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Porsches gewaltiger Kurvenbeißer Macan Turbo - die Unterwäsche macht’s

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Der Porsche Macan Turbo ist eine Fahrmaschine, die mehr kann, als man einem SUV gemeinhin zutraut.

(Foto: Daniel Wollstein)

Mit dem Facelift hat der Porsche Macan sich optisch nicht groß verändert. Aber wenn man verstehen will, warum er sich anders fährt als der Vorgänger, muss man sich die Unterwäsche anschauen. n-tv.de hat Macan Turbo also mal unters Kleid geschaut.

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Optisch ist sich der Macan treu geblieben, hat aber als Turbo seine zusätzlichen Attribute.

(Foto: Daniel Wollstein)

Momentan ist es gar nicht so einfach, einen Fahrbericht über ein SUV zu schreiben. Schon gar nicht, wenn es sich um einen Porsche Macan handelt. Diese Autos gelten zunehmend als Stadtpanzer, Umweltverpester et cetera. Doch vielleicht sollte man sie ab und an mal als das betrachten, was sie mit Sicherheit auch sind: Innovationsträger. Es steckt so viel Ingenieurs-Geist in diesen Autos, dass es immer wieder lohnt, darüber zu schreiben. Natürlich darf auch weiterhin trefflich über den Sinn und Unsinn der Gattung SUV gestritten werden. Was aber außer Frage steht, ist der Umstand, dass so ein Macan Turbo mit seinen 1,945 Tonnen Lebendgewicht zu den dynamischsten Autos gehört, die sich derzeit auf den Straßen dieser Welt tummeln.

Erst recht, wenn der Macan mit dem Zusatz Turbo vorfährt und unter seiner Haube der V6-Biturbo mit Otto-Partikelfilter pumpt. Das sei nur erwähnt, um darauf hinweisen zu können, dass der Macan auch mit dieser Motorisierung die Euro 6d-Temp-Norm erfüllt. Und weil wir das auch geklärt haben, lassen wir kurz die schieren Daten Revue passieren: Der V6 schöpft aus 2894 Kubikzentimetern Hubraum 440 PS und feuert bei Bedarf ein maximales Drehmoment von 550 Newtonmeter an alle vier Räder ab. Für PS-Verliebte: Das entspricht einer maximalen Literleistung von 152 PS. So befeuert, geht der Schwabe bei entsprechendem Nachdruck des rechten Fußes in 4,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Knapp sieben Sekunden später fliegt die Besatzung an der 200 vorbei und wer es ausreizt, wird am Ende mit 270 km/h über die Piste fliegen.

Macan Turbo liebt die Kurven

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Der Porsche Macan Turbo ist ein Kurvenräuber. Das traut man dem 1,9 Tonnen schweren Wagen gar nicht zu.

(Foto: Daniel Wollstein)

Das sind amtlich berauschende Werte, aber das, was den Fahrer eines Porsche immer wieder in bloßes Verzücken versetzt, ist das, was dazwischen passiert. Abseits des Rundkurses, aber nicht abseits kurvenreicher Strecken. Denn ob man es glaubt oder nicht, hier ist der Kanten eher zu Hause als auf der Rennstrecke. Obgleich er die nach Aussage vom Projektleiter Porsche Macan Sebastian Staiger nicht nur können muss, sondern auch kann. "Das gehört ganz einfach zur Porsche DNA und steht so auch im Lastenheft. Wir sind uns schon klar darüber, dass die wenigsten Besitzer eines Macan mit dem auf die Rennstrecke gehen. Wenn sie es aber machen, dann können sie sicher sein, dass sie mehr als vier Nürburgrunden am Stück abspulen können."

Aber zurück zu den Kurven. Die kann der Fahrer mit dem Macan Turbo in einem Motorrad-ähnlichen Swing absolvieren. Die beste Einstellung für diese musikalische Kurvenhatz ist es, wenn die Dämpfer auf Sport Plus gestellt werden, Gaskennlinie und Motor aber im Sport-Modus bleiben. Das hat den Vorteil, dass der Motor nicht bis ins obere Eck anspricht und die Regelsysteme wie das ESP im oberen Grenzbereich eingreifen können. Das machen sie übrigens so dezent und spät, dass der Fahrer sich durch die Technik nicht bevormundet fühlt. So eingerichtet heißt es: Kehre anpeilen, kurz anbremsen - bitte nicht abrupt in die Eisen steigen, denn die beißen mächtig zu. Das liegt aber nicht nur an Sattel und Scheibe, sondern auch daran, dass der Fahrer beim neuen Macan Turbo auf ein sogenanntes Organoblech-Pedal tritt. Das wiegt 300 Gramm weniger als das bisherige Stahlteil und wirkt über einen verkürzten Hebelarm auf den Hauptbremszylinder. Vorteil: Die Bremse spricht sehr spontan an und hat einen sehr präzisen Druckpunkt. Also Obacht: Wer hier drauflatscht, wirft den Anker mit aller Gewalt.

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Besser als einen Macan Turbo kann man ein SUV nicht ums Eck bringen.

(Foto: Daniel Wollstein)

Zurück zur Kurve: Sanft anbremsen, einlenken und herausbeschleunigen. Dabei aber um Gottes Willen nicht den Pin mit aller Gewalt ins Blech prügeln. Wenn die Turbos nämlich im Beatmungsmodus sind, geht die Kiste sofort und mit aller Macht nach vorne. Was wiederum bedingt, dass vor dem nächsten Eck der Anker rabiat geworfen werden muss. Und genau das ist es, was am Ende die Grenzen der Physik provoziert. Hier kann es schon mal passieren, dass die schiere Masse den Boliden aus der Bahn schiebt. Was der Macan aber definitiv nicht macht, ist, sich unter diesen Umständen zickig zu verhalten.

