Praxistest

Der Hochdachkombi mit dem Blitz Opel Combo Life - der vernünftige Praxistest

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Die praktischste Form eines Autos ist wohl der Hochdachkombi. Als solcher fährt auch der Opel Combo Life vor.

Holger Preiss

Ein Hochdachkombi ist kein emotionales Auto und so ist die Entscheidung für ein solches Fahrzeug immer auch vernunftgetrieben. Das gilt auch für den Opel Combo Life. Der deutsche Ableger des Peugeot Rifter und Citroën Berlingo hat Vorzüge, aber auch Grenzen.

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Man kann sich beim Design Mühe geben, aber der Charme eines Lieferwagens bleibt auch beim Opel Combo Life.

(Foto: Holger Preiss)

"Oh nee, schön ist der nicht." So die Ansage des 14-Jährigen, als der Autor mit dem Opel Combo Life als Testwagen zu Hause vorfährt. "Was für ein Empfang", denkst du da und fragst dich, wie es wohl dem Familienvater geht, der für den Hochdachkombi mit dem Blitz gerade 28.660 Euro nach Rüsselsheim überwiesen hat. Wohl wissend, dass er auch einen Peugeot Rifter oder Citroen Berlingo hätte kaufen können. Denn seit der Übernahme von Opel durch den PSA-Konzern baut man die Fahrzeuge sozusagen in deutsch-französischer-Union.

Und tatsächlich unterscheidet sich der Opel Combo Life von seinen französischen Brüdern lediglich durch die äußere Form, das Lenkrad. Selbst den Armaturenträger teilt er sich in Gänze mit dem Citroën. Nicht mal beim Gangwahlhebel hat man sich die Mühe gemacht, etwas zu ändern. Nun gut - wenigstens muss man beim Opel nicht über das Lenkrad auf die analogen Rundinstrumente gucken wie bei Peugeot. Doch während die beiden Franzosen die Offroad-Variante des Hochdach-Kombis proben, kommt der Combo Life als niedliches Pummelchen daher. Ja, tatsächlich wirkt der Opel in der Frontansicht wie ein pausbäckiges Kleinkind.

Raumwunder mit scharfer Kante

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Die Sitze im Opel Combo Life sind nicht von der "Aktion gesunder Rücken" zertifiziert, sind aber auch auf langen Strecken bequem.

(Foto: Holger Preiss)

Aber noch mal: So einen multifunktionalen Hochdach-Kombi kauft man sich ganz bestimmt nicht wegen der Optik, sondern wegen der praktischen inneren Werte. Und die hat der Combo Life zweifelsohne. Bereits die im Test gefahrene Kurzversion von 4,40 Metern Länge bietet unglaublich viel Platz. Dafür sorgt schon die Bauart bedingte Formel: Breite mal Höhe schafft Raum. Und so kann es passieren, dass der Fahrer eines Combo, immer dann, wenn er im Rückspiegel einen alten Renault Kangoo sieht, das Gefühl bekommt, dass der locker im eigenen Fahrzeug parken könne. Denn der Combo Life ist mit 1,85 Meter satte 19 Zentimeter breiter als die erste Generation des Kangoo und mit 1,84 Meter einen Zentimeter höher. Er fährt auf Wunsch zudem auf 17-Zoll-Rädern, was ihn ebenfalls über das Urgestein von 1996 hebt. Sein größtes Pfund gegenüber dem Vorfahren ist aber der Radstand von 2,79 Metern. Der ist nämlich ebenfalls um fast 20 Zentimeter länger als beim alten Renault.

Dass sich auf dieser Basis reichlich Platz schaffen lässt, ist klar. Bei voller Bestuhlung für fünf Reisende sind hinter der auf 1,80 Meter Höhe aufschwingenden riesigen Hecklappe, die auch gern als Regendach benutzt werden kann, 597 Liter zu verstauen. Werden die drei Einzelsitze umgeklappt, wächst der Stauraum gar auf 2126 Liter. Fahrräder, Surfbretter, Ski, Snowboard: Auf einer Länge von maximal 2,70 Metern - wenn auch der Beifahrersitz umgeklappt ist - lässt sich so gut wie alles unterbringen. Auch bei der Ladebreite von 1,15 Meter kommen keine Zweifel auf, dass hier einiges quer eingeschoben werden kann. Toll auch die separat öffnende Heckscheibe, die es ab der Ausstattungslinie Innovation gratis gibt. Nicht so schön ist, dass ein Fehlgriff bei der Suche nach der Heckklappen- oder Scheibenentriegelung die Finger an die scharfkantigen Bleche führt, hinter der die Nummernschildbeleuchtung verbaut ist.

