Praxistest

Škoda-Kombi-SUV im Praxistest Superb Scout - es war mal und ist noch immer

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Der Skoda Superb ist ein Lademeister und in der Ausführung als Scout vielleicht sogar eine Alternative zu einem SUV.

(Foto: Holger Preiss)

Den Kampf gegen die SUV haben die Kombis in Deutschland längst verloren. Dennoch wird die Fahne hierzulande hochgehalten, denn es scheinen sich immer wieder Kunden zu finden, die den Lademeister einem Kraxler vorziehen. Und das aus gutem Grund, wie der Test des Škoda Superb Scout zeigt.

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Um dem Skoda Superb Scout eine robuste Optik zu geben, wurden die Stoßfänger modifiziert.

(Foto: Holger Preiss)

Erinnern Sie sich an die Zeit, als das SUV in der Gunst des deutschen Autokäufers noch nicht über allem stand? Damals, als der Kombi das liebste Kind der Ladefreunde war? Zu jener Zeit hätte man den neuen Škoda Superb Kombi wohl zu Hunderttausenden auf hiesigen Straßen gesehen. Nun ist es nicht so, dass die Gattung völlig verschwunden wäre. Vielmehr versucht sie sich in Form von Alltrack, All Terrain, Allroad, X-Perience oder eben bei Škoda als Scout den Offroad-Wünschen der Käufer anzupassen.

Ein wenig zu durstig

Im Fall des Škoda Superb Scout gehört zum Paket ein 2.0 Liter Diesel mit 190 PS und selbstredend Allradantrieb. Der Motor verrichtete seine Arbeit mit etwas weniger PS auch im Audi A4 Avant 35 TDI, der jüngst bei ntv.de zum Test war und dort durch seine Sparsamkeit gefiel. Auch im Scout ist der größte verfügbare Diesel ein wirklich gutes Aggregat. Allerdings gibt es mit Blick auf den Audi einige Unterschiede. Zum einen kommt der Treibsatz im Tschechen etwas brummiger daher, was an der allgemeinen Dämmung liegen dürfte, und er ist auch etwas durstiger als im Ingolstädter. Tatsächlich differierte der Verbrauch zwischen beiden Fahrzeugen um gut einen Liter zuungunsten des Scout. Für den stand am Ende ein Verbrauch von 7,0 Litern in den Büchern.

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Auf 4,87 Meter streckt sich der Skoda Superb Combi Scout.

(Foto: Holger Preiss)

Zugegeben, der Durst dürfte sich auf der Langstrecke etwas reduzieren, im Test ging der Verbrauch hier auf 5,9 Liter über 100 Kilometer runter. Grundvoraussetzung für einen solchen Verbrauch ist dann aber auch eine entsprechende Fahrweise. In der Spitze kann der Scout nämlich bis zu 223 km/h schnell werden und beschleunigt sich und seine Fahrgäste in acht Sekunden auf Tempo 100. Wer derart spritzig unterwegs ist, darf und muss natürlich mit einem etwas üppigerem Verbrauch rechnen als der, der hier im Test erfahren wurde. Damit ist der Scout übrigens 0,5 Sekunden schneller auf Landstraßentempo als der A4 Avant 35 TDI. Das liegt am Allrad und daran, dass das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern im Sportmodus sehr spontan und druckvoll auf die Räder verteilt wird.

Volle Ladung auf schlechten Wegen

Im Fahrprogramm Normal spricht das Triebwerk übrigens wesentlich verhaltener an. Für die Langstrecke empfiehlt sich im Übrigen, wenn man wie im Testwagen das adaptive Fahrwerk DCC für 850 Euro extra ordert, die Einstellung Comfort. Der Superb ist nämlich mit seiner Offroad-Abstimmung recht straff unterwegs. Erfolgt aber die Umstellung, wird der Scout geradezu zur Sänfte. Ergo eine Investition, die sich lohnt. Natürlich auch mit Blick auf die sportliche Fahrweise, wo Dämpfer und Lenkung sich deutlich straffen und die Gaskennlinie spitzer wird. Letztlich liegen die Vorzüge der Scout-Variante aber nicht in der wilden Straßenhatz, sondern eben eher in dem Umstand, dass man dank des serienmäßigen "Schlechtwegepakets" mit Triebwerk- und Steinschlagunterbodenschutz sowie 1,5 Zentimetern mehr Bodenfreiheit auch mal die Abkürzung über die Schotterpiste nehmen kann.

