Ausgereiftes Super-SUVAudi Q7 mit Stecker und feinem V6-Sound - zwei Welten vereint

Der Audi Q7 gehört zu den besonders ausgereiften Produkten der Palette. Und die späten Hybridvarianten verbinden V6-Flair mit souveränen Fahrleistungen und ökologischem Geist. ntv.de war mit dem leistungsreduzierten Plug-in-Hybrid unterwegs.
Obwohl es die Position "Q7" schon über 20 Jahre in der Audi-Welt gibt, sind erst zwei Baureihen auf den Straßen unterwegs. Das liegt einfach daran, dass das große SUV eine lange Halbwertszeit hat. Wem gediegenes Fortkommen und viel Platz wichtig sind, kann auf kurzfristige Trends eben einfach pfeifen.
Doch gemach, der seit 2015 gebaute Q7 mit dem internen Code 4M ist kein Auto von gestern. Das fällt schon in den ersten Sekunden nach dem Entern auf. Raue Mengen an Display zeigen, dass auch der große Nutzwert-Oberklässler digitale Tugenden pflegt. Und generell haben die Ingenieure das Flaggschiff über die Jahre frisch gehalten. Auch und gerade beim Antriebsstrang haben die Techniker vor nicht allzu langer Zeit nachgelegt und den Elektrifizierungsanteil erhöht. So stieg vor allem beim Plug-in-Hybrid die Batteriekapazität jüngst von etwa 14 auf 22 kWh netto. Und die Leistung des Elektromotors haben die Verantwortlichen von 136 auf 177 PS angehoben.
Bei vollständig geladenem Akku beträgt die rein elektrische Reichweite nominal ziemlich genau 80 Kilometer, was den Q7 für Dienstwagenfahrer attraktiv macht wegen seiner 0,5-Prozent-Besteuerung. Aber Vorsicht: Je nach Konfiguration kann man auch mal bei unter 80 Kilometern landen im Datenblatt, hier sollte der Interessent exakte Informationen einholen.
Doch wird in der Praxis überhaupt rein elektrisch gefahren? Wie man immer wieder lesen kann, tendieren die Besitzer dazu, ihre Plug-in-Hybride eher selten zu laden. Anders sieht die Sache sicherlich aus, wenn der Brocken seinen Strom in der heimischen Garage mittels Photovoltaik bezieht. Allerdings ist die Verlockung bei Antrieben, wie dieser Q7 ihn hat, groß, doch den Verbrenner dazuzunehmen. Denn vom 340 PS starken Turbo-Dreiliter geht ein gewisser Charme aus. Er klingt nicht nur nobel-sonor, sondern liefert den exakt dosierten Schub für eine gewisse Souveränität. In Tateinheit mit dem Stromer lässt der hier besprochene "Basis"-Hybrid 394 Pferdchen vom Strick (im Vergleich zu 490 PS beim Topmodell), was selbst bei einem 2,5-Tonner noch für eine gewisse Dynamik sorgt. Außerdem ist die Rede von 600 Newtonmetern Systemdrehmoment.
Mit dem Q7-Hybrid kann man sich auch sportlich fortbewegen
So nennt das Werk 5,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h - klingt sportwagenmäßig. Und 240 km/h Höchstgeschwindigkeit sind jetzt auch nicht von schlechten Eltern. In Wirklichkeit fährt der 5,07 Meter lange Tourer natürlich eher gediegen und leise. Unter voller Last schallt es kehlig-kernig in Richtung Passagiere, was ein schöner Effekt ist insbesondere für Freunde des gepflegten Maschinentons.
Nicht immer ganz sauber dagegen gelingt das Zusammenspiel zwischen Achtgang-Automatik, Elektroaggregat und Verbrenner - je nach Lastanforderung kann es auch mal zu einer Gedenksekunde kommen. Hier sind die reinen Stromer freilich im Vorteil. Eine gewisse Agilität und Wendigkeit lässt sich dem ausladenden Ingolstädter mit permanentem Allradantrieb aber letztlich dennoch bescheinigen, nicht zuletzt wegen seiner Hinterachslenkung. Schön übrigens, dass man die Drehzahl der primären Kraftquelle noch immer klassisch auf einem (wenn auch virtuell generierten) Drehzahlmesser ablesen kann - das hat etwas Traditionelles.
Traditionell ist auch, dass dieser Audi ziemlich viel Platz bietet. Vorn ohnehin und in der zweiten Reihe ebenso (drei Meter Radstand). Einen kleinen Dämpfer müssen allerdings Hybridkunden hinnehmen: Eine dritte Sitzreihe ist weder gegen Geld noch gute Worte zu haben. Irgendwo muss eben die Batterie untergebracht werden. Dass die vorderen Stühle gegen Aufpreis auch den Allerwertesten durchkneten und klimatisieren, muss an dieser Stelle kaum erwähnt werden - Oberklasse ist eben Oberklasse.
