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Klein und nicht ganz so gemein Opel Corsa GSi - der entschärfte OPC

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Für die doch recht augenfällige Lackierung Mandarina Orange müssen beim Opel Corsa GSi 590 Euro mehr bezahlt werden.

(Foto: Holger Preiss)

Den Opel Corsa OPC gibt es nicht mehr. Nach dem Abschied von GM backen die Rüsselsheimer mit dem GSi kleinere Brötchen, die aber nicht weniger gut schmecken. Oder anders gesagt, die mindestens in der Kehre genauso viel Spaß bieten.

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Die Paradestrecke des Opel Corsa GSi sind kurvenreiche Bergpassagen.

(Foto: Holger Preiss)

Es waren die OPC-Modell, die einst die Speerspitze der Sportlichkeit bei Opel bildeten. Im Kleinwagensegment war der Corsa OPC die Kampfansage an alles, was abseits eines Polo GTI fuhr. Das Teil war so biestig, dass es im Straßenkampf schon als fast unfahrbar gelten musste. Hart wie ein Brett knallte der Kampfzwerg mit 207 PS über den Asphalt, während die 280 Newtonmeter maximales Drehmoment an der extrem spitzen Lenkung zerrten, um bei Vollgas unaufgefordert die Richtung zu bestimmen. Dennoch verkaufte sich dieser böse Zwerg allein in Europa seit seinem Marktstart im Frühjahr 2015 über 25.000 Mal.

GSi statt OPC

Heute, nach der Übernahme der Rüsselsheimer durch den PSA-Konzern, gehören die OPC-Zeiten ins Reich der Geschichte. Doch ganz ohne sportlichen Kleinwagen will Opel auch nicht unterwegs sein. Und so hat man wie beim Insignia das Kürzel GSi neu belebt, das seinerzeit schon für mehr Dynamik stand. Im Falle des aktuellen Corsa GSi handelt es sich um die stärkste Motorisierung, die Opel unterdessen für seinen Kleinwagen anbietet: Unter der mit einer Hutze bewährten Haube arbeitet ein 1.4 Liter Turbo-Benziner mit 150 PS. Das ist gar nicht so viel, wenn man bedenkt, dass der erste Corsa GSi bereits im Jahr 1988 mit 100 PS die GTI-Fraktion das Fürchten lehrte.

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Für flottes Vorankommen reicht der 1,4 Liter Benziner mit 150 PS im Corsa GSi aus.

(Foto: Martin Meiners)

Nach einem Vorgänger wie dem OPC scheint der jetzige Sportfreund also eher harmlos. Auch wenn seine 150 Pferde auf die Koppel eilen, dauert es noch 8,9 Sekunden bis der rote Zeiger in den analogen Rundinstrumenten die 100 überläuft. Nur zur Erinnerung, der OPC legte diesen Weg in 6,8 Sekunden zurück. Wer die sechs Gänge über kurze Wege knackig durch die Gassen schiebt, sie weit ausdreht und den Pin immer wieder kraftvoll Richtung Bodenblech bringt, wird am Ende mit 207 km/h über die Autobahn fliegen. Der OPC brachte es am Ende sogar auf 230 km/h.

Ab in die Kehre

Aber wie der OPC ist auch der 1,2 Tonnen schwere Corsa GSi nicht auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt. Den größten Spaß bringt der Rüsselsheimer auf kurvenreichen Bergstraßen. Das liegt daran, dass der GSi seine Durchzugskraft vor allem im zweiten und dritten Gang ausspielen kann und eben genau da - mit 220 Newtonmeter maximalem Drehmoment - nicht so brutal an den Vorderrädern reißt wie seinerzeit der OPC.

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Im Inneren gibt es zum normalen Opel Corsa beim GSi kaum Unterschiede.

(Foto: Martin Meiners)

Dazu kommt ein Sportfahrwerk, das zwar aus dem OPC stammt, aber vom Performance-Chef Volker Strycek auf dem Nürburgring neu abgestimmt wurde. Jetzt macht der Sportfreund zwar immer noch keinen Hehl aus dem Untergrund, den der Pilot gerade mit dem GSi überfährt, aber die Paukenschläge in die Bandscheiben, wie sie noch beim OPC Programm waren, bleiben aus. Grund dafür sind die selektiven Dämpfer, die sich deutlich besser an die jeweilige Bewegungsfrequenz des Fahrzeugs anpassen können als überspannte Sportdämpfer oder das straßennormale Federwerk eines Serien-Corsa. In Summe heißt das für den GSi nichts anderes, als dass der Grip an den 18 Zöllern mit 215er Gummis in schnell gefahrenen Passagen und beim Lastwechsel erhöht wird. Beim smoothen Cruisen hingegen bleibt ein Rest an Komfort erhalten. Aber auch die lässigen Sportschalen von Ricaro tragen dazu bei, dass man nicht nach 150 Kilometern nervös hin- und herrutscht und sich ein schnelles Ende der Reise wünscht.