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Das Innenleben des Skoda Superb Scout kann mit einigen finanziellen Einsatz noch etwas aufgepeppt werden.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich sollte, wer sich so einen Superb Scout kauft, nicht darauf verzichten, die Anhängerzugvorrichtung für zusätzlich 890 Euro zu ordern. Die erscheint und verschwindet nicht nur elektrisch und auf Knopfdruck am Heck, sie ermöglicht es dem Fahrer, auch 2,2 Tonnen an den Haken zu nehmen. Im Zusammenspiel damit kommen dann auch die seit Jahren bekannten Vorzüge, nunmehr in potenzierter Form, im neuen 4,87 Meter langen Superb Scout zum Tragen: Platz und eine scheinbar unendliche Ladefreudigkeit. Mit 660 Litern Kofferraumvolumen stellt der Tscheche alles in den Schatten. Er übertrifft sogar das Mercedes E-Klasse T-Modell. Ein BMW 5er Touring bringt es lediglich auf 570 Liter und der Audi A6 Avant macht schon bei 565 Liter dicht. Ist die Rückbanklehne komplett flach gemacht, kann Ladegut auf 1950 Liter verteilt werden. Und weil der Einschub an der Ladeluke genau einen Meter breit ist, gehen da Sachen rein, denen sich Kofferräume anderer Hersteller einfach nur verweigern. Das gilt auch für die Zuladung, die mit 705 Kilogramm recht üppig bemessen ist.

Der Vergleich macht den Preis attraktiv

Üppig ist auch das Platzangebot für die Passagiere im Superb Scout. In der zweiten Reihe kann man die Beine noch lässig übereinanderschlagen, auch wenn Fahrer und Beifahrer bei einer Körpergröße von über 1,85 Meter ihre Sitze, auf Wunsch und für 570 Euro extra, elektrisch weit nach hinten gefahren haben. Den Blick von außen verhindern tief getönte Scheiben oder für 170 Euro mechanische Seitenscheibenrollos. Zudem kann mit 250 Euro extra eine Dreizonen-Klimaautomatik geordert werden, die dann auch gleich noch zwei beheizbare Sitzplätze und die individuelle Temperatureinstellung für die Fondpassagiere beinhaltet.

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Den besten und vor allem den meisten Platz haben Reisende im Skoda Superb Scout in der zweiten Reihe.

(Foto: Holger Preiss)

Der aufmerksame Leser merkt: Man kann den Scout mit den richtigen Kreuzen in der Optionsliste auch noch weit über seine tschechische Schlichtheit fast in den Rang eines Luxusliners heben. Doch je mehr man den Adelsstand auf diese Art und Weise nach oben treibt, desto teurer wird das gute Stück. Zumal der Scout mit einem Einstiegspreis von 47.970 Euro wirklich nicht mehr in der Region preiswert angesiedelt ist. Natürlich bleibt diese Summe verglichen mit der Premium-Konkurrenz immer noch unschlagbar. Selbst wenn die Konfiguration abgeschlossen ist, wirkt der Skoda geradezu wie ein Schnäppchen. Hier ist also keine Gefahr im Verzug, zumal der Tscheche wirklich keine Wünsche offen lässt.

Der Vergleich wird interessant, wenn man ein Produkt aus dem eigenen Haus gegen den Superb Scout stellt: den Kodiaq Scout. Der geht nämlich mit gleicher Motorisierung für 45.590 Euro an den Kunden, offeriert dem Platzbedürftigen nicht weniger Raum und würzt seine Optionsliste mit den gleichen Zutaten. Dazu gehört auch das Kombi-Paket von Spurhalte-, Spurwechsel- und Ausparkassistent inklusive Notfall- und Stauassistent. Kostenpunkt: 1020 Euro, die nicht besser investiert sein können. Denn alle benannten Punkte konnten - abgesehen vom Notfallassistent - mit Blick auf ihre Funktionsweise mit Bestnoten bewertet werden. Das heißt nicht, dass die Systeme den Fahrer davon entbinden, aufmerksam zu sein und die Hände am Lenkrad zu lassen. Aber es entlastet den Piloten und versüßt ihm die Langstrecke. 1000 Kilometer am Stück? Mit der Ausstattung kein Problem.

