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Fein geschnürte Pakete Škoda Octavia IV - die Konkurrenz darf zittern

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Auf den ersten Blick mag es dem Betrachter so erscheinen, als habe sich am Skoda Octavia kaum etwas geändert. Aber hier zählt der zweite Blick.

(Foto: Holger Preiss)

Ob man dem Fahrer eines Škoda Octavia nun ein Oberlehrer-Image andichtet oder nicht. Jeder, der mit spitzem Stift rechnet und dennoch ein schickes Auto mit Raum und neuen Assistenten zu einem vernünftigen Preis fahren möchte, wird sich mit dem Tschechen beschäftigen müssen.

So ein bisschen hat der Skoda Octavia über die Jahre das Image eines Oberlehrer-Autos bekommen. Kaum ein Haar war in der Suppe zu finden, die die Tschechen da angerührt haben. Natürlich immer unter der Maßgabe, dass sie ihren Kompakten mit feinster VW-Technik bestücken konnten. Aber auch das stimmt nicht ganz: Am Anfang durfte man in Mladá Boleslav das auftragen, was der VW Golf als großer Bruder hatte liegen lassen, bevor er in die nächste Generation gestartet ist.

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Am Heck des Skoda Octavia gibt es kein Logo mehr, sondern nur noch den Schriftzug.

(Foto: Holger Preiss)

Aber selbst mit dieser Form des Nachlasses erschufen die Ingenieure ein Auto, das nie das Gefühl vermittelte, in irgendeinem Punkt alt zu sein. Schon aus dem Grund nicht, weil man es in Tschechien verstand, so viele kleine Aufmerksamkeiten in den Octavia zu packen, dass er wohl im Zusammenspiel mit seinem Preis auch die Grundlage für den Werbe-Claim "Simply Clever" wurde.

Unterdessen ist die vierte Generation am Start und wartet eigentlich nur auf das Ende der Corona-Einschränkungen, um endlich aus den Produktionshallen fahren zu können. Insofern müssen sich Interessenten momentan gar nicht überschlagen, denn von den zwei Motoren, die momentan im Angebot sind, ist nur der 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS verfügbar. Der 1,5 Liter TSI mit ebenfalls 150 PS ist als das meistverbaute Triebwerk momentan vergriffen. Unter der Hand ist von Wartezeiten bis zu einem halben Jahr die Rede. Und das könnte sich mit Blick auf die Corona-Krise noch etwas in die Länge ziehen. Für die Zukunft ist natürlich weit mehr geplant: Zu weiteren Leistungsstufen bei Benziner und Diesel gesellen sich ein CNG, Plug-in-Hybrid und Milde-Hybrid-Antriebe.

Der Preis ist unschlagbar

Doch bevor es so weit ist, kann man sich ja schon mal mit dem Gedanken anfreunden, dass der neue Octavia sich weder hinter einem aktuellen Golf Variant noch hinter den Premium-Assen um 3er Touring, Mercedes C-Klasse T-Modell oder gar einem Audi A4 Avant verstecken muss. Hört sich hochtrabend an? Mag sein, hat aber seinen Grund und soll auch erklärt werden. Das, was den Octavia vor allen genannten auszeichnet, ist sein Preis. Der ist mit 44.600 Euro - und wir reden hier von einem mit allen Schikanen ausgestatteten, 150 PS starken Diesel - einfach unschlagbar.

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Der Innenraum des Skoda Octavia ist schick und hat eine gesunde Mischung aus digitalen und analogen Bedienelementen.

(Foto: Holger Preiss)

Als erstes Teil der Serienausstattung wäre da dank des VW-Baukastens das digitale Zentraldisplay mit einer Diagonalen von 10,25 Zoll (circa 26 Zentimeter) zu nennen. Analoge Anzeigen, die für viel Geld, wie zum Beispiel im Audi A4, ausgetauscht werden können, gibt es hier nicht mehr. Vor dem Dashboard und oberhalb der Mittelkonsole thront ein dem Fahrer zugeneigter Zentralmonitor, der mindestens 8,25 Zoll (circa 21 Zentimeter) misst. Der Clou: Er ist von Haus aus mit Android Auto oder Apple CarPlay zu verbandeln, kann also problemlos auch als Navi, Musikbox oder Kommunikationseinheit benutzt werden. Klar, wer mehr will, bekommt mehr. Ein großer 10-Zoll-Touchscreen steht im Zusammenspiel mit der sprachgesteuerten Digital-Assistentin Laura, einem On-Board-Navi sowie Internetradio, Streaming-Diensten für Musik und TV zur Wahl. Ach so, Navi, plus Head-up-Display und elektrisch öffnender Heckklappe gibt es für 1000 Euro Aufpreis.

