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So fährt Generation fünf VW Caddy - der Golf Plus Plus?

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Nicht nur optisch wurde die fünfte Generation des VW Caddy aufgerüstet.

(Foto: Holger Preiss)

Der VW Caddy ist so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau. Kein Auto im VW-Konzern ist so vielseitig wie er: Nutzfahrzeug, Familienkutsche, Camper, all das ist der Caddy. In der fünften Generation sogar auf Basis des Golf 8.

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Die Größe und die Vielfältigkeit machen den VW Caddy aus. Jetzt kommen noch richtig gute Fahreigenschaften dazu.

(Foto: Holger Preiss)

Der Golf Plus hat bereits 2014 das Zeitliche gesegnet. Zu wenige Käufer fand der große Bruder des Bestsellers und so wurde er ohne großes Aufsehen zum Sportsvan gemacht. Nun schickt sich aber ein neuer Verwandter an, die Rolle des Verschmähten zu übernehmen: der Caddy. In seiner fünften Auflage steht das Arbeits- und Freizeittier nämlich auf dem Modularen Querbaukasten, also dem MQB, der auch dem Golf 8 als Basis dient.

Ja, natürlich ist so ein Caddy nach wie vor vielseitiger als ein Golf. Auch in der neuen Generation kommt der Hannoveraner als Stadtlieferwagen, Kombi/Shuttle, Kompakt-Van und als Camper auf den Markt. Und dabei punktet der Caddy weiterhin mit seinen alten Tugenden: üppiges Raumangebot, langer Radstand und noch breiteren Schiebetüren. Im Caddy Cargo ist jetzt sogar Platz für eine Europalette, die sowohl quer als auch längs eingeschoben werden kann. Um das kurz für die Fachleute in Zahlen zu fassen. Der Laderaum im normalen Caddy Cargo bietet ein Volumen von 3,1 Kubikmeter, die Maxi-Version sogar 3,7 Kubikmeter.

Nach wie vor eine Option

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Die zweite Reihe gibt es immer, eine dritte in Form von zwei Einzelsitzen kann zusätzlich geordert werden.

(Foto: Holger Preiss)

Aber auch für Familien mit Raumbedarf ist der Caddy nach wie vor eine Option. Die Pkw- und Kombi-Versionen werden serienmäßig mit fünf Sitzplätzen angeboten, optional kann natürlich noch eine dritte Sitzreihe geordert werden. Die besteht aus zwei Einzelsitzen, die in Summe dann sieben Menschen Platz bieten. So weit, so alt. Neu ist, dass das Gestühl in der dritten Reihe durch wenige Handgriffe auch wieder entfernt werden kann. In dem Fall würde das Ladevolumen hinter der hoch aufschwingenden Heckklappe dann 1213 Liter betragen. Entfernt man zudem die Sitze in Reihe zwei, wächst der Stauraum auf 1913 Liter.

Richtig, das ist alles nicht überraschend und könnte so auch für den Caddy der vierten Generation stehen. Das wirklich Neue an Generation fünf ist das Fahrverhalten. Und das verdankt der Lademeister den Bausteinen aus dem Golf 8 und einer völlig neuen Hinterachskonstruktion. Und das dürfte Kenner der alten Blattfederung wirklich freuen. Denn während der Vorgänger gerade im unbeladenen Zustand bei Unebenheiten hüpfte wie ein Rammler im Liebesrausch, hält die Neukonstruktion den hormongeschwängerten Hasen ruhig. Der Grund für die Beruhigung ist eine "längslenkergeführte Starrachse mit Panhardstab". Was nichts anderes heißt, als dass die Quersteifigkeit erhöht und die Längssteifigkeit verringert wurde. Damit reduziere sich auch die Ansprechzeiten bei Lenkbewegungen und die Federbewegungen werden von den Insassen als wesentlich angenehmer wahrgenommen. Im Zuge dessen wurde gleichzeitig die Wanksteifigkeit verbessert.

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Die seitliche Schiebetür geht beim neuen Caddy so weit auf, dass sogar eine Europalette in den Laderaum geschoben werden kann.

(Foto: Holger Preiss)

Das alles heißt am Ende nicht, dass der Caddy jetzt zum Rennwagen wird und mit ihm Kurvengeschwindigkeiten im Grand-Prix-Stil aufgebaut werden können. Dafür baut der Lademeister einfach zu hoch. Was dem Caddy aber an dieser Stelle attestiert werden kann, ist ein viel harmonischeres Fahrverhalten, als es all seine Vorgänger je hatten. Er reagiert beflissen auf Lenkbefehle, bleibt der Spur treu und ist, wie schon erwähnt, viel feinnerviger in der Weitergabe der Beschaffenheit der Straße.

Da steckt noch mehr vom Golf drin

Aber der Caddy durfte noch mehr vom Golf 8 übernehmen. So zum Beispiel das digitale Cockpit. Heißt, es gibt nicht nur einen TFT in drei Größen in der Mitte des Dashboards, sondern auch ein digitales Zentraldisplay, das den Fahrer in unterschiedlich wählbaren Anzeigen über alle wesentlichen Fahrdaten informiert. Verpackt wurde das alles in schnittiger Plastik. Ja, hier kann der Caddy auch jetzt nicht verhehlen, dass seine Wurzeln die eines Arbeiters sind. Aber tatsächlich haben die Designer diesen Umstand so charmant verpackt, dass er erst ruchbar wird, wenn die Finger beflissentlich über die Oberflächen oder die Türinnenverkleidungen streichen. Da aber bei der ersten Testfahrt nichts knackte oder knarzte, war die Versuchung, ständig um sich zu greifen, nicht sonderlich groß.

