Praxistest

Super Sporty Safety Car Cupra Ateca - der braucht kein Facelift

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In dieser aufreizenden Farbgebung ist der Cupra Ateca auch nicht als Limited Edition zu bekommen. Da muss schon ein Autofolierer ran.

(Foto: Holger Preiss)

Noch in diesem Jahr bekommt der Cupra Ateca ein Facelift. Zeit, sich das aktuelle Modell zu schnappen und zu gucken, ob es den Neuen braucht oder ob man mit dem Alten nicht noch ein Schnäppchen machen kann. Vielleicht sogar mit einer Limited Edition?

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Der Cupra Ateca Limited Edition fuhr getarnt als Safety Car.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn heute die Rede auf Cupra kommt, weiß der Kenner Bescheid. Das ist die Marke mit dem kupferfarbenen indianischen Stammeszeichen als Logo, das auch der stilisierte Kopf eines Stieres sein könnte. Doch was es auch sei - seit 2018 ist die Marke, die einst die Autos von Seat zu sportlichen Höchstleistungen tunte, angetreten, eigenständig die sportlichste Seite spanischer Automobilkunst zu präsentieren. Nun, unter dem Blech steckt immer noch die Technik von Volkswagen, und erst mit dem Formentor wird im kommenden Jahr ein echter Cupra abseits von Seat über die Straßen donnern. Denn das Versprechen des Logos, das da für "Leidenschaft, Präzision, Entschlossenheit und Mut" steht, schließt selbstredend auch kommende Fahrzeuge ein.

Doch bevor es so weit ist, werfen wir einen Blick zurück: Das erste Fahrzeug mit Cupra-Logo war der Ateca. Genau, der Seat Ateca. Aber mit einem knackigen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner und 300 PS. Das ist das gleiche Triebwerk, das auch den VW T-Roc R befeuert. Allerdings durfte der Spanier vor dem Wolfsburger Radaubruder mit dem Treibsatz auf die Straße fahren. Das ist inzwischen so lange her, dass unterdessen bereits das Facelift für die kommende Generation ansteht. Doch wie das so ist, betreffen die Retuschen vorrangig die Front und den Innenraum. Was lediglich zur Folge hat, dass man das kompakte Kraft-SUV ein Stück näher an das Gesamtbild der Cupra-Familie rückt. Ansonsten bleibt unter dem Blech alles beim Alten. Und das ist gut so.

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Der Cupra Ateca steht hier auf 20-Zoll-Rädern, hinter denen sich die Brembo-Bremsanlage versteckt.

(Foto: Holger Preiss)

Ein letztes Mal darf ntv.de den Cupra Ateca so fahren, wie er im Jahr 2018 angetreten ist, das Sport-Image der Marke in die Welt zu tragen. Na ja, nicht ganz. Bei dem Testwagen handelt es sich nämlich um die Limited Edition, er rotzt seine Performance aus einer vierflutigen Akrapovic-Abgasanlage. Aus den armdicken Verblendungen kommt ein Sound, der manchen Sechszylinder-Fahrer so verwirrt, dass er sich fragt, ob bei ihm noch alle Töpfe laufen. Dabei ist es gar nicht dieses aggressive Abfeuern von Endrohrsalven, sondern eher eine verhaltene Kraftdemonstration, die man sich vorstellen muss wie das Scharren des Stieres in der Arena vor dem Kampf gegen den Torero. Allerdings hat diese "Soundanlage", die natürlich weit mehr zu bieten hat als der sonst übliche Sound-Aktuator für den Innenraum, mit 3750 Euro zusätzlich auch einen stattlichen Preis.

Aber nicht nur der gute alte Akrapovic flößt Konkurrenten auf der Straße Respekt ein. Hinzu kommt die Folierung des Testers. Statt in Graphene-Grau sticht er in Blau und Weiß mit riesigem Logo an der Seite den Passanten ins Auge. Auf der Frontscheibe prangt der Schriftzug Cupra und unter dem wuchtigen Dachspoiler am Heck steht zu lesen: Safety Car. Klarer Fall: Wer hier überholt, wird disqualifiziert. Tatsächlich hielten sich derartige Versuche im öffentlichen Verkehr in Grenzen. Vielmehr wurde der sicherheitstechnische Gedanke akzeptiert, und die Meute konnte mit Respektabstand im Rückspiegel beobachtet werden.

