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Keine Frage, in Corrida-Rot fällt der Skoda Octavia RS 245 ins Auge.
Keine Frage, in Corrida-Rot fällt der Skoda Octavia RS 245 ins Auge.(Foto: Holger Preiss)
Sonntag, 15. Oktober 2017

Der lässt die Lampe blinken: Octavia RS 245 - Sport bei jeder Gelegenheit

Von Holger Preiss

Mit 245 PS ist der Octavia RS 245 der stärkste Skoda in der Kompaktklasse. Und tatsächlich haben die Tschechen mithilfe der VW-Mutter in Wolfsburg aus einem Alltagsauto einen echten Sportler gemacht. Aber taugt er auch für die täglichen Fahrten?

Wer das Heck mit dem Spoiler vor sich sieht, sollte nicht zwingend den Wettstreit mit dem Skoda Octavia RS 245 suchen.
Wer das Heck mit dem Spoiler vor sich sieht, sollte nicht zwingend den Wettstreit mit dem Skoda Octavia RS 245 suchen.(Foto: Holger Preiss)

Dass sich ein Skoda RS 245 auf der Rennstrecke bewegen lässt, wurde auf diesen Seiten schon unter Beweis gestellt. Aber wie schlägt sich der "stärkste Octavia alles Zeiten" im Alltagsgebrauch? Mit seinem 2,0-Liter-Vierzylinder, der eben satte 245 PS leistet, steht er schließlich nicht im Verdacht, untermotorisiert zu sein. Satte 370 Newtonmeter Drehmoment werden bei Bedarf auf die Vorderachse geprügelt. Und das ist wörtlich zu nehmen. Wenn der Fahrer den Pinsel im Sportmodus ins Bodenblech presst, knurrt der Tscheche böse und lässt die ESP-Lampe wie wild blinken. An dieser Stelle heißt es das Lenkrad fest in beide Hände nehmen, damit sich der RS nicht in Eigenregie auf den Weg macht. Das traut man dem trotz des Sportkleides immer noch recht verhalten wirkenden Tschechen so gar nicht zu.

In Datenblattwerten ausgedrückt heißt das, dass der Standardsprint in 6,6 Sekunden abgeschlossen ist und eine Endgeschwindigkeit von 250 km/h angegeben wird. Auf Grund der Witterung und voller Autobahnen konnte das im Test nicht verifiziert werden. Aber Tempo 220 ließ sich locker erreichen, so dass es glaubwürdig scheint, dass die Tachonadel auch den Rest auf dem analogen Rundinstrument zurücklegen wird. Wer derart flott unterwegs ist, wird durch ein sich straffendes Fahrwerk und eine sehr direkte Lenkung in seinen Handlungen unterstützt. Angenehm, dass Skoda auf tonale Ausrisse mit Hilfe eines Soundaktuators verzichtet, der mutmaßliche Sportgeräusche in den Innenraum pumpt. Der Motor knurrt in einem tiefen Bass, wirkt dabei aber nicht überfordert, was die Geräuschkulisse durchaus erträglich macht.

Im Alltag Comfort und Normal

Natürlich gehören im Skoda Octavia RS 245 auch rote Ziernähte und das abgeflachte Sportlenkrad zur Ausstattung dazu.
Natürlich gehören im Skoda Octavia RS 245 auch rote Ziernähte und das abgeflachte Sportlenkrad zur Ausstattung dazu.(Foto: Holger Preiss)

Im Alltagsgebrauch wird man die Fahrmodi über den großen Touchscreen oder den Tippschalter in der Mittelkonsole ohnehin eher auf Comfort oder Normal stellen. Weich federt der Sport-Octavia jetzt aus, ohne dabei allerdings seinen Charakter zu verleugnen. Die Lenkung wird ein wenig geöffnet, aber auch hier bleibt es straff. So straff, dass mancher klagen möge, es sei nicht genug Servounterstützung beim Einparken da. Beim Testwagen löst sich diese Kritik aber in Wohlgefallen auf, denn hier war der Parkpilot verbaut, der den Octavia selbständig in die Lücken längs und quer zur Fahrbahn schiebt. Einziges Problem: wenn die Elektronik sich einen Weg errechnet hat, drückt sie den Wagen auch gerne über den Kantstein. Das ist für die Reifen kein Problem, könnte aber in ungünstigen Fällen die schicken Bicolorfelgen schänden.

Weniger beklagenswert - weil durch die richtige Modiwahl zu puffern - ist das späte Ansprechverhalten des Triebwerks bei einem spontanen Leistungsabruf. Wer in Comfort oder Normal unterwegs ist, muss sich schon eine Sekunde gedulden, bis die Automatik über sechs Stufen den richtigen Gang eingelegt hat. Erst dann gehen die Drehzahlen nach oben und der Turbolader übernimmt die Zwangsbeatmung des Motors. Wer diese Zeit überbrücken möchte, ohne die Fahrmodi zu wechseln, der sollte sich mit den Mini-Paddles am Lenkrad anfreunden. Wenn der Fahrer lange Finger hat oder macht, kann er auf der linken Seite einfach zwei Stufen runterschalten und gleichzeitig das Gaspedal ins Blech würgen. So angezeckt folgt der RS 245 den Befehlen, als wäre er im Sportmodus. Klar, das Fahrwerk bleibt in der jeweils vorgewählten Einstellung.

