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Rundgang über die CES Sony baut ein Auto, Hyundai geht in die Luft

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Die Studie Airflow Vision Concept von Chrysler.

(Foto: Holger Preiss)

Auf der CES ist alles möglich: Da stellen Technik-Konzerne plötzlich Autos vor und Autobauer gehen in die Luft. Doch in Las Vegas gibt es auf der Messe noch mehr zu entdecken, was die Mobilität der Zukunft verändern könnte.

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Sony baut ein Auto und betrachtet es selbst nur als Fingerübung.

(Foto: Holger Preiss)

Manchmal passiert auch auf einer Messe Unvorhersehbares. So zum Beispiel auf der CES in Las Vegas, wo der japanische Elektronikkonzern Sony plötzlich ein eigenes Auto auf die Bühne fährt. Warum? Weil er es kann! Konzernchef Kenichero Yoshida verweist bei der kurzen Präsentation auch lediglich darauf, dass der Prototyp mit dem Namen Vision-S demonstrieren soll, welche Möglichkeiten in den technischen Entwicklungen von Sony stecken.

Natürlich kann auch ein Technologiegigant wie Sony ein Auto nicht alleine auf die Räder stellen. Dafür sind die Japaner Partnerschaften mit Bosch, Continental, ZF und vor allem den österreichischen Unternehmen Magna Steyr eingegangen. Aber alles, was an Software, Sensor- und Sicherheitstechnik für ein modernes Elektroauto notwendig ist, kommt aus Japan. Natürlich stammt auch das Entertainmentsystem mit "360 Grad Reality Audio" von Sony. "Dieser Prototyp", so Yoshida, verkörpert unseren Beitrag zur Zukunft der Mobilität".

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Vor allem mit dem Innenleben seiner Vision-S will Sony das Autofahren emotionalisieren.

(Foto: Holger Preiss)

Was Sony letztlich mit seiner Vision-S will, ob der Elektronikkonzern am Ende tatsächlich zum Autobauer mutiert, ließ Yoshida offen. In einer offiziellen Erklärung hieß es: "Sony wird auch weiterhin seine fortschrittlichen Technologien nutzen, um mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit zu bieten und sich gleichzeitig bemühen, durch revolutionäre Unterhaltungserlebnisse im Auto neue Emotionen zu wecken." Aber wer weiß, vielleicht reicht ja die Fingerübung von Sony doch weiter, als man denkt.

Honda bietet Augmented Driving

Ebenfalls eine Fingerübung, die aber klar auf die automobile Zukunft des Konzerns ausgelegt ist, stammt von Honda. Auch der Autobauer stellt auf der CES ein Concept Car vor. Dessen Name: Augmented Driving Concept. Was hat es mit dem Augmented Driving auf sich?

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Der Zeit entflohen: das Augmented Driving Concept von Honda.

(Foto: Holger Preiss)

Nun, während ein autonom fahrendes Auto seine Insassen in Zukunft ohne dessen Zutun von A nach B bringt, reagiert das Honda-Konzept auf die erkannten Wünsche und Bedürfnisse des Fahrers. Strecken können verändert, Ereignisse auf dem Weg zum Ziel eingebaut werden wie Süßigkeiten kaufen, einen Kaffee trinken oder im Park einen Spaziergang machen.

Nichts ist mehr fix, alles ist möglich und doch erreicht man am Ende der Fahrt das Ziel. Aber auch das muss nicht vollautonom erfolgen. Wenn der Pilot es will, kann er den Vogel auch selber fliegen oder eine teilautonome Steuerung wählen. Laut Honda ist das Auto ein autonomes Fahrzeug, das den Menschen "dennoch die Emotion und den Nervenkitzel des Fahrens ermöglicht".

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Das Lenk- wird bei Honda zum Steuerrad.

(Foto: Holger Preiss)

Dafür benötigt man in der Studie aber keine traditionellen Bedienelemente mehr. Einzig ist ein Lenkrad vorhanden, das dem Steuerrad eines Bootes gleicht. Zieht es der Fahrer zu sich, bremst der Wagen, schiebt er es von sich weg, beschleunigt der Wagen. Dass diese recht analoge Technologie eine Zukunft hat, darf aber gerne bezweifelt werden. Ist aber auch egal, denn Honda weist ausdrücklich darauf hin, dass von dem, was hier beschrieben ist, vorerst nichts in Serie gehen wird.

Hyundai geht mit Uber in die Luft

Anders verhält es sich mit dem von Hyundai und Uber auf der CES vorgestellten Flugtaxi fürs Ridesharing. Während die Südkoreaner das Fluggerät produzieren sollen, stellt Uber das Netzwerk zur Verfügung. Die Infrastruktur für Start und Landung der Flugtaxis wollen die Partner dann zusammen entwickeln. Und die Zeichen, dass das gesetzte Ziel dieser Fortbewegungsart bis 2030 erreicht wird, stehen gar nicht schlecht.

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Hyundai soll in Zukunft für Uber Flugtaxis bauen und zeigt es auch auf der CES.

(Foto: Holger Preiss)

Den Anfang der Flugtaxi-Bewegung soll San Francisco machen. Dort soll das S-A1, so der Name der Studie, die Kundschaft erstmals durch die Lüfte tragen. Bei dem Fluggerät handelt es sich übrigens um einen elektrisch angetriebenen Senkrechtstarter, ein sogenanntes eVTOL-Flugzeug (electric Vertical Take-Off and Landing). Start und Landung erfolgt in den Städten an sogenannten Hubs, an denen mehrere Flugtaxis andocken können.

