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Der große Vetter des X-Trail Nissan Pathfinder - ein Charakterkopf fürs Grobe

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Der neue Nissan Pathfinder ist in den USA für umgerechnet rund 37.000 Euro zu haben.

(Foto: Nissan)

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Als SUV noch Geländewagen hießen, war Nissan abseits des Asphalts eine große Nummer. Doch inzwischen ist es mit dem Abenteuer Allrad bei den Asiaten in Europa nicht mehr weit her. In den USA machen sie das anders - zum Beispiel mit Autos wie dem neuen Pathfinder.

Las Vegas am Abend, die Meute ist nach einem Tag auf der Elektronikmesse CES in Partylaune und ein Taxi mal wieder nicht zu bekommen. Kein Problem, schließlich steht in der Garage ja die neueste, mittlerweile fünfte Generation des Nissan Pathfinder und lockt mit sechs überraschend vollwertigen Einzelsitzen zur nächtlichen Fahrt über die Flaniermeile der Spielermetropole.

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Der Nissan Pathfinder ist 5,02 Meter lang.

(Foto: Nissan)

Tags drauf schluckt er vor den Premium Outlets an der Interstate 15 mehr Einkäufe, als die Kreditkarte hergibt, und auf dem Weg zurück zum Flughafen in Los Angeles kämpft er sich auch noch über jene Schotterpisten im Mojave National Preserve, die von den Park-Rangern nach heftigen Überflutungen als unpassierbar gesperrt wurden. Denn so eine kleine Workout-Wanderung zwischen Messebesuch und Langstreckenflug muss schon sein - was sich bei uns die Nissan Manager allenfalls für bunte Reklame-Prospekte ausdenken könnten, ist in den USA gelebter Alltag.

Und während es diesseits des Atlantiks mit Autos wie dem Qashqai und selbst sei es großen Bruder X-Trail nur eingeschränkt funktionieren würde, klappt der automobile Dreisprung in den USA mit dem Pathfinder perfekt: "Egal, ob du in die Stadt willst, über Land oder in die Wälder - der Pathfinder öffnet dir alle Wege", lautet die Devise der US-Werber und umreißt ein Einsatzspektrum, von dem sie bei uns nur träumen können.

Weichgespülte Crossover und Charakterköpfe

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Der Nissan Pathfinder macht eine gute Figur.

(Foto: Nissan)

Aber bei uns baut der einstige Geländewagen-Gigant Nissan ja auch keine Geländewagen mehr und streng genommen auch keine SUV. Nissan selbst spricht ausschließlich vom Crossover und hat die so in Weichspüler getränkt, dass die Autos gefährlich austauschbar geworden sind. Im Rest der Welt leistet sich Nissan dagegen sehr wohl noch ein paar Charakterköpfe und der Pathfinder ist da keine Ausnahme.

Dabei beweist der große Vetter des X-Trail, dass auch ein fürs Abenteuer gerüstetes SUV von 5,02 Metern kein grober Klotz sein und sich nicht in die automobile Entsprechung zur Holzfäller-Kluft zwängen muss. Im Gegenteil: Mit glatten Konturen und klaren Kanten erinnert der Pathfinder eher an einen Range Rover Velar als einen Land Rover Defender und macht auf dem Boulevard die gleiche gute Figur wie auf der Buckelpiste.

Platzangebot ist großes Plus

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Bis zu acht Personen dürfen im Nissan Pathfinder Platz nehmen.

(Foto: Nissan)

Das größte Plus des Pathfinders ist allerdings sein Platzangebot, das vor allem von den 2,90 Metern Radstand profitiert. Die reichen für drei Sitzreihen, bei denen auch die letzte im Gegensatz zum europäischen X-Trail diesen Namen verdient und deshalb auch für Erwachsene taugt. Wer dort jeweils eine Bank bestellt, kann zu acht ins Abenteuer starten, muss dafür aber doch ein wenig kuscheln. Wer sich allerdings für jeweils zwei Einzelsitze entscheidet, der fährt auch in der zweiten Reihe erster Klasse und in der Dritten noch immer besser als in der Economy im Flugzeug.

