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So fährt das kleine SUV Skoda Kamiq - das geht unter die Haut

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Der Skoda Kamiq ist ein Stadt-SUV. Dafür zeigt er allerdings einiges an Größe.

(Foto: Holger Preiss)

Es war klar, dass Skoda irgendwann mit einem City SUV ums Eck fährt. Unterhalb des Kodiaq und des Karoq steht jetzt der Kamiq in den Startlöchern. n-tv.de darf ihn bereits fahren. Aber geht das kleinste SUV der Tschechen wirklich unter die Haut?

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Mit den richtigen Motoren ist der 4,21 Meter lange Skoda Kamiq auch in den Bergen zu Hause.

(Foto: Holger Preiss)

Er ist der dritte SUV-Streich von Skoda, der Kamiq. Nach Kodiaq und Karoq stellen die Tschechen ein City SUV in die Kraxler-Phalanx. Mit 4,21 Metern ist der Kamiq auch deutlich kleiner als die Brüder. Ein Umstand, der die Ingenieure in Mladá Boleslav nur herausfordert, denn sie sind bekanntermaßen die Erschaffer von Raum auf kleinstem Chassis. Und tatsächlich ist das beim Kamiq gelungen. Hat man beim Scala, der als Hatchback auf der gleichen Basis und mit den gleichen Ingredienzen aufwartet, das Gefühl, das Dashboard würde in seiner Dreistufigkeit dem Beifahrer gleich auf den Schoß rutschen, sind Abmessungen, Blickwinkel und die damit verbundenen Empfindungen im Kamiq absolut stimmig. Kurz, der Kleine wirkt größer als er ist.

Unter der Haut

Ein Umstand übrigens, der ihn vor seinem Verwandten aus Spanien, dem Arona, abhebt. Den haben die Designer deutlich mehr auf Sport getrimmt. Diese betont dynamische Attitüde fehlt dem Kamiq aber nicht. Er ist, was er sein soll - ein Stadtauto, das aber auch locker für die Langstrecke genutzt werden kann. Während der eine oder andere in der ersten Reihe den Kamiq als zweite Haut empfindet - denn genau das bedeutet der Name, der von den Inuit stammt - haben Reisende im Fond für das Segment erstaunlich viel Platz. Selbst wenn auf den vorderen Sitzen hochgewachsene Menschen Platz nehmen, wird es nicht wirklich eng.

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Optisch kann der Skoda Kamiq seine Verwandschaft zu Kodiaq und Karoq nicht leugnen.

(Foto: Holger Preiss)

Und da Skoda den Kamiq zu einer Universalwaffe für Singles, Paare, flotte Rentner und gar Familien machen will, gibt es auch einen entsprechend großen Kofferraum. Im Regelfall fasst der 400 Liter. Wird die Rückbank flach gemacht, sind 1395 Liter zu bestücken. Wer auf einen elektrisch verstellbaren Beifahrersitz verzichtet, kann ob der nach vorne zu klappenden Rückenlehne, Ladegut mit einer Länge von bis zu 2,45 Meter verstauen. Zusätzlich haben die Tschechen nach eigenen Aussagen im Innenraum 26 Liter Stauraum geschaffen. Das allerdings fühlt sich nach deutlich weniger an. Das Fach unter der Mittelarmlehne, die keine Höhenverstellung hat, wirkt eher klein, die Ladeschale in der Mittelkonsole ist dem Smartphone vorbehalten und 1,5 Liter große PET-Flaschen müssen mit Nachdruck in die Türinnenverkleidung gepresst werden. Wer das Panoramadach bestellt, hat auch kein Brillenfach im Dachhimmel. Also anders als bei Skoda gewohnt, muss man sich im Kamiq mit den Kleinteilen beschränken.