Erfahren durfte der Autor das auf den über 200 Kilometern auf der D8 von Split nach Dubrovnik. Die Küstenstraße windet sich in unendlich vielen Kurven am Meer entlang und dürfte auch ein Eldorado für Biker sein. Gerade abseits der Feriensaison sind die Straßen fast leer und wer Freude an der Kehre hat, kann hier sein Mütchen kühlen. Der Corsa GSi unterstützt das jedenfalls nicht nur mit seinem knackigen Fahrwerk, sondern auch mit seiner straffen und sehr direkten Lenkung. Anders als der OPC zwingt er seinen Fahrer hier auch nicht pausenlos ans Limit. Während der Übersportler den Bogen irgendwo deutlich überspannte, bringt der GSi ein gerütteltes Maß an Fahrspaß für einen mit 19.960 Euro fairen Preis. Auch hier zum Vergleich der Preis für den OPC:  24.395 Euro.

Auch die Optik zählt

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Wer sportlich mit dem Corsa GSi unterwegs sein möchte, der sollte auf die optional angebotenen Ricaro-Sportsitze nicht verzichten.

(Foto: Martin Meiners)

Aber Achtung liebe Sportfreunde, die beiden Opel-Granaten eint der Umstand, dass es sich lediglich um Dreitürer handelt. Familienfreundlich ist also auch der GSi nicht. Wer sich in die zweite Reihe an den Schalensitzen vorbeiquält, muss entweder sehr klein sein oder entsprechend beweglich. Hat man sich auf die Fondbank geknautscht, sitzt man nicht schlecht, bekommt aber die Schläge der Hinterachse mit voller Härte zu spüren.  Nun gut, wer sich einen GSi kauft, wird ihn wohl kaum als Familientransporter nutzen. Wahrscheinlich spielen für potenzielle Kunden eher die großen Lufteinlässe in der Frontschürze, der Wabengrill, die Außenspiegelgehäuse in Carbon-Optik, das verchromte Auspuffendrohr oder der markante Dachkantenheckspoiler in Wagenfarbe eine Rolle. Begehrlichkeiten wecken vielleicht auch die rot lackierten Bremssättel und die schon erwähnten 18-Zöller, die allerdings zusätzlich mit 750 Euro bezahlt werden müssen. Auch die Aluminium-Sportpedale und die richtig guten Recaro-Ledersportsitze für zusätzliche 2060 Euro lassen den Dynamiker selig seufzen.

Ob der Pilot auch noch selig seufzt, wenn er die Tankstelle anfährt, kommt auf die Fülle des Geldbeutels an. Während Opel den Verbrauch für das Euro 6d-Temp eingestufte Triebwerk mit maximal 6,4 Litern angibt, darf im flott gefahrenen Alltagsbetrieb tatsächlich mit 9 Litern gerechnet werden. Wer es etwas verhaltener angeht, dem weist der Bordcomputer 7,8 Liter aus. Etwas mehr Geld sollte auch bereithalten, wer sich mit der Grundausstattung nicht zufrieden geben will. Dazu gehört die Verkehrszeichenerkennung für 700 Euro ebenso wie eine Klimaautomatik, Sitz- und Lenkradheizung oder Bi-Xenon-Scheinwerfer. Natürlich gibt es für mehr Geld auch ein Infotainmentsystem mit sieben Zoll großem Display und Android- und Apple-CarPlay-Anbindung.

Wer sich für OnStar, also die WLAN-Anbindung, entscheidet, sollte beachten, dass das System noch aus GM-Zeiten stammt und der Vertrag hierfür 2021 ausläuft. Mit Internet ist's dann Essig. Und noch was: Wenn man behände die vielen Annehmlichkeiten in den GSi gepackt hat, ist man preislich schnell in der PS-stärkeren Liga der GTI-, RS- oder ST-Modellen. Oder eben beim guten alten OPC.

Quelle: n-tv.de

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