Praxistest

Der Stromstoß bleibt aus Škoda Octavia RS iV - verhalten sportlich

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Optisch ist der Skoda Octavia RS iV eine echte Sportskanone.

(Foto: Holger Preiss)

Die Modelle des Skoda Octavia mit dem RS-Kürzel am Bürzel sind beliebt. Kein Wunder, dass die Tschechen auch bei den elektrifizierten Modellen ein solches Fahrzeug einsortieren: den Octavia RS iV. Der Plug-in-Hybrid hat wie sein Verbrenner-Bruder 245 PS. Aber ist er damit wirklich sportlich?

Das Kürzel RS steht bei Skoda für Sportlichkeit. Ganz besonders der Octavia hat hierzulande mit diesem Signet an Heck und Front eine Vielzahl an Fans gewonnen. In den letzten Jahren war jeder vierte verkaufte Octavia ein RS. Und das hat seinen Grund: Der tschechische Alltagsbolide ist als Kombi ab 39.639 Euro mit einem 245 PS starken 2.0-Liter-Turbobenziner zu bekommen, der sich in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und abgeregelt 250 km/h schnell wird. Und da Skoda irgendwo auch immer ein Auto der Vernunft ist, macht so ein versteckter Bolide auch als Understatement was her.

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Mit 44.000 Euro ist der Skoda Octavia RS iV auf den ersten Blick auch kein Schnäppchen.

(Foto: Holger Preiss)

Aber inzwischen geht es ja noch besser. Im Zuge der Elektrifizierung hat Skoda jetzt einen Octavia RS iV ins Programm genommen und suggeriert den Leuten mit den zwei Kürzeln nicht nur ein hochdynamisches Auto, sondern auch ein umweltfreundliches Fahrzeug. Denn der Octavia RS iV ist ein Plug-in-Hybrid, dessen Nennleistung wie die des reinen RS bei 245 PS liegt. Ja, denkt der Sportfreund, wenn ich jetzt noch vom Einstiegspreis von 44.000 Euro für den Kombi die Umweltprämie und die Steuervergünstigungen abziehe, dann habe ich mit Blick auf die Leistungen ein echtes Schnäppchen gemacht.

Vorwärts mit dem E-Antrieb

Aber ist das wirklich so? Ein Plug-in-Hybrid, der über 40.000 bis 65.000 Euro kostet, wird in Summe mit 5625 Euro bezuschusst. Das bedeutet, der Skoda Ocavia RS iV Kombi kostet mit Basisausstattung noch 38.375 Euro. Na gut, das sind mit Blick auf den puren RS immerhin 1264 Euro weniger. Aber lassen wir das Geld und blicken auf die Vorzüge bei der Fortbewegung. Die kann nämlich, wie das bei einem Plug-in-Hybrid so ist, auch rein elektrisch vonstattengehen.

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Bis zu 225 km/h wird der Skoda Octavia RS iV schnell.

(Foto: Holger Preiss)

Dafür sorgt ein 115 PS starker Elektromotor, der von einer 13 kWh leistenden Batterie gespeist wird. Laut Datenblatt soll diese Kombination reichen, um den knapp 1,8 Tonnen wiegenden Tschechen 63 bis 68 Kilometer stromern zu lassen. Eine mit der Erfahrung des Praxistests ziemlich übertriebene Angabe. Knapp 40 Kilometer waren im Normalfall mit dem E-Antrieb zu überwinden, dann musste der RS iV an die Dose, wollte man weiter elektrisch unterwegs sein. Und so muss der RS iV für die nächsten vier Stunden an eine 22 kW-Station vom Typ 2.