Der Diesel ist eine Empfehlung

Übersichtlich ist auch die Motorenauswahl. Der 1,0 Dreizylinder arbeitet mit 95 oder 115 PS und der 1,5 Liter Vierzylinder mit 150 PS bildet bis auf weiteres die Leistungsspitze bei den Benzinern. Bei dem Erstgenannten erfolgt die Kraftverteilung über ein manuelles Fünfganggetriebe. Eine Stufe darüber hat man die Wahl zwischen Sechsgang Handschaltung oder einem siebenstufigem DSG. Beim 1,5 TSI wird die Kraft ausschließlich von einem Automaten verteilt. Auf der Diesel-Seite dürfte der 1,6 Liter große Vierzylinder Sparfüchse erfreuen. Der Selbstzünder geht ebenfalls mit 115 Pferden an den Start und kann per Hand über sechs Stufen oder mit DSG über sieben Stufen geschaltet werden. Natürlich hat Skoda auch einen bivalenten Antrieb mit CNG und Benzin am Start. Hier leistet der Dreizylinder 90 PS, und 160 Newtonmeter maximales Drehmoment werden per Sechs-Gang-Getriebe in Handarbeit dargereicht. Egal welche Motorisierung der Kunde am Ende wählt, der Kamiq wird ausschließlich über die Vorderräder angetrieben.

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Mit dem 1,6 Liter Diesel und DSG ist der Skoda Kamiq in allen Gefilden zu Hause.

(Foto: Holger Preiss)

Bleibt zu erfahren, welche Variante das mindestens 1,2 Tonnen schwere SUV wohl am besten vorantreibt. Um es vorweg zu nehmen: Beim ersten Test fuhr der 1,6 Liter TDI schnell an die Spitze. Mit Doppelkupplungsgetriebe und seinen 250 Newtonmeter maximalem Drehmoment war er in allen Lebenslagen am souveränsten. Während der 115 PS starke Benziner gerade im aufsteigenden Kurvenwirrwarr des Elsass schnell mal die Kraft verlor, blieb der Diesel immer am Ball, hatte genug Reserven, um auch aus der Scharf angebremsten Spitzkehre zu eilen, statt benommen vom Anstieg, schwer atmend, erst auf anhaltenden Fußdruck, sein Werk zu vollrichten. Auch was den Verbrauch betrifft erwies sich der Diesel als ein echter Sparmeister. Beim flotten Kurvenlauf arbeitete er sich mühsam an die sechs Liter über 100 Kilometer ran, im Wechsel zwischen Autobahn und Landstraße waren es lediglich 4,8 Liter, die der Selbstzünder benötigte. Der kleine Benziner wollte in den Bergen 9,6 Liter und auf anderen Wegen immer noch 7,4 Liter haben. Beim CO2-Ausstoß sind beide Motorsierungen laut Datenblatt gleich auf.

Sport ist eher Nebensache

Fahrtechnisch wirkt der Diesel durch sein höheres Drehmoment natürlich kraftvoller und spontaner. Das ist aber tatsächlich subjektiv, denn der Benziner beschleunigt in zehn Sekunden auf Landstraßentempo, während der Diesel 0,4 Sekunden länger braucht. Na gut, wer das spüren kann, der hat’s absolut drauf. Andernfalls fällt das echt nicht ins Gewicht. Und so ist, wer sich nicht vollbeladen in die Berge aufmachen will, mit dem Benziner nicht schlecht unterwegs. Wer das aber möchte und dem Diesel nicht traut, sollte unbedingt auf den Vierzylinder mit 150 PS zurückgreifen. Der hat sein Können schon im Karoq unter Beweis gestellt. Zum ersten Testlauf stand er noch nicht zur Verfügung, wird aber mit dem Marktstart am 21. September verfügbar sein, verspricht Skoda.

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Der Satz: Platz ist in der kleinsten Hütte, trifft in fast allen Belangen auch auf den Skoda Kamiq zu.

(Foto: Holger Preiss)

Egal welche Motorisierung auch gewählt wird, fahrtechnisch gibt es am Kamiq nichts zu deuteln. Der Tscheche erfreut mit einer direkten, aber nicht zu engen Lenkung. Neigt sich, wie man das von einem SUV kennt, in den Kurven leicht zur Seite und überrollt Unebenheiten so, dass sie den Insassen nicht aufs Gemüt schlagen oder ins Gebein fahren. Wer will, kann optional ein Sportfahrwerk für den kleinen Tschechen bestellen. Not tut das nicht, denn wie schon gesagt, ist keiner der Antriebe dazu angetan Rundenrekorde zu brechen. Am Ende macht es die Fahrt nur unnötig hart. Auch die Sportintegralsitze finden hier keine Empfehlung. Zum einen passen sie so überhaupt nicht zum Charakter des Autos, zum anderen stehlen sie Raumgefühl und tatsächlich Bequemlichkeit. Die Standardsitze haben da deutlich mehr zu bieten, sind straff, aber dennoch gemütlich und laden durchaus zum Langlauf ein.

