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Leser fragen, Experten antworten Was bringen Solarzellen auf Autos?

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Ein Camper mit Solarzellen auf dem Dach: Solartechnik am Fahrzeug ist "als Ergänzung, Reichweiten-Booster oder in bescheidenem Umfang zur Entlastung der Stromnetze eine interessante Option", sagt der Sachverständige Stefan Ehl.

(Foto: imago images/Kickner)

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Seit einigen Jahren bereits werden Elektroautos mit Solarzellen angekündigt, die sich auch eine netzunabhängige Nutzung erlauben sollen. Kann das im Autoalltag funktionieren? Die Einschätzung eines KFZ-Sachverständigen.

Frage: Sind Solarautos im Autoalltag eine gute Lösung, die uns den Weg in eine saubere und klimaneutrale Autozukunft ebnen wird?

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Stefan Ehl, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS.

(Foto: KÜS)

Antwort von Stefan Ehl, von der Sachverständigenorganisation KÜS (Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher KFZ-Sachverständiger e. V.): Grundsätzlich ist die Photovoltaik eine gute und attraktive Technik, um sauberen Strom günstig zu erzeugen. Auch an der Außenhaut von Autos können Solarzellen klimafreundlichen und kostenlosen Fahrstrom direkt in den Batterietank leiten. Mittlerweile gibt es mehrere Startups, die solche mit Solarzellen bestückten E-Autos anbieten beziehungsweise bald auf den Markt bringen wollen. Die Konzepte klingen verführerisch, doch in Hinblick auf Stromausbeute, Einsparpotenziale und den praktischen Umgang mit Solartechnik im Autoalltag ist eine etwas nüchterne Betrachtungsweise durchaus angebracht.

Parken in praller Sonne

Damit Solarzellen möglichst viel Strom produzieren, sollten sie möglichst lange intensiv und ungehindert direktem Sonnenlicht ausgesetzt sein. Ein schlechter Winkel im Verhältnis zur Sonne oder eine bereits leichte Verschattung können die Ausbeute an Strom drastisch mindern. Um für eine gute Ausbeute zu sorgen, muss der Wagen so oft und so lange wie möglich in praller Sonne stehen oder fahren. Im Autoalltag ist das allerdings nicht immer einfach und speziell das Parken in der Sonne auch nicht in jeder Hinsicht sinnvoll. Parkmöglichkeiten ohne Verschattung stehen zudem längst nicht überall zur Verfügung. Ein Auto möglichst oft der Sonne auszusetzen, bringt außerdem Nachteile, denn viele Bauteile und Oberflächen leiden unter UV-Einstrahlung und Hitze. Wer sein Auto möglichst schonend behandeln will, parkt es besser in einer Garage statt draußen.

Wird das Auto zur Stromernte draußen geparkt, könnte zudem viel der zuvor getankten Energie für das Runterkühlen des Innenraums verlorengehen. Garagennutzer werden jedenfalls nur wenig des theoretischen Potenzials nutzen können, den Solarauto-Hersteller als "Freikilometer" propagieren. Laut Newcomern wie Sono Motors oder Lightyear soll die tägliche Stromernte Fahrstrom für bis zu 70 beziehungsweise 84 Kilometer liefern. Im typischen Autoalltag sowie im Schnitt wird es vermutlich deutlich weniger sein. Eine gute Alternative könnte es deshalb sein, E-Autos stationär mit Sonnenstrom aus einer gut ausgerichteten Solaranlage auf dem Garagendach oder Carport zu betanken.

Als Ergänzung gut

Dennoch kann es auch sinnvoll sein, E-Autos zusätzlich mit Solarzellen auf der Außenhaut auszustatten, denn auf die Reichweite wirken sich diese allemal positiv aus. Zumindest wenn man tagsüber und bei Sonnenschein unterwegs ist. Dann wird man unter guten Bedingungen eine sogar erkleckliche Menge Strom für einige Extrakilometer ernten können. Im Sommer mehr, im Winter weniger.

Als Perpetuum Mobile werden Solarautos auch aufgrund der relativ kleinen zur Verfügung stehenden Flächen in unseren Breitengraden allerdings auch in einer ferneren Zukunft wohl nicht unterwegs sein. Solartechnik am Fahrzeug ist deshalb eher als Ergänzung, Reichweiten-Booster oder in bescheidenem Umfang zur Entlastung der Stromnetze eine interessante Option. Größeres Potenzial dürfte die Technik vor allem als Reichweitenverlängerer auf Dächern von E-Lastwagen bieten, auf denen vergleichsweise große Flächen für Solarpanels zur Verfügung stehen.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x

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