Das kommt richtig teuer

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Der Kofferraum eines Skoda Superb Combi Scout ist über maximal 1700 Liter immer noch eine Bank für jedes Ladegut.

(Foto: Holger Preiss)

Werfen wir noch einen Blick auf den heftigsten Posten in der Optionsliste des Testwagens: das Ausstattungspaket Business Columbus. Das kostet nämlich satte 2230 Euro. Darin enthalten sind digitaler Radioempfang, das Navigationssystem Columbus mit Echtzeitnavigation, veheizbare Vorder- und äußere Rücksitze, Sprachbedienung, Verkehrszeichenerkennung, Sprachbedienung und über Media Command die Anfrage von Fahrzeugdaten und einigem mehr über eine entsprechende App. Aber all das würde diesen teuren Kauf nicht zwingend rechtfertigen. Der Hauptgrund wäre wohl das große Zentraldisplay, dessen Optik keine Knöpfe mehr stören.

Ansonsten ist das Multimediasystem im Superb und auch im Kodiaq noch eine Generation hinter der des neuen Octavia zurück. Hier kann zum Beispiel über Bluetooth die Verbindung zwischen Multimedia-Einheit und Smartphone hergestellt werden. Auf diesem Weg werden auch die Inhalte gespiegelt. So kann hier beispielsweise Google Maps oder Apple Karten ohne Kabel auf das Zentraldisplay übertragen werden. In Superb und Kodiaq geht das nur mithilfe eines USB-Kabels. Das ist jetzt sicher nicht kaufentscheidend, aber soll nicht unerwähnt bleiben.

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Der 2.0 Liter Diesel findet in unterschiedlichen Leistungsstufen im gesamten VW-Konzern seinen Einsatz. Im Falle des Testwagens leistet er 190 PS.

(Foto: Holger Preiss)

Ebensowenig die Summe unter dem Strich: Der Skoda Superb Scout kostet am Ende, wenn so ausgestattet wie beschrieben, nicht weniger als 55.220 Euro. Der Kodiaq Scout bringt es mit identischer Motorisierung und bei gleicher Ausstattung auf 53.450 Euro. Wer also sparen will, kann es an dieser Stelle tun. Im Vergleich mit der Premium-Konkurrenz, bei der sich die Fahrzeugpreise für die oben genannten Modelle mit ähnlicher Ausstattung locker der 75.000 Euro-Marke nähern, hat man geradezu ein Schnäppchen gemacht.

DATENBLATTSkoda Superb Combi Scout 4x4
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,87m/ 1,86 m/ 1,47 m
Radstand2,84 m
Leergewicht (DIN)1665 kg
Anhängelast2200 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEU 6d-Temp
Motor/HubraumR4 Diesel mit TwinPower Turbolader und 1968 Kubikzentimetern Hubraum
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung190 PS (140 kW) bei 3500 - 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
Tankinhalt50 Liter
Kofferraum660 - 1950 Liter
Höchstgeschwindigkeit223 km/h
max. Drehmoment4000 Nm bei 1750 - 3250 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,0 s
Normverbrauch (kombiniert) NEFZ4,9 l
Testverbrauch7,0 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
129 - 127 g/km
Grundpreis47.970 Euro
Preis des Testwagens55.220 Euro

Fazit: Der Skoda Superb Scout ist in der Reihe der Skoda-Kombis in jeder Hinsicht eine Empfehlung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis kann kaum von der Konkurrenz, sondern nur von Fahrzeugen aus dem eigenen Haus übertroffen werden. Insofern erscheinen die knapp 55.000 Euro für ein vollausgestattetes Fahrzeug gar nicht mehr so üppig.

Quelle: ntv.de