Alles da, vor allem Platz

Klar, kann man machen, muss man nicht machen. Bei der Bedienung der einzelnen Elemente setzt Skoda auf eine nach Ermessen des Autors sehr gesunde Mischung zwischen analogen Knöpfen mit feiner Haptik und Touch-Flächen zum Beispiel für das auf Wunsch verfügbare LED-Licht. Das macht, wie das neu designte Zweispeichen-Lenkrad mit fast frei schwebenden Stellrädern, einen wirklich edlen Eindruck. Ob der Bezug von Teilen der Armatur mit Stoff eine gute Idee ist, muss ebenso wie die großflächig perforierten Türinnenverkleidung die Zeit ergeben.

Keine Fragen werfen die Ablageflächen und allgemeinen Platzverhältnisse im neuen Octavia auf. Sie sind im Vergleich mit den oben genannten Konkurrenten Benchmark. Neben einem induktiven Ladefeld für das Smartphone und entsprechenden USB-C-Anschlüssen gibt es große Einstellfächer in den Türen, ein Fach unter der Mittelarmlehne, natürlich das Handschuhfach und eine ähnliche - nicht ganz so große - Ablage mit Klappe auf der Fahrerseite. Der Kofferraum des Kombis bleibt mit 640 Litern unerreicht. Fällt die asymmetrisch zu teilende Rückbanklehne, tun sich auf einer nahezu planen Fläche sogar 1700 Liter Stauraum auf. Das alles gibt es auf einer Länge von insgesamt 4,69 Metern, einer Breite von 1,83 Meter und einer Höhe von 1,47 Meter zu erleben. Das üppigste Platzangebot bleibt aber wie gewohnt den Fondpassagieren vorbehalten.

Das ist kein Rennwagen

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Mit 640 bis 1700 Liter Ladevolumen übertrifft der Skoda Octavia Combi alle.

(Foto: Holger Preiss)

So, genug im Raum geschwelgt, nun muss auch geklärt werden, wie sich der neue Octavia fährt. Vorneweg: Nach wie vor ist der Tscheche keine Rennmaschine, will er aber mit den zu erwartenden Motorisierungen auch gar nicht sein. Anders der RS den es auch abseits des RS iV, der in Zukunft als Plug-in-Hybrid an den Start geht, mit ordentlich PS geben wird.

Aber das steht auf einem anderen Blatt, denn ntv.de durfte den 150 PS starken Diesel fahren, der natürlich die Euro 6d-temp-Norm erfüllt und dessen maximales Drehmoment von 360 Newtonmetern über das wirklich makellos arbeitende 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder weitergereicht wird. Um den Octavia in Bewegung zu setzen, wird ein Shift-by-Wire-Schalthebel bewegt und so ein Elektroimpuls an das Hauptsteuergerät weitergereicht. Das Fahrerlebnis ändert sich dadurch nicht. Einzig der Schalthebel als solcher ist kleiner, sieht ein wenig aus wie ein Rasierapparat und verschafft darüber hinaus mehr Platz in der Mittelkonsole.

Kleiner Verbrauch bei leichtem Fuß

Wer jetzt den krawalligen Ampelstart mit seinem Diesel provoziert, kann sich darauf verlassen, dass die Vorderräder ordentlich durchdrehen, das ESP fleißig regelt, der Wagen aber nicht wie vom Katapult geschossen nach vorne schnellt. Dennoch, in 8,8 Sekunden ist der Sprint auf Tempo 100 abgeschlossen, was nicht wesentlich langsamer ist als mit einem BMW 320d Touring oder einem Audi A4 Avant 35 TDI. Auch die Endgeschwindigkeit kann sich mit 222 km/h sehen lassen. Unter günstigsten Bedingungen bringt es der Tscheche sogar auf 240 km/h, aber da ist nicht nur der Motor, sondern auch der Spritverbrauch am Limit. Wer den Diesel aber normal bewegt, der darf sich über einen Verbrauch von schlanken - hier im Test erfahrenen - 5,6 Litern über 100 Kilometer freuen. Und darüber, dass er das AdBlue an der Tankstelle jetzt auch mit einer LKW-Zapfpistole nachfüllen kann.

