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Zafira-e und Vivaro-e Opels Blitzschlag mit Nutzwert

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Mit Vivaro-e und Zafira-e eröffnet Opel seine E-Autooffensive auch bei den Nutzfahrzeugen.

(Foto: Opel)

Mit dem Zafira-e und dem Vivaro-e hat Opel zwei Elektroautos unter seinen Nutzfahrzeugen platziert. Während der eine bis zu neun Menschen Platz bietet, ist der andere in jeder Hinsicht flexibel. Aber passen auch Reichweite, Ladezeit und Fahrverhalten? ntv.de hat es probiert.

Nicht nur in Wolfsburg schießt man bei der Elektrifizierung seiner Modelle momentan aus allen Rohren, auch in Rüsselsheim wird zunehmend schweres Geschütz aufgefahren. Und das ist an dieser Stelle wörtlich zu nehmen, denn im Gegensatz zu den Kompakt-Modellen aus dem VW-Konzern hat Opel jetzt mit dem Zafira-e Life und dem Vivaro-e zwei echte Schwergewichte am Start.

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Mit einer Reichweite von bis zu 330 Kilometern kommen der Zafira-e, als auch der Vivaro-e recht weit.

(Foto: Opel)

Nicht nur, dass beide Varianten wahlweise mit einem 75 kWh- oder 50-kWh-Akku zwischen den Achsen ordentlich bepackt sind, die schleppen auch ordentlich was weg. Je nach Variante kann der Vivaro-e bis zu 1200 Kilogramm Nutzlast aufnehmen und 1000 Kilogramm an den Haken nehmen; der Zafira-e Life bietet als Großraumlimousine bis zu neun Passagieren Platz. Sind die Akkumulatoren voll geladen, verspricht Opel eine Reichweite von 230 Kilometern für die kleine Batterie und 330 Kilometer für die große.

Die Stromer haben ihren Preis

Doch auch die Transport-Stromer haben ihren Preis. Der Vivaro-e, übrigens das erste leichte Nutzfahrzeug aus Rüsselsheim, startet bei stolzen 35.650 Euro. Das sind immerhin 10.000 Euro mehr, als Opel für einen mit Verbrenner betriebenen Vivaro aufruft. Nun darf aber nicht verschwiegen werden, dass abzüglich der Umweltprämie 26.650 Euro daraus werden, die Preise also fast identisch sind. Ähnliches gilt auch für den Zafira-e Life. Der startet bei stolzen 53.800 Euro. Nur zum Vergleich: ein VW T5 Multivan mit langem Radstand und Verbrenner kostet 7000 Euro weniger. Aber auch beim Zafira-e Life kann momentan noch mit der Umweltprämie gerechnet werden, und so reduziert sich der Einstiegspreis auf 45.825 Euro.

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Der Vivaro-e kann 1,2 Tonnen zuladen und wie der Zafira-e eine Tonne an den Haken nehmen.

(Foto: Opel)

Das ist immer noch eine Stange Geld. Und natürlich muss man bei den Elektroautos einmal mehr darauf achten, ob sie für die eigenen Belange taugen. Das fängt bei der Reichweite an und hört mit den Lademöglichkeiten und Ladezeiten auf. Während die beiden erstgenannten Punkte vom Leser beantwortet werden müssen, kann an dieser Stelle gesagt werden, dass die Batterien der beiden Gebrauchsstromer, wenn eine 100-kW-Gleichstrom-Schnellladesäule in der Nähe ist, innerhalb von 30 Minuten (beziehungsweise 45 Minuten beim großen Akku) bis zu 80 Prozent ihrer Kapazität zurückerlangt haben. Wer allerdings abseits dieser Power-Stationen lädt, muss deutlich mehr Zeit einplanen.

Serienmäßig sind übrigens beide Modelle mit einem dreiphasigen 11 kW-On-Board-Charger ausgestattet. Unter 4:45 Stunden dürfte der kleinere Akku hier nicht voll sein, bei dem größeren sind es theoretisch 7 Stunden. Wer es aus der Not geboren dann vielleicht sogar an der Haushaltssteckdose probiert, kann in den circa 13 bis 15 Stunden dann getrost Aufträge schreiben oder die Buchhaltung machen.

Bitte mit Power

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An einer Schnellladestation sind die Akkus flott befüllt, andernfalls muss man sich Zeit nehmen.

(Foto: Opel)

Nun aber weg von der Theorie, hin zur Praxis, denn stehen soll ja weder ein Zafira-e noch ein Vivaro-e. Die beiden Stromer sollen emissionsfrei fahren. Und wie machen sie das? Nun, im Großen und Ganzen wie ihre mit einem Verbrenner angetriebenen Brüder, nur viel leiser. Klar, der E-Motor macht keine Geräusche, und so rollt man tonlos durch die Straßen. Im Allgemeinen fällt das aber nur den Insassen auf, denn dadurch, dass die Stromer den Normalos wie aus dem Gesicht geschnitten sind, bleibt man im fließenden Verkehr unerkannt.

