Praxistest

Ein in sich stimmiges Paket Mazda 6 - die unaufgeregte Art des Reisens

DSC_2983.jpg

Für das schicke Magmarot Metallic verlangt Mazda einen Aufpreis von 900 Euro.

Holger Preiss

Die Japaner sind bekannt dafür, dass sie recht unaufgeregt sind. Diese Eigenschaft hat sich augenscheinlich auch auf den Mazda 6 übertragen. Dass das nicht schlecht ist, hat der Kombi mit großem Diesel und Allrad im Test auf n-tv.de unter Beweis gestellt.

DSC_3017.jpg

Schlicht und schön zeigt sich der Mazda6 auch von seiner Heckseite.

(Foto: Holger Preiss)

Manchmal darf man über die Unaufgeregtheit eines Autos im positivsten Sinne des Wortes überrascht sein. Eben dann, wenn nichts, aber auch gar nichts Fahrer und Fahrzeug aus der Ruhe bringt. Natürlich liegt das auch an den Assistenzsystemen wie Spurhalte- und Totwinkelwarner, an dem wunderbar funktionierenden adaptiven Start-Stopp-System, das nicht nur Fahrzeugen folgt, bei Bedarf bis zum Stillstand bremst und wieder Fahrt aufnimmt - es liegt am stimmigen Gesamtpaket des Mazda6. Zum Praxistest bei n-tv.de fuhr er als Kombi in der Ausstattungslinie Sports-Line vor. Hier ist zum Basispreis von 35.800 Euro so gut wie alles enthalten, was das Autofahrerherz höher schlagen lässt. Wer zusätzliche 3450 Euro für das Sports-Line-Plus-Paket investiert, bekommt dann auch noch Ledersitze, LED-Licht, einen titanfarbenen Frontgrill, Holz- und Chromintarsien sowie einen schwarzen Dachhimmel.

Keine schwarzen Streifen im Asphalt

Zugegeben, das ist alles schick, trägt aber noch nicht zwingend zu der anfangs erwähnten Unaufgeregtheit bei. Die entsteht vor allem durch das im Testwagen verbaute Triebwerk und dessen Anbindung an eine Sechsgang-Automatik von Aisin. Während andere Hersteller inzwischen bei neun oder gar zehn Schaltstufen angekommen sind, reichen den Japanern hier sechs, um die stärkste Variante des 2,2-Liter Turbodiesels mit 184 PS und einem maximalen Drehmoment von 445 Newtonmeter in Fahrt zu bringen. Wer der Meinung ist, den Sprint mit persönlichen Schalteinlagen besser zustande zu bringen, kann das über die Schaltwippen am Lenkrad versuchen. Egal, wie man auch startet, am Anfang schiebt der Diesel etwas knurrig an, beruhigt sich aber schnell und lässt mit einer Sprintzeit von 9,7 Sekunden auf 100 km/h die Suppe nicht wirklich kalt werden. Der Schub reicht nicht aus, um schwarze Streifen in den Asphalt zu brennen, aber immerhin, um nicht Letzter beim Ampelstart zu sein.

DSC_3255.JPG

Eine unaufgeregte Kraftentfaltung verspricht der 2,2-Liter-Diesel unter der Haube des Mazda6.

(Foto: Holger Preiss)

Etwas zäher wird es bei spontanen Beschleunigungsversuchen aus der Bewegung, zum Beispiel wenn es gilt, auf der Landstraße zu überholen. Hier tut sich der Diesel etwas schwer, seine Kraft spontan an alle vier Räder zu schicken. Aber wie schon erwähnt: Wer im Mazda6 unterwegs ist, ist unaufgeregt. Deshalb reicht am Ende auch eine Höchstgeschwindigkeit von 212 km/h für ein gutes Gefühl aus. Aufregen muss man sich auch nicht darüber, dass Mazda auf Spielereien wie Sport- oder Komfortprogramm-Schalter verzichtet. Die würden ohnehin nichts bringen und insofern gilt hier: Wer Gas gibt, kommt zügig vorwärts, wer das nicht tut, cruist so dahin.

Der Verbrauch stimmt

Weniger entspannt ist das Gefühl, wenn man die von Mazda gemessenen Verbrauchswerte mit denen im Test vergleicht. Hier stehen kombiniert 5,1 Liter gegen 7,4 Liter. Oh mein Gott, mag jetzt der eine oder andere denken, das sind ja mehr als 2 Liter Unterschied. Richtig, die wurden aber gemessen im Wechsel zwischen Stadtverkehr und Autobahn mit wenig Landstraßenanteil. Ergo geht der Verbrauch absolut in Ordnung, denn im Idealfall können hier 1,6 Tonnen mit einem lediglich 52,5 Liter fassenden Tank immer noch über 730 Kilometer bewegt werden.

Innenraum-Mazda6.jpg

Ob man die Polster in Braun wählt, ist Geschmackssache.

(Foto: Holger Preiss)

Und noch mal zur Erinnerung: Mazda ist der Hersteller, der bis dato auf das allgegenwärtige Downsizing verzichtet hat und die Leistung bei weniger Verbrauch durch ein sogenanntes "RapidMulti-Stage"-Brennverfahren, eine ultraschnelle Kraftstoffeinspritzung in den Brennraum und durch Turbolader mit variabler Geometrie realisiert. Die Form der Ladedruckregelung hat zudem zur Folge, dass der Motor insbesondere bei Beschleunigungen aus geringer Last fast verzögerungsfrei und sehr präzise auf die Gaspedalbewegung reagiert. Wer an dieser Stelle das Turboloch gewohnt ist und den spontanen Ausschlag des Drehzahlmessers erwartet, wird über die angenehm lineare Art der Beschleunigung erfreut sein. In der Fehlinterpretation könnten Turbo-Fans den sonst ruppigen Antritt vermissen. Es bleibt also auch hier unaufgeregt. Und noch etwas: Der Motor erfüllt natürlich auch die Euro 6d-temp-Abgasnorm.