Gar nicht so durstig

Der Kofferraum ist mit 590 Litern richtig groß. Beim Umklappen der Rücklehne entsteht baubedingt bei der Limousine eine Kante.
Der Kofferraum ist mit 590 Litern richtig groß. Beim Umklappen der Rücklehne entsteht baubedingt bei der Limousine eine Kante.(Foto: Holger Preiss)

Interessant ist jetzt natürlich die Frage, wie viel Sprit sich der Sportfreund denn so im Alltagsbetrieb mit dynamischen Ausritten genehmigt? Erstaunlich wenig. Im Schnitt standen 9,3 Liter auf der Uhr. Ein unerwartetes Ergebnis, das bei verhaltener Fahrweise sogar noch auf 8,9 Liter gedrückt werden konnte. Zwei Werte, die für die Leistungsdaten und den Spaß absolut in Ordnung gehen. Genau wie die Sportpolster. Skoda verzichtet auch hier darauf, den Fahrer in einer knallharten Schale zu platzieren, sondern setzt ihn auf einen recht bequemen, aber dennoch ordentlich ausgeformten Integralsitz. Das hat den Vorteil, dass auch breitere Hüften bequem Platz finden, sich aber auch lange Strecken schadlos bewältigen lassen.

Über das Platzangebot insgesamt muss bei einem Octavia eigentlich seit der zweiten Generation kein Wort mehr verloren werden: Es ist auf allen Plätzen üppig. Egal, ob Kinder oder Erwachsene, klagen muss auch in der zweiten Reihe niemand. Über den Kofferraum der Limousine mag gerne gestritten werden, wie über den Sedan überhaupt. Dennoch sind die hier angebotenen 590 Liter Stauraum absolut ausreichend für Ausflüge, Urlaub oder Einkauf. Selbst ein 28er Fahrrad bringt man mit etwas Geschick und ungelegter Rückbank von A nach B. Keine Frage, im Kombi geht das besser. Wer aber das Understatement unterlaufen möchte, der ist mit der Limousine gar nicht so schlecht bedient. Auf der Heckklappe thront nämlich ein Spoiler, der der Nachwelt im Zusammenspiel mit den schwarzen Diffusorverblendungen schon klar macht, dass hier mehr als ein normaler Octavia an der Autobahn-Konkurrenz vorbeigeschossen ist.

Auf Befehl ein Sportler

Die Sitze im Skoda Octavia RS 245 sind nicht nur sportlich, sondern auch bequem.
Die Sitze im Skoda Octavia RS 245 sind nicht nur sportlich, sondern auch bequem.(Foto: Holger Preiss)

Aber nochmal: der RS macht nur den Sportler, wenn der Fahrer es ihm ausdrücklich befiehlt. Wer ihm die Pakete mit Spurhalteassistent, Staupilot, Verkehrszeichenerkennung und Totwinkelwarner in die Optionsliste schreibt, der kann mit dem Dynamiker auch ganz gepflegt zur Arbeit cruisen. Im teilautonomen Fahrmodus lassen sich sogar die lästigen Staus ertragen. Und ganz ehrlich, hätten Sie den Autor vor vier Jahren gefragt, hätte er geschworen, dass das manuelle Schalten das Größte ist und keine Elektronik die Stauarbeit so gut bewältigt wie er selbst. Heute? Lehnt er sich zurück und sagt immer: "So, jetzt lassen wir mal das Auto fahren!" Ein wirklich entspannender Umstand.

Klar, die kleinen Helferlein haben ihren Preis. Wer das Komplettprogramm ordert, der zahlt auch bei einem Octavia RS noch mal 3900 Euro. Was die Endsumme für den Tschechen-Sportler dann mal locker auf 39.640 Euro treibt. Verglichen mit der Konkurrenz wie einem Ford Focus ST, der mit Lederausstattung und 250 PS gute 31.400 Euro kostet, ist das viel Geld. Allerdings fehlen dem Kölner auch einige technische Finessen, die der Octavia RS zu bieten hat. Klar, den Nimbus der Billigmarke hat Skoda schon lange abgelegt, aber eine preiswerte Alternative zum Mutterhaus und deren Töchtern ist sie immer noch. Immer unter der Maßgabe, dass eben VW-Technik unter dem in Mlada Boleslav geschmiedeten Blechkleid steckt.

Fazit: Ob die Form der Limousine gefällt oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass ein Skoda Octavia RS als Sedan 700 Euro weniger kostet als der Kombi. Das mag nicht die Welt sein, lässt aber einen voll ausgestatteten RS 245 keine 40.000 Euro kosten. Und fahrtechnisch gibt es auch kein Vertun. Die Limousine beherrscht die Spielarten vom sanften Gleiten bis zur harten Kurvenhatz ausgezeichnet. An manchen Stellen braucht es etwas Zeit zum Luftholen. Ist die aber da, bringen nur noch die Sportbremsen den Tschechen zum Halten.

DATENBLATTSkoda Octavia RS 245
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,69 / 1,81 / 1,45 m
Radstand2,68 m
Leergewicht (DIN)1445 - 1537 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen590 / 1580 Liter
MotorVierzylinder Ottomotor mit 1984 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Automatik (DSG)
Systemleistung180 kW / 245 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Tankvolumen50 Liter
max. Drehmoment370 Nm bei 1600 - 4300 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,6 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)6,6 Liter
Testverbrauch (kombiniert)8,9 Liter
CO2-Emission kombiniert150 g/km
EffizienzklasseC / EU6
Grundpreis33.940 Euro
Preis des Testwagens39.640 Euro

Quelle: n-tv.de

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