Praxistest

Besser als X4 und GLC Coupé? Audi Q3 Sportback - eine echte Alternative

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Der Audi Q3 Sportback ist vielleicht sogar eine Alternative zum Mercedes GLC-Coupé oder zum BMW X4.

(Foto: Holger Preiss)

Sportliche SUV-Coupés sind inzwischen Alltag geworden. So sehr, dass es neben den beiden Platzhirschen BMW X4 und Mercedes GLC Coupe in dieser Klasse einen weiteren Mitbewerber gibt: den Audi Q3 Sportback. Aber kann der hier mithalten?

Als BMW seinerzeit, also genau genommen im Jahr 2008, das SUV-Coupé in Form des X6 auf die Straßen brachte, war wohl ein Gedanke der treibende: Es müsse doch möglich sein, die sportliche Form eines Coupés mit der Wucht eines SUV verbinden zu können. Das Ergebnis fährt nunmehr seit zwölf Jahren durch die Welt und hat über das Jahrzehnt nicht wenige Nachahmer gefunden. Darunter auch Audi. Die Ingolstädter haben mit dem Q3 Sportback das Konzept aufgegriffen und ihre Interpretation eines SUV-Coupés auf die Räder gestellt.

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Es gibt viele Ideen im Audi Q3 Sportback, die das Leben angenehmer machen.

(Foto: Holger Preiss)

Die Basis für die Sportvariante liefert natürlich der Audi Q3. Deshalb müssen Personen bis 1,80 Meter auf der um 13 Zentimeter verschiebbaren zweiten Reihe mit variabler Rückenlehne auch keine Angst haben, zu wenig Platz zu finden. Gleiches gilt im Übrigen für den Kofferraum, der mit 530 Litern Stauraum nicht einen Liter gegenüber dem Bruder mit steiler Heckscheibe eingebüßt hat. Die kleine Ladekante, über die das Gepäck gehoben werden muss, ist ehrlich gesagt nicht der Rede wert, aber dafür die 1400 Liter Stauraum, die entstehen, wenn die dreiteilige Lehne flach gemacht wird. Wer den Stauraum nutzen will, ohne anzuecken, der kann die Hutablage einfach unter dem doppelten Ladeboden verschwinden lassen.

Vorsprung durch clevere Ideen

Es ist aber nicht allein dieser Umstand, der nahelegt, dass der Audi-Claim "Vorsprung durch Technik" in "Vorsprung durch Ideen" gewechselt werden sollte. Besonders gefällt, dass man im Audi die wichtigsten Stellknöpfe wie zum Beispiel die für Klimaautomatik, Lautstärke der Soundanlage oder Parkpilot analog gelassen hat. Nicht, weil die Bedienung über den 10,1 Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole kompliziert wäre. Nein, das geht ganz prima. Dennoch bedarf es einiger Wisch- und Touch-Vorgänge, bevor das gewünschte Menü erreicht ist. Das kostet Zeit und lenkt irgendwie immer vom Fahrgeschäft ab.

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Das Innenleben des Audi Q3 Sportback erfreut auch durch seine ausgezeichnete Verarbeitung.

(Foto: Holger Preiss)

Mit Blick auf die Neuerscheinungen im VW-Konzern und die hier benutzten Gleichteile weht aber im Q3 Sportback in der Praxis noch ein anderer Wind. Im Audi hat man weise darauf verzichtet, die Luftauslassdüsen unter den Multimediabildschirm zu setzen. Frischluft wird den Fahrgästen in der ersten Reihe also auf Wunsch ins Gesicht und nicht an Unterarm oder Achsel geblasen, wie es in Golf 8, Seat Leon oder Skoda Octavia jetzt üblich ist. Zudem haben die Ingolstädter wohl als einziger Autohersteller verstanden, dass zwar der USB-C-Anschluss die seit einigen Jahren angesagte Innovation für Smartphones ist. Da die sich aber noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat, hat man wohlweislich auch noch einen schnöden USB-Anschluss im Ablagefach unterhalb des Dashboards verbaut.

Auch ansonsten gibt es am Arbeitsplatz des Piloten nichts auszusetzen. Wer 2250 Euro zusätzlich investiert, bekommt das sogenannte "MMI Navigation plus", das nicht nur ein ausgefeiltes Navigationssystem mit 3D-Kartendarstellung, persönlichem Routenassistenten, Echtzeit-Verkehrsinformation und kamerabasierter Verkehrszeichenerkennung, sondern auch einen 10-Zoll-TFT bietet. Aber ganz ehrlich? Wer das "Audi smartphone interface" für schlanke 535 Euro bucht, der hat ebenfalls den 10-Zoll-Touchscreen, kann aber sein iPhone - und leider nur das - via Bluetooth mit der Einheit koppeln und spiegeln. Damit sind auch Navigationsdaten über Apple Karten oder Google Maps abrufbar. Android-Nutzer müssen sich per USB verbinden. Was aber kein Problem ist, denn die schon erwähnten zwei unterschiedlichen USB-Anschlüsse sind hier im Preis enthalten.