Viele, aber nicht alle Helferlein

Ansonsten entspannt der Mazda6 seine Insassen im Test zum einen durch die bequemen Lederpolster - die gerne etwas mehr Seitenhalt und für hochgewachsene Personen längere Oberschenkelauflagen bieten dürften -, zum anderen durch ein straffes, aber keineswegs hartes Fahrwerk, das auch mal einen flotten Gang des 4,87 Meter langen Kombis um die Kurve erlaubt. Eine angenehm direkte Lenkung und der Allradantrieb sorgen hier im Zusammenspiel mit den 225er Pneus von Bridgestone auf 19-Zoll-Felgen für guten Grip. Aber damit ist das Entspannungsprogramm noch nicht abgeschlossen. Wer die 47.340 Euro für einen Mazda wie den hier getesteten investiert, der hat auch eine gut funktionierende Flotte von kleinen Helferlein an Deck. Darunter eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit radargestützter Distanzregulierung. Das Tolle daran ist das sanfte Einbremsen beim Auffahren auf den Vordermann und die prompte Reaktion auf seitlich in die Spur einfahrende Fahrzeuge. Ein Umstand, der nicht bei allen Herstellern so problemlos klappt.

DSC_3194.jpg

Beim Interieur des Mazda6 haben sich die Japaner viel Mühe gegeben.

(Foto: Holger Preiss)

Auch erwähnenswert ist die City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung. Die arbeitet im Mazda in einem Tempobereich bis 80 km/h und greift auch beim Rückwärtsfahren ein. Und da es ohnehin die fast unscheinbaren Dinge sind, die erfreuen, muss hier auch die Stopp-Start-Automatik genannt werden. Die lässt den Motor an der Kreuzung nämlich nur schweigen, wenn das Bremspedal wirklich konsequent durchgetreten wird. Ein Umstand, der das leidige Ruckeln erspart, wie es zum Beispiel bei allen Modellen aus dem VW-Konzern auftritt. Hier wird das Triebwerk nämlich schon beim leichten Anbremsen lahmgelegt, was zu der erwähnten Hoppelei führt. Stark ist auch das Head-Up-Display, das zwar ein etwas kleines, aber messerscharfes Bild in die Frontscheibe projiziert. Zudem - und das kann nur Mazda - weist es auch auf die im Totwinkel befindlichen Verkehr hin. Dort beschränkt man sich auf die Leuchtzeichen im Seitenspiegel.

Nicht im Alleingang

Aber es gibt auch Kritikpunkte. So ist der Spurhalteassistent nicht in der Lage, den Wagen per Lenkeingriff in der Bahn zu halten. Er warnt lediglich durch Vibrationen am Lenkrad vor einer gefährlichen Abweichung vom Weg. An dieser Stelle sind andere Hersteller nicht nur in dieser Klasse weiter. Das gilt auch für den im Testwagen nicht verfügbaren adaptiven Parkassistenten. Die Sensoren sind zwar da und die 360-Grad-Kamera bringt ordentliche Bilder auf den Monitor, aber im Alleingang kurbelt sich der Wagen eben nicht in die Parklücke.

DSC_3231.jpg

522 bis 1664 Liter Stauraum im Mazda6 Kombi sollten für alle Belange ausreichen.

(Foto: Holger Preiss)

Ein Manko ist auch das Platzangebot. Nicht das für die Passagiere oder den im Kofferraum. Dort sind 522 Liter bei aufrechter und 1664 Liter bei umgeklappter Rückenlehne zu besetzen. Das reicht durchaus. Misslich wird die Lage in den Türinnenseiten. Hier reicht der Raum lediglich für kleinere Flaschen aus. Auch der Umstand, dass der Wille zur zeitgemäßen Konnektivität mit einer irgendwie in die Mittelarmlehne geschlunzten Plastikbox einhergeht, die zwei USB-Anschlüsse offeriert, widerspricht so der gesamten Anmutung, die der Testwagen in der Ausstattungslinie Sports-Line mit dem Plus-Paket sonst bietet. Das betrifft die Holzapplikationen ebenso wie die Chrome-Dekorleisten oder die elektrisch verstellbare Lederbestuhlung mit Memoryfunktion.

Fazit: Der Mazda6 ist mit dem 2,2-Liter-Diesel, 189 PS und Allradantrieb ein Auto für alle Wege und vor allem für die Langstrecke. Was an technischem Know-how geboten wird, ist gut, spült den Japaner aber nicht in die Spitzenklasse. Was ihn aber in jedem Fall auszeichnet, ist seine Unaufgeregtheit. Alles funktioniert so, wie es soll und vermittelt nie das Gefühl, dass wirklich etwas fehlen würde. Und selbst der Preis geht hier mit etwas über 47.000 Euro in Ordnung. Das ist jetzt nicht die Kategorie Billigheimer, reißt aber auch keine ewig tiefen Löcher in die Geldbörse.

DATENBLATTMazda6 Kombi Skyactive-D 184
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,80 / 1,84 / 1,48 m
Radstand2,75 m
Leergewicht (DIN)1710 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen522 / 1664 Liter
MotorVierzylinder mit 2191 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Wandlerautomatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor184 PS (135 kW) ab 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit212 km/h
Tankvolumen52,5 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)445 Nm / ab 2000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,7 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)6,7 Liter (WLTP)
Testverbrauch (kombiniert)7,4 Liter
CO2-Emission kombiniert142 g/km (Euro 6d-Temp)
Grundpreis42.540 Euro
Preis des Testwagens47.340 Euro

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema