Praxistest

Praxistest im erwachsenen SUV BMW X1 – Tausendsassa aus Bayern?

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(Foto: Holger Preiss)

Sechs Jahre wusste der BMW X1 nicht so recht, was er ist: Kombi oder SUV. In der zweiten Generation haben ihm die Designer eine klare Vorgabe gemacht und ihn ins Boom-Segment einsortiert. n-tv.de stellt im Praxistest fest, dass der Bayer aber noch viel mehr geworden ist.

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Viel schnittiger und dennoch ganz als SUV zeigt sich der BMW X1 auch von hinten.

(Foto: Holger Preiss)

Sich lang und breit über die Optik eines Fahrzeuges auszulassen, gehört eigentlich nicht in einen Praxistest. Aber manchmal ist es unumgänglich, denn gerade über die Veränderung des Blechkleides gewinnt so manches Auto nicht nur an Charakter, sondern auch an Nutzwert. So geschehen beim BMW X1. Während die erste Generation nicht so recht wusste, ob sie sich in die Riege der SUV oder die Gilde der Kombi einsortieren sollte, setzt der Nachfolger klare Akzente.

150 PS, die richtig Spaß machen

Statt in die Länge baut der X1 jetzt hoch, statt mittelprächtigen Rädern steht er nunmehr auf 18-Zoll-Felgen und manifestiert sich mit verplankten Radhäusern, angedeuteten Unterfahrschutz an Front und Heck sowie Seitenschwellern als kleiner Bruder des X3 und damit als echtes SUV oder wie die Bayern es nennen, SAV (Sports Activity Vehicle). Vor allem dann, wenn der mit 4,44 Metern Länge, 1,82 Metern Breite und einer Höhe von 1,61 Metern der Kleinste in der X-Familie mit Allrad vorfährt. Zum Test hatte n-tv.de den X1 xDrive 18d gebeten, der aus einem 2,0 Liter Vierzylinder Diesel 150 PS generiert.

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Der 2.0 Liter Vierzylinder stellt 150 PS und 330 Newtonmeter zur Verfügung.

(Foto: Holger Preiss)

Hört sich nach wenig an für ein SUV, das 1,5 Tonnen auf die Waage bringt? Ist es aber nicht! Die Ingenieure in Bayern haben es in allen Punkten verstanden, aus minimalen Vorlagen ein Maximum an Fahrspaß und Leistung zu erschaffen. Über die ohne Verzögerungen absolut knackig schaltende Achtgangautomatik – die ihre 2100 Euro extra wirklich wert ist - werden 330 Newtonmeter gleichmäßig an beide Achsen verteilt. Das geht so druckvoll vonstatten, dass man sich bei Sprinteinlagen keine Gedanken machen muss, den Anschluss zu verlieren. Eher schiebt sich der Bayer kraftvoll an der Ampelkonkurrenz vorbei.

In Zahlenwerten ausgedrückt bedeutet das, dass nach 9,3 Sekunden Tempo 100 erreicht ist. Die Spitze liegt bei 205 km/h, was ausreichend ist und auch bei dreispurigen Autobahnen den Ausflug in die linke Spur nicht zum Krampf werden lässt. Beim Verbrauch mag man geteilter Meinung sein. Der Testwagen genehmigte sich in Gänze 7,5 Liter über 100 Kilometer. Das mag üppig erscheinen, wenn man die Datenblattwerte von 4,9 Litern zugrundelegt. Bedenkt man aber, dass bei einem xDrive die Kraft an alle vier Räder abgegeben wird und dass das SUV überwiegend in der Stadt bewegt wurde, dann geht der Wert in Ordnung. Weniger ist im urbanen Dschungel auch mit der zuverlässig arbeitenden Start-Stopp-Automatik nicht zu machen.

Besonders erfreulich ist die Laufruhe, mit der der Selbstzünder auch unter Last die Passagiere erfreut. Wobei die ohnehin keinen Grund zur Klage haben. Die Polster, im Testwagen für 1000 Euro extra mit strapazierfähigem Rind-Nappa bespannt, gaben sich nicht nur wohlgeformt, sondern boten auch auf langen Strecken ausgezeichneten Komfort und Seitenhalt.

Viel Platz für die Bequemlichkeit

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Auf den Sitzen des X1 können die Passagiere nicht nur bequem sitzen, sie finden auch ausreichend Platz.

(Foto: Holger Preiss)

Nicht minder bequem waren die Sitze in der zweiten Reihe. Für das allgemeine Wohlbefinden lassen sich auch dort die Rückenlehnen im Neigungswinkel verstellen. In der Mitte kann eine Armlehne ausgeklappt werden, in der sich ein kleines Fach befindet, in dem aber maximal der Reisepass verstaut werden kann. Praktisch hingegen sind die zwei Becherhalter, die auf Knopfdruck ausfahren. Derer zwei gibt es auch für Fahrer und Beifahrer. Ansonsten sind stautechnisch die üblichen Ablagen vorhanden: Fächer in den Türinnenverkleidungen in denen sich leider keine größeren Flaschen versenken lassen, eine Ablage in der im Neigungswinkel verstellbaren Mittelarmlehne und natürlich das obligate Handschuhfach. Das ist gemessen an anderen Fahrzeugen nicht viel Stauraum, fordert die Reisenden aber zur Genügsamkeit und Ordnung auf.

Ansonsten freut Passagiere im Fond vor allem die Kopf- und Kniefreiheit, die sich im Vergleich zum Vorgänger um einiges erweitert hat.  Auch der Kofferraum hat gewonnen. Waren es im alten Modell 420 bis 1350 Liter, verschwinden jetzt hinter der auf Wunsch elektrisch auf und zu schwingenden Klappe 505 bis 1550 Liter. Dabei befindet sich unter der Planen und variabel klappbaren Abdeckung ein weiterer Ladeboden, in dem sich alles verstauen lässt, was man auf der Reise nicht im nächsten Moment braucht. Sogar Schlafsäcke oder ein Zelt lassen sich dort versenken.

Auch Langlauffreunde könnten sich für den X1 begeistern. Denn deren Ski passen in der Länge ausgezeichnet ins Fahrzeug. Wird die Mitte der im Verhältnis 40/20/40 umlegbaren Rückenlehne flach gemacht, reichen die Bretter von der Ladekante bis an die Seitenwangen der Vordersitze, ohne dabei die Bewegungsfreiheit des Piloten einzuschränken. Ohnehin ist der Mann mit dem Volant in der Hand nicht nur der Herrscher über das Fahrzeug, sondern hat mit Abstand auch den meisten Spaß. Außerdem wird das Knie seines Gasfußes nicht von der Mittelkonsole behelligt. BMW hat genau an der Stelle eine Aussparung geschaffen, die für angenehme "Beinfreiheit" sorgt.

Gutes Handling auch auf engen Raum

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505 bis 1550 Liter verschwinden im Kofferraum des BMW X1 und unter dem doppelten Ladeboden, der sich bequem anstellen lässt.

(Foto: Holger Preiss)

Dank der wunderbar direkten Lenkung, einem Fahrmodischalter, der zwischen Comfort, Sport, Individual und Eco wählen lässt, hält er alle Fäden in der Hand. Natürlich hat BMW den Fokus auch beim X1 auf Dynamik gelegt. Das heißt, dass man auch mit dem Kraxler sehr sportlich unterwegs sein kann. Selbst schnelle Lastwechsel in Mehrfachkurven bringen den Münchner nicht aus der Ruhe. Die Räder scheinen sich förmlich im Asphalt festzukrallen und schieben und ziehen die Fuhre ohne einen Moment der Verwerfung ums Eck.

Bei aller Sportlichkeit ist es den BMW-Ingenieuren gelungen, das Fahrwerk in einer Art und Weise sportlich zu halten ohne es knochenhart zu machen und die Insassen auf unwegsamen Wegen zu foltern. Im Gegenteil: Fein dosiert werden Unebenheiten in den Stoßdämpfern gefiltert, was in der Summe für ausgezeichnete Fahreigenschaften sorgt. Die Grundlage dafür liefert allerdings die elektronische Dämpferkontrolle, die mit 500 Euro auf den Grundpreis berechnet wird. Auch das allgemeine Handling erfreut. Die straffe und präzise Lenkung wurde bereits erwähnt. In Verbindung mit einem Wendekreis von 11,4 Metern lässt sich das SAV aber auch in der Stadt ganz wunderbar bewegen. Aufgewertet mit Rückfahrkamera und Sensoren an Bug und Heck lässt es sich problemlos in fast jede Parklücke bugsieren.

Viele der kleinen Helferlein, wie zum Beispiel die Sensoren der Park Distance Control am Heck, sind bereits im Grundpreis von 37.000 Euro enthalten. Ebenfalls zu den Standards gehört in der Modellvariante Sport Line das Vollfarb-Head-Up-Display, das selbst bei widrigen Lichtverhältnissen ausgezeichnet ablesbar ist sowie der Stauassistent mit aktiver Geschwindigkeitsregelung und Stop-and-go-Funktion.

Wer zusätzlich die Auffahr- und Personenwarnung mit City-Notbremsfunktion im Zusammenspiel mit einem Spurverlassenswarner haben möchte, muss zusätzlich 1120 Euro investieren. Schade nur, dass letztgenannter Helfer nicht adaptiv ist, sondern seine Mahnung nur über eine Vibration des Lenkrades kundtut. Wer seinen BMW X1 xDrive 18d mit all den genannten Vorzügen ausrüstet, landet am Ende bei einem Preis von exakt 49.110 Euro. Ein stattlicher Preis für ein stattliches Auto.

Fazit: Mit dem neuen X1 hat BMW nicht nur optisch alles richtig gemacht. Der Kleinste in der X-Reihe gibt sich jetzt auch optisch klar als SUV zu erkennen und reiht sich problemlos neben den großen Brüdern X3 und X5 ein, ist vielleicht sogar eine gute Alternative für Leute, die häufiger in urbanen Gefilden unterwegs sind. Größe und Handling sind hier perfekt. Aber auch auf der Langstrecke und Urlaubsfahrten ist der Bayer gut zu gebrauchen. Zum einen bietet er Premiumkomfort, eine exzellente Verarbeitung und was noch wichtiger ist: ausreichend Platz. Einzig der Preis von knapp 50.000 Euro könnte am Ende die Begehrlichkeiten einbremsen.

DATENBLATTBMW X1 xDrive 18d
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,43/ 1,82/ 1,61 m
Radstand2,67 m
Leergewicht (DIN)1505 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen505 / 1550 Liter
MotorVierzylinder mit 1995 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Automatik
Leistung110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit205 km/h
Tankvolumen51 Liter
max. Drehmoment330 Nm ab 1750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)3,9 / 5,1 / 4,3 l
Testverbrauch7,1 l
EffizienzklasseA / EU6
Grundpreis37.000,00 Euro
Preis des Testwagens54.430,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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