Mit 150 PS kein Sportgeist?

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Der 150 PS starke Benziner ist eine gute Alternative für den Audi Q3 Sportback.

(Foto: Holger Preiss)

Apropos Preis: Der Einstiegs-Q3-Sportback ist motorseitig der 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS und einem maximalen Drehmoment von 250 Newtonmetern. In der Nomenklatur von Audi also der 35 TFSI. Eigentlich der Standardmotor des VW-Konzerns, der sich nach dem Diesel-Gate der größten Beliebtheit bei der Kundschaft erfreut und somit auch in allen Konzernbaureihen angeboten wird. Und das gleich in zwei Ausführungen: als Milde Hybrid und als schlichter Turbobenziner ohne zusätzliche elektrische Unterstützung. Und genau so ist der Q3 Sportback bei ntv.de zum Test vorgefahren. Nun gibt es an dem Triebwerk nichts auszusetzen. Der Benziner verrichtet seine Arbeit, ohne zu murren, und treibt den immerhin 1,5 Tonnen schweren Audi munter voran, ohne dabei aber das Gefühl übermäßiger Sportlichkeit erzeugen zu wollen oder zu können.

Tatsächlich wird einem, wenn man das Triebwerk schon als Milde Hybrid gefahren ist, bewusst, dass es bei Turboladern ja immer noch dieses Loch gibt. Wer also sehr beherzt auf den Pin latscht, um den Lkw auf der Landstraße zu überholen, darf kurz "21, 22" zählen, bis es nach vorne geht und das Doppelkupplungsgetriebe über sieben Stufen zeigen kann, wie gut es im Zusammenspiel mit der Elektronik die Kraft verteilen kann. So richtig ändern auch die Fahrprofileinstelllungen nichts an diesem Umstand. Klar kann man Dynamic wählen, was gleichbedeutend mit Sport ist, aber so richtig schwungvoll macht es die Fuhre auch nicht. In Datenblattwerten heißt das, dass es 9,6 Sekunden braucht, bis die 100-km/h-Grenze überschritten wird und dass am Ende immerhin Tempo 204 erreicht werden kann. Und damit es keine Missverständnisse gibt: Das reicht natürlich völlig aus und der Q3 Sportback 35 TFSI vermittelt in keiner Sekunde das Gefühl, an irgendeiner Stelle im Straßenverkehr nicht mithalten zu können.

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Die Sitze im Audi Q3 Sportback sind ein wunderbarer Kompromiss zwischen Sport und Langstrecke.

(Foto: Holger Preiss)

Interessant ist allerdings, dass sich im Alltagsverkehr die Verbräuche beider Antriesbvarianten kaum unterscheiden. Der 35 TFSI ging im Drittelmix mit 7,3 Litern aus dem Rennen. Und das, obgleich der 1,5-Liter-Vierzylinder im niedrigen und mittleren Lastbereich den zweiten und dritten Zylinder vorübergehend stilllegt. Am Ende ist der Verbrauch nicht schlecht, wird jetzt aber auch nicht in die Hall of Fame des Minimalismus Einzug halten. Dafür liegen die Emissionswerte bei 137 bis 130 g/km, was wiederum dafür spricht, dass, sollte es noch eine Corona-Autokauf-Prämie geben, diese Motorisierung definitiv in der Förderliste stehen.

Die lustvolle Jagd ums Eck

Aber das ist zur Stunde noch Spekulation, deshalb zurück zu den Tatsachen. Zum Beispiel zur freudvollen und temporeichen Kurvenjagd. Hier zeigt sich der Ingolstädter mit einer präzisen Lenkung gesegnet und einem Fahrwerk, das diese Spielart absolut klaglos und ohne Versatz mit sich machen lässt. Insgesamt hat Audi für den Crossover eine sehr gute Abstimmung zwischen Komfort und Sportlichkeit gefunden. Selbst leichtes Gelände nimmt der Q3 Sportback gelassen, hat sogar ein Fahrprofil Offroad im Angebot. Allerdings gibt es das nur für die Fahrer, die für 980 Euro das Fahrwerk mit Dämpferregelung geordert haben. Allerdings ist das, gemessen an dem Preis für das MMI, eine Ausgabe, die sich eben in jeder Kehre bezahlt macht.