Das ist schon ein Moment, der einem öfter begegnet, denn der Skoda startet prinzipiell im Elektrobetrieb. Und da er bei leichter Gaspedalbewegung diesen Vortrieb auch bis in den dreistelligen Geschwindigkeitsbereich beibehält, schnurrt man eben besagte Strecke, bis sich der 1.4-Liter-Benziner mit 150 PS einmischt und den Vortrieb zu großen Teilen übernimmt. Hat man also bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 13 kWh Strom über 100 Kilometer verbraucht, wird jetzt auch fossiler Brennstoff fällig. Und da sind kombiniert schon mal 7,3 Liter aus dem knapp 41 Liter fassenden Tank gesaugt. Was jetzt gemessen an einem reinen Verbrenner nicht wesentlich weniger ist. Und das, obgleich der E-Motor auch bei leerem Akku immer aktiv bleibt. Er unterstützt beim Anfahren ebenso wie beim Bergsteigen oder wenn der Fahrer einfach mal die Dynamik seines RS iV ins Spiel bringen möchte.

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Im Innenraum unterscheiden sich der Octavia RS iV und der RS nicht.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn also der vehemente Tritt auf den Pin kommt, dann geht der Plug-in-Hybrid schon nach vorn. Zwar bleibt er mit 7,3 Sekunden 0,6 Sekunden beim Standardsprint hinter dem RS zurück, aber das ist tatsächlich eine zu vernachlässigende Größe. Schmerzlicher ist dann schon die Spitzengeschwindigkeit, die bei 225 km/h eben 25 km/h hinter dem reinen Benziner zurückbleibt. Zumal einschränkend angemerkt werden muss, dass es schon einen Moment Zeit in Anspruch nimmt, bis der RS iV diese lichten Geschwindigkeitshöhen erklommen hat. Da man ein derartiges Tempo natürlich nur auf den freien Strecken der Autobahn erreichen kann, sollte der Fahrer vorher nicht nur manuell den Hybrid-Modus aktiviert haben, sondern sich vielleicht auch eine gewisse Menge Energie bunkern, die ihn am Zielort befähigt, rein elektrisch die letzte Meile zu bewältigen. Das geht über das große Zentraldisplay mit ein paar Fingerstrichen.

Beschwingt über die Autobahn

Wer jetzt mit dem RS iV aber beschwingt über die Autobahn pest, wird über den Verbrauch dann doch überrascht sein. Trotz aktiver Unterstützung durch den E-Antrieb laufen hier gut 9 Liter durch die Leitungen, während sich der Energieverbrauch mit 2,3 kWh sehr bescheiden ausnimmt. Anders gesagt, die Hauptarbeit beim Vortrieb übernimmt der 150 PS starke Benziner. Und der macht so gesehen einen wirklich guten Job. Denn ohne übermäßig angestrengt zu wirken, knurrt er nur beim schweren Tritt aufs Gaspedal etwas ungnädig, fängt sich dann aber und lässt den Octavia sehr geräuscharm dahingleiten, was auch für die gute Dämmung spricht. Apropos Geräusch: Natürlich verfügt der Straßensportler auch über Fahrprogramme, die sich dankenswerterweise über einen analogen Schalter in der Mittelkonsole einlegen lassen. Auf diesem Weg lässt der Tscheche sich dann auch in den Sportmodus versetzen.

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Die Sportsitze im Octavia RS iV sind super und Platz gibt es wie gewohnt in der zweiten Reihe reichlich.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn das passiert ist, fängt es im Innenraum an zu grollen und nicht nur der Fahrer in seinen ausgesprochen bequemen Sportsitz fragt sich, was der Unsinn soll. Wie bei einigen anderen sportlichen Ablegern im VW-Konzern wird über die Soundanlage ein Pseudo-V8-Motorengeräusch im Innenraum kredenzt, das man nach kurzer Zeit einfach nur als enervierend empfindet und einen Weg sucht, es wieder loszuwerden. Das geht über die individuellen Fahreinstellungen ebenso wie über einen Fahrprogrammwechsel hin zu Normal, Comfort oder Eco.