Die Ingenieurskunst macht den Flow

Doch zurück zum Flow: Schöner ist es, die schon erwähnte Ingenieurskunst so zu nutzen, dass der Schwabe wie von Geisterhand um die Ecken fliegt. Und das soll, auch wenn technische Details nicht so spannend sind, an dieser Stelle kurz erklärt werden, denn das ist die schon erwähnte Ingenieurskunst. "Es wird ja häufig angenommen, dass sich so ein Facelift nur auf die Optik bezieht", erklärt Staiger, "aber man muss da auch mal die Unterwäsche anschauen." Spricht es und zieht dabei ein DIN-A4-Blatt aus der Gesäßtasche. Darauf das Fahrwerk des Macan und davon mehr als zwei Drittel rot. "Die roten Teile sind die, an denen wir etwas verändert haben", so Staiger.

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Dass der Macan sich so fahren lässt, bedurfte einiges Aufwands und vieler Veränderungen am Fahrzeug.

(Foto: Holger Preiss)

Zum Beispiel wurde das Wanken des Triebwerks bei hoher Lastanforderung in seiner Lagerung stärker unterdrückt. Man glaubt es nicht, aber diese Kleinigkeit hat extremen Einfluss auf das Einlenkverhalten in Kurven. Der Wagen ist stabiler in der Spur und kann die Seitenführungskräfte der äußeren Reifen besser nutzen. Zumal die dank einer Verbreiterung der Felgen auch breitere Schluffen und damit einen größere Aufstandsfläche bekommen haben. Aber auch die Lenkwelle und die Stabilisatoren an der Hinterachse wurden verändert und einer noch dynamischeren Fahrweise angepasst. Alles wie gesagt kein Muss, immer ein Kann.

Genau wie Klappensteuerung der Abgasanlage oder die optional zu ordernde Luftfederung. Bei der wurden die Abrollkolben optimiert und eine neue Stoßdämpfer-Hydraulik verbaut. Ein Umstand, der den Macan noch mehr in beide Richtungen Sport und Komfort spreizt. Für das Popometer des Fahrers heißt dies, dass er zwar die Straffheit eines Sportwagens spürt, aber nie das Gefühl hat, auf einem Brett zu reiten. Zur Erklärung: Die Rate, mit der jeder einzelne Dämpfer federt, ist so hoch, dass eben nie das Gefühl von ungebührlicher Härte aufkommt. Es bleibt immer ein Restkomfort, der, wenn denn die Regelsysteme darauf gestellt sind, auch das volle Komfortprogramm bereithalten. Dann schwebt der Schwabe ganz sanft über Querfugen und macht die Straße plan.

Wer das Lenkrad loslässt

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EIn Schnäppchen ist der Porsche Macan Turbo mit 92.000 Euro nicht.

(Foto: Daniel Wollstein)

Zwar wird niemand aus oben genannten Gründen gerne das Lenkrad eines Porsche aus der Hand geben, aber manchmal bietet es sich einfach an, den Assistenten arbeiten zu lassen. Der ist allerdings im Grundpreis von 91.922 Euro noch nicht enthalten. Die Rede ist hier vom 2546 Euro teuren Stauassistenten. Der wurde nämlich aus dem Abstandsregeltempomaten weiterentwickelt und kann nun nicht mehr nur vorausfolgenden Fahrzeugen folgen, sondern bis zum Stillstand abbremsen und dann wieder selbständig anfahren. Zudem erkennt das System in einem Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 60 km/h Fahrspurmarkierungen und vorausfahrende Autos auf der eigenen Spur und der Nachbarspur. Ist das System aktiv, wird der Macan durch gezielte Lenkeingriffe in der Spur gehalten.

Und noch etwas anderes ist in der momentanen Diskussion um SUV nicht unerheblich: Bestandteil des Abstandsregeltempomaten und damit auch des Stauassistenten ist der Warn- und Bremsassistent, der die Gefahr von Kollisionen mit Fahrzeugen und Fußgängern um ein Vielfaches verringert. Dank der Frontkamera erkennt das System, wenn sich Autos oder Passanten im Kollisionsbereich aufhalten. Jetzt setzt ein Stufenverfahren ein: Erst erfolgt eine visuelle und akustische Warnung. Reagiert der Fahrer nicht, gibt es einen Bremsruck. Wird dann immer noch keine Bremsung eingeleitet, kommt es zu einer automatischen Not-, also Vollbremsung. Natürlich sind das im Falle des Macan nicht die einzigen Helferlein, die den Fahrer unterstützen können. Optional gibt es - das ist nicht neu, das haben andere Fahrzeuge auch, soll aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden - den adaptiven Parkassistenten, der die Arbeit an der Lücke ganz allein übernimmt.

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Der größte Spaß besteht natürlich darin, einen Porsche Macan zu fahren.

(Foto: Daniel Wollstein)

Wie dem auch sei, der Macan Turbo ist eine Fahrmaschine, die auch gern die Aufgaben des Alltags übernimmt. Und wer jetzt die Frage nach dem Verbrauch des Sechsenders stellt, soll an dieser Stelle eine Antwort bekommen: Wer an der Leistungsgrenze fährt, der wird über 100 Kilometer nicht unter 13 Liter Super Plus verbrauchen. Hält sich der Fahrer im Zaum und lässt den Turbo gleiten, schafft er die Distanz auch mit acht Litern. Im Realbetrieb sollte man also mit gut 10 Litern rechnen, die der Macan für seine Dienste benötigt.

Quelle: n-tv.de

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