Bezahlt macht sich im Audi auf lange Sicht auch die Verarbeitung. Hier macht kein Premiumhersteller den Ingolstädtern etwas vor. Im Q3 Sportback gab es kein Teil, das sich unangenehm anfühlte, keine Plastikkante, die irgendwie die Haptik störte. Alles, aber auch wirklich alles machte in diesem Auto einen ausgewählten Eindruck und das, ohne irgendwie dick auftragen zu müssen. Nun soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Wagen beim Test in der Ausstattungslinie S-Line durch Start und Ziel fuhr. Was nichts anderes Bedeutet, als dass die Ausstattung schon einige Extras bereitstellte, die sich Audi nicht schecht bezahlen lässt.

Preisspiele lohnen sich

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Mit 530 bis 1400 Liter Kofferraumvolumen verschenkt der Audi Q3 Sportback keinen Platz.

(Foto: Holger Preiss)

Dabei erfreut der Q3 Sportback 35 TFSI auf den ersten Blick mit einem recht kommoden Preis. Gerade mal - und das versteht sich jetzt bitte mit Blick auf das Premiumsegment - 40.900 Euro soll der Crossover kosten. Blank allerdings. Denn wie nicht anders zu erwarten, kann man hier noch gehörig aufstocken. Und das muss man sogar, denn selbst das Radio ist ein Extra. Bestellt man es nicht, klafft an der Stelle, wo im Testwagen der TFT in der Mittelkonsole sitzt, ein tiefes schwarzes Loch. Darin kann man dann die Brille ablegen, aber schön sieht es nicht aus.

Ob schön oder nicht, liegt im Auge des Betrachters, ob es aber sinnvoll ist, die Verplankung der Radhäuser in schwarzen Klavierlack zu kleiden, darf bezweifelt werden. Tatsächlich sah das mit Blick auf den Testwagen und in Kombination mit dem nicht aufpreispflichtigen Turboblau etwas aus wie ein zu groß geratenes Matchbox-Auto. Mit anderen Farben mag das anders sein. Fakt ist aber, dass der Testwagen nach dem Setzen aller Kreuze in der Optionsliste 58.935 Euro kostet. Der üppigste Posten war mit dem MMI plus schon benannt. Ebenfalls nicht billig sind die Matrix-LED-Scheinwerfer und LED-Heckleuchten für 1590 Euro, das Interieur design selection schlägt mit 1800 Euro zu Buche, die 20-Zoll-Räder bringen es auf 1050 Euro und das Bang und Olufsen Premium Sound System mit 3D-Klang auf 790 Euro.

Ein wie immer zu empfehlender Posten ist das Assistenzpaket für 1300 Euro. Und da ist dann auch wirklich alles drin, was momentan an elektronischen Helferlein en vogue ist. Dazu gehört die Kombination des adaptiven Geschwindigkeitsassistenten mit Spurführung, der den Fahrer beim Beschleunigen, Bremsen und Halten von Geschwindigkeiten unterstützt, ebenso wie der adaptive Abstandstempomat. Ebenfalls im Paket ist der Stauassistent enthalten, der den Q3 Sportback nach einem kurzen Halt wieder in Bewegung setzt. Zudem sind der Notfallassistent, der Fernlichtassistent und die adaptive Einparkhilfe plus dabei. Und Letztgenannte macht einen ganz ausgezeichneten Job: schiebt das 4,50 Meter lange SUV-Coupé auch in die kleinste Lücke und kurbelt ihn auf Wunsch wieder raus.

DATENBLATTAudi Q3 Sportback 35 TFSI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,50/1,84/ 1,57 m
Radstand2,68 m
Leergewicht (DIN)1530 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen530 / 1400 Liter
MotorVierzylinder-Diesel mit 1498 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Systemleistung110 kW / 150 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Tankvolumen58 Liter
max. Drehmoment250 Nm / bei 1500 - 3500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,5 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)6,1 - 5,9 l
Testverbrauch7,3 l
EffizienzklasseB / EU6
Grundpreis40.900 Euro
Preis des Testwagens58.935 Euro

Fazit: Ob man an einem Zwitter aus SUV und Coupé Gefallen findet, ist jedem selbst überlassen. Wer diese Gattung mag, hat mit dem Audi Q3 Sportback jedenfalls eine weitere Wahlmöglichkeit neben dem Mercedes GLC Coupe und dem BMW X4. Während die einen die Falten im Blech haben, geben die anderen den bulligen Sportler. Und Audi? Gibt Kante, auch wenn er 20 Zentimeter kürzer ist. Zeigt sich im Vergleich am aufgeräumtesten und von einer extrem guten Verarbeitung. Falsch machen kann man hier jedenfalls nichts, denn der X4 startet ab 51.400 Euro, das GLC Coupé bei 51.663 Euro. Und auch hier sind die optionalen Beigaben noch nicht eingerechnet.

Quelle: ntv.de