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Wie Ken Miles - nur elektrisch Porsche Taycan GTS - Square Dance of Speed

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Der Porsche Taycan GTS auf der ältesten Rennstrecke der USA in Willow Springs.

(Foto: Michael Simari)

Dass der Porsche Taycan ein äußerst sportliches Elektroauto ist, hat sich rumgesprochen. In Zuffenhausen ist man aber noch nicht zufrieden und hat mit dem GTS erstmals einen für den Rundkurs optimierten Taycan an den Start gebracht, der erneut elektrisieren könnte.

Für Porsche sind die drei Buchstaben GTS schon fast legendär. Seit 1963 schmücken sie als eine Art Sportabzeichen einen Teil der Zuffenhausener Boliden. Der Erste, dem diese Auszeichnung zuteilwurde, war der 904 Carrera. Doch während der in seiner potentesten Ausführung mit einem 8-Zylinder-Boxermotor, der 260 PS leistete und ein maximales Drehmoment von 210 Newtonmeter generiert, die Gipfel beim Bergrennen Mont Ventoux erstürmte, ist sein jüngster Nachkomme von ganz anderem technischen Geblüt.

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Mit einer Maximalleistung von 598 PS hängt der Porsche Taycan GTS etwas hinter den Kollegen zurück, gleicht das aber fahrtechnisch allemal aus.

(Foto: Michael Simari)

Es ist der Taycan, der Elektrosportler, dem das Kürzel GTS jetzt verliehen wurde. Angesiedelt ist der konsequent auf Sportlichkeit getrimmte Zuffenhausener unterhalb des Taycan Turbo und oberhalb des Taycan 4S. Um das Ganze etwas zu entzerren, hat man ihn bei Porsche einfach "The Drivers Car" genannt. Fahren allerdings kann man die Kollegen natürlich auch und mit einer maximalen Overboostleistung von 598 PS bleibt der GTS am Ende deutlich hinter dem Turbo mit 680 PS zurück.

Ken Miles lässt grüßen

Doch wer es auf dem Rundkurs wissen will, kann den GTS gerne und von Porsche sogar gewünscht dorthin entführen. Wird das Gaspedal nämlich bei aktivierter Launch Control mit Schmackes Richtung Bodenblech befördert, fällt nach 3,7 Sekunden die 100-km/h-Marke und wenn der Auslauf reicht, kann der Sport-Stromer bis zu 250 km/h schnell werden, bevor die elektronische Schranke fällt. Dieses Tempo wurde auf dem ältesten Rundkurs der USA, Willow Springs, auf dem einst Ken Miles mit einem Shelby Cobra Rekorde einfuhr, nicht erreicht. Aber der neuzeitliche E-Sportler drehte hier beschwingt seine Runden.

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Mit 2,3 Tonnen fliegt der Porsche Taycan GTS förmlich über den Rundkurs in Willow Springs.

(Foto: Michael Simari)

Über vier Kilometer präsentiert sich die Rennstrecke als atemberaubende Achterbahn zwischen den kargen Hügeln von Kern Country ohne Randstreifen und Auslaufzone. Gerade dieser Umstand lässt für einen Moment daran zweifeln, ob das hier der richtige Ort ist, um eine 2,3-Tonnen-Limousine bis an die Grenze zu bewegen. Doch erstaunlicherweise belehrt der GTS den Fahrer schnell eines anderen, macht deutlich, dass der Ritterschlag mit den drei Buchstaben nicht von ungefähr kommt. Denn trotz seines immensen Gewichts bewegt sich der Bolide in einer unfassbaren Art leichtfüßig auf der Berg- und Talfahrt im Nirgendwo.