Erst auf der Autobahn könnten die Kollegen, die mit ihren Dieseltriebwerken im Eiltempo an den E-Mobilen vorbeiziehen, stutzig werden. Denn Opel hat die Höchstgeschwindigkeit der beiden Stromer zugunsten einer längeren Akkulaufzeit auf 130 km/h begrenzt. Das fordert vom Piloten ein bedachtsames Fahren: Da, wo sonst noch ausreichend Druck für den Überholvorgang ist, muss hier zurückgesteckt werden. Auch beim Antritt an der Kreuzung ist Besonnenheit gefragt. Zwar hat der 136 PS leistende E-Motor, der immerhin ein maximales Drehmoment von 260 Newtonmeter zur Verfügung stellt, ausreichend Kraft, die 1,7 bis 2,1 Tonnen Leergewicht anzuschieben, aber ganz bestimmt nicht so spontan, wie man es von leichteren E-Autos kennt.

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Wer im Power-Modus fährt, hat die meisten Kraftreserven.

(Foto: Opel)

Zumal die 260 Newtonmeter auch nur anliegen, wenn der Fahrmodi-Schalter auf Power gestellt ist. Bei Normal sind es noch 210 Newtonmeter, und im Modus Eco schrumpft die Antriebskraft auf 190 Newtonmeter. Nun ist es müßig, darauf hinzuweisen, dass weder Zafira-e noch Vivaro-e für die Rennstrecke gebaut wurden und so gesehen die Leistungsstufen absolut in Ordnung gehen. Jedenfalls, solange die Fahrzeuge leer sind. Bei voller Zuladung scheint es nach der ersten Ausfahrt empfehlenswert, sich im Power-Modus zu bewegen, will man einigermaßen flott von der Stelle kommen.

Da zieht was

Apropos flott. Wer derart unterwegs ist, wird bei den beiden Fahrzeugen eine eigentümliche Erfahrung machen. Und zwar wird er beim Fahren so etwas wie einen Gummiband-Effekt spüren. Tatsächlich gleicht der den Schaltvorgängen alter Automatikgetriebe. Da der Elektromotor aber nur einen Gang hat, muss die Ursache eine andere sein. Und zwar passiert Folgendes: Wenn die nicht gerade leichten Opel über eine Bodenwelle fahren, hebt und senkt sich logischerweise die Vorderachse, gleiches gilt kurz darauf für die Hinterachse. Doch wenn die eintaucht, bekommt sie durch das Gewicht der Batterie einen zusätzlichen Druck, der den Wagen merklich nach hinten zieht. Und genau dieses Verhalten führt zu dem Gummiband-Effekt.

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Die Nutzfahrzeug-Gene haben im Innenraum den Vorteil, dass es reichlich Ablageflächen gibt.

(Foto: Opel)

Es steht zu vermuten, dass die Zugstufen der hinteren Dämpfer des auf der EP2-Plattform von PSA stehenden Vivaro-e und auch der Zafira-e nicht optimal an das Gesamtgewicht angepasst wurden. Auch bei der Lenkung hätte man sich mehr Direktheit gewünscht. Ansonsten erfreuen beide Varianten durch ihr absolut unspektakuläres Fahrverhalten. Wer das Gaspedal lupft, spürt kaum etwas von der Rekuperation. Erst wenn der B-Schalter in der Mittelkonsole gedrückt ist, wird die Energierückgewinnung verstärkt und somit spürbar. Wer allerdings glaubt, den Opel nur mit dem Gaspedal bewegen zu können, wie das bei anderen E-Autos der Fall ist, muss enttäuscht werden. Auf die Reichweite scheint das aber nach einer ersten Testfahrt kaum Einfluss zu haben.

Das Rennen gewinnt der Vivaro-e

Werfen wir noch einen Blick in den Innenraum. Auch der unterscheidet sich bei beiden Fahrzeugvarianten kaum, und so kann der Zafira-e seine Nutzfahrzeugbasis auch nicht verleugnen. Im Cockpit herrscht überwiegend hartes Plastik, dafür gibt es - wie in dieser Fahrzeuggattung üblich - viele Ablageflächen. Wer will, bekommt für den Zafira-e sogar ein Head-up-Display, das die Informationen zwar nicht in die Frontscheibe, aber immerhin auf eine Plastikscheibe projiziert. Zudem gibt es auf Wunsch auch ein Panoramadach, eine zusätzliche Schiebetür, eine Zweizonen-Klimaautomatik und ein Schnellheizsystem für den Winter.

Vergleicht man am Ende die beiden Fahrzeuge und stellt ihren Nutzwert in Rechnung, schlägt das Pendel ganz klar in Richtung Vivaro-e aus. Die drei Fahrzeuglängen von 4,60 über 4,95 bis hin zu 5,30 Meter sind Standard, die Varianten vom Kastenwagen bis hin zu Sonderaufbauten dürften keine Wünsche offen lassen. Aber vor allem die Reichweite zwischen 230 und 330 Kilometern scheint bei entsprechender Ladeinfrastruktur absolut ausreichend. Beim Zafira ist das anders. Wird der, wie von Opel angedacht, als Hotel-Shuttle benutzt, mag es ausreichend sein, aber als Urlaubsgefährt für die Familie fehlt ihm dann vielleicht doch noch etwas Reichweite.

Quelle: ntv.de