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"Fühle mich nicht als Deutscher" Boris Becker rechnet ab - und gesteht Fehler

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Schüttet sein Herz aus: Boris Becker.

(Foto: picture alliance / Rolf Vennenbe)

Boris Beckers Leben gleicht einer Achterbahn. Zuletzt schien es dabei vor allem bergab zu gehen. Viel wurde geschrieben und spekuliert - über seine finanzielle Situation, aber auch den Zustand seiner Ehe. Jetzt spricht Becker selbst Tacheles.

Vieles wurde in den vergangenen Wochen über Boris Becker gesprochen und berichtet - vor allem im Zusammenhang mit seinen Finanzen. Erst kürzlich gab er der "Neuen Zürcher Zeitung" in einem Interview selbst Auskunft über seine Lage. Im Gespräch mit "Gala" zeigt sich Becker nun zudem als Familienmann, der auch Fehler eingestehen kann.

Er fühle sich "befreiter, auch etwas leichter", nachdem er sich vor Kurzem erstmals zu seiner Lage geäußert habe, so Becker im "Gala"-Gespräch. Zugleich wolle er aber klarstellen, "dass ich nach wie vor sehr gut im Geschäft bin und weiterhin gut dotierte Verträge habe. Was mein Insolvenzverfahren in England angeht, nähern sich die Parteien in außergerichtlichen Schlichtungsgesprächen und sind bemüht, eine gütliche Lösung zu finden."

"Vorsichtiger als früher"

Er könne seine Fehler durchaus eingestehen, so Becker. "Weder als Tennisspieler noch als Unternehmer habe ich jedes Spiel gewonnen." Gelernt habe er, dass man in Krisenzeiten sehe, wer die "wahren Freunde und Feinde" seien. Die Situation scheint einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, denn "alles, was an Jungfräulichkeit da war, das ist jetzt vorbei". Das habe "auch etwas mit Erwachsenwerden zu tun, ein Stück auch mit mehr Realitätsnähe". Skeptischer als früher sei er aber nicht grundsätzlich. Er wolle "weiterhin positiv und offen bleiben gegenüber Menschen". Allerdings sei er auch "vorsichtiger als früher".

Für seine Familie sei es zuletzt "eine schwierige Phase" gewesen, aber "auf der anderen Seite hat uns das alles noch fester zusammengeschweißt", so Becker. Nun wolle er nicht mehr zulassen, "dass Fremde irgendwas behaupten, das nicht stimmt." Das sei seine Verantwortung seiner Familie gegenüber "und der werde ich gerecht". Er habe mit seiner Frau Lilly und seinen Kindern Amadeus, Anna, Elias und Noah geredet und alle ihre Fragen beantwortet.

Einen Streit habe es zwischen ihm und Lilly nicht gegeben, "aber es gab ehrliche und laute Diskussionen". Eine Trennung sei bei all dem "nie ein Thema" gewesen. "Wenn man eine langjährige Ehe führt, dann ist da natürlich nicht nur Sonnenschein, das macht eine Beziehung aber auch aus, das ist normal." Mit dem Insolvenzverfahren habe das allerdings nichts zu tun. Das habe ihn und seine Frau eher enger zusammengebracht.

"In Deutschland instrumentalisiert"

Eher entfremdet scheint sich Becker dagegen von seinem Geburtsland zu fühlen. "Ich werde wohl nicht mehr nach Deutschland zurückkommen, aber ich trage Deutschland immer in mir, ich bin ein Deutscher im Ausland. Ich habe einen deutschen Pass, aber ich fühle mich nicht als Deutscher. Mein Zuhause ist London", sagt er im "Gala"-Interview. Seit er 1985 in Wimbledon gewonnen habe, werde sein Name in Deutschland instrumentalisiert, "im Positiven wie im Negativen".

Gesundheitlich gehe es ihm nach einer Operation am Sprunggelenk wieder gut, erklärt Becker, der am 22. November 50 Jahre alt wird. Angst vor dem Älterwerden habe er nicht. "Ich freue mich auf das Alter. Ich bin immer auf der Überholspur gefahren. Ich habe immer intensiv gelebt und ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn ich einen Gang runterschalten könnte." Nach all den Geschehnissen der letzten Wochen und Jahre gehe er nun auch anders mit sich selbst um. "Ich räume gerade mit den letzten 18 Jahren auf, ganz und gar, und kann jetzt mit 50 noch einmal neu und frei beginnen. Das ist meine Chance."

Quelle: n-tv.de, vpr/spot

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