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Die Sportsitze mit ihrer dezenten Zweifarbigkeit sind ebenfalls eine Beigabe der Limited Edition des Cupra Ateca.

(Foto: Holger Preiss)

Nun ist es aber so, dass diese Art der Fahrzeugverschönerung nicht in den Optionslisten von Cupra zu finden ist. Auch nicht für die Limited Edition. Was es aber durchaus gibt, sind die 20-Zoll-"Copper"-Leichtmetallräder, glanzgedreht und zweifarbig mit 245er Schluffen. Auch die 4-Kolben-High-Performance-Bremsanlage von Brembo, die Sport-Komfortsitze, das adaptive Fahrwerk und der Fahrprofilschalter mit einer Spreizung von Race bis Offroad sind in den 50.618 Euro bereits eingepreist. Allerdings, und auch deshalb wirft man hier gerne einen Blick zurück, dürften mit dem kommenden Facelift für die Restbestände des noch aktuellen Modells deutliche Preisnachlässe beim Händler drin sein. Ein kurzer Check im Internet verspricht sogar, dass bis zum 31. Juli bis zu 10.000 Euro gespart werden können.

Und das dürfte die Herzen der Sportfreunde mit nicht ganz so gut gefüllten Taschen höher schlagen lassen, denn wer hier auf die neue Optik und ein verbessertes Infotainment-System verzichten kann, bekommt tatsächlich eines der rassigsten und in sich schlüssigsten kompakten Sport-SUV, die es derzeit auf dem Markt gibt. Denn nicht nur, dass die Datenblattwerte in Form der schon erwähnten 300 PS passen. Hinzu kommt ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern, das bereits ab 2000 Kurbelwellenumdrehungen an alle vier Räder über ein nach wie vor unglaublich präzise und schnell schaltendes 7-Gang-DSG verteilt wird. Natürlich kann der versierte Pilot die Gangwahl über die Schaltwippen am Lenkrad auch selber einleiten, aber wirklich Spaß macht das nicht, weil die etwas klein geraten sind und für kurze Finger eher ungeeignet. Wer die 1,6 Tonnen im Race-Modus volle Lotte beschleunigt, ist nach 4,9 Sekunden mit Tempo 100 unterwegs und kann sich auf freier Strecke darauf verlassen, mindestens 247 km/h schnell zu werden. Die linke Spur muss hier also ausgesprochen selten freigegeben werden.

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Die Akrapovic-Abgasanlage des Cupra Ateca ist ebenso beeindruckend wie ihr Preis.

(Foto: Holger Preiss)

Jetzt gibt es auch kein lästiges Verzögern mehr, wenn die Automatik die Gänge hoch- und runterfliegen lässt. Vielmehr erfreut der Cupra durch sattes Überschalten, das dem Piloten den im Rennsport so geliebten Schlag ins Kreuz versetzt, wenn der Bolzer noch eine Schippe drauflegt. Im Zusammenspiel mit der Progressivlenkung, dem wunderbar straffen Fahrwerk, das - den Ingenieuren sei Dank - auch auf Kopfsteinpflaster nicht nervt, und einem bei Bedarf alle Räder bedienenden Allradantrieb kann der Cupra Ateca dann auch auf allen Wegen echt sportlich bewegt werden.

Schnelle Kurven mit richtig engen Radien? Kein Problem! Wie an der Schnur gezogen feuert das SUV durch sie hindurch. Die Sportsitze halten die Mannschaft dabei fest im Griff und dennoch sollte ein träumender Co-Pilot auf solche Manöver vorbereitet werden. Andernfalls schlägt das Stimmungshoch auf der rechten Seite in ein Stimmungstief um, denn auch auf G-Kräfte muss sich mancher mental vorbereiten. Der Fahrer jedenfalls freut sich, weil die Kiste vorn nicht eintaucht und von hinten nicht schiebt, sondern einfach das tut, was er ihr befiehlt. Kurz, es ist schon extrem schwer, den Sportfreund aus der Ruhe zu bringen. Einzig, und das sei hier erneut mahnend angemerkt: Wer mal richtig Gas geben will, der sollte vorher den Spurhalteassistenten deaktivieren. Voraussetzung ist natürlich, dass im Vorfeld das sehr zu empfehlende Fahrsicherheitspaket für 975 Euro geordert wurde. Der Spurhalter, der bis 210 km/h aktiv ist, sorgt bereits ab Tempo 180 mit seinen Spurkorrekturen für eine unangenehme Unruhe im Fahrzeug.

