern aber muss dieses Bild korrigiert werden. Dem E 53 AMG haben die Sounddesigner ein eher wildes Naturell antrainiert – unter Last schnaubt und schreit der ebenfalls drei Liter große Neuzeit-Motor, wenn auch lange nicht mehr so laut wie bei den AMG-Varianten der Vorgänger-Generation. In der Teillast bleibt er gediegen, mutet aber wie erwartet einen Tick herber an.

Wenn der eine orgelt

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Der Sechszylinder des Mercedes 300 TE-24 leistete des 220 PS.

(Foto: SP-X/Patrick Broich)

Dass die Fahrleistungen hier über alle Zweifel erhaben sind, ist keine Frage. Bei Kickdown presst es die Passagiere fest an die Sportsessel, bis Landstraßentempo vergehen gerade einmal 4,5 Sekunden – ein Wert, der nicht zuletzt auch wegen des obligatorischen Allradantriebs möglich wird. Erst gewöhnen hingegen muss man sich an den Start. Wer die Motortaste tippt, erlebt den M256 lediglich "anploppen" – der Kurbelwellenstarter ist so kräftig und hochdrehend, dass er die Ottomaschine sofort hochzieht ohne das typische Geräusch des "Orgelns", selbst bei einem frostigen Kaltstart.

Der Ururgroßvater orgelt selbstredend und ist deutlich gemütlicher unterwegs als der 53er, wenn auch alles andere als langsam. Das hier besprochene Fotofahrzeug ist statt mit manuellem Getrag-Sportgetriebe (erster Gang liegt unten links) mit der aufpreispflichtigen Viergang-Automatik ausgestattet. Weit gespreizte Übersetzungen ersticken überbordende Dynamik im Keim, aber es geht dennoch souverän nach vorn. Der Vierventiler braucht vor allem Drehzahl, wenn er sportiv bewegt werden will. Ab 4000 Touren wird der M104 munter, auch auf seine alten Tage noch. Man kann ihn problemlos bis 6000 drehen, dann entwickelt er sogar ein begeistert-kerniges Timbre. Wer heute nach den Vierventilern sucht – es gab sie auch mit Fünfgang-Automatik.

Komfortspendende Cruiser

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Heute ist das Cockpit des Mercedes-AMG E 53 digitalisiert. Klassische Rundinstrumente sucht man hier vergebens.

(Foto: SP-X/Patrick Broich)

Beide Edel-Laster sind übrigens feine, komfortspendende Cruiser, beim Oldtimer ist bemerkenswert, wie alltagstauglich er heute noch ist. Langstrecke mit dem 124er ist überhaupt kein Thema, man hat zu keiner Zeit den Eindruck, dass es an irgendwas fehle – die Passagiere sitzen gut, das Auto ist hinreichend leise, es gibt einen Tempomat (damals gegen Sonderausstattung). In puncto Dämpfung ist er sogar fast ein bisschen angenehmer, wenn es sich um kurze Wellen handelt – hier geht bei neuzeitlichen Autos Schönheit vor Komfort: Das Reifenmaß von 275/35 19 spricht Bände.

Beachtlich auch, wie fest sich der S124 anfühlt – kein Knarzen, kein Rappeln, einfach nur Stille beim Überfahren von Bodenwellen. Die Bedienung ist simpel gehalten – weil es außer der Temperaturregulierung kaum etwas zu bedienen gibt. Dagegen täuscht die aufgeräumte Armaturenlandschaft beim E 53 – auf dem großen "Widescreen" geht deutlich mehr als nur die Straßenkarte anzeigen. Bei unendlichen Menüweiten lassen sich viele Stunden verbringen. Zu den Infotainment-Gepflogenheiten einer modernen und sportlichen E-Klasse gehören selbstredend neben dem kostenpflichtigen Head-up-Display (1178 Euro) Features wie das Anpassen der Instrumenten-Oberfläche oder das Tracken von G-Kraft und Rundenzeit, das schöne Ambiente-Licht nicht zu vergessen.

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Der Sechszylinder des Mercedes-AMG E 53 bringt es auf stattliche 435 PS.

(Foto: SP-X/Patrick Broich)

Bei der Verarbeitungsqualität ist die aktuelle E-Klasse der Baureihe S213 ein richtiger Mercedes mit wertigen Dekors, edlen Sitznähten und präzise klickenden Schaltern. Und es gibt tausende Möglichkeiten der Individualisierung innen wie außen, das war beim 124er mit dem charmant-simplen Interieur-Flair deutlich reduzierter. Zebrano- oder Wurzelholz? Alu- oder Stahlfelge? Stoff, Velours oder Leder? Plus Außenfarbe wählen – das war es weitgehend. Immerhin taugen beide Kombis als veritable Praktiker und erfreuen sich früher wie heute großer Kofferräume mit mehr als 1.800 Litern Laderaumvolumen bei umgeklappten Rücksitzen. Hier war Mercedes schon immer Benchmark im Segment der großen Kombis.

Quelle: n-tv.de, Patrick Broich, sp-x

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