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Wie ein Golf fürs E-ZeitalterKia EV4 - echter Allrounder mit extrovertiertem Design

24.02.2026, 07:12 Uhr
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Der Kia EV4 positioniert sich als elektrischer Allrounder gegen den VW Golf. (Foto: Kia)

Bei vielen Elektroautos muss man auch heute noch im Alltag ein wenig kompromissbereit sein. Der Kia EV4 verlangt fast keine Zugeständnisse mehr. Er bietet ein stimmiges Gesamtpaket bei Antrieb und Batterie und viel Platz. Doch die Variante mit viel Reichweite ist recht teuer.

Starke Reichweite, gutes Platzangebot, hohe Alltagstauglichkeit - der Kia EV4 ist in der Version mit dem großen Akku ein ziemlich komplettes Elektroauto. Und könnte als starker Allrounder nicht nur dem VW ID.3, sondern auch dem konventionell motorisierten Golf gefährlich werden. Was dabei Probleme macht? Vielleicht das extrovertierte Design. Und wahrscheinlich der Preis.

Fangen wir mit den Kosten an: 43.200 Euro will Kia für die Basisvariante "Air" mit der großen Batterie, bietet dafür eine ordentliche Ausstattung, geizt aber ausgerechnet bei der im Winter unerlässlichen Sitzheizung. Die gibt es für 1.100 Euro extra oder in der nächsthöheren Ausstattungslinie "Earth", die für 45.500 Euro noch ein paar weitere praktische Posten bietet und somit auf jeden Fall die bessere Wahl ist.

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Die Reichweite taugt auch für lange Touren. (Foto: Kia)

Ansehnlicher Gegenwert fürs Geld

Das ist viel Geld. Aber es gibt durchaus einen ansehnlichen Gegenwert. Mit 4,43 Metern schiebt sich der EV4 bei der Länge ans obere Ende der Kompaktklasse, setzt das vor allem im Fond in sehr großzügige Platzverhältnisse um. Auch langbeinige Erwachsene sitzen dort zu zweit bequem, notfalls haben aufgrund des fehlenden Mitteltunnels auch drei Personen genügend Raum. Nur die Füße sollten nicht allzu lang sein - unter den Vordersitz passen sie nämlich nicht.

Der Einstieg auf die etwas höher als bei konventionellen Autos montierte Sitzbank fällt hinten wie vorn leicht, auch der Kofferraum lässt sich dank breiter Öffnung und ebenen Zuschnitts gut nutzen.

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Das Styling ist vom Design der Crossover der Marke inspiriert. (Foto: Kia)

Cockpit nüchtern, technisch, solide und wertig

Das Ambiente im Cockpit ist eher nüchtern und technisch, wirkt aber trotz hohen Hartkunststoff-Anteils solide und wertig. Beim Layout vertraut Kia auf sein in anderen Modellen erprobtes breites Bildschirmband, das sowohl die Instrumente hinter dem Lenkrad als auch das Infotainment zwischen Fahrer und Beifahrer vereint. Die Bedienung läuft weitgehend über den Touchscreen oder die berührungsempfindlichen Tasten darunter, funktioniert aber meist reibungslos.

Warum allerdings die bildschirmgestützte Klimabedienung ausgerechnet im toten Winkel des Lenkradkranzes untergebracht werden muss, erschließt sich im EV4 genauso wenig wie in anderen neueren Modellen der Koreaner.

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Das Cockpit orientiert sich an dem der anderen neueren Kia-Modelle. (Foto: Kia)

Ständig verbessert hat Kia in den vergangenen Jahren die Routenplanung seines Navigationssystems. Auf sehr langen Strecken wirken die Ladestopp-Vorschläge zwar manchmal immer noch etwas umständlich und penibel, grundsätzlich lässt sich mit ihnen aber besser arbeiten als mit denen vieler Konkurrenten.

Leicht nervig und perspektivisch kostentreibend ist, dass es fast alle Konnektivitätsdienste - etwa die Wettervorhersage - nur bei Abschluss eines teils kostenpflichtigen Abos gibt. Kia ist in Sachen Digitale Dienste und dem Erschließen entsprechender Geschäftsfelder relativ ehrgeizig.

