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Raimund Brichta Ackermanns Irreführung

Raimund Brichta

Raimund Brichta

"Wenn ein Haus einmal brennt und die Gefahr besteht, dass umliegende Häuser auch beschädigt werden, dann lohnt es sich nicht, eine lange Debatte über die Konstruktionsfehler des Hauses zu führen, sondern man muss das Haus löschen." Mit diesen Worten hat Josef Ackermann versucht, die Griechen-Hilfe als alternativlose Rettungsaktion für das "Eurohaus" darzustellen und die Aufmerksamkeit von den Konstruktionsfehlern wegzulenken. Tatsächlich hat der Deutsche-Bank-Chef damit aber nur eine Nebelkerze geworfen, die die wahren Zusammenhänge verschleiert.

Treffender wäre dagegen folgendes Bild: Die Architekten haben das Eurohaus in einem sumpfigen Überschwemmungsgebiet bauen lassen und wundern sich jetzt, dass das Wasser tatsächlich gekommen ist. Nun wird hastig versucht, mit einem "Rettungspaket" die überfluteten Räume leer zu pumpen und mit einem "Sparprogramm" Sandsäcke herbei zu schaffen, die "verhindern" sollen, dass das Wasser in Zukunft erneut eintritt.

Doch wer die Natur kennt, weiß, wie sinnlos dieses Unterfangen ist. Genau deshalb sollte man in Überschwemmungsgebieten eben nicht bauen. Die Konstrukteure des Eurohauses haben diese Grundregel aber leider missachtet: Vermutlich weil sie es nicht besser wussten, wie ich vor einigen Tagen in der Kolumne "Kalinikta Euro" schrieb. Die andere Möglichkeit, dass sie wider besseres Wissen gehandelt haben, erscheint mir einfach so unvorstellbar, dass es mir schwer fällt, sie in Erwägung zu ziehen.

Spätestens jetzt ist es aber an der Zeit zu erkennen, dass das Haus an der falschen Stelle steht und dass man mit Pumpen und Sandsäcken nur vorübergehend etwas ausrichten kann. Auf lange Sicht muss das Haus geräumt werden, bevor es versinkt. Ob man es dann an anderer Stelle neu aufbaut, sollte dieses Mal allerdings genauestens geprüft werden, meint

Ihr

Raimund Brichta

Quelle: n-tv.de

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