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Vom Laufsteg ins Berghain Berliner Fashion Week erfindet sich neu

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Die Fashion Week wurde mit der Show des deutsch-polnischen Shootingstars Dawid Tomaszewski eröffnet.

imago/Pacific Press Agency

Jahrelang hat Berlin versucht, mit Modemetropolen wie Mailand, Paris oder London zu wetteifern. Pünktlich zum Start der diesjährigen Fashion Week besinnt sich die Stadt auf ihre eigenen Stärken.

Natürlich gibt es noch die Frauen mit den superlangen Beinen, die Klamotten, von denen jeder Normalo nur träumen kann, und die Partys, die bloß mit Geheimcode zugänglich sind. Aber sonst ist bei der Berliner Modewoche in diesem Jahr ziemlich viel anders als sonst. Wichtigster Einschnitt: Das glamouröse Zelt am Brandenburger Tor hat endgültig ausgedient, mit dem Marathon an Laufstegschauen ist es vorbei. Stattdessen zeigt der bisherige Sponsor Mercedes-Benz im herben Industriecharme des Berliner E-Werks nur noch ein Dutzend Spitzendesigner wie Ivanman, Riani oder Bogner und konzentriert sich ansonsten auf die Nachwuchsförderung. Trotzdem werden erneut rund 100.000 Besucher erwartet. Den Auftakt machte am Montagabend der deutsch-polnische Desinger Dawid Tomaszewski.

"Die Schau auf dem Laufsteg ist ein altes Modell, das hat sich längst überholt", sagt Anita Tillmann. Die 45-Jährige ist als Geschäftsführerin der Premium-Gruppe allein für vier der acht parallel laufenden Einzelmessen verantwortlich, sie gehört zu den einflussreichsten Strippenzieherinnen der Szene. "Heute ist die Fashion Week ein strategisch-freundlicher Zusammenschluss aller Mode-Events - kreativ, innovativ und zukunftsorientiert", sagt Tillmann, auch im Vorstand des Fashion Council Germany. Erstmals hat der 2015 von ihr mitgegründete Zusammenschluss führender Branchenvertreter die Kalenderführung übernommen, er tritt als eine Art Kurator für das stadtweite Großevent auf.

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Bei Dawid Tomaszewski regieren Samt und Seide.

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

Besonders stolz sind die Verantwortlichen, dass sie den wegen seiner Karriere nach Mailand ausgewanderten Luxusdesigner Damir Doma wieder für die Heimat zurückgewinnen konnten. Der 36-Jährige zeigt seine Damen- und Herrenkollektion für den kommenden Herbst und Winter erstmals exklusiv in dem neuen Eventformat Fashion Hab - die Halle des legendären Technoclubs Berghain ist dafür gerade recht.

Auch die Kreativplattform "Berliner Salon" im Kronprinzenpalais hat mit Perret Schaad, Marina Hoermanseder, William Fan und anderen wichtige Trendsetter. Daneben präsentieren sich viele Designer mit eigenen Shows an ungewöhnlichen Orten - wie Strenesse auf einer riesigen Multimedia-Leinwand im "Brandenburger Tor Museum" oder Marc Cain im U-Bahnhof Potsdamer Platz.

Deutsche Technologie in der Mode nutzen

"Unser erklärtes Ziel ist es, den deutschen Modestandort mit allen Facetten im In- und Ausland zu stärken", sagt der Geschäftsführer des Fashion Council, Scott Lipinski. Neben der Nachwuchsförderung gehörten dazu vor allem der brancheninterne Dialog und die Auseinandersetzung mit den Folgen von Digitalisierung und Globalisierung.

So diskutierten bei einer Konferenz von "Zeitmagazin" und "Vogue" internationale Experten, vor welchen Umbrüchen das globale Modesystem steht, und bei der "Fashiontech" geht um die Zukunft der Branche. Gerade aus der Verbindung von Modedesign, Technologie und innovativen Materialien ergäben sich große Chancen, sagt Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. "Hier kann Deutschland seine Technologiestärke auch in der Modeindustrie nutzen."

Schon heute ist die Textil- und Bekleidungsindustrie mit etwa 1400 Unternehmen und rund 135.000 Beschäftigten die zweitgrößte Konsumgüterindustrie in Deutschland, berichtet der Gesamtverband Textil und Mode. Allein im vergangenen Jahr entstanden nach Angaben von Präsidentin Ingeborg Neumann 1350 neue Arbeitsplätze. Auch für Berlin, das in der Vergangenheit mit dem Label "arm, aber sexy" für sich warb, ist die Mode ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ressortchefin Ramona Pop (Grüne) hält deshalb gerade die neuen Formate und die Vorstellung innovativer und nachhaltiger Geschäftsmodelle für einen großen Pluspunkt: "Berlin kann auf beeindruckende Weise mit den anderen Modestädten mithalten."

Quelle: n-tv.de, Nada Weigelt, dpa

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