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Neue Autos für Europa? VinFast - Vietnams erster Autobauer in Paris

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Der LUX SA 2.0 von VinFast basiert auf dem BMW X5, hat aber sein eigenes Setup bekommen, versprechen die Vietnamesen.

(Foto: Holger Preiss)

Autos aus Vietnam? Da fällt einem keine Marke ein. Aber das könnte sich ändern, denn auf dem Pariser Autosalon präsentiert VinFast zwei Modelle, die es in sich haben. Der Chef jedenfalls hat bis dato keine Misserfolge zu verzeichnen.

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Über das Design der LUX-Modelle haben 62.000 Vietnamesen in einer Online-Befragung entschieden.

(Foto: Holger Preiss)

Es kommt nicht häufig vor, dass man über europäische Automessen läuft und etwas völlig Neues entdeckt. So aber nun doch auf dem Pariser Autosalon. Gleich neben dem Stand von Ferrari präsentiert sich eine Marke mit dem Namen VinFast. Lediglich zwei Autos stehen dort, aber die haben es in sich. Das SUV mit dem Namen LUX SA 2.0 strahlt in einem krachenden Metallic-Rot, die Limousine LUX A2.0 präsentiert sich in einer dezenten Grau-Metallic-Lackierung. Schnittig sehen beide aus und passen sich auch ganz hervorragend in das momentan in Europa von den Kunden favorisierte Fahrzeugdesign ein.

BMW-Technik unterm Kleid

Dabei sind die beiden Schnittchen vorerst gar nicht für den hiesigen Markt gedacht. VinFast kommt nämlich aus Vietnam. Ja, tatsächlich aus dem kleinen asiatischen Land, das sich an Kambodscha und Laos bis an die chinesische Grenze am Südchinesischen Meer entlangschlängelt. Bekannt wohl eher als exotisches Reiseziel, als tapferer Gegner der USA im Krieg und seit 1976 als kommunistischer Staat. Betrachtet man die Autos, mag man kaum glauben, dass Menschen in Vietnam in der Lage sind, sich solche Luxusschlitten zu leisten.

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Ob die Autos tatsächlich so auf den Markt kommen, steht noch nicht fest. Vorerst handelt es sich um Prototypen.

(Foto: Holger Preiss)

Die 2.0-Liter-Benzin-Motoren unter der Haube mit einer Leistung von 176 bis 231 PS stammen von BMW, die 8-Gang-Automatik, die die Kraft von 300 oder 350 Newtonmetern bei der Limousine an die Hinterräder und beim SUV an beide Achsen verteilt, von ZF, das Fahrwerk ist von Magna Styr und das Design kommt von Pininfarina. Na, nicht ganz. Den Hut hat ein Mann namens David Lyon auf. Er zeichnete 28 Jahre Autos für GM. Zu seinen Werken gehört unter anderen der Chevrolet Spark, das Elektroauto Chevrolet Volt oder der Buick LaCrosse. Autos, die man teilweise auch hierzulande kennt, die aber optisch gar nichts mit dem zu tun haben, was in Paris so dynamisch und kraftvoll in Form der LUX-Modelle vorfährt.

David Beckham als Markenbotschafter

Für die Präsentation hat man im Übrigen nicht nur vietnamesische Musik gespielt, landestypische Kleidung getragen und entsprechende Tänze vorgeführt, man hat sich auch ein Testimonial auf den Messestand geholt, der reichlich Erfahrung mit der Präsentation von Autos hat: David Beckham. Ja, genau, der Ex-Fußballer und heutige Miteigner von Inter Miami. Noch vor einigen Jahren hat der Mann vom Ex-Spice-Girl Victoria Beckham in China bei der Präsentation von Landrover-Jaguar-Modellen für Massenaufläufe auf der Automesse in Peking gesorgt. In Vietnam verfolgten immerhin vier Millionen Menschen die Messepremiere ihrer Automarke auf Facebook. Ganz so dramatisch war es in Paris nicht, aber die anwesenden Journalisten staunten nicht schlecht, als Beckham auftrat und seine Begeisterung für die Fahrzeuge von VinFast zum Ausdruck brachte.

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Kein Geringerer als David Beckham steht als Markenbotschafter hinter VinFast.

