Praxistest

Langläufer ohne Durst Kia Optima SW - Nurmi mit vier Rädern

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Der Kia Optima SW hat sich im Praxistest auf n-tv.de als sparsamer Langläufer und Lademeister erwiesen.

(Foto: Holger Preiss)

Einst des Dienstwagen-Fahrers liebstes Kind, hat es der Kombi heutzutage nicht mehr leicht. Dennoch wird man sich seiner Vorzüge im Praxistest schnell wieder bewusst. Der Kia Optima SW 1.6 CRDi erwies sich als Lademeister und wahrer Kilometerfresser.

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Optisch verspricht die GT-Line echte Sportlichkeit, die der 136 PS starke Diesel nicht erfüllen kann.

(Foto: Holger Preiss)

Der Mittelklasse-Kombi hat es in Deutschland nicht mehr leicht. Selbst der einstige Bestseller, der VW Passat, schwächelt bei der Dienstwagen-Kundschaft, denn die setzt zunehmend auf das SUV. Dennoch werden die Hersteller nicht müde, ihre Kombis technisch auf Stand zu bringen und ihnen optisch sportliche Linien zu verpassen, damit das Phänomen des Lademeisters bei den Fans weiter Bestand hat.

Einer von ihnen ist der Kia Optima SW. Mit dem schnittigen, 4,85 Meter langen Kombi haben die Koreaner im vergangenen Jahr erneut einen Versuch gestartet, dem Klassenprimus in die Seite zu fahren. Optisch ist das schon mal gelungen, denn gerade wenn man die GT-Line wählt bekommt der Optima SW ein sportliches Äußeres, das viel verspricht. Tigernase und Frontscheinwerfer malen ihm ein breites Grinsen ins Gesicht und am Heck vermitteln doppelte Endrohre und ein Unterbau wie bei einem DTM-Boliden das Gefühl von knallharter Sportlichkeit.

1100 Kilometer ohne Halt

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Analog, aber irgendwie auch zeitlos schick ist der Arbeitsplatz des Fahrers im Kia Optima SW.

(Foto: Holger Preiss)

Auch im Innenraum sorgt die GT-Line für Rennstreckengefühle: ein abgeflachtes Lenkrad, das mit perforiertem Leder bespannt ist, schmiegt sich in die Hände des Piloten, Steppnähte an den sportlich geformten und straffen Lederpolstern sowie die Alupedalerie setzen noch einen drauf. Doch ach weh, wenn unter der Haube der 1,6-Liter Diesel verbaut ist. Mit seinen 136 PS und einem maximalen Drehmoment von 320 Newtonmetern malt man keine schwarzen Streifen auf den Asphalt. Schon gar nicht, wenn das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe die Arbeit der Kraftverteilung übernimmt. Gerade zwischen Stufe eins und zwei herrscht Unschlüssigkeit, die sich aber vorrangig bei langsamer Fahrt bemerkbar macht.

Für den Sprint auf 100 km/h muss sich der Fahrer 11,8 Sekunden Zeit nehmen und das Spitzentempo ist mit 193 km/h angegeben, wobei der Lauf bis dahin recht zügig voran geht und die Tachonadel auch mal über die 200 zeigt. Allerdings wird der Ton des Triebwerks bei derartigen Ausritten schon etwas rauer. Wer will, kann die Schaltzeiten über die schicken und gut zu erreichenden Wippe am Lenkrad auch selbst bestimmen. Die Paddles sind der GT-Line geschuldet und tragen ihren Teil dazu bei, dem Fahrer etwas mehr Sportgefühl in die Hand zu geben. Allerdings bleibt das Bauchkribbeln auch bei der Wippen-Schaltung aus. Auf abgedrehte Tempospiele an der Ampel sollte man sich ohnehin besser nicht einlassen, weil man das meist verliert. Für den 1,6-CRDi-Fahrer ist eher Gelassenheit und Entspannung angesagt. Und die findet er im Optima SW durchaus. Allein die Reichweitenanzeige sorgt dafür. Wer nämlich nach dem Befüllen des 70 Liter fassenden Tanks einen Blick darauf wirft, kann sich 1100 Kilometer lang zurücklehnen.

Die Tankstellen ziehen vorbei

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Vielleicht die schönste Seite des Kia Optima SW: die Silhouette.

(Foto: Holger Preiss)

Und wenn er dann so dahingleitet im entspannten Reisetempo, wird der elektronisch ermittelte Verbrauch kaum über 7,0 Liter auf 100 Kilometer steigen. Im Testverlauf konnte der tägliche Weg zur Arbeit, auf dem sowohl Autobahn und Stadtverkehr im gleichen Verhältnis bewältigt werden müssen, mit 5,9 Litern abgeschlossen werden. Ein Verbrauch, der den Euro-6d-Temp-zertifizierten Selbstzünder einmal mehr als Langstreckentriebwerk empfiehlt. Gleiches gilt für das Fahrwerk. Auch hier haben die Ingenieure viel Wert darauf gelegt, dass die Insassen auf ihren Wegen weitestgehend unbehelligt von Schlaglöchern und Querfugen bleiben. Klar, die harte Rille schlägt schon mal durch, ansonsten kann man den Optima getrost als Gleiter bezeichnen. Dadurch, dass das Fahrwerk nicht zu weich ist, kann der lange Koreaner Kurven erstaunlich hurtig durchlaufen, ohne dass seine knapp 1,7 Tonnen ins Gewicht fallen.

