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Der GT für die schnelle Familie feiert in Genf seine Weltpremiere.
Der GT für die schnelle Familie feiert in Genf seine Weltpremiere.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 06. März 2018

Der Family-Racer kommt: Weltpremiere für Mercedes AMG GT Viertürer

Von Holger Preiss, Genf

Als "The Beast" wurde der Mercedes-AMG GT seinerzeit in Goodwood präsentiert. Jetzt steht ein Familienbiest an seiner Seite. Nicht weniger böse, aber mit fünf Sitzen, mehr Punch und ganz neuen Features könnte er schnell Papas Liebling werden.

Auch das dicke G ist in Genf als AMG 63 aufgefahren.
Auch das dicke G ist in Genf als AMG 63 aufgefahren.(Foto: Holger Preiss)

Wenn es eine Messe gibt, auf der PS noch die härteste Währung ist, dann ist es der Genfer Autosalon. Hier am Lac Léman dürfen Hersteller noch richtig auffahren. Selbst die Elektroautos haben hier Leistungsparameter, dass einem die Ohren sausen. Lebensnäher sind aber die Boliden mit ihren herkömmlichen Verbrennern und von denen hat Mercedes so einige am Start. Da ist zum Beispiel die neue A-Klasse, die bereits im Mai bei den Händlern stehen wird. Mit neuem Außendesign, einem völlig veränderten Innenraum, neuer Konnektivität und neuen Motoren zeigt sich der Kompakte in Genf. Eine AMG-Ausbaustufe gibt es hier momentan noch nicht, aber die kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Ebenfalls in Genf: die geliftete Mercedes C-Klasse. In deren Reihen feiert auch der neue AMG C43 seine Weltpremiere. Für ihn haben die Ingenieure die Leistung des 3,0-Liter-V6 um 23 PS auf 390 PS gesteigert. Das Datenblatt verspricht eine Standardsprintzeit von 4,7 Sekunden auf Landstraßentempo und eine Höchstgeschwindigkeit von abgeregelten 250 km/h. Äußerlich ist der C43 an seinem Kühlergrill mit Doppellamellen und einer Frontschürze mit zusätzlichen Flics zu erkennen. Am Heck gibt es exklusiv zwei verchromte Doppelendrohrblenden. Auch die höchste Ausbaustufe der G-Klasse der AMG G63 darf sich mit seinem Vierliter-V8-Biturbo 585 PS und 850 Newtonmeter in Genf zeigen.

Das Familienbiest

Hinter der Heckklappe des AMG GT Viertürer ist mit 445 Liter nicht allzu viel Platz.
Hinter der Heckklappe des AMG GT Viertürer ist mit 445 Liter nicht allzu viel Platz.(Foto: Holger Preiss)

Das ist alles schon ganz schick, aber der eigentliche Kracher auf dem Daimler-Stand in den Hallen des Palexpo ist der Mercedes-AMG GT Viertürer. Ja, tatsächlich legen die Stuttgarter großen Wert darauf, dass hier von einem GT "4-Türer" und nicht von einem GT4 gesprochen wird. Verständlich, handelt es sich bei dem Kürzel doch um eine seit 2006 bestehende Rennserie, in der der Affalterbacher Flitzer mit Straßenzulassung eher nicht starten wird. Zumal es einen GT4 ohnehin schon gibt. Obgleich die Chancen gar nicht schlecht stünden, dass er dort etwas gewinnen könnte.

Denn angeboten wird der GT Viertürer mit zwei sehr potenten Triebwerken. Zum einen steht ein Reihensechszylinder zur Wahl, der seine Kraft aus 3.0 Liter Hubraum schöpft und seine Arbeit in der Form auch schon im Mercedes-AMG CLS 53 verrichtet. Folgerichtig heißt der viertürige Sportler an dieser Stelle auch GT 53. Während der Verbrenner für 435 PS taugt, bringt der 48-Volt-Startergenerator im Boost weitere 22 PS, so dass kurzzeitig 457 PS zur Verfügung stehen und das maximale Drehmoment von 520 Newtonmeter auf satte 780 Newtonmeter gesteigert wird. Für den Sprint von Null auf 100 km/h verspricht AMG 4,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit Tempo 285 angegeben.