Dreizylinder mit Leistungsgrenze

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Der 1,2-Liter-Dreizylinder im Opel Combo Life leistet 110 PS und stößt ab und an an seine Grenzen.

(Foto: Holger Preiss)

Obacht muss man auch bei der Menge der Zuladung geben. Die zulässige Nutzlast liegt beim Combo Life bei 760 Kilogramm. Mit Blick darauf, dass der Hochdach-Opel als Benziner lediglich mit dem 1,2-Liter-Dreizylinder von Peugeot angeboten wird, tut sich aber ein Problem auf: Das Triebwerk leistet 110 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 205 Newtonmetern, das über ein manuelles Sechsganggetriebe an die Vorderräder weitergereicht wird und bereits ab 1750 Kurbelwellenumdrehungen anliegt. Bei einem Leergewicht von knapp 1,5 Tonnen geht das absolut in Ordnung.

Mit schwerem Gasfuß und schnellen Schaltbewegungen ist nach knapp 12 Sekunden Tempo 100 erreicht. Allerdings wird spätestens ab 140 km/h deutlich, dass hier Leistungsreserven fehlen. Wer es schneller will, der muss im fünften Gang weit ausdrehen, um dann eine Stufe höher die Maximalgeschwindigkeit von 175 km/h zu erreichen. Ist der Wagen aber voll beladen, sollte man diesen Versuch nicht mehr starten, sich lieber auf Tempo 140 kaprizieren und vorrangig die rechte Spur auf Autobahnen nutzen.

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Der Opel Combo Life bietet viel Platz.

(Foto: Holger Preiss)

Wer so entschleunigt unterwegs ist, kann sich dann aber in aller Ruhe über das ausgewogene Fahrwerk freuen, die leichtgängige Lenkung genießen und in der Kombination auch über ein erstaunlich souveränes Kurvenverhalten freuen. Das ist nicht selbstverständlich, denn der Hochdachkombi verfügt in der höchsten Ausstattung über ein großes Panoramadach, das den Schwerpunkt in Kehren noch einmal deutlich verlagert. Nicht so positiv überrascht könnte der Fahrer über den Durst des 1,2-Liter-Turbobenziners sein, denn im Schnitt pendelte sich der Verbrauch im Test über mehr als 1000 gefahrene Kilometer bei 9,6 Liter ein. Dabei war es egal, ob dieser Wert im "Highspeed" auf der Autobahn oder im Stop-and-go des Stadtverkehrs erfahren wurde. Opel gibt den Verbrauch nach WLTP je nach Ausstattung mit 7,1 Litern an. Realistisch erscheint bei verhaltener Fahrweise ein Wert um die 8 Liter, was dann wiederum in Ordnung geht.

Sinn und Unsinn

Werfen wir angesichts des Einsatzes des Combo Life noch einen Blick auf die Sitze und die Ablageflächen. Da der Hochdachkombi den Kleinlieferwagen entlehnt ist, ist die Polsterung einfach, aber nicht unbequem, taugt auch ohne Siegel der "Aktion Gesunder Rücken" für längere Strecken. Ein weiteres Plus ist das Angebot an Ablageflächen, es scheint schier unerschöpflich. Tatsächlich sollte sich der Combo-Anfänger einen Lageplan machen und vermerken, wo er die Sachen hingelegt hat, damit er sie am Ende wiederfindet.

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Die separat öffnende Heckscheibe des Opel Combo Life gibt es nur in der höchsten Ausstattung.

(Foto: Holger Preiss)

Ob alle Staufächer sinnvoll sind, darf gern infrage gestellt werden. Zum Beispiel ist das Fach in der Mittelkonsole ellbogentief. Sachen, die in diesem Brunnenschacht ohne Licht verschwinden, dürften nur schwer den Weg ans Tageslicht zurückfinden. Auch die Dachgalerie mit indirekter Beleuchtung scheint als Stauraum eher ungeeignet. Anders ist es mit der am Dachhimmel des Kofferraums montierte Ablagebox. Sie lässt sich sowohl vom Kofferraum als auch vom Fond be- und entladen und kann mit bis zu 10 Kilogramm beschwert werden. Allerdings ist die letztgenannte Beigabe nur in der höchsten Ausstattungslinie Innovation enthalten und die startet erst ab 26.000 Euro.

