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Der gepimpte Pontiac GTO von Dean Jeffries, wurde als "Monkeemobile" zur Legende.
Der gepimpte Pontiac GTO von Dean Jeffries, wurde als "Monkeemobile" zur Legende.
Dienstag, 14. Mai 2013

Künstler, Stuntman, Autoveredler: Tuner-Legende Dean Jeffries ist tot

Von Holger Preiss

Im Alter von 80 Jahren ist Karosseriebauer und Lackierer Dean Jeffries gestorben. Die Tuner-Ikone legte in den 50er Jahren nicht nur Hand an James Deans Porsche. Er baute Autos für Filmstars wie Steve McQueen oder Gary Cooper und war der Schöpfer des legendären "Monkeemobile".

Die Nummer 130 malte Dean Jeffries auf den Porsche von James Dean.
Die Nummer 130 malte Dean Jeffries auf den Porsche von James Dean.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wenn Autos die Werkstatt von Dean Jeffries verließen, dann waren sie etwas Besonderes. Bereits in den 1950er Jahren machte sich der Autoveredler, Designer und Maler mit seiner Werkstatt einen Namen in den US-amerikanischen Rennserien und bei Hot-Rod-Fans. Aber nicht nur dort. In etlichen Hollywood-Filmen fuhren seine Autos über die Leinwand, wobei die Streifen "Bikini Beach" (1964) und "The Blues Brothers" (1980) wohl die bekanntesten sind. Für Letztgenannten bereitete Jeffries im Auftrag der Universal Studios dreizehn identische ehemalige Polizeifahrzeuge der California Highway Patrol auf. Von den 1974er Dodge Monaco überlebten nur sechs die Dreharbeiten.

Doch bereits vor diesen Filmen hatte sich Jeffries in Hollywood einen Namen gemacht. Neben den Fahrzeugen von Rennlegende A.J. Foyt war er für die Farben auf den Rennautos von Steve McQueen verantwortlich. 1955 ließ sich James Dean seinen Porsche 550 Spyder von Jeffries individualisieren. Dieser lackierte ihm die Nummer 130 und Deans Spitznamen "Little Bastard" auf den Wagen. Einen Monat später verunglückte Dean mit 24 Jahren auf einer Bergstraße in Kalifornien, was aber mitnichten am Airbrush von Jeffries lag.

Das verrückte Monkeemobile

Seine Karriere als Stuntman beendete Jeffries mit 51 Jahren.
Seine Karriere als Stuntman beendete Jeffries mit 51 Jahren.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In den 1960er Jahren, als die wohl erste US-amerikanische Casting-Band "The Monkees" mit Hits wie "I'm a Believer" ihre Erfolge feierte, kreierte Jeffries für deren TV-Show (1966-68) das "Monkeemobile". Der modifizierte Pontiac GTO wurde in den USA zur Legende. Jeffries baute innerhalb von vier Wochen zwei Autos. Eins war für die Fernsehaufzeichnungen, während der zweite Wagen zu Werbezwecken durch die USA tourte. Durch den Big-Block musste der Pontiac mit einer starren Hinterachse und extra Gewichten ausgestattet werden. Auf Federn wurde am Heck verzichtet. Das Auto hatte nach dem Tuning von Jeffries solche Power, dass es kaum zu fahren war. Später wurde aus Sicherheitsgründen der gesamte Kompressor entfernt und ein Dummy eingebaut.

Doch Jeffries tunte und bemalte seine Filmautos nicht nur, er fuhr sie auch. Und zwar als Stuntman. Seine Spezialität waren Überschläge bei extrem hohen Geschwindigkeiten. Während der Dreharbeiten zum Film "Honky Tonk Freeway" ("Da steht der ganze Freeway Kopf") verletzte er sich an der Wirbelsäule und musste drei Jahre pausieren. 1984 wollte er es noch einmal wissen. In "Romancing the Stone" ("Die Jagd nach dem grünen Diamanten") stürzte er mit einem Fünftonner in eine Schlucht. In einem Interview sagte er rückblickend: "Ich habe den Sprung gemacht und beschlossen, es ist genug."

Kunst statt Werkstattdreck

Erste Aufmerksamkeit erregte Jeffries mit seinem futuristischen Rennwagen Mantaray.
Erste Aufmerksamkeit erregte Jeffries mit seinem futuristischen Rennwagen Mantaray.

Jeffries wandte sich wieder ganz der Individualisierung von Fahrzeugen zu. Und sein Leumund war gut. Hatten doch im Laufe der Jahre Filmstars wie Gary Cooper, Jayne Mansfield, Tony Martin und Harry Belafonte ihre Autos bei ihm aufbereiten lassen. Dabei sah es in der Kindheit von Jeffries gar nicht danach aus, als würde er jemals ins Tuning-Geschäft einsteigen. Geboren am 25. Februar 1933 in Lynwood, Kalifornien, versuchte sein Vater, ein Automechaniker, ihn früh für die Arbeit in der Werkstatt zu begeistern. Ohne Erfolg. Schon dem kleinen Dean war der Dreck, den das Werkeln an den Fahrzeugen verursachte, ein Graus. Er setzte sich lieber an den Schreibtisch und zeichnete.

Den Besuch einer Kunstschule konnte sich die Familie nicht leisten und so ging er in den 1950er Jahren bei wahren Künstlern der Autoveredlung in die Lehre. Zu dieser Gruppe gehörten auch George Barries und Kenneth Howard, die gemeinhin als die Avantgarde einer neuen amerikanischen Kunstform galten. Über diese Zeit sagt Jeffries in seiner Autobiografie: "Alles was ich wollte, war von den Besten lernen."

1964 präsentierte Jeffries auf einem Roadster-Show-Wettbewerb, einen asymmetrischen und elegant futuristischen Rennwagen mit dem Namen Mantaray. Das "Hot Rod Magazin" attestierte ihm darauf, ein Meisterwerk geschaffen zu haben. Dieser Artikel war es auch, der die Produzenten von "Bikini Beach" auf Jeffries und seine Arbeiten aufmerksam machte und den Mantaray zum mobilen Held der Geschichte werden ließ.

Am vergangenen Sonntag legte der Autokünstler mit 80 Jahren seinen Pinsel für immer aus der Hand. Was bleiben wird, sind nicht nur seine mobilen Kunstwerke, sondern auch die Art, mit der er sie zu neuem Leben erweckt hat.

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Quelle: n-tv.de