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Der Kofferraum ist ausreichend groß. (Foto: Kia)

Angenehm zurückgenommen und ausgeglichen gibt sich der EV4 hingegen im Alltag auf der Straße. Der 150 kW/204 PS starke E-Motor an der Vorderachse hat ausreichend Kraft und gibt sie wohldosiert ab. Das Fahrwerk agiert ausgewogen mit eher komfortabler Grundauslegung, die von einigen E-Modellen bekannten starken Schläge auf schlechten Stadtstraßen sind hier wenig ausgeprägt.

Angenehm ist auch die gute Geräuschdämmung des Innenraums, was selbst bei höherem Tempo eine zurückhaltende Gesprächslautstärke erlaubt. Die Bedienkräfte sind gering, die Übersicht geht in Ordnung und der Wendekreis ist akzeptabel klein - für den Stadtverkehr ist das genauso gut wie die nicht allzu ausladende Fahrzeugbreite.

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Neben dem klassischen Steilheckmodell gibt es eine Schrägheckausführung. (Foto: Kia)

Reichweite, Stromverbrauch und Ladeverhalten

Die große der beiden verfügbaren 400-Volt-Batterien (81,4 kWh) ist laut Hersteller für 625 Kilometer Fahrt (mit 17-Zoll-Felgen, bis zu 594 Kilometer mit 19-Zöllern) gut. Das mag für den Frühlingsverkehr in der Stadt vielleicht hinkommen, bei hohem Autobahnanteil im Winter waren es mit den optisch passenderen großen Felgen rund 500 Kilometer. Das reicht bei einem ausgeglichenen Fahrstil auch für lange Strecken.

Der Stromverbrauch lag im Test zwischen 17 und 18 kWh auf 100 Kilometer - ein ordentlicher, wenn auch angesichts der relativ flachen Bauweise nicht herausragender Wert. An der Schnellladesäule beginnt der Kia für gewöhnlich eher zögerlich, um sich dann aber stabil auf ein breites Niveau oberhalb von 120 kW aufzuschwingen - gut für das kurze Zwischenladen auf Langstrecken. Über den gesamten Standard-Ladehub von 20 bis 80 Prozent Füllstand kommt man auf eine Durchschnittsleistung von 100 kW.

Alles keine Traumwerte (vor allem im Vergleich zu den Markengeschwistern mit 800-Volt-Batterien), aber trotzdem ausreichend alltagstauglich. Kia findet hier einen guten Mittelwert zwischen Batterie-Performance und Technik-Kosten.

Nicht herausragend, aber praktisch

Der EV4 ist somit ein echter Allrounder. In keiner Einzelkategorie ragt er weit heraus, gestaltet sie aber immer sinnvoll und mit Blick auf die Praxis. Das gilt für das Raumangebot genauso wie für das Infotainmentsystem und die Batterie- beziehungsweise Antriebstechnik.

Verpackt ist das Angebot mit Breitenwirkung zudem in eine prägnant gestaltete Karosserie, die mit den eckigen Formen der Kia-Crossover spielt, aber sie einem klassischen Kompaktwagen überzieht. Das ist beim Fünftürer ungewohnt, beim alternativ angebotenen Viertürer mindestens gewöhnungsbedürftig. Wer damit klarkommt und das nötige Budget aufbringen will, kauft im EV4 eines der aktuell alltagstauglichsten E-Autos überhaupt.

Kia EV4 - technische Daten

  • Fünftürige, fünfsitzige Kompaktlimousine; Länge: 4,43 Meter, Breite: 1,86 Meter, Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen: 435 - 1.415 Liter

  • E-Motor mit 150 kW/204 PS, Drehmoment: 283 Nm, 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 170 km/h, Verbrauch: 16,2 kWh/100 km, Akkugröße: 81,4 kWh, Reichweite: 584 (19 Zoll GT-Line)/594 (19 Zoll) / 625 (17 Zoll), Ladeleistung: 128 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10 - 80 Prozent in 31 Minuten, AC: 10 - 100 Prozent in 7:15 Std., Verbrauch: 15,8 (GT-Line 19 Zoll)/15,5 (19 Zoll)/14,6 (17 Zoll), Testverbrauch: 17,5 kWh/100 Kilometer (GT-Line, 19 Zoll)

  • Preis: ab 43.240 Euro

Quelle: ntv.de, Holger Holzer, sp-x

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