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Schmuckes Cockpit mit den üblichen Bildschirmen, Head-up-Display und viele Assistenten.

(Foto: Nissan)

Und egal ob vorne, Mitte oder hinten - für jede Reihe gibt es eine individuelle Klimazone, in den Konsolen finden sich USB-Stecker en masse und damit niemand dürsten muss auf der Fahrt von Küste zu Küste oder durch die Wüste, fassen die Cup-Holder im X-Trail mehr Dosen als mancher Tresen einer deutschen Dorfkneipe.

Navigation per "Karte aus der Steinzeit"

Dazu gibt es ein schmuckes Cockpit mit den üblichen Bildschirmen, ein Head-up-Display und jede Menge Assistenten, die einem vor allem die drögen Fahrten über die schnurgeraden Highways leichter machen. Schade nur, dass Nissan bei der Navigation gespart hat und ausgerechnet der Pathfinder seine Pfade auf einer Karte aus der Steinzeit sucht, die Einstellungen zum Studienfach macht und die Routenführung so unübersichtlich ist wie die Schatzkarte von Sam Hawkins.

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Die 360-Grad-Kamera hilft beim Rangieren.

(Foto: Nissan)

Beim Fahren gibt sich der Pathfinder dagegen keine Blöße - weder auf dem schartigen Asphalt der US-amerikanischen Fernstraßen, wo er mit lässiger Lenkung und wohlwollendem Fahrwerk den entspannten Cruiser gibt. Noch in den Innenstädten, wo ein kleiner Wendekreis und die 360-Grad-Kamera beim Rangieren helfen. Und schon gar nicht im Gelände, wo der zuschaltbare Allradantrieb und ein paar Offroad-Programme auch Sandpisten und Schotterstrecken zum Spaziergang machen.

Sechszylinder atmet noch selbst

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Der Neungang-Automatik des Nissan Pathfinder fehlt ein wenig an Biss.

(Foto: Nissan)

Den Antrieb übernimmt dabei ein Sechszylinder, der nach guter alter Sitte noch selbst atmet, statt sich die Luft von einem Lader einblasen zu lassen. Deshalb braucht er auch ein bisschen mehr Drehzahl, damit er auf seine 284 PS und 350 Nm kommt, hat dann aber mit dem Koloss ein leichtes Spiel. Erst recht, weil Nissan den Amerikanern anders als uns kein zähes CVT-Getriebe zumutet, sondern eine klassische Automatik einbaut.

Auch der fehlt es mit ihren neun Gängen zwar ein wenig an Biss. Aber weil Tempo in den USA so nebensächlich ist, dass Nissan weder die Sprintwerte noch die Höchstgeschwindigkeit angibt, dürfte das dort niemanden stören. Und für das lässige Dahinrollen reicht der Elan allemal, genau wie für den kurzen Sprint, der den Pathfinder an den allgegenwärtigen Pick-ups vorbei wieder in die Pole Position bringt.

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Klar, mit seinem 3,5 Liter-Sechszylinder wäre er bei uns ein bisschen fehl am Platz. Aber ein ordentliches SUV mit Charakter, mit Platz und ein bisschen Prestige würde Nissan gut zu Gesicht stehen - erst recht, weil dieses Segment auch bei der Konkurrenz so langsam verweist.

Und weil sich nicht alle gleich einen Mercedes GLS oder einen BMW X7 leisten können, sollte es für diesen Nissan auch bei uns eine Nische geben - selbst, wenn er am Ende nicht bei ungerechnet 37.000 Euro starten würde wie in den USA, sondern wahrscheinlich in der Mitte der 40.000er losgehen müsste.

Quelle: ntv.de, Benjamin Bessinger, sp-x

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