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Vom Rüpel zum Menschenrechtler "Beastie Boy" Adam Yauch stirbt mit 47

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Adam MCA Yauch ist tot.

(Foto: dapd)

Ein Partyalbum machte ihn berühmt. Doch schon bald verwandelten sich Adam Yauch und die Beastie Boys zu einer wegweisenden Hip-Hop-Band, die ihren Horizont nicht nur mit musikalischen Innovationen, sondern vor allem mit ihrem sozialen Engagement stetig erweiterte. Nun ist der Musiker und Menschenrechtler mit 47 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben.

"You Gotta Fight For Your Right To Party!" Vielleicht wird man diesen Song jetzt wieder öfter hören. Mit ihm wird an Adam Yauch erinnert werden, der unter dem Künstlernamen MCA Mitglied der Beastie Boys war. Nun ist Yauch mit 47 Jahren gestorben, vermutlich an den Folgen seines Krebsleidens, das er 2009 erstmals öffentlich gemacht hatte.

Kaum vorstellbar ist, dass die beiden verbleibenden Bandmitglieder Michael "Mike D" Diamond und Adam "Ad Rock" Horovitz allein weiter machen werden. Denn zu dritt, immer wieder unterstützt von DJs wie Money Mark, wurden die Beastie Boys zu einer der innovativsten und erfolgreichsten Bands der letzten Dekaden. Die Anfänge liegen allerdings im Hardcore-Punk. Nachdem Yauch Ende der 70er Jahre Black Flag gesehen hatte, überredete er einige Freunde, mit ihm eine Band zu gründen. Mehrere EPs folgten (nachzuhören auf der Kompilation "Some Old Bullshit").

Doch schon bald erweiterten die Musiker ihr Spektrum, Rap und Hip-Hop nahmen immer mehr Platz ein. 1986, nach einer erfolgreichen Tour im Vorprogramm von Madonna, nahmen sie schließlich ihr Debütalbum auf. Und was für eines: "Licensed To Ill", produziert von Rick Rubin, schoss als erstes Rap-Album überhaupt an die Spitze der Albumcharts und es blieb das erfolgreichste Hip-Hop-Album der Dekade - und das ausgerechnet von einer Band aus dem weißen Mittelstand. Der Rolling Stone freilich meinte lapidar: "Drei Idioten schaffen ein Meisterwerk." Es waren die rotzige Frische und die unverblümten Texte, die einschlugen wie eine Bombe. Über Hip-Hop-Beats und Gitarrenriffs sangen die drei Musiker über Frauen, Sex, Partys und gute Laune. "You Gotta Fight For Your Right To Party!"

Meilensteine des Hip-Hop

Diesen Erfolg konnten die New Yorker nicht mehr wiederholen. Mit "Paul's Boutique" (1989) und "Check Your Head" (1992) legten sie stattdessen zwei Alben vor, die viele Fans verschreckten, heute aber als Meilensteine des Hip-Hop gelten. Immer mehr erweiterten die Beastie Boys ihre künstlerischen Ausdrucksweisen, mischten Hip-Hop mit Punk und Rock, mit Jazz, Funk und Elektronik. Mit den erfolgreichen Alben "Ill Communications" (1994) und "Hello Nasty" (1998) führten sie diesen Weg konsequent fort.

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Gemeinsam mit Ad Rock und Mike D revolutionierte MCA den Hip Hop.

(Foto: REUTERS)

Neue Platten der Beastie Boys wurden zum Ereignis, zumal sie nur alle Jubeljahre erschienen. Denn das Trio hatte schon längst seinen Horizont erweitert und arbeitete an der Vision der Verschmelzung von Musik, Kunst und Politik. Dazu gehörten nicht nur das von Mike D intensiv betreute Modelabel X-Large und das bandeigene Label "Grand Royal", auf dem bereits "Check Your Head" erschienen war und mit dem sich die Musiker die Kontrolle über ihre Musik sicherten (und damit zu Vorbildern vieler anderer Künstler wurden).

Die New Yorker setzten ihre Musik auch immer wieder gekonnt in Musikvideos in Szene. Adam Yauch führte dabei unter dem Pseudonym Nathaniel Hörnblowér Regie. Diese Erfahrung nutzte er, um später mit seiner Produktionsfirma Oscilloscope Laboratories die Basketball-Dokumentation "Gunnin' For That #1 Spot" zu drehen und Filme zu produzieren, darunter der Spielfilm "Wendy und Lucy" mit Michelle Williams oder die von der Kritik gefeierte Pseudo-Doku des Graffiti-Künstlers Banksy, "Exit Through The Gift Shop".

Doch damit nicht genug: Yauch, der sich seit Anfang der 80er Jahre zum Buddhismus bekannte, war es auch, der zunehmend seinen Einfluss als Musiker nutzte, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen und die Fans zu sozialem Engagement aufzurufen. Mit dem zunehmenden Erfolg setzte er sich immer stärker etwa für Frauenrechte ein, zuletzt auch für die Occupy-Bewegung.

Konzerte für die tibetische Unabhängigkeit

Vor allem aber engagierte er sich zusammen mit seinen Mitmusikern für die Unabhängigkeit Tibets. 1994 gründete Yauch zusammen mit der Aktivistin Erin Potts die Stiftung Milarepa (benannt nach einem singenden tibetischen Mönch des 11. Jahrhunderts), mit der er Geld für die tibetische Unabhängigkeitsbewegung sammelte. Zwei Jahre später organisierte die Stiftung ein zweitägiges Festival in San Francisco, das Tibetian Freedom Concert. Es war das größte Benefizfestival seit Live Aid 1985, ihm folgten eine Tour und weitere Konzerte.

Die Alben, die die Band derweil veröffentlichte, blieben erfolgreich, auch wenn sie nicht mehr an die alte Klasse heranreichten. "To The 5 Boroughs" (erschienen 2004 nach acht Jahren Funkstille) thematisierte etwa die Anschläge auf das World Trade Center in der Heimatstadt der Beastie Boys. Es folgten "The Mix-Up" (2007) und "Hot Sauce Committee Part Two" (2011). Letzteres Album freilich war so nicht geplant gewesen. Es war die Krebserkrankung von Adam Yauch, die die ursprüngliche Veröffentlichung 2009 verhindert hatte.

Ungewöhnlich offen hatte sich Yauch in einem YouTube-Video an seine Fans gewandt und von seiner Erkrankung an Ohrspeicheldrüsenkrebs erzählt. Er unterzog sich einer Operation und einer Bestrahlung. Als zwei Jahre später das nun wahrscheinlich letzte Album der Beastie Boys erschien, wurde es von dem großartigen halbstündigen Film "Fight for Your Right Revisited" begleitet, in dem sich Stars wie Elijah Wood, Steve Buscemi, Kirsten Dunst, Orlando Bloom, Jack Black und Susan Sarandon die Klinke in die Hand gaben.

Es war wie ein Kreis, der sich schloss: Vom ersten Album bis zum letzten. Im April diesen Jahres wurden die Beastie Boys schließlich in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen. Adam Yauch, der Musiker, Regisseur, Produzent, Menschenrechtler und Vater einer Tochter, konnte aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht an der Zeremonie teilnehmen.

Quelle: n-tv.de

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