Und dass der Spritverbrauch bei einem noblen Antrieb auch mal zweistellig werden kann, darf wohl auch nicht wundern. Immerhin hat der Kunde die Wahl, elektrisch effizienter zu fahren. Dass der Zahn der Zeit am Q7 nagt, merkt man übrigens immer wieder. Beispielsweise am eher trägen Ladegeschehen mit 7,4 kW Leistung. An Gleichstrom braucht man hier gar nicht erst zu denken. Ist aber angesichts der Akkukapazität kein großes Ding.
Viel wichtiger ist die Praxistauglichkeit, und hier kommen spezielle Interessenten durchaus auf ihre Kosten. In Verbindung mit dem Luftfahrwerk erlaubt das Schwergewicht beispielsweise Zugbetrieb mit 3,5 Tonnen Anhängelast - bei Hybridfahrzeugen alles andere als selbstverständlich. Und noch ein paar sinnvolle Sachen finden sich im Q7 - dazu zählt definitiv die physische Assistententaste (nicht in jedem aktuellen Audi-Modell zu finden). Auf diese Weise lassen sich die üblichen verdächtigen Piep- und Vibrationsquellen stummschalten. Grundsätzlich kommt man intuitiv durch das Menü. Fein auch, dass für die Klimaanlage ein eigenständiges Bedienfeld dauerhaft zur Verfügung steht.
Zum Schluss noch ein Wort zum Kofferraum, in dem man bei Bestellung der Luftfederung selbstverständlich ein Knöpfchen zur Absenkung findet, um bequemer einladen zu können. Er schluckt nach Umklappen sämtlicher Lehnen knapp 1900 Liter. Bleibt die zweite Sitzreihe vollständig erhalten, sind es immerhin noch 563 Liter. Wäre aber auch traurig, wenn Audis größtes SUV keinen Familienurlaub mit ausladender Gepäckmenge erlaubte.
Eine kleine Überraschung übrigens beim Preiskapitel: Wer denkt, dass der bärige Komfortgleiter sechsstellig kostet, hat sich geirrt. Ab 88.800 Euro ist der "kleine" Hybrid zu haben. Immer noch eine ordentliche Stange Geld, aber womöglich lohnt es sich, beim Händler nach einem attraktiven Leasing-Angebot zu fragen, das sogar halbwegs erschwinglich ausfallen könnte.
Fazit: Ja, der Q7 ist nicht mehr der jüngste Vertreter im Modellportfolio, das erkennt man nicht zuletzt am Design. Allerdings hat Audi den Nutzwert-Brocken über die Jahre attraktiv gehalten und zunehmend elektrifiziert. Das wiederum goutiert auch das Finanzamt - beispielsweise mit der reduzierten Dienstwagensteuer. Bei Antrieb und Funktionalität ist der große Allradler aus Ingolstadt zudem noch immer State of the Art.
Datenblatt Audi Q7 TFSI e Quattro
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 5,07 / 1,97 / 1,75 m
Radstand: 3,00 m
Leergewicht: 2385 kg
Sitzplätze: 5
Kofferraumvolumen: 563 bis 1863 Liter
Motorart: 3,0-Liter-Sechszylinder-Benziner mit Turboaufladung plus Elektromaschine
Getriebe: 8-Gang-Automatikgetriebe
Leistung, Verbrenner: 340 PS (250 kW) bei 5200 bis 6400 U/Min
Leistung, Elektromotor 177 PS (130 kW)
Leistung, System 394 PS (290 kW)
max. Drehmoment (Verbrenner): 500 Nm bei 1370 bis 4500 U/min
max. Drehmoment (Elektromaschine): 460 Nm
max. Drehmoment (System): 600 Nm
Kraftstoffart: Benzin
Antrieb: Allradantrieb
Beschleunigung: 0-100 km/h 5,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h (elektrisch: 140 km/h)
Elektrische Reichweite: 77 bis 82 Kilometer (kombiniert)
Tankvolumen / Akkukapazität: 75 Liter / 22 kWh (netto)
Benzinverbrauch (hybridisch): 9,5 bis 10,1 Liter (WLTP)
Stromverbrauch (kombiniert): 18,9 bis 19,4 kWh (WLTP)
CO2-Emission kombiniert: 85 bis 95 g/km (WLTP)
Grundpreis: ab 88.800 Euro