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EQ Silver Arrow Mercedes fliegt in die Zukunft

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Ein waschechter Rennwagen: die Studie des Silver Arrow.

Designstudien können im Autobau viel über kommende Fahrzeuge erzählen. Beim neuesten Streich von Mercedes-Design-Chef Gorden Wagner wird es allerdings schwierig, denn er "treibt es auf die Spitze".

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Der Zwölfzylinder-Rekordwagen W 125 von 1937 liefert die Inspiration für den Silver Arrow.

Bereits im Juli ließ Mercedes tief in seine Designwelt blicken. Als beredtes Zeichen für das, was kommen wird, präsentierten die Stuttgarter die Skulptur einer einsitzigen Rennmaschine, die sehr an das erinnerte, was Ferdinand Porsche im Jahr 1930 mit dem T80, dem Prototypen eines Hochgeschwindigkeits-Autos, vorgestellt hat. Noch näher, so mutmaßte der Autor seinerzeit, wäre der W 196 an der Skulptur von Chefdesigner Gorden Wagener dran. Eben jener Formel-1-Rennwagen, der für die Silberpfeile die Saison 1954/55 bestritt. Alles nicht falsch, aber auch nicht richtig, klärt Mercedes jetzt auf. Die eigentliche Inspiration lieferte nämlich der Zwölfzylinder-Rekordwagen W 125 von 1937. Das Fahrzeug, mit dem Rudolf Caracciola am 28. Januar 1938 auf der Autobahn zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Mit knackigen 432,7 km/h flog der Pilot damals über die Autobahn und stellte damit eine Bestleistung auf, die fast 80 Jahre Gültigkeit hatte.

Reminiszenz an die Stromlinienform

Beim Pebble Beach Concours d'Elegance in Monterey County in den USA zeigt Mercedes nun zum einen das nach allen Regeln der Kunst rekonstruierte Fahrzeug von 1938 und den EQ Silver Arrow, eben jenes Showcar, das die Vollendung der oben erwähnten Skulptur ist. Die schnittige Studie von Wagner will vor allem an die Tugenden der Stromlinienform des Ahnen anknüpfen, gleichsam aber zeigen, wie man sich in Stuttgart in Zukunft das Design seiner EQ-Submarke vorstellt, deren Fahrzeuge rein elektrisch unterwegs sein werden.

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Lackiert wurde das Show Car in Alubeam-Silber.

Auch der EQ Silver Arrow ist natürlich als Elektrofahrzeug konzipiert. Der flache Akku im Unterboden hat eine Kapazität von 80 kWh und soll eine rechnerische Reichweite von über 400 Kilometern nach WLTP ermöglichen. Aber das würde natürlich mit Blick auf die potente Vergangenheit nicht reichen. Die Leistung des elektrischen Silberpfeils beträgt 750 PS. Über Beschleunigungswerte und Höchstgeschwindigkeiten wird hier aber noch kein Wort verloren. Das wirft erneut die Frage auf: Was will man mit dem Fahrzeug? Ebenfalls einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen?

Wo will Mercedes hin?

Keine schlechte Idee. Der W 125 brillierte seinerzeit mit einem grandiosen Cw-Wert von 0,16. Das könnte auch für die windschnittige Form des einsitzigen EQ Silver Arrow gelten. Aber mehr lässt sich auf den ersten Blick nicht aus dem Super-Stromer ablesen. Oder doch? Die Lackierung in Alubeam-Silber erinnert an die aus Gewichtsgründen vom weißen Lack befreiten historischen Silberpfeile. Im Innenraum dominieren traditionelle, hochwertige Materialien wie Echtleder, gebürstetes Aluminium und massives Walnussholz. Edel werden also auch die Fahrzeuge der EQ-Baureihe. Oder anders ausgedrückt: "Die Designsprache kombiniert zeitlose Ästhetik mit futuristischen Visionen."

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Natürlich fährt der Silver Arrow mit einem voll digitalisierten Cockpit.

Aber das verwundert bei Mercedes unterdessen ebenso wenig wie der Umstand, dass das Cockpit "direkt in die Zukunft weist". So ist der Fahrer des Arrow umgeben von einem großen Panoramabildschirm, auf den ein Beamer von hinten ein 3D-Bild der Umgebung projiziert. Ein Fingerzeig für künftige Ladetechniken des Akkus könnte die ebenfalls auf dem Monitor zu sehende induktive Ladespur auf der Fahrbahn sein.

Warum das Cockpit allerdings die Möglichkeit bietet, virtuelle Rennen gegen historische oder aktuelle Silberpfeile zu fahren, entzieht sich dem Verständnis des Autors vollends. Auf dem Bildschirm werden dafür virtuelle Rennstrecken in die aktuelle Fahrstrecke eingeblendet und der Fahrer sieht den Gegner vor oder hinter sich als "Ghost". Damit sich der Fahrer verbessern kann, gibt eine "Virtual Race Coach" während des Rennens Anweisungen. Bleibt nur zu hoffen, dass der auch andere mögliche Hindernisse im Auge behält.

Doch lieber "Handcrafted by Racers"?

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Ausfahrbare Heckspoiler sorgen für einen entsprechenden Anpressdruck bei hohen Geschwindigkeiten.

Sinnvoller scheint da schon der Touchscreen im Lenkrad, über den unterschiedliche Fahrprogramme eingestellt werden können. Auch Soundeinstellungen können an gleicher Stelle konfiguriert werden. Die Auswahl beinhaltet unter anderem den Klang eines aktuellen Formel-1-Silberpfeils und eines Mercedes-AMG V8-Motors. Hm, künstlicher Sound aus Lautsprechern? Mal ehrlich, dann doch lieber "Handcrafted by Racers" und ein ehrlich böllernder AMG unter der Haube. Dann hat auch der wuchtige Heckdiffusor einen Sinn.

Aber was verrät uns jetzt die äußere Formensprache des 5,30 Meter langen und ein Meter hohen EQ Silver Arrow? Das Showcar besitzt eine Karosserie aus Kohlefaser, dürfte also superleicht sein. "Die Mehrschichtlackierung in Alubeam-Silber schmiegt sich wie flüssiges Metall darüber", heißt es in der Pressemitteilung. EQ-typisch ziehen sich blaue Leuchtbänder durch die Seitenschweller und die Fahrerkanzel lässt sich nach vorne aufklappen. Vorn sind 255er Schlappen aufgezogen, hinten gibt es 305er, sportlich eben. Am Ende ist das Showcar wohl genau das, was Gorden Wagener sagt: Mit dem EQ Silver Arrow "treiben wir die Formsprache unserer neuen Produkt- und Technologiemarke EQ auf die Spitze". Was das am Ende für das EQ-Design bedeutet, darf mit Spannung erwartet werden.

Quelle: n-tv.de

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