Spiegeln ohne Kabel

Den Langlauf unterstützt auch das neue Infotainmentsystem. Allerdings muss der Interessent dafür etwas tiefer in die Tasche greifen, um die Top-Version mit Namen Amundsen zu ordern. Dann und nur dann, gibt es einen 9,2 Zoll großen Touchscreen, von dem Skoda sagt, dass er der größte in dieser Klasse ist. Mit dem System erwirbt der Käufer auch eine online-gestützte 3D-Navigation, eine 64 GB große SSD-Festplatte für die Speicherung von Navigationskarten und optional gibt es noch einen WLAN-Hotspot.

Klar ist so ein großer Monitor auf dem Dashboard eine feine Sache. Wer es aber eine Nummer kleiner erträgt, der profitiert über die serienmäßige Bereitstellung von Telefonie und Datenverbindung über Bluetooth. Genau darüber kann jetzt auch eine SmartLink-Datenverbindung hergestellt werden. Soll heißen, dass - vorerst nur für Apple CarPlay - das iPhone auf dem TFT gespiegelt werden kann. Damit erübrigt sich nicht nur das lästige Verkabeln, sondern auch ein Navi. Google Maps oder Apple-Karten verrichten die Aufgabe mindestens genauso gut, wenn nicht besser. Wer sein Smartphone während es den Weg erarbeitet nicht in der Ladeschale induktiv am Laufen halten kann, der muss sich einen USB-C-Stecker anschaffen, denn die normalen USB-Ports gibt es im Kamiq nicht mehr.

Laura fährt auf Wunsch immer mit

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Digitales Cockpit, großer TFT, das alles gibt es im Skoda Kamiq. Nur mit der Luft für die Fahrgäste hat es so seine Tücken.

(Foto: Holger Preiss)

Aber das Amundsen Infotainmentsystem bietet noch mehr: eine Begleiterin namens Laura. Laura wird mit dem Ruf "Okay, Laura" geweckt. Kennt man unterdessen von Mercedes, BMW und natürlich von den Smartphones. Allerdings kann der Apple-Nutzer davon ausgehen, dass Laura verständiger ist als Siri. Skoda verspricht, und das konnte leider bei der ersten Ausfahrt nicht getestet werden, dass Laura gestellte Fragen oder Themenbereiche zuordnen und entsprechend umsetzen kann. Standards sind, und das funktioniert, die Zieleingabe fürs Navi oder die Suche nach der Lieblingsmusik. Bis dato versteht Laura sechs Sprachen - Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch und natürlich Tschechisch. Durch die Online-Unterstützung soll Laura sogar Dialekte verstehen. Ergo befreit der Kamiq sogar von jeglichen Sprachbarrieren.

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Über eine recht hohe Ladekante hat man beim Skoda Kamiq Zugriff auf 400 Liter Stauraum.

(Foto: Holger Preiss)

Aber der Kamiq hat sich von noch einer Sache befreit: Von Drehrädchen zum Öffnen und Schließen der Lüftungsdüsen im Innenraum. Die werden jetzt mit dem Seitenschieber bedient. Der ist aber nicht mehr dazu da, die Luft in eine entsprechende Richtung zu leiten, sondern zum Öffnen und Schließen der Lüftung. Das heißt, der Fahrer kann nicht mehr die Düsen der Beifahrerseite so einstellen, dass sie ihm Luft zuschaufeln. Nicht einmal die Außendüsen bringen Erfrischung, denn die blasen nur noch Richtung Seitenscheibe. Einzig der linke Luftausströmer unterhalb der Multimediaeinheit fächert dem Piloten Luft zu. Die strömt aber immer von unten in Richtung Hals, was auf Dauer nicht wirklich angenehm ist. Ob Skoda den Insassen mit dieser Sparmaßnahme einen Gefallen getan hat, darf bezweifelt werden.

Wer jedenfalls in einen Kamiq einsteigen möchte, muss mindestens 18.180 Euro auf der hohen Kante haben. Dafür gibt’s aber auch nur den 95-PS-Dreizylinder mit manuellem Fünfganggetriebe. Wer potentere Motoren und entsprechende Ausstattungsbeigaben präferiert, der dürfte auf dem Kaufvertrag eine Summe von etwa 25.000 Euro finden.

Quelle: n-tv.de

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