Nicht am falschen Ende sparen

Für Familien ist das viel Geld, was dazu führen könnte, dass eher mit der Grundausstattung Selection ab 20.000 Euro geliebäugelt wird. Aber ganz ehrlich, wer hier spart, wird sich am Ende ärgern, denn für 3000 Euro mehr gibt es bereits eine manuelle Klimaanlage, ein Multimediaradio, Lederlenkrad mit Heizung und zwei Schiebetüren, um von beiden Seiten die zweite Sitzreihe besetzen zu können. Wer weitere 3000 Euro investiert, bekommt zudem Parkpiepser am Heck, elektrisch einklappende Außenspiegel, elektrische Parkbremse, elektrische Fensterheber, Regensensor, Fernlichtassistent, LED-Tagfahrlicht, die Hecklappe mit separat öffnendem Fenster, drei einzelne Rücksitze, das Panoramadach und Sitzheizung. Allerdings ist die als einstufiger Brenner ausgelegt. Hier gibt es nur ein An oder Aus. Unverständlich auch, warum die Heizung sich nicht sofort nach dem Start des Wagens einschalten lässt, sondern erst nach einigen Metern Fahrt.

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Das Einzige, was Opel für den Combo Life beigesteuert hat, ist das Sportlenkrad.

(Foto: Holger Preiss)

Und noch etwas gibt es in Serie für die höchste Ausstattungslinie: ein Multimedia-Radio mit 8-Zoll-Farb-Touchscreen. Das ist dann auch die direkte Verbindung zum Smartphone. Tatsächlich ist der USB-Anschluss direkt am TFT angebracht, über den dann via Apple Car Play oder Android Auto Teilinhalte des Handys gespiegelt werden können. Dass das Kabel dann um den Schalthebel rumkringelt, hätte keine Not getan. Laden kann man das Smartphone - so es die Fähigkeit besitzt- aber auch über eine induktive Ladefläche in der Mittelkonsole oder über einen weiteren USB-Port im Klappfach der Armatur auf der Seite des Beifahrers. Für Reisende in der zweiten Reihe gibt es leider keine Anschlüsse, die elektronische Geräte mit Strom versorgen und Kinder so über eine längere Strecke bei Laune halten könnten.

Gute Laune nicht für alle

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Der Lichttunnel im Opel Combo Life unterhalb des Glasdaches sieht schick aus. Als Ablagefläche ist er eher unpraktisch.

(Foto: Holger Preiss)

Bei Laune könnten den Fahrer aber zwei Häkchen in der Optionsliste halten. Für 378 Euro gibt es nämlich ein Head-up-Display, dessen Plastikscheibe etwas geräuschvoll ein- und ausfährt, aber sehr gut abzulesen ist. Dort werden dann auch die mit überraschender Genauigkeit über die Frontkamera ausgelesenen Verkehrszeichen mit den entsprechenden Geschwindigkeitsbegrenzungen angezeigt. Wer zudem für 1323 Euro extra das Premium-Paket ordert, hat auch noch einen Totwinkelwarner, eine 180-Grad-Panorama-Rückfahrkamera sowie Luftauslässe in der zweiten Reihe, aber eben am Ende auch eine Rechnung von knapp 29.000 Euro.

Fazit: Der Opel Combo Life hat mit französischer Hilfe alles, was Menschen mit erhöhtem Bedarf an Zuladung brauchen. Hinzu kommen moderne Assistenzsysteme und einige Feature, die in diesem Segment bis dato alles andere als selbstverständlich waren. Warum der Interessent sich aber am Ende für einen Opel Combo Life und nicht für einen Peugeot Rifter oder Citroën Berlingo entscheiden soll, muss er selbst herausfinden. Denn am Ende unterscheidet die drei lediglich die Optik.

DATENBLATTOpel Combo Life Innovation 1.2
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,40 / 1,92 / 1,84 m
Radstand2,79 m
Leergewicht (DIN)1430 - 1540 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen597 / 2126 Liter
MotorDreizylinder Benziner mit 1199 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor100 PS (81 kW) bei 5500 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit175 km/h
Tankvolumen60 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)205 Nm ab 1500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h11,8 Sekunden
Offizieller Kraftstoffverbrauch nach NEFZ, kombiniert5,5 Liter
Testverbrauch (kombiniert)9,6 Liter
CO2-Emission kombiniert125 g/km /Euro 6d-Temp
Grundpreis26.050 Euro
Preis des Testwagens28.660 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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