Und das ist am Ende auch gar nicht schlimm, denn Normal oder Comfort unterscheiden sich nicht groß von Sport, was die Gasannahme und das Lenkverhalten betrifft. Auch hier verspricht das Kürzel RS mehr, als es am Ende halten kann. Man verstehe mich nicht falsch. Man kann mit dem RS iV durchaus flott unterwegs sein. Man kann ebenso durch die Kurven fliegen, aber der Plug-in-Hybrid vermittelt nie wirklich das Gefühl, ein echter Sportler zu sein. Er ist flott, fährt sich gediegen, hampelt nicht über Unebenheiten, reagiert freundlich und zurückhaltend auf die Befehle des Piloten, verbreitet aber nie wirklich das Gefühl, dynamisch ambitioniert zu sein. Was ganz bestimmt nicht daran liegt, dass lediglich ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Stufen für die Kraftverteilung der maximal 330 Newtonmeter Drehmoment sorgt. Dennoch könnten böse Zungen behaupten, der Skoda RS iV verspreche mehr, als er am Ende halten kann.

Nicht jeder wird sparen

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Beim Kofferraumvolumen musste der Skoda Octavia RS iV als Kombi mit 490 Litern richtig Federn lassen.

(Foto: Holger Preiss)

Das trifft ganz und gar nicht für Ausstattung und die Optionsliste zu. Die ist prall gefüllt. Und dennoch kann man in einige Pakete, die nicht unattraktiv sind, zusätzliches Geld investieren. Da wäre zum Beispiel das Infotainmentpaket Columbus Plus mit Head-up-Display, Navigationssystem und Gepäcknetzwand für 1860 Euro extra. Oder das Reise- und Komfortpaket mit adaptivem Abstandsassistenten, adaptivem Fahrwerk und Müdigkeitserkennung für 1360 Euro. Auch das Park- und Sichtpaket ist mit LED-Nebelscheinwerfern, Parklenkassistent und Rückfahrkamera für 660 Euro nicht unattraktiv. Allerdings hat man bei diesen Zugaben mit 3880 Euro das im Vergleich zum reinen RS gesparte Geld zweifach aufgebraucht.

Nun, wie dem auch sei, die Simply-Clever-Beigaben finden sich natürlich auch im Octavia RS iV. Sei es der Eiskratzer in der Tankklappe, der Regenschirm, der Tickethalter an der Frontscheibe und natürlich ordentlich Platz für Reisende und Gepäck. Obgleich gerade letztgenannter Punkt mit 490 Litern im Vergleich zum normalen Kombi mit 690 Litern deutlich abfällt.

DATENBLATTSkoda Oktavia RS iV
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,70 m/ 1,83 m/ 1,47 m
Radstand2,68 m
Leergewicht (DIN)1707 - 1828 kg
Sitzplätze5
Motor/HubraumR4 Benziner mit Turbolader und 1395 Kubikzentimetern Hubraum
E-Motor115 PS (85 kW)
Energiegehalt Batterie13 kWh
Getriebe6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung Verbrenner150 PS (110 kW) bei 5000 - 6000 U/min
Systemleistung245 PS (180 kW)
max. Drehmoment (Systemleistung)400 Nm bei 1400 - 4000 U/min
KraftstoffartBenzin
Kraftstoffverbrauch im Test8,2 Liter/100 km
Energieverbrauch im Test13,3 kWh/100 km
Kraftstoffverbrauch kombiniert (Hersteller)1,5 Liter/100 km
Energieverbrauch (Hersteller)11,4 kWh/100 km
Tankinhalt41,5 Liter
Kofferraum490 / 1555 Liter
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,3 s
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
34 g/km
EmissionsklasseEuro 6 AP
Grundpreis44.060 Euro
Preis des Testwagens48.700 Euro


Fazit:
Ob die Rechnung für einen Plug-in-Hybrid aufgeht, hängt natürlich immer von der Nutzung ab. So ist das auch beim Skoda Octavia RS iV. Wer aber abseits der rein elektrischen Kilometer, der Umweltprämie und der möglichen steuerlichen Begünstigungen ein wirklich sportliches Auto haben möchte, der sollte noch mal in sich gehen, ob denn ein Plug-in-Hybrid, auch wenn der die Initialen des Dynamikers trägt, das richtige Auto ist.

Quelle: ntv.de

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