Ansonsten sammelt der Kia Optima SW natürlich vor allem durch sein üppiges Raumangebot bei Fahrer und Insassen Punkte. In der zweiten Reihe läuft auch der Gast mit den längsten Beinen nicht Gefahr, die Knie an den Polstern der ersten Reihe zu reiben. Selbst der Kopf wird sich nicht am Himmel stoßen, denn die Fondpassagiere sitzen sehr tief. Das wiederum hat zur Folge, dass das Ein- und Aussteigen nicht für jedermann ein Leichtes ist.

Üppiges Raumangebot

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Der Kofferraum des Kia Optima SW bietet 552 bis 1686 Liter Ladevolumen.

(Foto: Holger Preiss)

Der Kofferraum fasst 552 Liter: Ist die Rückbank komplett flach gemacht, entsteht eine ebene Ladefläche, die 1686 Liter zur Verfügung stellt. Um Ladegut zu sichern, hat Kia bereits in Serie ein Ladenetz hinter die Kofferraumabdeckung gebracht. Das ist gut, hat aber auch zur Folge, dass zwei Träger entfernt werden müssen, um die ganze Fläche ohne Einschränkung nutzen zu können. Wer die mal richtig vollgepackt hat, wird erstaunt sein, wie satt der Optima jetzt auf der Straße liegt. An dieser Stelle noch mal ein Lob an die Fahrwerksingenieure.

Insofern ist der Kia Optima SW ein gelungenes Paket aus Sparsamkeit, Zuladung und Langstreckenkomfort, das durch eine umfangreiche Ausstattung ergänzt wird. Bereits in der Basis gibt es Tempomat, Navi, Klimaautomatik und Rückfahrkamera. Wer die GT-Line wählt, bekommt noch mehr, muss aber bereits ohne weitere Optionen 39.000 Euro berappen, hat aber hier eine sensorgesteuerte Heckklappe, die sich öffnet, wenn der Schlüsselträger dahinter steht, oder eine induktive Ladestation für das Smartphone. Auf ein voll digitales Display verzichtet Kia, setzt hier auf bewährte Rundinstrumente und ein Aktiv-Matrix-Display dazwischen. Wer noch ein Glasschiebedach und elektrisch verstellbare Sitze möchte, landet unterm Strich bei 41.560 Euro.

Sicherheit auf ganzer Strecke

Für die Sicherheit auf der Langstrecke gehören ein adaptiver Spurhalteassistent, der seine Arbeit sehr feinnervig verrichtet, ein adaptiver Abstandstempomat und ein ebensolcher Bremsassistent. Die Systeme arbeiten in einem Fenster von 30 bis 160 km/h. Der Parkassistent natürlich nicht, der kann aber selbständig Parklücken in Längs- und Querrichtung ansteuern.

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Auch die wirklich guten Sportsitze mit Belüftung und Heizung sind eine Beigabe der Ausstattung GT-Line.

(Foto: Holger Preiss)

Für Freunde des guten Klangs ist im Preis auch eine Soundanlage von Harman/Kardon enthalten, von der man allerdings keine Wunder erwarten darf. Angesteuert wird sie entweder über den heutzutage fast schon etwas klein wirkenden, 8 Zoll großen TFT oder über das per Bluetooth verbundene Smartphone. Natürlich kann die Oberfläche des Handys auch über Android Auto oder Apple CarPlay gespiegelt werden. Werfen wir noch einen Blick auf die Qualität. Die kann man dem Kia nicht absprechen. Selbst bei den Knöpfen und Schaltern findet man feine Rast- und Druckpunkte.

Fazit: Mit seinen 136-Diesel-PS wird der Kia Optima SW verwöhnte Dienstwagenfahrer nicht hinter dem Ofen vorlocken. Zumal der Preis hier nicht weit von dem eines Passat, Opel Insignia ST oder Peugeot 508 SW entfernt ist. Doch mit Blick auf das Gesamtpaket, das bei Kia immer noch sieben Jahre Garantie enthält, und den wirklich beachtlich geringen Verbrauch sollten Interessenten sich auf einer Probefahrt zumindest ein eigenes Bild machen.

DATENBLATTKia Optima SW 1.6 CRDi
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,85 / 1,86 / 1,47 m
Radstand2,80 m
Leergewicht (DIN)1635 - 1770 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen552 / 1686 Liter
MotorVierzylinder Diesel mit 1598 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor136 PS ( 100 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit193 km/h
Tankvolumen70 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)320 Nm bei 2000 - 2250 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h11,8 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)4,6 Liter (WLTP)
Testverbrauch (kombiniert)6,4 Liter
CO2-Emission kombiniert122  g/km /Euro 6 (WLTP)
Grundpreis39.090 Euro
Preis des Testwagens41.560 Euro

Quelle: n-tv.de

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