Driften aus der "Budweiser-Balcony"-Kurve

Von Runde zu Runde wird der Kurs vertrauter, werden die hängenden Kurven schneller gefahren und die Sicherheit, die der GTS mit all seinen Regelsystemen bietet, weicht dem Übermut, der den Fahrer veranlasst, genau die kleinen Helfer ins Aus zu setzen. Aber selbst unter diesen erschwerten Bedingungen ist es Porsche gelungen, eine Mischung aus absoluter Performance und maximaler Souveränität zu schaffen. Die Beschleunigung ist atemberaubend, die Lenkung arbeitet auf den Punkt und wer es wagt, bekommt aus der "Budweiser-Balcony"-Kurve heraus sogar eine gepflegte Drift hin. Immerhin liegen hier mit der Launch Control 850 Newtonmeter maximales Drehmoment an. Und bis zu 80 Prozent können davon auf Wunsch an die Hinterachse gereicht werden.

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Technisch ist der Taycan GTS bis in die letzte Faser auf Fahrspaß eingestellt.

(Foto: Michael Simari)

In Summe sorgen für diesen durchaus sportlichen Auftritt auch die um knapp 20 Prozent massiver ausgelegten Stabilisatoren, die nach Aussage von Porsche den Taycan GTS spürbar fahraktiver machen als die anderen Modelle der Reihe. Denn hier nimmt die Steifigkeit des Fahrwerks deutlich zu und die Wankbewegung in Kurven im Gegenzug ab. Auch die Lenkung und die Bremsen wurden mit Blick auf eine sportliche Fahrweise optimiert und der Allradantrieb bringt zudem die Reserven, die es auf einer Rennstrecke braucht.

Bis zu 500 Kilometer Reichweite

Und weil das alles nicht genug ist, gibt es in Serie eine adaptive Luftfederung, die sich bei Bedarf ganz schön straff machen kann, und optional eine Hinterachslenkung. Die wiederum kooperiert ganz ausgezeichnet mit der Hinterachse, die aus dem Taycan Turbo stammt und den heißen Kurvenritt in Willow Springs zu einem Square Dance auf Speed werden lässt. Ob es dafür des künstlichen GTS-Elektrosounds bedarf, den Porsche in Ermangelung des echten Verbrennerklangs den Insassen auf die Ohren gibt, mag Geschmackssache sein. Dem insgesamt elektrisierenden Auftritt des GTS widerspricht es auf jeden Fall nicht.

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Bis ins kommende Jahr überflügelt der Taycan GTS seine Brüder mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern.

(Foto: Michael Simari)

Natürlich soll nicht verschwiegen werden, dass bei einer derartigen Hatz auf dem Wüstenrund die Akkukapazität exponentiell schwindet. Ist die richtige Ladesäule mit 270 kW verfügbar, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Dann ist die Performance-Batterie Plus mit 93,4 kWh in nicht ganz fünf Minuten wieder in der Lage, Saft für die nächsten schnellen Runden oder 100 Kilometer auf öffentlichen Straßen zu liefern. Apropos Reichweite: Einem Software-Update hat es der GTS zu verdanken, dass er seine Familie momentan mit einer maximalen Reichweite von 500 Kilometern laut WLTP einfach mal überflügelt. Allerdings soll die Reichweitenverlängerung, die durch das Abkoppeln des Antriebs, das sogenannte Segeln erreicht wird, per Over-The-Air-Update im kommenden Jahr an die anderen Taycan-Modelle weitergereicht werden.

Kürzel, Reichweite und Fahrspaß des GTS haben natürlich ihren Preis und ob eingefleischte Fans den Kick des Verbrenners für mindestens 131.834 Euro hinter sich lassen werden, muss die Zeit zeigen. Momentan jedenfalls ist der Taycan mit weltweit nahezu 30.000 verkauften Einheiten der beliebteste Porsche. Damit hat er sogar die Ikone 911 vom Thron gestoßen. Augenscheinlich ist es den Ingenieuren also gelungen, was gemeinhin als "Porsche-Feeling" bekannt ist, in die Welt der Elektromobilität zu implementieren. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte weitergeht.

Quelle: ntv.de

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