Je nach Leistung soll die Reisegeschwindigkeit bis zu 290 km/h betragen. Die Reiseflughöhe liegt bei 300 bis 600 Meter und die Reichweite beträgt 100 Kilometer. Das Laden der Akkumulatoren soll innerhalb von fünf Minuten abgeschlossen sein. Jeder der acht Propeller wird von einem eigenen Elektromotor angetrieben, was zum einen die Sicherheit erhöht, zum anderen den Fluglärm reduziert, weil die Propeller kleiner ausfallen, so Hyundai.

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Bereits 2030 soll man mit dem Uber-Flugtaxi in die Luft gehen können.

(Foto: Holger Preiss)

Während das Vehikel wie ein Hubschrauber startet, geht es während des Reiseflugs in den Flugzeug-Modus über. Am Anfang soll das Taxi noch von einem Piloten gesteuert werden, später wird es vollautonom seine Strecken zurücklegen. Die Kabine bietet Platz für vier Passagiere und Handgepäck. Ob die Vision sich eines Tages in Realität wandelt, muss abgewartet werden. Uber jedenfalls ist davon überzeugt, dass es derzeit kein Unternehmen gibt, das derartige Fluggeräte zu den Preisen bauen kann, die Hyundai anbietet. Na, mal sehen.

Fisker macht mit dem Ocean Ernst

Doch kommen wir zurück zu den greifbaren Vehikeln auf der CES. Ein alter Bekannter hat sich nämlich ebenfalls mit einem sehr erdigen und irdischen Fahrzeug präsentiert. Der einstige Elektropionier Fisker ist mit einem SUV namens Ocean in Las Vegas vertreten und der Clou ist: Das E-Mobil soll mit 37.499 Dollar weniger kosten als ein Tesla Model 3.

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Mit dem Ocean will Fisker ab 2022 Tesla erneut Konkurrenz machen.

(Foto: Holger Preiss)

Und dabei ist der Ocean laut Fisker mit seinem Solardach, recycelten Teppichen und dem ökologischen Kunstleder das nachhaltigste Fahrzeug der Welt. Die genauen Leistungsdaten des Öko-SUV verrät Fisker aber auch auf der CES nicht. Bekannt ist, dass ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von etwa 80 kWh verbaut und eine elektrische Reichweite von 250 bis 300 Meilen angestrebt ist.

Produktionskapazitäten für das E-SUV gibt es wohl nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und China. Zwischen 2022 und 2027 sollen mehr als eine Million Ocean gebaut werden. Produktionsstart ist voraussichtlich Ende 2021. Die ersten Fahrzeuge sollen dann ein Jahr später ausgeliefert werden. Die Auftragsbücher hat Fisker jedenfalls schon geöffnet. Wer sich einen Ocean reservieren lassen will, zahlt 250 Dollar.

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Die Konditionen, die Fiska für den Ocean anbietet, sind verlockend.

(Foto: Holger Preiss)

Wer den Wagen nicht kaufen will, kann ihn auch für 397 US-Dollar im Monat mieten, wobei bei Vertragsunterzeichnung eine Einmalzahlung von 2999 Dollar fällig wird. Dafür kann der Wagen aber auch nach 1, 8 oder 22 Monaten zurückgegeben werden. Pro Jahr darf der Kunde 30.000 Kilometer abspulen. Zudem will Fisker auch die Versicherung anbieten und übernimmt selbstredend auch die Wartung. Ob diese Beigaben auch in Europa gelten, kann nicht gesagt werden. Attraktiv erscheinen sie allemal.

Chrysler bringt den Airflow zurück

Eine letzte auf der CES vorgestellte Studie soll hier Erwähnung finden: das Airflow Vision Concept von Chrysler. Vor 86 Jahren sorgte der US-amerikanische Autobauer schon einmal mit einem Airflow für Aufsehen. Wie bei dem Namensspender handelt es sich bei der Zukunftsvision um ein echtes Reisefahrzeug in der Größe eines Chrysler Pacifica. Innen finden zwar nur vier Menschen Platz, entsprechend großzügig sind aber die Raumverhältnisse.

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Mit der Studie Airflow Vision Concept zeigt Chrysler, wie das Reisemobil der Zukunft aussieht.

(Foto: Holger Preiss)

Das Cockpit ist volldigital und je nach den eigenen Wünschen soll die Menüstruktur des Infotainmentsystems selbst konfiguriert werden können. Weitere Displays sind im unteren Teil der Mittelkonsole, vor dem Beifahrer und an den Lehnen der Vordersitze untergebracht. Durch Gesten sollen Informationen von Monitor zu Monitor übertragen werden können. Damit lässt sich beispielsweise ein Navigationsziel vom Beifahrer auswählen, das er dann auf den großen Bildschirm ins Sichtfeld des Fahrers schieben kann.

Ob die Studie Airflow Vision Concept die eingedampfte Marke Chrysler in den USA zu neuem Leben erwecken kann, bleibt abzuwarten. Auch eine klare Ansage zum Antriebskonzept fehlt leider. Doch nach der Fusion von FCA und PSA kann ja auch Chrysler auf das Teileregal der Franzosen zugreifen. Und wer weiß, vielleicht wird der neue Airflow ja ein Herzschrittmacher für Chrysler.

Quelle: ntv.de