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Tolle Sitze und viel Platz im Fond zeichnen auch den neuen Skoda Octavia aus.

(Foto: Holger Preiss)

Aber kommen wir noch mal zu den Limits. Die sind trotz DCC, also adaptiver Fahrwerksregelung, die natürlich auch die Gangart Sport beinhaltet, bei sehr schnell gefahrenen Kurven gut zu hören und zu spüren. Der Octavia drängt dann deutlich nach außen und intoniert das über die stark beanspruchten kurveninneren Räder. Aber trotz dieser Geräuschkulisse wird der Tscheche auch dank einer recht direkten und feinfühligen Lenkung keineswegs instabil oder droht ernsthaft seine Spur zu verlassen. Das ist toll und verspricht, dass der Fahrer den Wagen immer unter Kontrolle behalten kann. Wer jetzt aber von sich aus häufiger mit verschärftem Tempo ums Eck ziehen will, sollte unbedingt das optional angebotene Sportfahrwerk ordern. So müsste dann auch jedes Meutern in der Kurve unterbunden werden.

Pakete fein gepackt

Aber wie gesagt, der 150 PS Diesel ist kein Rennwagen, sondern ein Langläufer. Dafür steht der eben genannte Verbrauch ebenso wie die optional angebotenen Sitze mit AGR-Siegel, also mit der Zertifizierung durch die Aktion gesunder Rücken. Hinzu kommen natürlich sämtliche Helferlein aus dem Hause VW. Tatsächlich durfte man sich für den neuen Octavia komplett bedienen. Und weil die Tschechen das alles noch in attraktive und verglichen mit anderen Herstellern sehr preiswerte Pakete verpackt haben, muss der Fahrer hier eigentlich auch auf nichts verzichten. Nicht mal auf die wirklich neuen Beigaben. Da wäre zum Beispiel das Area-View-System, was nichts weiter heißt, als dass beim Parkvorgang eine 360-Grad-Rundumsicht auf den Zentralmonitor projiziert wird.

Auch der "Side Assist" ist neu. Er zeigt bis zu einer Entfernung von 70 Metern an, wenn sich Fahrzeuge von hinten nähern oder im toten Winkel befinden. Eine ganz feine Sache. Auch der vorausschauende adaptive Abstandsradar, der bis 210 km/h arbeitet, ist eine Empfehlung wert. Zumal er eine Stop-and-Go-Funktion hat, die den Wagen im Stau bis zum Stillstand abbremst und selbständig wieder anfährt. Als Letztes soll der "Travel Assist" erwähnt werden, der den Octavia im Notfall, wenn er keine Rückmeldung mehr über das Lenkrad bekommt, mit eingeschalteter Warnblinkanlage zum Stillstand bringt.

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Neue Assistenten machen den Skoda Octavia noch attraktiver.

(Foto: Holger Preiss)

So, kommen wir noch mal zu den Preisen: Momentan startet der, bei den verfügbaren Motorisierungen, mit dem 1,5 TSI und manuellem Sechsganggetriebe bei 28.060 Euro. Der hier beschriebene 2,0 l TDI mit DSG steigt mit 32.380 Euro ein. Wenn der aber als "First Edition" geordert wird und wirklich mit allem bestückt wird, was die Optionsliste hergibt, also elektrisch verstellbaren Ledersitzen, Panoramaschiebedach, großem Zentralmonitor, Ambientelicht, Navi, sämtlichen Assistenten, Head-up-Display, elektrischer Heckklappe, 18-Zoll-Felgen und beheizbarer Windschutzscheibe, stehen 44.290 Euro unterm Strich.

Nur zum Vergleich: Der hier im Test gefahrene BMW 320d brachte es auf 63.800 Euro, der Audi A4 Avant auf 57.000 Euro. Da muss man kein Oberlehrer sein, um zu wissen, zu wessen Gunsten das Konto ausschlägt. Ach und noch was: Da es ohnehin Wartezeiten gibt, kann natürlich der, dem das immer noch zu teuer ist und der wenig Ansprüche an überbordende Fahrdynamik hat, auch auf den 1,0 TSI mit 110 PS für 22.290 Euro warten.

Quelle: ntv.de