(Foto: VinFast)

Begeisternd ist tatsächlich, dass ein einziger Mann sich mit VinFast einen Traum erfüllt hat: Pham Nhat Voung. Der Mann ist Vietnams erster Milliardär. Er hat in Hanoi und Moskau Geologie studiert und auch promoviert. Nach seiner Hochzeit 1993 ging er in die Ukraine und gründete ein Unternehmen zur Haltbarmachung von Lebensmitteln. 2009 verkaufte er die Firma für 150 Millionen US-Dollar an Nestle. Mit dem Geld ging er nach Vietnam zurück, eröffnete etliche Ferien-Resorts und baute die Vincom City Towers in Hanoi, die später in Vincom Ba Trieu umbenannt wurden. Die im Zuge dessen entstehende VinGroup, deren Geschäftsbereiche extrem breit aufgefächert sind, lassen sich am besten mit der Selbstdarstellung des Unternehmens zusammenfassen: "Die VinGroup ist Vorreiter in vielen Geschäftsbereichen und bietet den vietnamesischen Verbrauchern einen brandneuen, modernen Lebensstil mit Produkten internationalen Standards."

Großer Markt in Vietnam

Und da sind wir auch schon wieder bei den Autos. Die LUX-Modelle sind also keine Fahrzeuge von der Stange und tatsächlich in erster Linie für den vietnamesischen Markt gedacht, denn letztlich waren es 62.000 Vietnamesen, die in einer Abstimmung über mehrere Designvarianten entschieden haben. "Allerdings", so schränkt ein Mitarbeiter am Stand von VinFast ein, "sind das, was Sie hier sehen, Prototypen, die, wenn sie nächstes Jahr auf den Markt kommen, noch etwas modifiziert werden." Wie dem auch sei: Die Fahrzeuge werden nicht billig und sollen preislich etwa bei einer Milliarde vietnamesischer Dong liegen, also umgerechnet circa 37.000 Euro. Sicher ein Preis, über den viele Europäer angesichts der Fahrzeuge schmunzeln. In Vietnam ist das aber unvorstellbar viel Geld.

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Auch die Limousine LUX A 2.0 kann sich sehen lassen.

(Foto: Holger Preiss)

"Nicht ganz", belehrt ein Pressesprecher am Stand. "Vietnam ist ein wirtschaftlich sehr aufstrebendes Land und hat inzwischen eine große Mittelschicht, die durchaus in der Lage ist, sich solche Autos zu kaufen." Und der Markt ist groß. Auf 1000 Menschen kommen in Vietnam 23 Autos. Nur zum Vergleich: In Deutschland sind es 555 Fahrzeuge auf die gleiche Zahl Menschen. In nur 15 Monaten stampfte das Unternehmen in Cat Hai, einem Stadtteil von Hai Phong in Nordvietnam, auf einer 335 Hektar großen Fläche unter Leitung von James DeLuca, einem ehemaligen GM-Topmanager, Montagehallen, einen Zulieferpark und ein Hauptquartier aus dem Boden. Die Produktionskapazität ist vorerst pro Jahr auf 250.000 Fahrzeuge ausgelegt, kann aber locker auf das Doppelte gesteigert werden.

Hyundai als Vorbild

Auch das hat Kalkül. Pham Nhat Voung hat sich sehr genau die Erfolgsgeschichte des koreanischen Autobauers Hyundai angesehen und stellt sich Ähnliches für VinFast vor. Nach Europa will man aber für den Moment noch nicht gehen, obgleich man sich in Paris international vorgestellt hat. "Wir wollen im kommenden Jahr mit der Produktion starten und die ersten Fahrzeuge in Vietnam anbieten. Als Nächstes könnten die asiatischen Märkte kommen. Europa wäre dann ein späteres Ziel", heißt es von VinFast.

Blickt man auf die Geschichte des Geldgebers und Initiators, scheint das Ansinnen keineswegs verwegen. Bis dato hat alles, was Voung in die Hand genommen hat, auch geklappt. Nicht nur technisch, auch monetär. Mit Blick auf die finanzielle Seite hat der medienscheue Chef wahrscheinlich auch Le Thi Thu Thuy zur Vorsitzenden von VinFast gemacht. Die Frau hat 22 Jahre Erfahrung in der Finanzdienstleistung, gesammelt bei den Lehman Brothers und der Novagroup. Warum sollten also die Autos mit viel deutscher Technik nicht laufen? Für Voung steht der Erfolg jedenfalls außer Frage, denn er hat schon sein nächstes Projekt im Auge: Smartphones aus Vietnam. Das neue Unternehmen heißt, wie könnte es anders sein, VinSmart.

Quelle: n-tv.de

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