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Die Zeiten ändern sich Mercedes GLA feiert Internet-Weltpremiere

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Kürzer, aber dafür deutlich höher präsentiert sich der neue Mercedes GLA.

(Foto: Screenshot, Holger Preiss)

Die Zeit ist bei Mercedes reif für die erste virtuelle Weltpremiere eines Autos. Nur im Web und für die ganze Welt präsentiert Daimler-Chef Ola Källenius den neuen GLA und überrascht dabei mit einigen Details.

Die Zeiten ändern sich nicht nur bei den Antrieben, sondern auch bei den Präsentationen der Hersteller. Mercedes feiert deshalb die Weltpremiere des neuen GLA nicht auf einer Messe oder in einer US-amerikanischen Großstadt, sondern im Internet. In einer virtuellen Darbietung wird also das achte Modell der aktuellen Kompaktwagen-Generation von Mercedes-Benz vorgestellt.

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Im kommenden Jahr wird es auf der Basis des GLA eine vollelektrischen EQA geben, so Daimler-Chef Källenius.

(Foto: Screenshot, Holger Preiss)

Mercedes-Chef Ola Källenius begründet die neue Form der Präsentation damit, "dass ein junges Auto ein junges Publikum verlangt", und das findet man eher auf diesem Weg als auf jedem anderen. Zudem, sagt Källenius, "haben die Menschen ein Recht darauf, den neuen GLA alle zur gleichen Zeit zu sehen". Also, der Weg ist frei und, auch das hat der Mercedes-Chef gesagt, vor allem Frauen soll der neue GLA ansprechen.

Mehr SUV als der Vorgänger

Also, liebe Leserinnen, lassen wir die digitale Welt digitale Welt sein und wenden uns den Fakten zu. Dabei ist nicht alles neu, denn wie auf diesen Seite schon berichtet wurde, überragt der neue GLA mit 1,61 Metern seinen Vorgänger in der Höhe um zehn Zentimeter. Allein dieser Umstand zieht den GLA aus der Coupé-Ecke und verspricht dank der größeren Kopffreiheit und eines spürbar größeren Beinraums in der zweiten Reihe eine bessere Alltagstauglichkeit. Optisch rückt der GLA insgesamt näher an den GLC heran. Die Radhäuser mit ihren Verplankungen und der fast schon eckigen Form geben ihm mehr Offroad-Charakter, als ihn noch der Vorgänger hatte.

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Erstaunlich ist, dass es in der zweiten Reihe trotz einer deutlich höheren Dachlinie weniger Kopffreiheit im neuen Mercedes GLA gibt.

(Foto: Screenshot, Holger Preiss)

Auch die über den Schwellern schließenden Türen sorgen mit den schützenden Verblendungen für ein noch stärkeres SUV-Gefühl. Gleichzeitig erhöhen sie aber auch den Einstiegskomfort, verschmutzte Schweller gibt es nicht mehr, und sie verbessern den Seitenaufprallschutz. Im Unterschied zum Vorgänger sind die Heckleuchten jetzt zweiteilig, wobei die Reflektoren in den Stoßfänger ausgelagert wurden. Das hat auch den Vorteil, dass die Öffnung des Laderaums jetzt deutlich breiter ist.

GLA eindeutig Bruder von A- und B-Klasse

Das Interieur überrascht weniger, ist es doch bis auf den robusten Schwung im Dashboard auf der Beifahrerseite aus der A-Klasse übernommen. Ansonsten wird die Armatur von zwei freistehenden Bildschirmeinheiten geprägt, die es je nach gewählter Ausstattung in zwei Größen gib. Die Wahl besteht zwischen einem 7- und einem 10,25-Zoll-Display, und in der Widescreen-Version mit zwei 10,25-Zoll-Displays. Also nicht neu, denn genau so ist es für die A-Klasse zu bekommen.

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Den Innenraum des neuen GLA kennt man bereits aus A- und B-Klasse.

(Foto: Daimler)

Serienmäßig an Bord ist das Infotainmentsystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience). MBUX umfasst nicht nur die mit "Hey Mercedes" zum Leben erweckte Sprachsteuerung, es bietet auch einen leistungsstarken Rechner, gestochen scharfe Grafiken, individualisierbare Darstellungen, ein vollfarbiges Head-up-Display und Navigation mit Augmented Reality. Allerdings wird die umfängliche Aufzählung hier wohl einiger Kreuze in der Optionsliste bedürfen und nicht in der Grundausstattung verfügbar sein.

Fast überall mehr Platz

Die wohl für Interessenten des GLA maßgeblichen Änderungen dürften die Maße im Innenraum sein. Denn obgleich der Neue knapp einen Zentimeter kürzer ist, bietet er deutlich mehr Platz im Innenraum. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass der Radstand um drei Zentimeter auf 2,73 Meter gewachsen ist. Was verwundert, ist der Umstand, dass die Kopffreiheit im Fond laut Datenblatt um sechs Millimeter geschrumpft ist, obgleich der neue GLA deutlich höher ist. Zu erklären ist das nur damit, dass die Batterie für den kommenden Plug-in-Hybrid und den rein elektrisch fahrenden EQA auf Basis des GLA, "der noch im kommenden Jahr auf den Markt kommt", so Källenius, den Platz im Unterboden beansprucht und dadurch die Fondsitzbank angehoben werden musste.

