Praxistest

Das etwas andere E-Auto Mazda MX-30 - kompromisslos einfach?

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Der Mazda MX-30 pflegt schon ein recht außergewöhnliches Äußeres im Vergleich zu anderen Elektroautos.

(Foto: Holger Preiss)

Bei den E-Autos geht es auch darum, dass sie dem entsprechen, was der Kunde von den Verbrennern kennt. Dazu gehört nicht zuletzt auch die Reichweite. Mazda geht mit dem MX-30 einen etwas anderen Weg. Ob der funktioniert, wollte ntv.de im Praxistest herausfinden.

Nachdem in Deutschland schon der Elektroauto-Boom ausgerufen wurde, ist die Zahl der Förderanträge in diesem Jahr deutlich gesunken. Kamen im November des vergangenen Jahres 28.965 Käufer in den Genuss des üppigen Umweltbonus der Bundesregierung und der Autohersteller, waren es im Dezember sogar 43.671. Im Januar nun die Ernüchterung: Lediglich 16.316 Anträge für die E-Auto-Förderung gingen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein. Und das, obgleich nicht nur die Anschaffung, sondern auch der anschließende Betrieb der Fahrzeuge staatlich begünstigt wird.

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Lange hat Mazda mit der E-Mobilität gehadert. Insofern ist der MX-30 schon ein recht interessanter Umgang damit.

(Foto: Holger Preiss)

Ob das nun ein Zeichen dafür ist, dass die Verkehrswende doch noch mit erheblicher Skepsis beäugt wird oder ob es nur daran liegt, dass die Kunden noch nicht das passende Fahrzeug gefunden haben, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Aber ntv.de kann ein weiteres E-Auto vorstellen, das sich mit einem ganz eigenen Ansatz anschickt, die potenzielle Kundschaft zu elektrisieren. Die Rede ist vom Mazda MX-30. Jenem Elektroauto, das die Japaner eigentlich nie bauen wollten. Tatsächlich hatten die Individualisten unter den Autobauern lange mit einem E-Auto gehadert.

Ein außergewöhnliches E-Mobil

Ob es am Ende der allgemeine Druck war oder der stete Wunsch, einmal mehr anders zu sein, sei dahingestellt. Fakt ist, dass Mazda mit dem MX-30 schon ein recht außergewöhnliches E-Mobil am Start hat. Das fängt beim Design an, das Mazda "Human Modern" nennt. Gemeint ist hier eine "kompromisslose Einfachheit". Mag der geneigte Nutzer des MX-30 diese noch in der wirklich schönen Schnörkellosigkeit sehen, hört die bereits beim Zusteigen der Fondpassagiere auf. Die müssen sich nämlich durch einen recht schmalen Eingang auf die Rückbank zwängen, denn der Mazda öffnet den Zugang durch eine Portaltür, die technisch bedingt deutlich kleiner ausfällt als eine in Fahrtrichtung öffnende Pforte.

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Die Portaltüren des Mazda MX-30 sehen extrem gut aus, sind aber nicht in allen Belangen praktisch.

(Foto: Holger Preiss)

Aber auch hier muss gesagt werden, dass das Öffnen der Türen total stylisch aussieht und für Passanten zum echten Blickfang wird. Der Fahrgast hingegen hat nicht nur mit dem Zu- und Ausgang so seine liebe Mühe, der MX-30 bietet auch in der zweiten Reihe ein nur sehr beschränktes Platzangebot für Knie und Füße. Während die Erstgenannten an den Vordersitz stoßen, können die Zweiten nicht unter den Sitz geschoben werden. Zu hoch baut die zwischen den Achsen liegende Hochvoltbatterie mit ihren 35,5 kWh.

Nun hört sich Hochvoltbatterie ja immer nach viel Leistung an und lässt auch eine ordentliche Reichweite vermuten. Der Kenner wird sich aber bei der Kapazitätsangabe bereits bedenklich den Kopf kratzen, denn er weiß, dass es sich hier um eine überschaubare Distanz handelt. Und er hat recht: Mazda gibt die Reichweite mit 200 Kilometern nach WLTP an. Tatsächlich sind es unter realen Bedingungen etwa 165. Da spielen natürlich die Witterungsverhältnisse ebenso mit rein wie die Fahrweise. Wobei der erstgenannte Punkt im Test entscheidender war. Wenn es nämlich stramm unter die null Grad Celsius geht, dann ist so ein Akku nicht mehr willig, sein ganzes Potenzial auszuspielen. Zudem wird er durch Klimaanlage, Sitz- und Lenkradheizung mehr belastet. Ergo mag so eine Batterie, wie viele Menschen, den Frühling und den Sommer mehr.

AC/DC fährt im Mazda MX-30 mit

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Der Motor befindet sich beim Mazda MX-30 unter der Motorhaube. Hinter der Heckklappe stehen 366 Liter Stauraum zur Verfügung.