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Der Arbeitsplatz des Piloten hat bis auf kleine Applikationen keine Änderungen in der Limited Edition erfahren.

(Foto: Holger Preiss)

Wer nun aber derart berauscht über die Piste fliegt, darf sich über eine gewisse Trunksucht des Cupra Ateca nicht beklagen. Volle Lotte heißt, je nachdem wie lange der rechte Fuß den Pin ins Bodenblech stemmt, zwischen 13 und 15 Liter über 100 Kilometer. Natürlich geht es auch anders: Wer den Sportler im gepflegten Dauerlauf im Modus Normal fährt und mit dem Fuß das Gas nur streichelt, der schafft es sogar unter neun Liter. Und genau das ist das Schöne an diesem Fahrzeug: Wenn man will, kann man es röhren und fliegen lassen, wenn nicht, rollt er einen gelassen, leise und dennoch immer leistungsbereit durch die Lande.

Und das ist genau der Punkt, um auch noch einmal die andere Seite des Cupra Ateca zu Wort kommen zu lassen, die des Cruisers, des Langstreckenautos, des Urlaubsautos. Wie seine Brüder hat er einen Kofferraum, der im Normalfall 485 Liter fasst und bei umgelegter Rückbank - auf nicht ganz planer Fläche - 1579 Liter zur Verfügung stellt. Wer - und das ist echt teuer - eine elektrische Heckklappe haben will, der muss zusätzlich 530 Euro investieren. Das Winterpaket mit beheizbaren Sitzen in der ersten Reihe kostet weitere 430 Euro, und das Business-Paket mit dem sehr empfehlenswerten Fahrassistenz-Paket und digitalem Radioempfang räumt weitere 860 Euro vom Konto. Das unter der Folierung lauernde Graphene-Grau kostet noch einmal 790 Euro Aufpreis. So zusammengestellt, ergibt sich am Ende die stolze Summe von 58.032 Euro. Das wäre dann auch der Moment für die Feststellung, dass es sich bei diesem Cupra Ateca nicht mehr um ein Schnäppchen handelt, doch wie schon erwähnt vor dem anstehenden Facelift zu einem werden kann.

DATENBLATTCupra Ateca Limited Edition
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,38 / 1,84 / 1,62 m
Radstand2,632 m
Leergewicht (DIN)1615 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen485 / 1604 Liter
MotorReihenvierzylinder-Benziner mit 1984 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor300 PS (221 kW) ab 5300 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit247 km/h
Tankvolumen55 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)400 Nm ab 2000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h5,2 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)8,5 - 8,9 Liter (WLTP)
Testverbrauch (kombiniert)9,8 Liter
CO2-Emission kombiniert192 - 201 g/km /Euro 6 (WLTP)
Grundpreis50.615 Euro
Preis des Testwagens58.032 Euro

Fazit: Der Cupra Ateca ist ein in sich absolut schlüssiges Power-SUV. Er besticht mit seiner Leistungsfähigkeit ebenso wie durch seine Vielseitigkeit. Und wer dem neuesten iPhone entsagen kann, der muss jetzt auch nicht den gelifteten Ateca haben. Denn was der "Alte" zu bieten hat, reicht allemal. Und ob das Infotainment-System jetzt eine neue Optik hat und sich durch den Ruf "Hola, Hola" aktivieren lässt, ist für den Fahrspaß völlig unerheblich. Und der dürfte sich auch bei der Neuauflage nicht anders darstellen, denn alles, was dafür wichtig ist, ist bei den Modellen identisch.

Quelle: ntv.de