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Der Kofferraum des neuen GLA ist auf 435 Liter gewachsen und bietet jetzt bei umgelegter Rückbank eine plane Ladefläche.

(Foto: Daimler)

Ansonsten ist die Freiheit der Passagiere in allen Bereichen gewachsen. Schulter, Ellbogen und Beine finden mehr Platz als im Vorgänger. Auch der Kofferraum, und das dürfte noch wichtiger sein, hat um 14 Liter auf 435 Liter zugelegt. Wer will, kann - auch das bedarf eines Kreuzes in der Optionsliste - die hintere Sitzbank um 14 Zentimeter in Längsrichtung verschieben und zudem die Fondlehne in eine steilere Position bringen. Bequem sitzt man dann aber in der zweiten Reihe nicht mehr. Serienmäßig lässt sich die Fondlehne im Verhältnis 40:20:40 teilen und einzeln umklappen. Zudem verspricht Mercedes für den GLA einen serienmäßig höhenverstellbaren Ladeboden. Das soll die Möglichkeit bieten, bei komplett umgelegter Rückbank eine fast plane Ladefläche zu schaffen.

Start mit zwei Motorisierungen

Und der Vortrieb? Auch hier gibt es keine Überraschungen. Der GLA greift auf das zurück, was A- und B-Klasse schon unter der Haube und unterm Chassis haben: auf die Vierzylinder-Otto- und Dieselmotoren. Der Einstieg in die Benzin-Palette bildet der GLA 200. Wie bei den Brüdern arbeitet auch hier der M 282 mit 1,33 Litern Hubraum und 163 PS. Wir erinnern uns, das Triebwerk kommt von Renault und wird auch bei Nissan verwendet. Mercedes verspricht auch hier einen kombinierten Verbrauch von maximal 5,9 Litern. Da sich aber schon die A-Klasse im Praxistest auf n-tv.de mit 7,3 Litern verabschiedete, steht zu befürchten, dass auch der GLA nicht mit weniger auskommt. Anders wird das beim kommenden Plug-in-Hybrid sein. Vorausgesetzt, der Akku wird regelmäßig geladen.

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Die schärfere Version des GLA ist der AMG 35 mit 306 PS und Panamericana-Grill.

(Foto: Daimler)

Doch so breit die Motorenpalette ist - wenn der GLA im Frühjahr an den Start geht, wird es neben dem GLA 200 vorerst nur die Leistungsspitze in Form des AMG GLA 35 geben. Auch hier ist der Motor bekannt: Vierzylinder mit 1991 Kubikzentimetern Hubraum, 306 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 gelingt in 5,1 Sekunden und Top-Speed sind abgeregelte 250 km/h. Optisch gibt es für den AMG den Panamericana-Grill, andere Stoßfänger und selbstredend eine verschärfte Abgasanlage.

Für beide Fahrzeuge hält Mercedes natürlich die komplette Palette an Assistenzsystemen bereit, die den Fahrer unterstützen und schützen sollen. Dazu gehören der aktive Abstands-Assistent, der aktive Lenk-Assistent, der Geschwindigkeitslimit-Assistent, der sich auch an Verkehrszeichen orientiert, der Notbremsassistent und Totwinkel-Warner. Neu sind die Abbiegefunktion, die Rettungsgassenfunktion, die Ausstiegswarnfunktion sowie die Warnung vor erkannten Personen im Bereich von Zebrastreifen.

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Beim Einfahren in die Waschstraße macht der neue GLA automatisch dicht.

(Foto: Screenshot, Holger Preiss)

Das größte Feature für Mercedes-Chef Källenius ist aber die Waschstraßenfunktion, die der GLA aus dem GLS übernommen hat. Zwar muss bei dem kleinen Bruder nicht die Spur verringert werden, wie das beim GLS der Fall ist, damit er in die Zugspur der Waschstraße passt. Dafür werden aber auf Knopfdruck die Fenster geschlossen, das Schiebedach dicht gemacht, die Spiegel eingeklappt und der Gangwahlhebel auf "Neutral" gestellt.

Was Mercedes im Einzelnen für die Fahrzeuge preislich aufrufen wird, ist noch nicht bekannt. Aber wie immer kann man sich an den Vorgängermodellen orientieren, um eine etwaige Vorstellung zu bekommen. Insofern dürfte der GLA 200 nicht unter 32.200 Euro zu haben sein. Da der AMG GLA 35 keine direkten Vorgänger hat, muss hier etwas mehr gemutmaßt werden. Aber wer mit 52.000 Euro rechnet, dürfte hier nicht ganz falsch liegen. Der AMG GLA 45 stieg seinerzeit mit 57.000 Euro ein. Weitere Motorisierungen und Preise dürften die Stuttgarter sukzessive für den GLA nachreichen.

Quelle: ntv.de