Auch als GT 63 und 63S

Powerdomes für die Motorhaube und riesige Lufteinlässe für den GT Viertürer.
Powerdomes für die Motorhaube und riesige Lufteinlässe für den GT Viertürer.(Foto: Holger Preiss)

Wem das nicht reicht, der kann sich auf die bekannten V8-Kracher stürzen, die in Form des GT 63 und 63S im Angebot sind. Wie in einigen anderen AMG-Modellen pumpt unter der Haube ein 4,0-Liter-V8-Biturbomotor, dessen leistungsstärkste Ausbaustufe mit 639 PS und 900 Newtonmeter maximalem Drehmoment im 63S für den Vortrieb sorgt. Lediglich 3,2 Sekunden soll es dauern bis der viertürige AMG sich auf Landstraßentempo beschleunigt hat und als Vmax werden 315 km/h versprochen. Die grünen Gesichter der Reisenden in der zweiten Reihe dürften programmiert sein. Aber auch bei der schwächeren Variante könnten dem einen oder anderen angesichts der Leistungsdaten die Brötchen aus dem Gesicht fallen. Als GT 63 gibt die gleiche Motorisierung 585 Pferden die Sporen, verteilt 800 Newtonmeter bei Bedarf an alle vier Räder und beschleunigt in 3,4 Sekunden auf Tempo 100. Die Spitze soll bei 310 km/h liegen.

Wir lassen die Leistungsdaten kurz auf uns wirken, denn wie sie sich am Ende fahrttechnisch darstellen, kann an dieser Stelle ohnehin nicht gesagt werden, wird aber auf diesen Seiten nachgereicht. Versprochen! Was aber mit der Messepremiere schon gesagt werden kann, ist, wie sich der GT Viertürer optisch zeigt und wie es sich in dem Sportler sitzt. Wie sein zweitüriger Vorgänger, den Mercedes seinerzeit nicht ohne Grund als "The Beast" ins Rennen geschickt hat, ziert auch den Viertürer eine lange, tief nach unten gezogene Motorhaube mit zwei Powerdomes und eine geduckte Fahrgastzelle.

Typisch GT?

Erstaunlich viel Platz gibt es in der zweiten Reihe des AMG GT Viertürers.
Erstaunlich viel Platz gibt es in der zweiten Reihe des AMG GT Viertürers.(Foto: Daimler AG)

Wer den GT Viertürer im Rückspiegel sieht, wird ihn an den schmalen Multibeam -ED-Scheinwerfern erkennen sowie an der "Shark-Nose" und an der Frontschürze mit weiterentwickeltem Jet-Wing. In der Seitenansicht besticht der Sportler aus Affalterbach mit seinen rahmenlosen Seitenscheiben und einer extrem flachen, weit nach hinten geneigten Frontscheibe. GT-Fans könnten durch die zweite Sitzreihe die charakteristische Linienführung, die die AMG-GT-Modelle auszeichnet, gebrochen sehen. Klar, der GT Viertürer ist eben ein Coupé mit zwei Türen mehr.

Um die Linien dennoch zu halten, hat Designchef Gorden Wagener das Dach deutlich nach hinten abfallen lassen. Das bringt eine schnittige Silhouette, führt aber auch dazu, dass die Passagiere nur mit einer Verbeugung in die Sitze der zweiten Reihe gelangen. Das Heck zeigt sich wiederum ganz als GT: extrem schmale LED-Leuchten, ein mehrstufig ausfahrbarer Heckflügel, der nicht auf dicke Hose machen will, sondern für eine aktive Aerodynamik bei entsprechenden Geschwindigkeiten einfach notwendig ist. Die vier Diffusor-Auslässe hingegen sind ein deutliches Zeichen für die Potenz und natürlich mit Klappensteuerung die Soundanlage des Familien-Überfliegers.