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Der Innenraum des Caddy hat nicht nur dank der Beigaben aus dem Golf 8 gewonnen.

(Foto: Holger Preiss)

Und am Ende hinterließ der Innenraum, auch weil das ebenfalls aus dem Golf stammende Lenkrad ganz hervorragend in den Händen lag, einen richtig soliden Eindruck. Nicht jedem wird hingegen das Bedienkonzept gefallen. Wie im Golf und seinen vielen Brüdern wurde auch im Caddy auf analoge Bedienelemente verzichtet. So werden die Temperatur der Klimaanlage, die Sitzheizung und auch das Licht nur per Touch oder durch sanftes Streichen bedient. Das ist absolut zeitgemäß, aber nicht immer zielführend. Zielführend sind aber in jedem Fall die insgesamt 19 Assistenzsysteme, von denen fünf komplett neu sind. Einer davon ist der "Travel Assist", also der Helfer, der den Wagen auf Abstand zum Vordermann hält und auch die Geschwindigkeit und die Spur. Funktioniert auch bei der ersten Ausfahrt problemlos. Und während der Autor über 20 Kilometer auf das nervige Piepen wartete, das, obgleich die Hände am Lenkrad sind, dazu auffordert, sie an Selbiges zu nehmen. Grund für den ausbleibenden Warnton ist ein kapazitives Lenkrad, das sozusagen spürt, dass die Finger dort sind, wo sie für einen möglichen Eingriff ins Geschehen sein sollten. Eine ganz feine Sache. Neu sind auch der Abbiegeassistent, der hilft, Unfälle an Kreuzungen zu verhindern, und der "Trailer Assist", der das Rückwärtsrangieren mit Anhänger wesentlich einfacher macht.

Drei Diesel zum Start

Apropos Anhänger. Da sind wir auch gleich beim letzten Thema, den Antrieben. Noch bevor das Portfolio mit einem 114 PS starken Benziner, einem Gasantrieb und einem Plug-in-Hybrid komplett ausgerollt wird, geht der Caddy mit einem Diesel in drei Leistungsstufen an den Start. Der Motor ist neu, läuft intern unter dem Label EA 288evo und arbeitet ausschließlich mit dem Twindosing-Verfahren. Das heißt, über zwei SCR-Katalysatoren mit AdBlue-Einspritzung wird sichergestellt, dass die Stickoxid-Emissionen (NOx) auf ein Minimum reduziert werden. VW verspricht, und das wollen wir mal glauben, dass "die TDI des Caddy zu den weltweit saubersten Turbodieseln gehören". Den Einstieg macht der 75 PS, der seine Kraft wie die zwei weiteren Ausbaustufen mit 102 und 122 PS aus zwei Litern Hubraum schöpft. Allerdings machte der erstgenannte Selbstzünder mit seinen 250 Newtonmetern maximalem Drehmoment einen etwas schwachbrüstigen Eindruck. Spätestens bei voller Beladung oder auf der Autobahn dürfte der Arbeits- oder Spaßfahrer hier schnell an die Grenzen stoßen.

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Für den Caddy Cargo und vermehrten Stadtbetrieb sind die 75 PS des Diesel durchaus ausreichend.

(Foto: VW)

Bei den anderen beiden Ausbaustufen hingegen hört der Spaß wohl eher bei der Zuladung auf, denn die 280 respektive 320 Newtonmeter ziehen hier wesentlich knackiger an. Was die Endgeschwindigkeit betrifft, macht der stärkste Diesel mit über 180 km/h natürlich den Dicken auf der Autobahn. Aber da die Windgeräusche spätestens ab Tempo 160 über die Distanz anfangen zu nerven, wird der Gasfuß wohl häufiger gelupft werden. Was dann auch die Frage aufwirft, ob man die preisliche Differenz nicht lieber in andere Zugaben investiert. Vielleicht in das erstmals angebotene Panoramadach mit 1,4 Quadratmetern Glasfläche oder in das Siebengang-Automatikgetriebe, das die Kraft an die Antriebsräder weiterleitet. Aber auch die serienmäßige manuelle Sechsgangschaltung ist nicht zu verachten. Die Gänge lassen sich auf nicht ganz kurzen Wegen, aber sehr sauber durch die Gassen führen. Nur wer den gelobten "Travel Assist" häufiger bemühen möchte, ist mit dem Schaltautomaten wesentlich besser bedient.

Bleibt am Ende wie immer die Frage zu klären, wie viel Geld man denn ausgeben muss, um in einen Caddy einzusteigen. Die Spanne ist natürlich so groß wie die angebotenen Möglichkeiten: Der Cargo für Handwerker, Dienstleister und Großunternehmer, startet mit dem 75 PS Diesel bei 20.863 Euro, während die Hochdachkombis für die Familie mit 102 PS bereits 25.044 Euro kosten. Gemessen an gleichwertigen Pkw ist das allerdings immer noch wenig. Zudem ist so ein Caddy, was die Vielseitigkeit betrifft, unschlagbar. Und inzwischen eben auch irgendwie ein Golf Plus Plus.

Quelle: ntv.de