(Foto: Holger Preiss)

Blöd nur, dass sich die meisten Käufer eines Autos nicht aussuchen können, wann sie welches Auto aus der Garage holen. Zudem soll doch die Umwelt ganzjährig mithilfe des E-Mobils gerettet werden. Der Mazda bietet, wie der Großteil der anderen angebotenen E-Autos, die Möglichkeit, dass er mit Wechselstrom (AC, Steckertyp 2) als auch mit Gleichstrom-Schnellladern per CCS-Standard geladen werden. Insofern kann der Japaner nahezu an jeder Ladestation Strom "tanken". Dort benötigt er, wenn der Akku kurz vor dem Ende ist, etwa eine Stunde und 45 Minuten, bis 100 Prozent Ladung erreicht sind. An der AC-Ladesäule sind es dann schon über vier Stunden und wer wie der Autor über die EnBW Strom saugt, wird darüber hinaus mit einer Strafgebühr für mutmaßliches Dauerparken an der öffentlichen Ladestation bestraft. Insofern ist der Mazda MX-30 ein Auto für Leute, die mehrheitlich Kurz- und Mittelstrecken zurücklegen und mit Sicherheit an Punkt A und B eine Ladestation haben, die keine zeitlichen Grenzen setzt oder eben mit ordentlich Power den Strom in den Akku drückt.

Löst man sich von diesen schnöden alltäglichen Problemen, ist der Fahrer eines MX-30 nicht nur mit einem äußerlich außergewöhnlichen, sondern auch mit einem recht sportlichen Auto unterwegs. Angetrieben wird der Stromer nämlich von einem 145 PS leistenden E-Motor, der ein maximales Drehmoment von 271 Newtonmetern generiert. Und da die mit der ersten Pedalbewegung auf die Vorderräder gedrückt werden, kann der Japaner auch schon wild mit den Gummis über den Asphalt kratzen.

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Der Innenraum des Mazda MX-30 wurde mit recycelten Materialien und mit Kork aufgewertet.

(Foto: Holger Preiss)

In 9,7 Sekunden sind jedenfalls 100 km/h erreicht und die Höchstgeschwindigkeit gibt Mazda mit Tempo 140 an. Im Test wurde der MX-30 sogar 163 km/h schnell. Aber zugunsten einer Verbrauchsoptimierung und dem schonenden Umgang mit dem Akku ist es besser, das nicht dauerhaft zu erfahren. Wer mit gemäßigten Tempo unterwegs ist, wird mit einem Verbrauch um die 19 kWh über 100 Kilometer belohnt. Wer die Stärke der Rekuperation, also die Rückführung der Roll-und Bremsenergie in die Batterie selber steuern möchte, nutzt die Schaltwippen am Lenkrad.

Mit allen Sinnen

Löst sich der Fahrer von den schnöden Verbrauchsgeschichten, erlebt er die Fahrt in einem Mazda MX-30 nicht nur in einem außergewöhnlichen Ambiente mit einer scheinbar schwebenden Mittelkonsole oder mit einem Becherhalter mit einer Abdeckung aus Kork. Er profitiert nicht zuletzt dank der weiterentwickelten Fahrdynamikregelung G-Vectoring Control (GVC) in allen Situationen auch von einem extrem guten Fahrverhalten. Auch der Abrollkomfort geht für ein sportlich ausgelegtes Auto wie dem MX-30 absolut in Ordnung. Die Radaufhängung besteht vorne aus einer MacPherson-Federbein-Konstruktion mit unteren Dreieckslenkern und hinten aus einer Verbundlenkerachse. Durch die Umsetzung der gleichen Maßnahmen wie beim Mazda3 und Mazda CX-30 sind die Abrolleigenschaften und der Federungskomfort nahezu identisch. Identisch sind natürlich auch die Maßnahmen zur aktiven Sicherheit. So hat auch der MX-30 einen Notbrems- oder Spurhalteassistenten und einen Totwinkelwarner.

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Die Sitze im Mazda MX-30 sind fein, aber in der zweiten Reihe geht es für Reisende ziemlich eng zu.

(Foto: Holger Preiss)

Und noch etwas unterscheidet den Stromer von der Konkurrenz und verbindet ihn mit den herkömmlichen Verbrennern: der Sound. Mazda hat nämlich dafür gesorgt, dass ein höheres Drehmoment mit einem entsprechenden Klang quittiert wird. Der ist kaum auffällig, gehört eben zum Autofahren dazu und nervt in keiner Sekunde. Am Ende ist der Stromer damit immer noch leiser als ein Verbrenner. Leider ist er nicht wirklich preiswerter. Denn wer sich für den MX-30 interessiert, müsste ohne Förderung 34.490 Euro bereithalten. Abzüglich des Umweltbonus von 9570 Euro sind es noch 24.920 Euro. Ansonsten bleiben wie bei allen E-Autos die vorder- und hintergründigen Abstriche, die man bei der Mobilität machen muss.

DatenblattMazda MX-30 e-Skyactiv
Abmessungen LxBxH4,39/ 1,80/ 1,55 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (Messung)1645 kg
Sitzplätze5
Kofferraumvolumen vorn / Rücksitze umgelegt366 Liter
MotorElektromotor
Getriebe1-Gang-Getriebe
Systemleistung107 kW (145 PS)
max. Drehmoment275 Nm
Batteriekapazität35,5 kWh
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit140 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0 - 100 km/h9,7 Sek
Testverbrauch20,4 kWh/100 km
EffizienzklasseA+
CO2-Emissionen0 g/km
Grundpreis34.490 Euro
Testwagenpreis36.600 Euro

Fazit: Der Mazda MX-30 ist momentan eines der außergewöhnlichsten Elektroautos auf dem deutschen Markt. Dazu machen ihn nicht nur seine Portaltüren und das ausgefallene Interieur, sondern auch die Batterieleistung und die Möglichkeit der zwei Ladeverfahren AC und DC. Hinzu kommen ein ausgewogenes und auf Wunsch auch mal sportliches Fahrverhalten. Fakt ist auch, dass man mit einem Mazda MX-30 auffällt. Wohlgemerkt positiv.

Quelle: ntv.de

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