Erstaunlich viel Platz

Der Innenraum des Viertürers ist im Vergleich zum GT völlig neu.
Der Innenraum des Viertürers ist im Vergleich zum GT völlig neu.(Foto: Daimler AG)

Apropos Familie: Der AMG GT Viertürer bietet bei einer ersten Sitzprobe in Genf erstaunlich viel in der zweiten Reihe. Drei unterschiedliche Sitzkonzepte stehen zur Wahl. Das reicht von einer asymmetrisch umklappbaren Rückbank für drei bis hin zu zwei Varianten mit Einzelsitzen. In letztgenannter Ausführung gibt es für die Fond-Passagiere ein Touchpad, über das nicht nur die Musikanlage, Ambientelicht oder die Klimaanlage gesteuert werden können, es ist auch der Abruf der Dynamik-Daten wie Querbeschleunigung, Drehzahl und Geschwindigkeit einsehbar. Damit Kinder keinen Unfug mit den Features treiben, lässt sich der Bildschirm einfach über die Kindersicherung in der Fahrertür deaktivieren.

Allerdings muss der Familienausflug mit Bedacht geplant werden, denn das Kofferraumvolumen entspricht dem eines Golf. 395 Liter stehen spontan zur Verfügung, unter dem Boden verbergen sich weitere 60 Liter. Bei umgeklappter Lehne lässt sich das Volumen über einen leicht ansteigende Fläche auf 1324 Liter erweitern. Allerdings ist trotz der weit geschnittenen Laderaumöffnung nicht zu vermuten, dass der GT Viertürer seine Bestimmung bei der Fahrt ins nächste Möbelhaus findet. Das "Familien-Beast" ist eher eine Fahr-Spaß-Maschine. Dafür sprechen jedenfalls Hinterachslenkung und Sperrdifferenzial, Allradantrieb, Verstelldämpfung, Parameterlenkung oder die Hochleistungsbremsanlage.

Drehregler mit Display

Der "Power"-Knopf mit hinterlegtem Display ist optional im GT Viertürer.
Der "Power"-Knopf mit hinterlegtem Display ist optional im GT Viertürer.(Foto: Daimler AG)

Für die sportliche Auslegung spricht auch ein völlig neues Cockpit. Wie aus der E-Klasse bekannt, dominieren zwei 12,3 Zoll große Displays das Dashboard. Wie gehabt, können über den linken Touch-Control-Button am Lenkrad bevorzugte Informationen eingespielt werden. Zum Beispiel klassischer Tacho und Drehzahlmesser, Navi oder ausführliche Motordaten. Wer den Hamilton macht, kann sich auch eine G-Force-Anzeige oder Leistungs- und Drehmomentwerte einblenden lassen.

Der Clou sind aber ein Drehregler mit integriertem Farbdisplay unterhalb der rechten Lenkradspeiche sowie zwei vertikal positionierte Displaytasten auf der anderen Seite. Über diese optionalen Schalter lassen sich per Daumen die Fahrprogramme ansteuern, Auspuffklappen öffnen und schließen, das ESP deaktivieren oder die Dämpfer verstellen. Klar, all das kann auch über die ebenfalls mit Displays unterlegten Schalter in der Mittelkonsole erfolgen, was ebenfalls ein außergewöhnliches Feature ist. Ergänzt werden die Display-Schalter von zwei Wippen für die Fahrprogramme und die Lautstärke. Warum dieser Bruch? Weil es einfach super aussieht.

Mit dieser Ausstattung löst sich der GT Viertürer von der fast schon puristisch anmutenden Ausstattung des GT und wird zu einer Hightech-Familien-Fahrmaschine. Was so ein Family-Racer am Ende kostet, verrät Mercedes auf der Messe natürlich noch nicht. Lange wird man aber mit den Preisen nicht auf sich warten lassen, denn die Verkaufsfreigabe des ersten viertürigen AMG GT soll bereits im Sommer dieses Jahres sein.

Quelle: n-tv.de